Sommer 2015: Der Hitzedämon wütete ohne Unterlass; © graemefazakerley auf deviantart.com, Lizenz: CC BY 3.0
Sommer 2015: Der Hitzedämon wütete ohne Unterlass; © graemefazakerley auf deviantart.com, Lizenz: CC BY 3.0

Der Sommer 2015 ist vorbei, wenn man meteorologische Definitionen anwendet (01. Juni bis 31. August).
Und das ist auch bereits die beste Nachricht, die man sich vorstellen kann, denn der Sommer 2015 geht als einer der schlimmsten Hitzekatastrophen und Beleg der Klimakatastrophe in die Geschichte ein. Der DWD hat ebenfalls Bilanz gezogen (PDF).

Vergleich des Sommers 2015 mit den Sommern des 21. Jahrhunderts

Der Sommer 2015 in Zahlen zeigt eine mit jedem Monat ansteigende Hitzekurve:

Juni 2015: 15,8 Grad = +0,4 Grad (15,4 Grad Mittel 1961-1990)
Juli 2015: 19,4 Grad = +2,5 Grad (16,9 Grad Mittel 1961-1990)
August 2015: 19,9 Grad = +3,4 Grad (16,5 Grad Mittel 1961-1990)

Nochmals zur Einordnung der Zahlen: Eine Erhöhung der Temperatur im Monatsmittel um +1 Grad ist noch „normal“ und bedeutet, dass jeder Tag etwa 3 Grad zu warm war.
+3,4 Grad im August sind ein so hoher Wert, der ohne El Niño nicht möglich gewesen wäre. Umgerechnet bedeutet dies: Jeder einzelne Tag des Monats August war etwa 10 Grad höher als er hätte sein sollen.

Nimmt man alle drei Sommermonate zusammen, ergibt sich folgendes:

Der Sommer 2015 war in Deutschland mit 18,5 Grad Celsius sage und schreibe 2,2 Grad im Mittel heißer als die Sommer vor der Klimakatastrophe und der drittwärmste je gemessene Sommer

Werfen wir einen Blick zurück auf alle Sommer seit dem Jahr 2000, ergibt sich eine fatale Zahlenreihe:
Sommer 2000: 16,6 Grad = + 0,3 Grad
Sommer 2001: 17,2 Grad = + 0,9 Grad
Sommer 2002: 18,0 Grad = + 1,7 Grad
Sommer 2003: 19,7 Grad = + 3,4 Grad
Sommer 2004: 16,8 Grad = + 0,5 Grad
Sommer 2005: 16,7 Grad = + 0,4 Grad
Sommer 2006: 18,1 Grad = + 1,5 Grad
Sommer 2007: 17,2 Grad = + 0,9 Grad
Sommer 2008: 17,4 Grad = + 1,1 Grad
Sommer 2009: 17,2 Grad = + 0,9 Grad
Sommer 2010: 17,8 Grad = + 1,5 Grad
Sommer 2011: 16,8 Grad = + 0,5 Grad
Sommer 2012: 17,1 Grad = + 0,8 Grad
Sommer 2013: 17,7 Grad = + 1,4 Grad
Sommer 2014: 17,1 Grad = + 0,8 Grad
Sommer 2015: 18,5 Grad = + 2,2 Grad

Eine Reihe der Hitzeschande!
Jeder einzelne (!) Sommer war zu heiß. Das sommerfetischistische Gezeter über vermeintliche „Gruselsommer“ (in sofetischer Intepretation: „zu kalt“) ist also nichts weiter als eine weitere peinliche Idiotie der Sofeten.
Mehr noch: Der letzte Kaltsommer mit einem Wert unter dem 30-Jahresmittel 1961-1990 datiert aus dem Jahr 1996 (-0,1 Grad) und der letzte echte „Kaltsommer“ datiert aus dem Jahre 1987! Eine ganze Generation weiß eigentlich gar nicht mehr, wie sich ein „kalter“ Sommer anfühlt! Traurig genug.

Verlauf des Sommers 2015

Der furchtbare Verlauf des Sommers 2015 hat seine ganz klaren Gründe.
Hatte ich im Vorfeld des Sommers 2015 im April 2015 noch gerätselt, ob der El Niño uns einen Hitzehorror bescheren könnte und hatte ich mich zusammen mit den Profiprognosen auf einen nur leicht zu warmen Sommer 2015 festgelegt, so lehrte uns der El Niño dann das Gegenteil.

