© Cherrylynx auf flickr, Lizenz: CC BY 2.0
© Cherrylynx auf flickr, Lizenz: CC BY 2.0

Das Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven hat erstmals eine flächendeckende Karte der Antarktis erstellt und Millionen Daten ausgewertet.
Noch vor einiger Zeit war ich selbst skeptisch, doch die neuen Belege sind erschreckend und dieses Mal nicht zu leugnen: Der antarktische Eisschild schmilzt in einem atemberaubenden Tempo. Wissenschaftler sprechen von einer globalen Katastrophe der Menschheit, die „Welt“ benutzt den Ausdruck des Harvard-Geophysikers Mitrovic eines „Ground Zero des Klimawandels“.

Klimalügner versus Wissenschaft

Die Wissenschaftler waren lange in Verruf geraten, da ihre Außendarstellung alles andere als gelungen aussah und sie zudem Kollegen hatten, die von der Industrie gekauft wurden, um gegenläufige Behauptungen in Umlauf zu bringen.

Mittlerweile ist es allerdings immer deutlicher, wo die Wahrheit liegt und wo die Lüge.
Die Klimaskeptiker, vermutlich allesamt gekauft oder einfach nur halbgebildet, hatten einen Eiszuwachs im Bereich der Ostantarktis simplifizierend als Argument herangezogen, es gäbe keine Eisschmelze und zudem sei das Meereis um die Antarktis angestiegen.

Was hat es damit auf sich?
Vereinfacht gesagt, kann man natürlich nur das Meer-Eis heranziehen und die Augen so blind lassen, wie sie ohne Gehirn halt sind. Das ist die beliebte Methode bei Klimaskeptikern.
Tatsächlich jedoch ist die Zunahme des Meer-Eises eine direkte Folge der Gletscherschmelze, da an der Oberfläche das Schmelzwasser und die abbrechenden Gletscherbruchstücke wieder die Menge des Meer-Eises anreichern.

Da die Antarktis ein Kontinent ist (im Gegensatz zur Arktis mit Ausnahme von Grönland), erwärmt sich diese von unten und oben gleichzeitig. Besonders die Schmelze von unten ist enorm, wie aus dem Bild des Geomar ersichtlich ist:

Eisschmelze in der Antarktis, © GEOMAR
Eisschmelze in der Antarktis, © GEOMAR

Der Schneezuwachs in der Ostantarktis ist daher durch klimatische Bedingungen erfolgt und bei weitem nicht so groß wie der Eisverlust im Westen der Antarktis. Aus dem Schneezuwachs in dümmlicher Simplifizierung eine Negierung der Klimakatastrophe abzuleiten, ist nicht nur klimatische Milchmädchenrechnung, sondern eine Idiotie, deren Ausmaß offensichtlich macht, dass solche Argumente ausschließlich Lügen sind, die der Propaganda der Klimalügner dienen.

Prof. Rahmstorf vom Klimafolgeninstitut Potsdam hat bereits 2014 auf die Unumkehrbarkeit der antarktischen Eisschmelze mit dramatisch warnenden Worten hingewiesen. Geerntet hat er in der heutigen kranken Welt aus Klimalügnern, profitgeilen Industrielobbyisten und halbgebildeten Hitzefetischisten Kritik, ohne dass diese sich die Daten überhaupt angesehen haben. Und so urteilt er nicht zu Unrecht „Warum werden Warnungen der Wissenschaft vor derart schwerwiegenden Bedrohungen jahrzehntelang kaum ernst genommen, bis es zu spät ist? Ein nicht unwesentlicher Grund dafür sind sicher die Aktivitäten professioneller Abwiegler, die jede Warnung von Forschern durch über die Medien verbreitete Entwarnung zu neutralisieren versuchen und Wissenschaftler wie Mercer als „Alarmisten“ diffamieren. Diese Aktivitäten mit ihren Hintergründen zu beleuchten füllt mehrere lesenswerte Bücher (z.B. von Naomi Oreskes (jetzt auch auf Deutsch), James Hoggan, Michael Mann) und Berichte (u.a. Union of Concerned Scientists). Ich will hier nur ein deutsches Beispiel nennen. Nico Stehr und Hans von Storch schrieben 2005 im Spiegel:
Insofern werden wir erleben, wie die Propheten des Untergangs die Klimagefahren in noch grelleren Bildern zeichnen. Man kann die zukünftigen Schreckbilder schon ahnen: das Abbrechen des westantarktischen Schelfeises, was den Wasserstand noch viel stärker steigen lassen wird…

