Wie warm war die Mittelalterliche Warmzeit wirklich?
Wie warm war die Mittelalterliche Warmzeit wirklich?

Das Mittelalter* scheint gerne als Symbol verwendet zu werden.
Mal ist es „das dunkle Mittelalter“, das es überhaupt nicht war (und als studierter Historiker, der sich 12 Jahre lang tagein, tagaus mit dem Thema fachlich an der Uni Münster beschäftigt hat, darf ich das einmal so ohne Belege hinstellen, da es nicht zum Thema hier und heute gehört) und ein Symbol für vermeintlich unzivilisatorisches Verhalten. Und mal ist es aufgrund der sogenannten „mittelalterlichen Warmzeit“ (auch: „mittelalterliches Klimaoptimum“ in sofetischer Sprachauslegung) die Erlöserepoche für Klimafantasten, die beweisen wollen, dass es
(a) früher schon globale Erwärmungen gab und der Klimawandel nur ein Politikerkonstrukt ist, um Geld zu scheffeln und
(b) dass die globale Erwärmung ein Segen ist wie für die Menschen im Mittelalter.

Leider sind beides Halbwahrheiten.
Leider ist beides letztlich grundlegend falsch.
Die philosophische Kardinalfrage lautet natürlich zu recht immer: „Warum“?

Vergleich zur Klimakatastrophe: Wie warm wurde es im Mittelalter und wie lange?

Um die aktuelle Klimakatastrophe, die das menschliche Leben auf Erden bedroht, mit der angeblich „angenehmen“ Warmzeit des Mittelalters zu vergleichen, sind wir gezwungen, zunächst mit Zahlen zu hantieren.

Die Warmzeit im Mittelalter beläuft sich etwa auf die Jahre 1000 bis 1300.
Tatsächlich weiß jeder Historiker, dass mit dem Jahr 1000 eine Aufbruchszeit in vielerlei Hinsicht einherging: Bevölkerungswachstum in extremem Maße und auch politisch wirbelt das Reformpapsttum das Denken der Zeit durcheinander. Es kommt zum Konflikt Papst und Kaiser und zum Ersten Kreuzzug 1095 (Rede des Papstes von mir in einer Uni-Arbeit analysiert*) mit massiven gesellschaftlichen Folgen.

Der Klimaerwärmung allein ist die Bevölkerungsexplosion jedoch nicht zu verdanken. Bereits in der Karolingerzeit im 7. und 8. Jahrhundert setzte eine Bevölkerungsentwicklung ein, die auch aufgrund von Entwicklungen wie dem Kummet (Zugpferdgeschirr) weiter gesteigert werden konnte. Die Erwärmung gesellt sich hier also nur akzidentell zu einer Summe von begünstigenden Faktoren, sodass allein hier schon die vermeintlich alleingültige Bedeutung der mittelalterlichen Warmzeit als Segen für die Menschheit zumindest relativiert wird.

Eine interessante, wenn auch gewagte These, die ich schon einmal vorgestellt hatte in Form eines Videos von Prof. Lesch* besagt, dass die massiven Rodungen in Kombination mit der extensiveren Landwirtschaft zu der Klimaerwärmung geführt haben – also heutigen Zeiten nicht unähnlich.
Man macht sich hier oft falsche Vorstellungen: Der Holzabbau wurde so intensiv betrieben, dass mancherorts nur noch kahle Landschaften zu sehen waren. Das Holz war nahezu der einzige Baustoff im Mittelalter und die wachsende Gesellschaft, allen voran die Städtekultur, deren heutige Form im 12. und 13. Jahrhundert ihre Wurzeln besitzt, benötigte Unmengen davon. Heute gilt die Bewaldung Europas als deutlich höher als im Mittelalter (!)
Prof. Leschs These geht noch weiter: Bei Landwirtschaft (ebenso wie Reisanbau in Asien) wird Methan produziert. Wenn gleichzeitig neben diesen nicht zu unterschätzenden Mengen Methan (1 Teil Methan ist so treibhausgasschädlich wie 30-40 Teile CO2) Wälder als CO2-Speicher vernichtet werden bei einer gleichzeitigen Bevölkerungsexplosion, dann erkläre dies die Klimaschwankung bereits. Mehr noch: Als die Pest im 14. Jahrhundert dann die Menschen zu Millionen hinwegrafft (in Europa und in Asien), liegen nicht nur die Felder brach und die landwirtschaftliche Produktion bricht ein, sondern die Natur nimmt sich zurück, was an „Kulturland“ ihr gestohlen wurde: Die Bewaldung nimmt wieder zu. Und tatsächlich verzeichnen Klimatologen ab der Pest plötzlich eine globale Abkühlung. Zufall? Oder ein Beleg für diese erstaunliche These?

