Gemälde von John Martin,
Gemälde von John Martin, "The Deluge", 1834

Im Gegensatz zu „charismatischen“ Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüchen und Erdbeben ist der sogenannte „Arkstorm“ noch ein weitgehend unbeachtetes Phänomen.
Grundlage des „Atmospheric River kilo storm“ sind Atmosphärische Flüsse – riesige Feuchtigkeitsbänder, die in der Troposphäre in 1-2 km Höhe gewaltige Feuchtigkeitsmengen transportieren.

Wie sieht ein Arkstorm aus?

Der Arkstorm ist zunächst ein Phänomen der US-amerikanischen Westküste und ausgerechnet dort, wo man in letzter Zeit Dürren jenseits menschlicher Vorstellung beobachtet hat – in Kalifornien. Denn während im Frühling, Sommer und Herbst die Sonne gnadenlos wie eine Lötlampe auf das Land brennt und das Leben mittlerweile unerträglich macht, besuchen im Winter Regenstürme die Westküste und bringen innerhalb weniger Wochen den einzigen und lang ersehnten Niederschlag des gesamten Jahressolls.

Satellitenaufnahme eines Atmosphärischen Flusses auf dem Pazifik und der Westküste der USA im Jahre 2010
Satellitenaufnahme eines Atmosphärischen Flusses auf dem Pazifik und der Westküste der USA im Jahre 2010

Doch statistisch alle 100 bis 200 Jahre kommt es zu einem Arkstorm. Werfen wir einen Blick zurück in die Geschichte: Im Winter 1861/62 beobachten wir dabei folgende Szene.
Pünktlich zu Heiligabend öffnet der Himmel seine Schleusen und schließt sie 45 Tage lang nicht mehr. Ohne Unterbrechung schüttet es wie aus Kübeln und das gesamte Land wird überflutet wie in der Biblischen Sintflut-Legende.
Der Augenzeuge der Katastrophe William Brewer berichtet, dass selbst Telegrafenmasten nur noch mit ihren Spitzen aus dem Wasser ragten. Menschen mussten über den ersten Stock in ihr Haus gelangen und der neugewählte Bürgermeister von Kaliforniens Hauptstadt Sacramento ruderte zu seiner Amtserhebung mit dem Boot.

Man rechnet in den USA innerhalb der nächsten Jahrzehnte mit einem erneuten Arkstorm, der sogar deutlich heftiger ausfallen könnte, denn derjenige von 1861/62 war nicht einmal der schlimmste in der Geschichte, sondern nur der letzte. Die Schäden könnten dreimal größer sein als bei einem ebenfalls erwarteten „Großen Beben“ in Los Angeles und etwa 750 Milliarden Dollar Schaden verursachen – eine unfassbare Summe.

Kann auch Deutschland von einem Arkstorm heimgesucht werden?

Das Arkstorm-Phänomen beschränkt sich nicht allein auf die Westküste der USA. Auch in Europa sind solche Arkstorms denkbar.
Allerdings scheinen die Atmosphärischen Flüsse hier etwas geringer in ihrer Wirkung zu sein. Dennoch wird geschätzt, dass zwischen 1979 und 2011 acht von zehn Extremniederschlagvorfällen in Europa auf atmosphärische Flüsse zurückgeführt werden können (Quelle: Wikipedia).

Auch in Deutschland möglich? Sintflutartiger Regen und Überflutungsszenario
Auch in Deutschland möglich? Sintflutartiger Regen* und Überflutungsszenario

Da Arkstorms statistisch nur etwa alle 200 Jahre auftreten, ist jedoch denkbar, dass auch Europa in den Einflussbereich gelangen kann und hier vor allem die Westküsten zum Atlantik, also Spanien und Großbritannien. Ein Arkstorm mag in schwacher Form Extremniederschlag hervorrufen, allerdings ist ein echter Arkstorm dadurch gekennzeichnet, dass der Dauerregen wochenlang nicht aufhört.

Bisher ist ein echter Arkstorm für Deutschland nicht bekannt, allerdings mehren sich durch die Klimakatastrophe die Gegensätze in Deutschland: Langen Dürren, die immer häufiger werden in Frühjahr und Sommer stehen Überflutungen und kurzfristige Starkregenereignisse wie in Münster im August 2014 gegenüber.
Ob die Klimakatastrophe die atmosphärischen Flüsse als Ursprung der Arkstorms verstärkt, ist unklar, wird jedoch vermutet. Insofern könnten bei bestimmten Bedingungen Arkstorms künftig auch Deutschland treffen und gewaltige Überflutungen auslösen.
Bedenken muss man jedoch hierbei, dass atmosphärische Flüsse etwas ganz normales im Wettergeschehen auf diesem Planeten sind. Jederzeit existieren meist fünf solcher Flüsse auf der Erde, doch erst eine Entartung dieser Flüsse in Größe und Menge der transportierten Flüssigkeit erzeugt den sehr seltenen Arkstorm!

Insofern verharrt man in einer Mischung aus Entsetzen und Lust am Untergang angesichts eines Arkstorm: Das Ereignis wäre in seiner Erschütterung ein Seelenbeben, aber leider auch eine Katastrophe für Land und Mensch – auch wenn man sagen könnte, dass es die verdiente Ohrfeige der Natur für die von uns selbst verursachte Klimakatastrophe und die endlosen, mannigfaltigen Vergewaltigungen an der Natur ist. Aber das wäre vermutlich schon wieder pseudoreligiös und moralisierend. Daher mag sich jeder seinen emotionalen Aspekt aus dem Kompendium eines Arkstorms ziehen.

  • Blizzard

    Daraus könnte man den nächstenen schönen Katastrophenfilm drehen: Die Natur schlägt zurück – Der Arkstorm… warte ich telephonier schonmal mit Roland Emmerich 😉

    • Machmal. Ich bete derweil zu Thor (auf den alten Sack Petrus kann man sich nicht verlassen, der sieht mittlerweile aus wie Jürgen Drews und hat auch das gleiche Niveau), damit ein unverhoffter Arkstorm der Gluthölle die nächsten Woche die Kehle zudrückt mit Wassermassen bis wir mit Schlauchbooten zur Arbeit fahren können ^^