Mit derartiger Rhetorik soll der Leser gegenüber Warnungen der Fachwissenschaftler (verunglimpft als „Propheten des Untergangs“) geradezu geimpft werden, er soll sie als unglaubhaft einordnen, damit bloß keine politischen Gegenmaßnahmen gegen die Gefahr eingeleitet werden. Sachliche Argumente, weshalb die Warnungen von John Mercer oder etwa Chris Rapley, dem damaligen Leiter des British Antarctic Survey, denn unbegründet sein sollten, brachten die Autoren freilich nicht vor. Sie haben auch keine (etwa durch eigene Fachpublikationen ausgewiesene) Expertise in der Antarktisforschung. Dieses mediale Vorgehen hat Methode.“
(Quelle: http://www.scilogs.de/klimalounge/westantarktis-ueberschreitet-den-kipppunkt/)

Folgen der katastrophalen Eisschmelze

Wie schnell wird das Eis schmelzen ist also nun die große Frage. Abgesehen davon, dass die Auswirkung auf die globale Aufheizung noch unbekannt ist (der Wegfall des Schnees mit seiner unerreicht hohen Albedorate könnte zu einem galoppierenden Klimaeffekt führen) sprachen Wissenschaftlicher vor kurzem noch von 0,5 Meter Meeresspiegelanstieg innerhalb dieses Jahrtausends. Mittlerweile gehen die Schätzungen allmählich zu 2 Metern.
Würde das komplette Eis vollständig schmelzen, gäbe es einen Meeresspiegelanstieg von sage und schreibe 66 Metern. Dann würde Dortmund eine Küstenstadt sein …

Anstieg des Meeresspiegels nach Daten von Klimasatelliten (NOAA)
Anstieg des Meeresspiegels nach Daten von Klimasatelliten (NOAA)

Angesichts einer Entwicklung, nach der bei einer Menschheit mit dem gewohnten Blödheitsfaktor von 90% die Klimakatastrophe dümmlich pervertiert wird („Prima es wird endlich warm“), die kommenden Generationen die mit uns verbunden sind, auf Gedeih und Verderb einer Welt aus Chaos, Krieg und Umweltkatastrophen überlassen werden, sind selbst Prognosen denkbar, die weit über die 2 Meter Anstieg hinausgehen – erst recht, wenn es zu dem gefürchteten galoppierenden Effekt kommen wird.

Die Folgen eines Meeresspiegelanstiegs scheinen die wenigsten zu begreifen (hier: lediglich 1 Meter Erhöhung des Meeresspiegels!):

  • Überschwemmung von Küstengebieten
  • Umsiedlung von 150 Millionen Menschen
  • Verknappung des besiedelten Gebietes auf einer ohnehin überbevölkerten Erde durch Verlust von ca. 150.000 Quadratkilometern Landflächen
  • Anreicherung des Grund- und Oberflächenwassers mit Salz und somit dramatische Verknappung des Trinkwassers
  • Reduzierung der Nahrungsproduktion durch erhöhten Salzgehalt und somit weltweite Verteuerung und Verhungern von Millionen Menschen

Da die Industrie bereits jetzt plant an die Ölressourcen der Antarktis zu gelangen, um in unfassbarem Zynismus weiter die Welt mit CO2-Abgasen verpesten zu können und den Treibhauseffekt zu beschleunigen, wird entsprechend die Maschinerie der Lügenkampagnen mit Millionen von Euro in Gang gesetzt.
Die Stimme der Wissenschaft ist leiser, aber jeder, der über genug Verstand verfügt, die Belege deuten und verstehen zu können, ahnt allmählich, welcher Katastrophe wir entgegensehen: Nicht nur der Klimakatastrophe, die bei einem galoppierenden Effekt zu einer Massenauslöschung auch des Menschen führen kann, sondern auch der unfassbaren Idiotie des Homo sapiens, dass machtgeile im wahrsten Sinne des Wortes Affen die gesamte Rasse in einen Todesstrudel stürzen, ohne sich um die Folgen zu kümmern, obwohl die meisten Menschen sehr viel investieren würden, um die Klimakatastrophe zu bekämpfen.

Folge der Erderwärmung: Auch im Ozean stirbt alles Leben, © Rodrigo R. N. auf www.flickr.com, Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/
Folge der Erderwärmung: Auch im Ozean stirbt alles Leben, © Rodrigo R. N. auf www.flickr.com, Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Für mich ist das Ende bereits klar, denn es hat sich nie anders verhalten und die Menschheit wird weiter in den Abgrund beschleunigen, bis es zu spät sein wird. Dann wird man etwas unternehmen, doch eine galoppierende Klimakatastrophe ist nicht aufzuhalten und bereits jetzt wird das in der Atmosphäre befindliche Kohlendioxid Jahrhunderte lang verbleiben, selbst wenn die Menschheit mit ihren Autos und Fabriken von einer Sekunde auf die andere verschwinden würde.
Vor 250 Millionen Jahren gab es im Perm-Zeitalter bereits eine Klimakatastrophe, die auf einer Erwärmung der Erde basierte und 97% des Lebens ausradierte. Was damals 100.000 Jahre dauerte und Urzeitvulkane als Ursache hatte (den sibirischen Trapp), erreichen wir derzeit mit eigener Leistung in 50 bis 500 Jahren, wie es aussieht.
Die ersten Folgen der Erwärmung der Ozeane sind bereits belegt (http://www.welt.de/wissenschaft/article120940948/Forscher-warnen-vor-toedlichem-Trio-fuer-die-Meere.html) und wie vor 250 Millionen Jahren führt die Erwärmung zur Verbreitung anaerober Bakterien, bis alles Leben im Ozean tot ist wie ein nach faulen Eiern des Schwefelwasserstoff riechender toter Fluss.