Kommen wir jedoch zurück zur mittelalterlichen Warmzeit.
Wie warm war die Warmzeit eigentlich, verglichen zu heute?
Und auch da erleben wir wieder eine Überraschung der intellektuellen Art. Die Forschungen sprechen in der Bandbreite auf der einen Seite von lediglich 0,2 bis 0,4 Grad Erwärmung über dem damals geltenden Mittel und auf der anderen Seite bis maximal 2,0 Grad Celsius über dem Mittel.
Die herrschende Meinung hat sich auf die Aussage verständigt, dass die Erwärmung im Mittelalter den gleichen Stand wie Ende des 20. Jahrhunderts aufwies. Wir befinden uns also schon längst in einer vergleichbaren Warmzeit. Mit dem Unterschied, dass die Erwärmung anschließend im Spätmittelalter wieder verschwand, die aktuelle Klimakatastrophe jedoch gerade erst begonnen hat und entgegen Fantastereien auf Klimakonferenzen von 2,0 Grad Begrenzung eine galoppierende Erwärmung von 5 bis 10 Grad global im Laufe von zwei Jahrhunderten über die Wirkung klimatologischer Kipppunkte sehr viel wahrscheinlicher ist.

In einer Grafik dargestellt zeigt sich dann auch ganz klar im Vergleich mit unserem heutigen Klima, dass es sich völlig offensichtlich nicht mehr um eine natürliche Schwankung handeln kann, sondern um ein exorbitantes außer Kontrolle geratenes globales Experiment durch den Wahnsinn des Homo sapiens, der über technologisch unfassbare Möglichkeiten verfügt, während sein Gehirn sich offenbar nicht weiterentwickelt hat.

Rekonstruktion der globalen Temperatur der vergangenen 2000 Jahre nach verschiedenen Quellen, © <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalterliche_Warmzeit#/media/File:Temperature_Reconstructions_0-2006_AD.png">Jbo166 auf commons.wikimedia.org</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/deed.en">CC BY-SA 2.5</a>
Rekonstruktion der globalen Temperatur der vergangenen 2000 Jahre nach verschiedenen Quellen, © Jbo166 auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 2.5

Die großen Unterschiede in den verschiedenen Rekonstruktionsquellen beruhen darauf, dass ein Nachweis des exakten Temperaturverlaufs nur indirekt erfolgen kann mittels Dendrochronologischer Verfahren (das ist die Geschichte mit den Jahresbaumringen), Eisbohrkernen und anderer interdisziplinärer Verfahren und letztlich Schwankungen aufweisen. Die heutigen Daten hingegen sind gemessen und mit geringer Fehlerrate sicher.

Warum ich also von einem „Galoppierenden Effekt“ und schlichtweg die potentielle Selbstauslöschung des Homo sapiens für möglich halte, sollte allein aufgrund dieser Grafik sofort einleuchten. Wem das nicht einleuchtet, sei nochmals der Artikel über die Klimatologischen Kipppunkte und zur Artenauslöschung, die bereits stattfindet, empfohlen.

Ein Wort schließlich noch zu dem Punkt, ob die mittelalterliche Warmzeit wirklich nur gut für den Menschen war.
Menschen neigen dazu, über Scheuklappen für ihren Kulturraum zu verfügen. Mit anderen Worten: Für Nordwesteuropa mag die Warmzeit im Mittelalter durchaus positive Wirkung gezeigt haben (als nicht ernst gemeinten Zynismus könnte man jetzt augenzwinkernd sagen: Wir hätten sonst nie so effektiv die Kreuzzugsschlächtereien umsetzen können).
Forschungen haben jedoch gezeigt, dass die mittelalterliche Erwärmungsphase global ähnliche negative Effekte hervorgerufen hat wie heutzutage: Sprich Dürren in anderen Kontinenten, darunter belegte extreme Dürren in Südchina und Nordamerika.
Das führt uns zu der Suche nach den klimatischen Ursachen für die mittelalterliche Warmzeit abseits der Lesch’schen Theorie (vgl. oben).