Die Auswirkungen des Klimaphänomens El Niño waren bis dato unbekannt gewesen und wenn, dann vermutete man in der Sofetenpresse sogar eher einen nassen, kalten Sommer (!). Das Jahr 2015 war dann der Beleg, dass El Niño in Europa massive Auswirkungen hat und die Welt in Brand steckt. Vereinfacht beschrieben wurde die mit El Niño generierte, massive Pazifikhitze über den gesamten Globus verteilt. Gewaltige Hitzeblasen entstanden, als hätte man einen Bunsenbrenner auf bestimmte Punkt der Erde gerichtet:

"Spaltung" der Welt in Hitze und Kälte aufgrund des El Niño (NOAA unter commons.wikimedia.org , lizenzfrei, Das Hitzeaktionszentrum in Europa ist links oben zu erkennen
„Spaltung“ der Welt in Hitze und Kälte aufgrund des El Niño (NOAA unter commons.wikimedia.org , lizenzfrei, Das Hitzeaktionszentrum in Europa ist links oben zu erkennen

Deutschland befand sich dabei im Gegensatz zu Skandinavien im Zentrum des Hitzegeschehens*, mit Ausnahme der Nordseeküste – was nur logisch ist, führen kontinentale Lagen doch zu einer Hitzesteigerung.
Selbst Wikipedia widmete der Hitzekatastrophe 2015 in Europa einen langen Artikel: https://de.wikipedia.org/wiki/Hitzewelle_in_Europa_2015 und konstatierte: „Die Gesamtwetterlage wird als Symptom einer Stärkung des laufenden El-Niño-Ereignisses gesehen, das seit April aktiv ist. Ein Zusammenhang der Intensität des Hitzeereignisses mit der globalen Erwärmung gilt als Stand der Forschung.

Möglich wurde der Beleg von El Niño als Brandstifter für Europa auch dadurch, dass es sich um den frühesten und stärksten je gemessenen El Niño aller Zeiten handelt und damit dessen Wirkung deutlicher wurde und somit belegt werden konnte.

Juni: Vergebliche Schafskältehoffnung auf den ersten Kaltsommer seit 1987

Dabei fing im Juni 2015 alles noch relativ gemäßigt an: Die klimatologische Anomalie der „Schafskälte“ bescherte zwei Wellen herrlicher Kältezufuhr, von denen (wie immer) vor allem der Norden profitierte bis hin zur Mitte Deutschlands, während nur Bayern und Baden-Württemberg und das Saarland am Ende durch hohe Temperaturen zwischen den Kältewellen am Ende sehr warm endeten. Dabei fiel sehr wenig Regen* und die „Deutsche Sahelzone“ (DSZ) in einer Linie vom Saarland bis Berlin verstärkte sich trotz zeitweise kühler Temperaturen und etwas Regen.

Höhenwinde auf 300 hPa (etwa 8000 Meter Höhe) bilden die Omega-Lage ab (NOAA)
Höhenwinde auf 300 hPa (etwa 8000 Meter Höhe) bilden die Omega-Lage ab (NOAA)

Juli: El Niño wird erstmals wirksam

Mit dem Juli 2015 begann dann das Grauen und machte die Hoffnungen auf einen kühlen Sommer völlig zunichte.
Bereits Ende Juni formte sich eine Hochdrückbrücke vom Azorenhoch bis zum europäischen Hoch, das sich in eine klassische Omega-Lage verwandelte. Die Omega-Lage ist der Alptraum jedes normal denkenden Menschen, denn sie führt zu abstrusen Hitzetemperaturen und damit zu unendlich viel Leid.
Dabei flankieren Tiefs ein starkes Hochdruckgebiet und stabilisieren dieses bis zur Unerträglichkeit, sodass die Höhenwinde dergestalt verlaufen, dass sie ein Omegazeichen (Ω) abbilden – das Symbol des Hitzetodes.
Zwar war das Omegahoch im Juli 2015 nicht so stabil wie im nicht ganz erreichten Alptraumsommer 2003, führte jedoch in 2 Wellen vom 1. bis 07. Juli und vom 17. bis 21. Juli grauenhafte 40-Grad-Temperaturen nach Deutschland, die das öffentliche Leben nahezu lahmlegten. Auch jenseits dieser Tage ergaben sich vor allem im Südwesten und Süden keinerlei wirkliche Abkühlungen, sondern nur „normale“ Hitzetemperaturen, die keinerlei Linderung brachten.
In Spanien stiegen die Temperaturen während drei langen Hitzewochen auf lebensgefährdende 45 Grad an (am unteren Guadalquivir bis zum Inneren der Provinz Valencia – Córdoba-Observatorio Andalusien, 45,2 °C).