Man halte sich vor Augen, dass die Menschheit noch nie in ihrer Zeit als Beherrscher der Erde sich einer globalen Katastrophe gegenübersah – weder der Ausbruch eines Supervulkans in den letzten 50.000 Jahren und auch kein Meteoriteneinschlag einer Größenordnung wie der Chicxulub, der vor 65 Millionen Jahren maßgeblich zum Aussterben der Dinosaurier* beitrug. Nun stehen wir vor einer, die in rasender Schnelle auf uns zukommt und die wir wohl selbst verursacht haben, wie es momentan scheint. Einzig die Sonne selbst steht hier noch als mögliche natürliche Ursache in der Diskussion.

Ob sich diese Entwicklung weiter so darstellt, werden wir verfolgen können. Ich hoffe, ich irre mich und es wird überraschende Entwicklungen geben, doch die Summe der Daten und Belege lassen für mich nur einen Schluss zu: Wir sind auf dem Weg in den Selbstmord als Rasse. Die Frage ist nur in 50, 500 oder 5000 Jahren. Und keine Lügen einer Propagandamaschine der Industrie, von blinden Politikern oder hitzegeilen egoistischen Sommerfetischisten wird dies wegreden können, wenn sich Jahr für Jahr die Lage verschlechtert.
Und dann wird das bekannte Wort der Cree-Indianer tatsächlich Wirklichkeit werden:

„Erst wenn der letzte Baum gerodet,
der letzte Fluss vergiftet,
der letzte Fisch gefangen ist,
werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“

Quellen:
http://www.ingenieur.de/Themen/Klima-Umwelt/Neue-Digitalkarte-zeigt-verheerende-Eisschmelze-in-Antarktis
http://www.faz.net/aktuell/wissen/eisschmelze-der-westantarktis-nicht-zu-stoppen-12937014.html
http://www.scilogs.de/klimalounge/westantarktis-ueberschreitet-den-kipppunkt/
http://de.wikipedia.org/wiki/Meeresspiegelanstieg

  • HP

    Kaltwetter in Hochform. Ohne Wenn und Aber, spitzzüngig auf den Punkt gebracht.
    Den Artikel sollten sich die vielen Verantwortlichen für unsere Klimakatastrophe unter ihr Kopfkissen legen.
    Ich finde dein Engagement bemerkenswert. Mach weiter so.
    Liebe Grüße
    Gerd

    • Dankesehr! Ich wünschte dennoch, ich könnte auch mal etwas positives verlautbaren lassen, aber momentan kommt man aus den negativen Schlagzeilen einfach nicht heraus. Und Zweckoptimismus ist nicht mein Ding. Vielleicht sieht’s in 20 Jahren besser aus, weil die Menschheit dann reagieren muss ^^ Immerhin könnte ich dann behaupten, ich hätte es immer gesagt, aber wirklich freuen würde es mich nicht, denn es wurde bedeuten, dass die Klimakatastrophe dann schon unaufhaltsam sein wird. Hoffen wir das Beste also und verkünden bis dahin die Wahrheit des Augenblicks.

  • Zoppo Trump

    Wird man sehen wie es sich entwickelt in den nächsten Jahren. Ich hoffe mal wieder auf plötzliche Gegenmaßnamen des Klimas um eine zu starke Erwärmung ab zu bremsen oder sogar das Klima ab zu kühlen. Wie immer mehr Wunschdenken von mir hier als qualifizierte Beiträge 😀
    Hoffe es stört keinen. Immer weiter so Michael 😉

    • Danke, Tim, und wie sagt der Philosoph? Es gibt keine falschen Fragen und deine Beiträge sind nicht weniger qualifiziert als meine. Wie du selbst sagst, müssen wir alle etwas bewirken und das können wir am besten, indem wir darüber reden, aufrütteln und sprechen und dennoch einen offenen Geist bewahren. Ich wäre der letzte, der sich sperren würde, wenn er die Klimakatastrophe absagen dürfte ^^
      Daher stimme ich dir vollkommen zu, dass wir auf das Beste hoffen müssen. Es wird zumindest nicht unspannend, die nächsten Jahre zu verfolgen, was in der Natur und bei den Menschen erfolgen wird.