Grönland ein „grünes Land“ und Beweis für die Vorteile einer Warmphase?

Zuletzt müssen wir noch die Mär zerstören, dass Grönland als „Vorzeigebeispiel“ einer Klimakatastrophe im Mittelalter eisfrei und grün war.
Tatsächlich verhält es sich so wie in unseren Tagen, dass die Südküste Grönlands eisfrei war und eine Besiedlung möglich war. Sofeten wissen wohl nicht, dass in Grönland einige Städte existieren, über 56.000 Menschen dort leben und die Insel der dänischen Krone gehört: https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_cities_and_towns_in_Greenland

Auch ohne Klimakatastrophe möglich: Stadt Tasiilaq auf Grönland, © <a target="_blank" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Tasiilaq#/media/File:Tasiilaq_-_Greenland_summer_2009.jpg">Chrissy auf commons.wikimedia.org</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.en">CC BY 2.0</a>
Auch ohne Klimakatastrophe möglich: Stadt Tasiilaq auf Grönland, © Chrissy auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY 2.0

Tatsächlich scheint es eine Übertreibung Eriks des Roten gewesen zu sein, wenn er von „Grünland“ sprach. Denn er war 982 zum Exil von Island verurteilt worden und siedelte und erkundete Grönland in dieser Zeit. Als er zurückkehrte, musste er Getreue überzeugen, mit ihm nach Grönland zu gehen. Somit scheint „Grünland“ also etwas übertrieben dargestellt worden zu sein. Die klimatische Lage wird der heutigen entsprochen haben. Tatsächlich hielt sich die Wikingische Kolonie mehr schlecht als recht und wurde dann um 1350 aus unbekannten Gründen aufgegeben oder zerstört.

Grönland somit als Beispiel für einen vermeintlichen Wärmesegen der Klimakatastrophe darzustellen, widerspricht historischen Quellen, der klimatologischen Geschichte und den Tatsachen. Nichts neues für Sommerfetischisten, die unreflektiert und ohne es zu prüfen, alles glauben, was nur annähernd der Legitimation ihrer perversen Hitzesucht dienlich ist (Quelle: Wikipedia).
Denn ob es sinnvoll ist, dass ganz Grönland trotz seiner nördlichen geografischen Lage durch die Klimakatastrophe eisfrei und zum letzten Zipfel der bewohnbaren Welt wird, während der Rest der Welt in Hitze und Tod versinkt, wage ich zu bezweifeln …

Es zählt hier weit mehr das Wort eines Schweizer Studenten, der auf Forschungsreise vor Ort die Realität erkennt: „Vor allem aber wurde mir bewusst, wie fragil solche Ökosysteme sind. Eine kurzzeitige Erwärmung von nur wenigen Graden in der Arktis führt paradoxerweise zu einer Nahrungsmittelknappheit, welche indirekt ganze Tiergemeinschaft­en hart zu spüren bekommen.“ (http://n.ethz.ch/~crameris/)

Dies ist etwa keine günstig daherkommende Rechtfertigung für Kälte, sondern ganz einfach die Realität und warum es auch mit dem Blick auf Grönland wichtig ist, dass wir die Klimakatastrophe mit allen Mitteln bekämpfen, die möglich sind – um Tierarten zu retten, die Lebewesen sind, für die wir alle als Menschen die Verantwortung tragen, und um uns selbst zu retten, weil wir immer noch und immer sein werden ein Teil der Nahrungskette, die wir derzeit mit der Massenauslöschung von Arten und der Biologischen Diversität soeben vernichten.

Die Suche nach den Ursachen: Vulkane, Golfstrom oder Sonne?