August: Ein normaler Sommer wie im Jahr 2040

Man dachte eigentlich, dass es schlimmer als der Juli 2015 nicht mehr kommen konnte. Und es kam schlimmer im August 2015.
Die meteorologische Lage war nun eine andere: Die Hitze konzentrierte sich vor allem im Osten Europas und führte erst aus dem Süden und später aus dem Südosten subtropische Luft nach Deutschland mit erneut furchtbaren Temperaturen und traurigen Temperaturrekorden von über 40 Grad. Erneut stöhnte ganz Europa unter der Hitzequal, vor der es kein Entrinnen gab.
Vom 4. bis 14. August und vom 22. August bis zum 01. September wütete die El Niño-befeuerte Klimakatastrophenhitze in Deutschland und zeigte uns wie in einer Zeitreise, was uns in 20-30 Jahren jeden Sommer erwarten wird.

Folgen der beispiellosen Klimakatastrophe

Die Folgen der qualvollen Juli- und Augusthitze sind weitreichend und traumatisch.
Die schlimmsten sind menschengemacht: Da Deutschland sich nicht vor der Klimakatastrophe wappnete, starben in überhitzten Krankenhäuser in 30-Grad-Krankenzimmern mehr Patienten, als bisher bekannt wurde. Wie viele Kinder und auch Hunde* von sofetischen Vollidioten in überhitzten Autos* ermordet wurden, ist nicht bekannt und ich erspare mir und Ihnen die dutzenden Pressemeldungen dazu, weil es einfach zu traurig ist.

Da die menschliche Leistungsfähigkeit bei Temperaturen über 22 Grad und gesteigert ab 25 Grad deutlich abnimmt, führten die abartigen Temperaturen zu nicht enden wollenden Qualen am Arbeitsplatz (sowohl für physische Arbeitende wie auch für geistige Arbeit), zumal in Deutschland kaum Klimaanlagen* vorhanden sind wie in mittlerweile ähnlich heißen Klimaumgebungen (Australien, Kalifornien, Spanien) – und mittlerweile gibt es ökologisch gute Klimaanlagen mit wenig Stromverbrauch und treibhausgasfreien Kältemitteln.
Hier ist eine deutliche Initiative der Bundesregierung vonnöten, um Deutschland auf die Folgen der Klimakatastrophe vorzubereiten, ebenso wie ein gesetzlicher Zwang, architektonisch hitzereduzierende Gebäude zu bauen und zu subventionieren, um das Leben im Sommer der Zukunft überhaupt noch möglich zu machen. Pläne dazu bestehen schon seit einiger Zeit übrigens: http://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimafolgen-anpassung#strap-14675

Im übrigen: Angesichts der Hitzekatastrophe in Europa vergessen viele, dass die Klimakatastrophe und die Wirkungen von El Niño global sind. Haben Sie etwa die tausenden Toten in Indien aus dem Frühjahr vergessen? Oder das gleiche in Pakistan, wo sich Leichensäcke auf Fluren stapelten und an mittelalterliche Verhältnisse zur Zeit des Schwarzen Tods erinnern? Auch in Japan gab es in einer abnormen Hitze Todesopfer.

Der beinahe ausgetrocknete Rhein am 14.08.2015 bei Nierstein/Nackenheim,
Der beinahe ausgetrocknete Rhein am 14.08.2015 bei Nierstein/Nackenheim, Jivee Blau auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Verglichen damit sind die derzeitigen Probleme in Deutschland mit „nur“ einigen Dutzenden Hitzetoten 2015, zerstörten Autobahnen durch Asphaltschäden, Störungen der Elektronik und Gleise bei der Bahn, sowie Einschränkungen des öffentlichen Lebens wie im hitzeungewohnten Berlin nahezu unbedeutend – noch! Denn was in Pakistan und Indien geschieht, wird in einigen Jahrzehnten auch auf unser Land zukommen, das im Südwesten und Süden bereits vor Jahren als Zentrum der Klimakatastrophe der Zukunft ausgemacht worden ist – dass da heute noch die Presse euphemisierend davon faselt, dass Bayern Mittelmeerklima erhält und vergisst, dass 2,5 Grad Erwärmung ganz andere Folgen haben wird, ist eigentlich kaum noch zu ertragen.

