CO2-Filter-Pilotanlage-Anlage in der Schweiz, © Climeworks AG
CO2-Filter-Pilotanlage-Anlage in der Schweiz, © Climeworks AG

Computerspielfreaks kennen das gewiss aus Strategiespielen wie Sid Meier’s Civilization*: Die eigene Welt blüht auf durch Industrie und Fabriken – endlich kann man die eigene Zivilisation waffen- und wohlstandstechnisch auf Vordermann bringen. Doch dann kommt das böse Erwachen: Das CO2 erwärmt alles und die Menschen leiden, Felder verdorren. Eine technologische Erfindung muss her, um die Treibhausgase aus der Atmosphäre zu filtern.

Genau das wird derzeit in großem Maßstab erforscht und umgesetzt.
Nach äußerst vielversprechenden Versuchen mit von Ingenieuren entwickelten Kunststoffbäumen*, die CO2 in sehr hoher Effizienz aus der Atmosphäre speichern, stellte die Schweizer Firma Climeworks AG eine Apparatur vor, die in der Lage ist, gleiches zu verrichten. Alles wettertechnisch Gute kommt aus der Schweiz, möchte man frohlocken. Doch um was für ein Gerät handelt es sich da eigentlich?

Eigenschaften und Funktionsweise des Filters von Climeworks

Die Funktionsweise des CO2-Filters ist denkbar einfach. Die Öffnungen saugen Luft ein, die durch einen schwammähnlichen Filter geführt wird, der das Kohlendioxid herausfiltert.
Die Frage stellt sich anschließend: Wohin mit dem gefährlichen Treibhausgas? Hier bietet Climeworks eine äußerst sinnige und kluge Lösung an:

1. Schritt: Luft wird eingesaugt, von CO2 durch Filter befreit und die „treibhausgasbereinigte“ Luft wird wieder ausgestossen.

2. Schritt: Die mit CO2 gesättigten Filter werden über die Abwärme einer benachbarten Müllverbrennungsanlage auf 95 Grad erhitzt.

3. Schritt: Die Filter sind dadurch wieder entleert und können erneut verwendet werden

4. Schritt: Das wieder freigesetzte Kohlendioxid kann in Treibhäuser geleitet werden, wo es zum Pflanzenwachstum beiträgt und von diesen absorbiert wird oder für die Getränkeindustrie* zur Verfügung gestellt werden.

Die Technik kann als durchdacht, ökologisch sinnvoll und klimatisch als theoretisch funktionierende Lösung bezeichnet werden. Nach Angaben von Climeworks kann eine einzelne Anlage 900 Tonnen CO2 im Jahr aus der Atmosphäre filtern.

Vergessen darf man jedoch nicht, dass die Anlage Strom benötigt, was wiederum CO2 produziert statt es zu vermeiden. Rechnen wir einmal. Nach Angaben des Herstellers verbraucht die Anlage 200 bis 300 Kilowattstunden (kWh) pro Tonne gefiltertem CO2. Bei klimagünstigem Strom aus Atomkraftwerken oder Solar- und Windtechniken kommen etwa 30g CO2 auf 1 kWh Strom. Das wären dann 90 kg CO2 durch Strombedarf bei 1 Tonne gefiltertem CO2 aus der Luft . Bei jährlich 900 Tonnen gefiltertem CO2 fallen als „Kosten“ 81 Tonnen CO2-Produktion durch Strom an. Somit bleiben 819 Tonnen CO2-Minderung in der Gesamtbilanz und somit natürlich weiterhin ein deutlich positiver Effekt. Möglich, dass in den 900 Tonnen CO2-Ersparnis bereits die Stromkosten enthalten sind, das wird aber aus der Website von Climeworks nicht deutlich, die beide Werte (Filterung von 900 Tonnen pro Jahr und Stromkosten von 200-300 kWh pro Tonne CO2) getrennt aufführt.

Geo-Engineering wie Climeworks: Rettet uns das?

Das klingt angesichts von einer weltweiten Emission von 50 Milliarden Tonnen CO2 (Tendenz weiter steigend trotz Klimakonferenz-Farce) nicht viel.
Allerdings muss man die Filteranlage von Climeworks nicht als das Wunderheilmittel ansehen, sondern als Bestandteil einer globalen, nachhaltigen Strategie, die CO2-Zahlen drastisch zu reduzieren. Dazu ist es nicht nur notwendig, das CO2 aus der Atmosphäre zu filtern, sondern natürlich auch gleichzeitig die Emissionen weiter drastisch zu senken. Mit anderen Worten: Wir befinden uns in einem Wettlauf gegen die Zeit um das eigene Überleben. Nur wenn die CO2-Werte soweit sinken, dass sich nach 10-20 Jahren eine positive Auswirkung in den Werten der Atmosphäre zeigt, ist es überhaupt denkbar, das 2-Grad-Ziel einer globalen Erwärmungsgrenze zu erreichen. Und selbst dann sind die Chancen, dass die Erde sich aufgrund dieser 2 Grad noch weiter erwärmt, trotzdem gegeben, weil klimatologische Kipppunkte und unberücksichtigte Folgen der 2-Grad-Erwärmung heute nicht bekannt oder unterschätzt werden. Allein die aktuelle Erwärmung von global 1 Grad heute setzt in größeren Mengen Methan frei, das etwa 30 mal schädigender als CO2 in der Atmosphäre zum Treibhauseffekt beiträgt. Sollte eine 2-Grad-Erwärmung global den Permafrost in Sibirien beenden, wären die Folgen aus heutiger Sicht nicht kalkulierbar und möglicherweise fatal.