Ursachen für die „mittelalterliche Warmzeit“ gibt es viele, aber letztlich nicht jene, die Klimaskeptiker gerne sehen würden, nämlich eine völlig unerklärliche Schwankung des Klimas, das einfach schwankt, weil es zu schwanken hat, um die heutige Klimakatastrophe als Bedrohungsfaktor für die Menschheit auszuschalten, damit man sich in Ruhe der eigenen Hitzeperversion widmen kann.

Das Vulkanische Forcing* ist einer der Hauptgründe, die im Verdacht stehen.
Gibt es eine Phase mit weniger vulkanischer Aktivität, dann sinken die Anteile von Schwefelsäureaerosolen in der Atmosphäre und bewirken eine verminderte Reflektion, ergo eine verstärkte Sonnenstrahlung mit einer höheren Wattzahl pro Quadratmeter Erdboden und somit eine Erwärmung. Ein Nachweis ist hier schwierig und erfolgt auch nur indirekt über Aschenachweise in den Bodenschichten. Dennoch sind nach gegenwärtiger Forschung die Nachweise geringer vulkanischer Aktivität in der betreffenden Zeitperiode von etwa 1175 bis 1300 recht deutlich.

Die Sonne selbst ist ein weiterer Faktor.
Wir wissen, dass ihre Leuchtkraft und auch Emission von Plasma mittels des Sonnenfleckenzyklus schwankt. Gab es im 16. und 17. Jahrhundert eine sog. „Kleine Eiszeit“ durch eine Phase mit dem Abbruch von Sonnenflecken, so zeigt sich im Mittelalter das Gegenteil: Eine Phase deutlich erhöhter Aktivität, allerdings erst ab ca. 1050, während es noch um 1000 eine Phase deutlich reduzierter Aktivität gab.
Der Nachweis ist hier einfacher, da sich die Strahlungswirkung der Sonne über physikalische Verfahren gut nachweisen lässt.

Eine Darstellung der Sonnenstrahlung, der vulkanischen Aktivität („vulkanisches Forcing“) und der Temperaturen nach verschiedenen Modellen zeigt die möglichen Gründe für die mittelalterliche Warmzeit in ihren Einflußfaktoren in der Übersicht:

Einflussfaktoren auf das Klima und Temperaturverlauf seit 1100 Jahren. © IPCC Weltklimarat (http://www.ipcc.ch/publications_and_data/ar4/wg1/en/figure-6-13.html)
Einflussfaktoren auf das Klima und Temperaturverlauf seit 1100 Jahren. © IPCC Weltklimarat

Schließlich gibt es als dritten Faktor den Golfstrom.
Forschungen deuten auf eine Verstärkung der „Heizung“ Europas mit vermehrtem Zustrom tropischer Wärme im Rahmen der thermohalinen Zirkulation. Dass diese These erstaunlich gut belegt ist sollte allerdings dennoch nicht über die kritischen Stimmen hinwegtäuschen, nach denen der vermeintlich einfache Mechanismus des Golfstroms in seinem nordatlantischen Ausläufer und der dortigen AMOC sehr viel komplexer ist, als man denkt. Die aktuellen Fragen rund um den „Kalten Fleck“ im Atlantik und die nicht abreißende Diskussion um einen Abbruch des Golfstroms zeigen das sehr deutlich: AMOC und Windstress – Mögliche Erklärungen für den Kalten Fleck im Atlantik.

Die Schlussfolgerungen: Ein Vergleich zwischen Wasserbomben und der Wasserstoffbombe

Wenn also Klimafantasten und -skeptiker die mittelalterliche Warmzeit als Beweis heranziehen, dass die aktuelle Klimakatastrophe gut für die Menschheit oder nicht vorhanden sei, dann vergleichen sie nicht einmal Äpfel mit Birnen, sondern eine Wasserbombe mit einer Wasserstoffbombe.