Weitere Folgen der Hitze waren sog. „Todeszonen“ in der Nordsee, deren Ausmaß erschreckt und ein Fingerzeig auf das sehr schnell erfolgende „Umkippen“ der Ozeane bei Erwärmung und Massensterben durch Sauerstoffreduktion ist. Dass insbesondere es im überkochenden Mittelmeer zu einem Massenfischsterben kam, verwundert in diesem Zusammenhang auch nicht.

Auch die Natur leidet unter der Hitze. Die Dürre führt zu Wasserproblemen wie in Kalifornien, der fruchtbare Oberboden erodiert und Schädlinge profitieren im ohnehin gefährdeten deutschen Wald, wenn die Bäume unter der Hitze leiden.
Die Bildergalerie der ausgetrockneten Flüsse Deutschlands spricht Bände: http://www.n-tv.de/mediathek/bilderserien/wissen/Deutschland-leidet-unter-Duerre-article15713066.html.

Aussichten für die kommenden Jahre und was kann uns retten?

Die Lage ist klimatologisch mehr als ernst.
Da stellt sich zwangsläufig die Frage, was man als betroffene Einzelperson unternehmen kann. Natürlich wäre es sinnvoll, in den Norden Deutschlands zu ziehen, d. h. an die friesische Küste, nach Schleswig-Holstein oder mit Abstrichen auch an die Ostsee als den einzigen Orten, wo es vermutlich kühler bleiben wird. Bereits in Niedersachsen kann es bedingt durch geografische Besonderheiten genauso heiß werden wie im Südwesten der Republik.

Nicht jeder will oder kann einfach umziehen!
In diesem Fall hilft es nur, sich mit Notlösungen zu behelfen: Klimaanlagen, Kühlschutzkleidung und den Sommer-Urlaub möglichst in Skandinavien verbringen (auch das will gut geplant sein – immerhin ist es in Mittel-Norwegen durch den warmen Golfstrom auch knapp 30 Grad gewordenIsland und Schweden empfehlen sich da eher).
Angesichts Dauerbelastung durch Hitze, der man trotz dieser Hilfemaßnahmen nicht entkommen kann und die auch trotz Klimaanlagen bei nicht wenigen Menschen durch den Hochdruck zu Wettermigräne führt, stellen aber diese Schutzmaßnahmen nur Notlösungen dar.

Ansonsten bleibt nur die Hoffnung.
Die Hoffnung, dass ein großes Ereignis wider Erwarten das Klima in Deutschland abkühlt. Dazu gehört zunächst der Golfstrom, der immer mehr in den Schlagzeilen zu lesen ist – ob zu recht, ist jedoch noch lange nicht geklärt. Es wird über eine Abschwächung bis hin zu einem Ausfall des Golfstroms spekuliert, wie Meteorologe Karsten Schwanke das in der ARD zusammenfasst: Schwächelt der Golfstrom? (ARD Mediathek) – siehe dazu auch: http://byjrdp.myraidbox.de/verwirrung-um-den-golfstrom/, sowie AMOC und Windstress. Mögliche Erklärungen für den Kalten Fleck im Atlantik.

Ausfall des Golfstroms: Keine Eiszeit, sondern endlich wieder erträgliches Klima in Deutschland!
Ausfall des Golfstroms: Keine Eiszeit*, sondern endlich wieder erträgliches Klima in Deutschland!

Ein Ausfall des Golfstroms könnte theoretisch erfolgen, wenn die Schwächung eine bestimmte Schwelle unterschreitet. Das bedeutet: Es würde sich wohl nicht so verhalten, dass der Golfstrom schön langsam schwächer wird, sondern ab dem Unterschreiten eines bestimmten Salzgehaltes der Golfstrom abrupt abbricht.
Ob dies überhaupt geschieht und wenn ja, ob dies vor dem Jahr 2100 erfolgen würde, darüber sind sich die Forscher nicht einig und können es auch nicht sein – denn es gibt weder exakte Belege zum Verlauf der schon einmal erfolgten Ausfälle des Golfstroms in den letzten Jahrtausenden, noch exakte Belege, ob dieser kalte Punkt im Atlantik kausal mit einer Golfstromschwächung zusammenfällt oder ganz andere Ursachen hat. Trotzdem deutet die Mehrheit der Indizien derzeit erstaunlicherweise auf eine Schwächung des Golfstroms, die laut dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung jedoch nicht auf die massive Rekord-Eisschmelze auf der Nordhalbkugel zurückzuführen ist, sondern auf die Klimakatastrophe selbst und paradoxerweise auf die globale Erwärmung der Wasseroberflächen.

