Es lohnt sich aktuell einen näheren Blick auf Islands Vulkan Hekla zu werfen.
Der deutsche Vulkanologe Marc Szeglat berichtet auf seinem Blog über eine erhöhte Seismik des Vulkans. Das ist nicht gleichbedeutend mit einer festen Zielvorstellung, dass der Vulkan in Tagen ausbricht, sondern lediglich ein Indiz und ein auffälliges Verhalten.
Um ein besseres Verständnis für die Lage zu erhalten, schauen wir uns die (und nicht „den“) Hekla genauer an.

Hekla: Die rotglühende Haube

Was sich wie eine zornige nordische Göttin anhört, ist leider nur das isländische Wort für „Haube“ und passt zu dem spitzkegeligen Aufbau dieses Schichtvulkans im Südwesten Islands. Ein Schichtvulkan baut sich Schicht für Schicht aus Ausbrüchen zu immensen Größen auf.

Hekla: Die Ruhe trügt ... © <a target="_blank" href="https://www.flickr.com/photos/cogdog/3048600668/">Alan Levine auf flickr.com</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>, hier: Schärfe und Kontrast verändert
Hekla: Die Ruhe trügt … © Alan Levine auf flickr.com, Lizenz: CC BY 2.0, hier: Schärfe und Kontrast verändert

Schichtvulkane sind typisch für Subduktionszonen, also Zonen, wo die Erdkruste unter eine andere Kontinentalplatte hinabtaucht und dabei Gestein aufschmilzt und mit Wasser zu einer explosiven Mischung als Magma wieder nach oben führt.

Bei den meisten Vulkanen, die in jüngerer Zeit ausgebrochen sind, handelt es sich um Schichtvulkane, die zudem eine höhere Rate explosiver Ausbrüche aufweisen.
Übrigens gründet auch das deutsche Mittelgebirge des Kaiserstuhls auf einem inzwischen vermutlich erloschenen Schichtvulkan.

Ausbruchsverhalten der Hekla

Die Hekla ist 6600 Jahre alt und ist 1991 und 2000 zum letzten Mal ausgebrochen.
Heikel ist die Beobachtung aus dem Jahr 2011, dass sich durch Magmaaufstieg eine Beule gebildet hat, die zudem größer ist als bei den beiden vorherigen Ausbrüchen, die gut dokumentiert sind.
Die letzten 3 Ausbrüche fanden im Intervall von 9-10 Jahren statt. Aus dieser Perspektive gesehen ist mit 16 Jahren Pause mittlerweile das jüngste statistische Intervall überschritten, sprich: Der Vulkan ist 6 Jahre überfällig.
Vor 1991 fanden jedoch nur alle 30 bis 70 Jahre Ausbrüche statt.
Dennoch lässt sich aus dieser Perspektive festhalten, dass die Hekla auch aufgrund der Bodenhebung einen erneuten Ausbruch vorbereitet. Dieser kann jedoch morgen erfolgen oder doch erst in 20 Jahren.

Nicht jeder Ausbruch geschieht jedoch in einer Größenordnung, die uns klimatisch nützlich wäre, um die Nordhalbkugel für eine Weile gegen die Klimakatastrophe klimatisch zu schützen, indem die Schwefeldioxidgase in die Stratosphäre gepumpt werden.
Viele Ausbrüche der Hekla wiesen nur geringe Explosivität auf, wie es bei den Vulkanen auch ganz normal ist. Ein explosiver Ausbruch ist immer die Folge ungewöhnlicher Umstände und beruht auf dem Zusammenspiel vieler Faktoren, darunter auch einer Anreicherung des Magmas mit Gasen.

Eine jüngste Untersuchung hat festgestellt, dass vor einem Ausbruch quasi die Ruhe vor dem Sturm eintritt und der Vulkan sich scheinbar beruhigt, wie GeoHorizon über eine Studie berichtet:

Diese Ruhe erstreckt sich aber lediglich auf einen Zeitrauam von lediglich 30 Minuten maximal und nicht von Tagen!

Prof. Einarsson von der Universität Island jedoch behauptet, dass die Hekla jederzeit ausbrechen kann und warnt Touristen davor, den Vulkan zu besteigen – immerhin ist die Hekla eine von Island größten Touristenattraktionen: http://icelandmonitor.mbl.is/news/nature_and_travel/2016/06/20/iceland_s_hekla_volcano_ready_to_blow/

Wann bricht die Hekla aus?

Trotz all der Technik, die wir heute anwenden und einsetzen, können auch die Wissenschaftler nicht exakt prognostizieren, wann die Hekla ausbricht oder ob es überhaupt geschieht.
Es bleibt somit einmal mehr wie beim Wetter die Einschätzung von Wahrscheinlichkeiten. Und hier ist allein der Umstand außergewöhnlich, dass es niemanden überraschen würde, wenn die Hekla jederzeit ausbricht so wie 2014 der Bardarbunga.

Gipfel der Hekla im Jahr 2005, © <a target="_blank" href="https://www.flickr.com/photos/61732101@N00/362839380/">Borkur Sigurbjornsson auf flickr.com</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>
Gipfel der Hekla im Jahr 2005, © Borkur Sigurbjornsson auf flickr.com, Lizenz: CC BY 2.0

Jeden Tag fieberhaft die Nachrichten zu verfolgen lohnt allerdings auch nicht, denn es ist wahrscheinlicher, dass sich die Hekla noch einige Zeit lässt. Die Vorgänge im Vulkan können sowohl den Druck erhöhen oder auch zu einer Entspannung beitragen.
Da es sich bei der Hekla um einen gut „verkabelten“ Vulkan handelt, werden Warnsignale wie eine Erhöhung der Bodentemperatur, abnorme Hebungsraten des Bodens und eine erhöhte Ausgasung von Kohlendioxid und Schwefeldioxid uns früh genug über eine bevorstehende Eruption informieren, die wir wie beim Bardarbunga im Internetzeitalter nahezu live miterleben können.

Artikel zum Thema Vulkane
Können Erdbeben Vulkane auslösen?
Die Klimakatastrophe aktiviert Gletschervulkane
Supervulkanausbruch innerhalb von Tagen durch Gassättigung?
Gibt es mehr oder weniger Vulkanausbrüche durch die Klimakatastrophe?
Wieviel Einfluss haben Vulkanausbrüche auf das Klima?
Wieviel tragen kleinere Vulkanausbrüche zum Klimaschutz bei?
Ausbruch des Bardarbunga (2014)




Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bitte ich Sie um eine kleine Spende, die Sie für angemessen halten.
  • Michael Bodin

    Juhu, endlich wieder ein klasse Artikel zu Vulkanen…