Steigt und steigt ... CO2 wird unkontrollierbar nach den Werten. © <a target="_blank" href="http://www.esrl.noaa.gov/gmd/ccgg/trends/">NOAA</a>
Steigt und steigt … CO2 wird unkontrollierbar nach den Werten. © NOAA

Insofern sind Geräte wie der Filter von Climeworks ein guter Anfang. Im Geo-Engineering-Bereich kann man solche Methoden als harmlose und gleichzeitig effektive Methoden zur Rettung unserer Welt ansehen, während die „Geo-Engineering-Keule“ wie das Hantieren mit Spiegeln im Weltraum zur Blockierung des Sonnenlichts und den Einsatz chemischer Mittel oder direkter Beeinflussung der Atmosphäre mit Wolkenbildungsschiffen zu unkontrollierten Rückkopplungen im Wettersystem Erde führen können, die am Ende die Katastrophe beschleunigen.
Die Idee, Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu filtern, wurde bereits in der Form von „Kunstbäumen“ vorgeschlagen, die beispielsweise an Autobahnen oder in Städten das CO2 erstaunlich effektiv aus der Luft aufnehmen können und aktuell gibt es auch in den USA ähnliche Bestrebungen, wie Climeworks Geräte zu entwickeln, die CO2 aus der Atmosphäre filtern können – was international knapp und treffend als „Air Capture“ bezeichnet wird.

Ein Nachteil der Apparatur sind die Kosten. Bei vergleichbaren „Air Capture“-Apparaten in den USA werden die Kosten von nur 1 Tonne gefiltertem CO2 auf 600 Dollar beziffert. Wie sich die klimaheilende Wirkung wirtschaftlich umsetzen lässt, steht daher noch auf einem anderen Blatt. Denn nur, wo ein Nutzen und ein monetärer Vorteil gesehen wird, kann sich am Ende eine Technologie in unserer Zeit durchsetzen.
Denkt man über die Maßnahmen zur CO2-Filterung politisch weiter, dann liegen die Probleme auf der Hand: Eine linkspolitische Vorstellung, dass nicht der Steuerzahler, sondern die Industrie, die die Emissionen produziert, den ganzen Aufwand bezahlen soll, ist letztlich eine weltfremde Fantasie, die zu einem Scheitern des überaus wichtigen Projekts führen würde.

Zudem ist es nur schwer vorstellbar, dass sich CO2-Filter global errichten ließen, vor allem nicht in Krisenregionen, von denen es heutzutage mehr gibt als stabile Länder. Allerdings sind die reichen Industriestaaten mit Abstand die größten Emittierer von Treibhausgasen, sodass auch hier zuerst der Hebel angesetzt werden sollte.

Globale Temperaturentwicklung Ozean im jeweiligen Monat November der Jahre 1880 bis 2015 in Grad Celsius, © NOAA
Globale Temperaturentwicklung Ozean im jeweiligen Monat November der Jahre 1880 bis 2015 in Grad Celsius, © NOAA

Ob die „Air Capture“-Geräte, selbst wenn sie sich durchsetzen, ausreichen, um die Menschheit vor der Selbstverbrennung zu retten, sei dahingestellt. Allein die Erwärmung der Ozeane ist irreversibel. Dort können keine Geräte zum Einsatz kommen, die in der Tiefsee, die als Kohlenstoffsenke dient, das CO2 herauszufiltern. Mit anderen Worten: Die Ozeane werden immer wärmer und das CO2 in ihnen wird noch für Jahrhunderte oder Jahrtausende wirken, ohne dass wir irgend etwas dagegen unternehmen könnten.
Es wäre natürlich falsch, trotz dieser Zukunftsaussichten den Kopf in den heißen Sand zu stecken und wie bisher verantwortungslos weiterzumachen. Insofern darf man für Innovationen wie den CO2-Filter von Climeworks dankbar sein, der nicht nur das klimatische Problem löst, sondern zu recht weiterdenkt und den wirtschaftlichen Nutzen berücksichtigt. So könnte ein Erfolg möglich sein und die Menschheit wäre ein Stück weiter auf dem langen, steinigen Weg, ihre Fehler der Vergangenheit zu beheben.

CO2-Filter-Pilotanlage-Anlage in der Schweiz, © Climeworks AG
CO2-Filter-Pilotanlage-Anlage in der Schweiz, © Climeworks AG
  • Alptraum der Sofeten

    Gut zu wissen das es so etwas überhaupt gibt. Sollten die Angaben wirklich stimmen wäre das doch ein kleiner Erfolg gegen das CO2. Wie immer Informativer Artikel, danke Michael 🙂
    (Sid Meier’s Civilization ist Super)

    • Ich zocks auch seit ewigen Jahren immer mal wieder 😉