Die dargestellten Belege sollten völlig klar machen, was im Grunde jedem einleuchten sollte: Weder in ihrem zeitlichen Verlauf noch qualitativ hat die mittelalterliche Warmzeit auch nur ein Jota mit der derzeit stattfindenden Klimakatastrophe zu tun.
Zitat Wikipedia: „Die Diskussion um Ausmaß und Folgen der laufenden und der wahrscheinlich zu erwartenden menschengemachten globalen Erwärmung bezieht sich somit sowohl was Geschwindigkeit wie auch was Ausmaß der Erwärmung anbetrifft auf einen historisch einzigartigen Vorgang, für den Erfahrungswerte weitestgehend fehlen und nur sehr spärlich in paleoklimatologischen Klimaproxys zu finden sind.“

„Sollten massive Reduktionen der Treibhausgasemissionen unterbleiben, wären die am Ende dieses Jahrhunderts mit hoher Wahrscheinlichkeit erwarteten globalen Durchschnittstemperaturen aber höher, als sie während der letzten mehreren hunderttausend Jahre global waren und womöglich sogar höher als sie je waren, seit es Homo sapiens gibt.“
(Wikipedia)

Dass Firmen, die nur an Gewinnen interessiert sind, Milliarden investieren, um Lügen zu streuen ist dabei ebenso Bestandteil der idiotischen Natur des Homo sapiens wie die Leichtgläubigkeit von Menschen, die auf Halbwissen von Klimaskeptikern hereinfallen, die nur deshalb vermeintlich seriös wirken, weil sie im Sinne des Zeitgeistes den korrupten Politikern die Schuld geben, dass diese die Klimakatastrophe zur Geldmittelgenerierung ihrer Bürger missbrauchen. Allein deswegen wird die Klimakatastrophe aber nicht zur Lüge, sondern besteht als reale, globale Bedrohung im Sinne einer „Atombombenexlosion in Zeitlupe“ nach wie vor und alle seriösen wissenschaftlichen Quellen und auch die beobachtbaren Folgen (Todeszonen in den Meeren, Gletscher- und Eisschmelze, Temperaturanstieg, Artensterben, Hitzetote, Dürren, Anstieg von El Niño-Ereignissen) belegen das so glasklar, dass man schon ein immenses Maß an Dummheit aufbieten muss, um all das zu ignorieren.
Zugegeben: Eine globale Katastrophe wirkt surreal, unwirklich und jenseits unseres Verständnisses und unserer Erfahrung. Ein Winter wie aktuell und ein Sommer wie 2015 oder 2003 jedoch auch – doch es ist nur der zarte Anfang.

Was Menschen in ihrer Gemächlichkeit unterschätzen, ist immer wieder die Tatsache, dass wir uns als Spezies aus reinem Zufall in einer sehr sicheren und stabilen, gleichmäßigen Umgebung entwickelt haben und auch nur entwickeln konnten.

Apokalyptisches Lamm auf dem Buch mit 7 Siegeln: Christlicher Weltuntergang - nur eine unterhaltsame Vision oder doch eine mögliche Realität?; © <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Buch_mit_den_sieben_Siegeln#/media/File:Apokalyptisches_Lamm.JPG">Giro720/Hafenbar auf commons.wikimedia.org</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en>CC BY-SA 3.0</a>
Apokalyptisches Lamm auf dem Buch mit 7 Siegeln: Christlicher Weltuntergang* – nur eine unterhaltsame Vision oder doch eine mögliche Realität?; © Giro720/Hafenbar auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Eine globale Katastrophe haben wir bisher nicht erlebt und ahnen nicht, was das wirklich bedeutet – mit unserem Wimpernschlag von 100 Jahren Leben ohnehin nicht. Man muss nicht ein Weltuntergangsprophet sein, um darauf hinzuweisen, dass es verschiedene Risiken gibt, die ein Ende der Menschheit* bedeuten können. Weltuntergangspropheten prophezeien Weltuntergänge, wo keine sind und zu Zeitpunkten, die willkürlich oder zahlenesoterisch gewählt wurden.
Wer sich traut, liest sich bei Wikipedia einmal die globalen Risiken durch: https://de.wikipedia.org/wiki/Existentielles_Risiko.

Die Klimakatastrophe ist auch aufgeführt. Letztlich ist sie keine Fantasterei, keine Illusion, sondern Fakt. Und wir erleben derzeit als Augenzeugen ihren Beginn.
Viele wollen das nicht wahrhaben, aber wie das so ist mit Katastrophen, die wirklich welche sind: Wenn sie erfolgen, ist es zu spät und auch wenn man die Bilder von Horror, Leid und Tod in dieser Form nicht kennt, so werden sie doch bittere Realität.
Die Chance, dass die Klimakatastrophe genau das ist, nämlich eine gigantische Explosion einer Wasserstoffbombe in Zeitlupe, ist leider sehr hoch. Die mittelalterliche Warmzeit ist dagegen eine Wasserbombe und taugt als Argument nur, um sich totzulachen und über den Vergleich die wahre Bedrohung in ihrer Größe zu erkennen, um davor zu erstarren.

Um es noch mal ganz einfach in einem Bildvergleich jedem klar zu machen: Welchen klimatischen Gefährdungsfaktor hat die heutige Klimakatastrophe im Vergleich zur mittelalterlichen Warmzeit?

Wasserbombe (analoger Bedrohungsfaktor: Mittelalterliche Warmzeit)
Wasserbombe (analoger Bedrohungsfaktor: Mittelalterliche Warmzeit)

... und Wasserstoffbombenexplosion (Bedrohungsfaktor analog zur Klimakatastrophe)
… und Wasserstoffbombenexplosion (Bedrohungsfaktor analog zur Klimakatastrophe)

Links zum Thema
EMPFEHLUNG: Klima im Mittelalter (Top-Beitrag!)
Wikipedia
Golfstromverstärkung im Mittelalter (Spektrum)
Klima Mittelalter

  • buumms

    Danke. Leider werden diesen Artikel nie diejenigen lesen, welche es mal nötig hätten.

    BTW, sind die Schneeflocken im Header neu? ^^ Gibt es schon was neues an der Kaltwetter-Front? Komme nur noch zum Toilettengang aus der Tiefkühltruhe raus z.Z. 😉

    • Es genügt, wenn man die Wahrheiten verkündet. Dass gewissen Menschen ihr Nichtwissen wichtiger ist als neue und möglicherweise verstörende Erkenntnisse ist eine Konstante in der Menschheitsgeschichte, die immer mit den großen Katastrophen einhergeht.
      Ja die Schneeflocken im Header bzw. auf der Seite (die Flocken fallen auch nach unten durch sind aber oft wegen dem weißen Hintergrund nicht zu sehen – ist mir ganz recht, so ist es nicht zu übertrieben ^^). Wenn schon kein Schnee in der realen Welt, dann wenigstens virtuell.
      Zur aktuellen Wetterlage verweise ich auf die Kommentare beim Artikel http://byjrdp.myraidbox.de/letzte-chance-fuer-den-winter-201516-phantomkaelte-oder-realer-kaeltevorstoss/#comment-2426944976

      • buumms

        Vielen Dank! Mach weiter so!

  • Alptraum der Sofeten

    Wirklich aufschlussreicher Artikel. Es ist schlimm das der Mensch über mehr können verfügt als Gehirn. Da kann man sich auch wieder aufregen und trotzdem sitze ich hier in einer Gebauten Höhle namens Haus, das auf ca. 19-20 Grad erwärmt wurde (im Moment nur mit den Kindern der Natur den Bäumen), fahre mit ner Blechkiste die mit Uraltem Schlamm fährt, sitze vor einem Gerät das über ein „Internet“ verfügt was ja auch vieles braucht um zu funktionieren und da gibt es noch vieles mehr was fast ein jeder jeden Tag tut und konsumiert aber nicht an die folgen denkt. Warum sind wir nur so (dumm)…

    Ach ja stimmt, ein weiterer schöner Artikel. Danke 😀

  • tom

    Sie konkludieren Ihre Überzeugung anhand, unbestritten, interessanter Thesen und stellen Ihre „Wahrheit“ im Scheine einer Art Hobby eines „Klima-Märtyrers“ dar. Solange Sie dem Klima eine „Klimakatastrophe“ verordnen, entsprechen Sie dem, was Sie selbst als „im Sinne des Zeitgeistes“ linguistisch agieren, nämlich einer nichtverifizierten Ansicht, mitnichten einer wissenschaftlichen Qualität, auf die Sie kokett pochen. Sie räumen ein, dass die „Erkenntnisse“ kontorvers diskutiert werden, warum lassen Sie es nicht dabei? „Die“ Wahrheit würde bestimmt nicht darunter leiden – im Gegenteil.

    • 1. Lasse ich mich nicht bevormunden, auch von linguistisch geschickten Blendern wie Ihnen nicht.
      2. Höre ich von Ihnen bisher ausschließlich Kritik ohne Gegenbelege. Ich warte immer noch auf einen seriösen Beleg ihrer pseudointellektuellen Meinung, in deren Schein sie sich offenbar gerne sonnen. Mir hingegen geht es um Wahrheit.
      Solange Sie also andere als nichtwissenschaftlich bezeichnen, sollten Sie besser sich selbst hinterfragen und die Qualität ihrer Argumentation, die sich auf Scheinargumente und Selbstdarstellung beruft.

      • tom

        Ehrlich – ich schätze Ihren Fleiß! Warum sollte ich mit Ihnen in einen echten Diskurs eintreten? Sie haben sich festgelegt. Klimawandel? Ja! Jederzeit! Klimakatastrophe? A là Bildzeitung mit umfangreicherem Wortschatz!
        Ob und wie Sie den Klimawandel, rsp. -entwicklung in welches Szenario einordnen, fände ich allesamt interessanter, als festzsustellen was schon immer ist, beschleunigt oder nicht. Die Auswirkungen, die sind katastrophal, insbesonde die bei klarem Verstand zu vermeidenden! Letztlich werden Billionen von Euro geschmissen, ohne genau zu wissen, was eigentlich getroffen werden soll! Oder sind Sie gar der Meinung, dass die im Begriff zu ergreifenden und bereits ergriffenen (mehr in emotionaler Hinsicht zu begreifenden) Maßnahmen mehr Bewirken als ein gesellschaftlich riskantes Finanzroulette (vor allem in der BRD) und ein Aufrüsten von Absurditäten, wie subventioniertem Anpflanzen von europäischen Kiefern in Uganda? Einmal beschreiben die Klima“schützer“ selber schuld, wer in einer Flussaue sich niederlässt und nicht mit einer Überschwemmung rechnet, mal von den bedauernswerten Menschen, die nahe an der Meeresoberfläche wohnen. Das ist selbstverständlich bedauernswert aber Bambireif angesichts historischen Meeresspiegelschwankungen von hundert Meter, gar von Entstehen und Verschwinden ganzer Ozeane in geologischer Betrachtung.
        Selbstdarstellung? Mir unterstellen Sie das? Sie lesen über meine Bedenken hinweg, wie soll ich da mit Ihnen in Kontakt treten?

        • Sie haben den Diskurs angefangen und sind hier in Kontakt getreten. Aber selbst die geringste Selbstreflexion dieser Art geht offenbar an Ihnen vorbei.
          Ich überlasse Sie ihren abstrusen gesellschaftskritischen Thesen und rate Ihnen, eine entsprechende Seite damit zu besuchen. Kaltwetter (reflektieren sie doch mal die inhaltliche Bedeutung dieses Begriffs) ist nichts für Sie. Auf Wiedersehen.

          • tom

            Dann herzlichen Dank für den maskierten „Rausschmiss“ – werde Ihre Empfelung annehmen, da ich auf Dauer nicht erstrebenswert finde, von einem Manne der Wissenschaft permanent gossenmäßig beleidigt zu werden. Wenn Sie mich darauf hnweisen, das Thema nicht zu verfehlen, dann stünde Ihnen das nicht minder, gerade dazumal Sie sich mediävistisch und wie mir scheint, auch psychologisch in der Beurteilung von Menschen gebildet haben. Mag aber auch sein, dass Sie ratio integralis gemäß doch einen noch größeren Zusammenhalt der Dinge erahnen als Sie in Ihrem Wissen bereits vortragen, den Sie allerdings anscheinend dort fehdenhaft fallen lassen, wo die Welt der Claquere endet.
            Retten Sie das Klima vor Ihrer ausgemachten Katastrophe (wie eigentlich?), Michael, der Kaltwinter wird Ihnen das sicher mit Frost danken! So werde ich hin und wieder im Stillen lesen und Ihnen Ihre „heile“ Welt der Katastrophenraserei frei von Ketzertum belassen.
            Guten Rutsch!

          • „Wie man in den Wald ruft, so schallt es hinaus“. In diesem Sinne: Guten Rutsch. Vielleicht trifft man sich ja in einigen Jahren dann irgendwo in der aristotelischen und real gewordenen mesotes und stellt fest, dass beide (leider) recht hatten.

          • tom

            Dieses Szenario nehme ich an – in einer Menopause der Hysterie lässt sich womöglich ein Dialog neu beginnen, meinen Kotau können Sie dann erwarten, sollte es dazu kommen. Letztlich erfreue ich mich auch an einem frostigen Winter, sonst wäre ich nie auf Ihrer Seite gelandet -:)

          • Wird bestimmt lustig zu sehen, wie sich der Chorismos zweier brennender Welten mit einer Kotaubrücke zweier Vertreter der jeweiligen Seite schließt. ^^

  • Blizzard

    Trotz aller Verleumdung durch die sofetische Methode, dennoch ein gelungener Artikel, der vielen mittelalterlichen Meinungen zum Trotz, nicht nur das Mittelalter sondern auch die Bedrohung, die vom Klima ausgeht in neues Licht stellt.
    Eine spannende Frage ist immer, was Geschichtsbücher einmal in 500 Jahren über uns schreiben werden; aber ebenso gut ist es, dass wir es nicht wissen können. Es reicht, wenn wir wissen, dass es morgen früh kälter ist als heute Abend. Und letztlich geschieht es doch; fast schicksalshaft, aber nicht unaufhaltsam; und was konnten wir ändern, die Dinge wohl kaum, aber wie viel Raum wir ihnen geben und wie viel Zeit.
    In dem Sinne guten Abend 😀

    • Ja, was man in 100 oder 500 Jahren über uns und unsere Epoche schreiben wird, das frage ich mich auf öfter als mir lieb ist.
      Es bleibt genau das, was du in deinem vorletzten Satz schreibst.

  • Fernando76

    Hallo,

    sehr spannend zu lesen. Das wissen die meisten Menschen auch nicht, dass fast alle Wälder, wie wir sie heute kennen, das Produkt von Wiederaufforstung nach dem mittelalterlichen Kahlschlag sind. Allerdings muss man sagen, dass es zu Zeiten der mittelalterlichen Warmzeit entweder trotzdem noch deutlich wärmer war als heute oder aus anderen Gründen die Vergletscherung und winterliche Eisbildung in den Alpen immer noch geringer ausgeprägt war als heute. Anders lässt sich meiner Meinung nach die Besiedelung von auch sehr hoch gelegenen Alpentälern nicht erklären. Wäre es im Hochmittelalter auch nur annähernd so kalt gewesen wie im 18. oder 19.Jahrhundert wären die Menschen wohl so weit in die Berge vorgedrungen, weil ihnen einfach die Lebensgrundlage gefehlt hätte. Außerdem war die Eisfreiheit vieler Pässe Wohlstandsquelle für die Alpenbewohner, weil sie dadurch an Handelsrouten lagen. Selbst der Theodulpass zwischen Zermatt und Cervinia war wenigstens im Sommer eisfrei und wurde als Saumpfad genutzt. Mit Einsetze der kleinen Eiszeit brachen die Handelswege für viele Alpenbewohner weg, zugleich wurde es immer schwerer Landwirtschaft zu betreiben, was dann schließlich in das Elend der „Schwabenkinder“ führte. Für einen Historiker natürlich laienhaft, aber doch schön abgehandelt u.a. im Seilbahnmuseum in Ischgl. Somit hat alles immer zwei Seiten, aber insgesamt habe ich nach meinen Recherchen doch den Eindruck gewonnen, dass die kleine Eiszeit für die damals lebenden Menschen eine Aneinanderreihung von Katastrophen darstellte (nicht nur in den Alpen), und dass das menschlich Dasein zu Zeiten des mittelalterlichen Optimums einfacher zu managen war. Heute könnten wir mit einer kleinen Eiszeit natürlich viel leichter umgehen; und ich würde mir nichts mehr wünschen als dass wieder ein käme. Die Volkswirtschaft würde aber sicherlich auch unter Wintern wie 1608/1609 oder 1739/1740 extrem leiden und ich kann mir gut vorstellen dass es eine Rezession geben würde.

    Liebe Grüße

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  • student123

    Aus welcher Quelle haben sie das Titelbild genommen?