Ein Ausfall des Golfstroms, der subtropische Wärme in unsere Breiten führt, würde Europa dann das Klima schenken, das für unsere Breiten normal wäre und momentan etwa in Mittel- oder Nordnorwegen zu sehen ist – also perfektes Klima und eine Rettung vor der sowieso immer stärker verlaufenden Klimakatastrophe – zumindest für einige Jahrzehnte oder Jahrhunderte. Eine Gefahr ist darin also überhaupt nicht zu sehen, sondern im Gegenteil eine Rettung.
Allerdings gibt es auch Forscher, die die Bedeutung des Golfstroms reduzieren, der in der Gesellschaft oberflächlich sofetisch hochgejubelt wird als „Heizung Europas“ (mir dreht sich der Magen um) und klimatologisch nach der Meinung dieser Forschersektion weit weniger Bedeutung hat als die Temperaturen des gesamten Atlantiks und der Windströmungen. Hier wird ein Ausfall des Golfstroms mit maximal 5 Grad als realistisch gesehen und zwar nur für Nordwesteuropa. Bedenkt man, dass die Klimakatastrophe im gleichen Zeitraum 2,5 bis 5 Grad Erwärmung beinhaltet, zeigt sich, warum ein Ausfall des Golfstroms nicht mehr und nicht weniger als eine Lebensversicherung für Europa wäre. Im Rest der Welt würde die Klimakatastrophe natürlich sowieso ungebremst sich weiter fortsetzen …

Vulkaneruption: Segen oder Fluch?
Vulkaneruption: Segen oder Fluch?

Vulkaneruptionen* sind da im Vergleich ein weit gefährlicheres „Rettungsszenario“.
Die bei Eruptionen mit dem Vulkanexplosivitäts-Index von 5 oder mehr erfolgenden Emissionen von Schwefeldioxid bis in die Stratosphäre (und nicht nur in die Troposphäre) führen zur Bildung von Schwefelsäurewolken, die das Sonnenlicht sehr effektiv blockieren und zu einer massiven Kühlwirkung beitragen.
Allerdings sind solche Kühlwirkungen leider nur von kurzer Dauer. Selbst die Aerosole bei einem Supervulkanausbruch würden nach spätestens 20 Jahren wieder vollständig abgebaut sein und die Kühlwirkung in einen Hitzesprung münden. Die dafür erfolgenden Opfer an Menschenleben und auch an globalen Folgewirkungen sind verglichen zum positiven Effekt einer klimatologischen Kühlwirkung natürlich wahnwitzig hoch.
Insofern wäre der Ausbruch eines nahen Nicht-Supervulkans wie der Hekla in Island für Europa sicher angenehmer. Wie dem auch sei: Menschen führen Vulkaneruptionen nicht herbei und diese unterliegen nicht unserem Einfluss (auch wenn einige Forscher postulieren, dass die Klimakatastrophe über das Schmelzen des Eises und der Druckverlagerung auf den Kontinenten, welche sich nach dem Gewichtsverlust anheben, zu einem Anstieg der Eruptionen führt), sodass wir in diesem Fall die positiven Folgen einer zeitlich und regional begrenzten Abkühlung gerne mitnehmen und die negativen Folgen bekämpfen müssen. Der Ausbruch eines Supervulkans hätte allerdings globale Folgen, die unvorhersehbar sind und wirtschaftlich, sozial und politisch unsere Welt auf immer verändern und ins Chaos stürzen würden – die klimatische Abkühlung hätte also ein horrendes Preisschild und das Grinsen des Verkäufers wäre allein darin begründet, dass es der Tod ist, der einfach das knöcherne Grinsen nicht abstellen kann …

Persönlich musste ich in diesem Sommer bei einigen Radio-Interview-Fragen ganz schön an mich halte und einmal wurde ich sogar „pampig“. Da kam der im klimatisierten Studio sitzende Moderator doch tatsächlich mit der Frage: „Kai, heute dürfen wir fast 40 Grad genießen. Dürfen wir auf noch höhere Temperaturen hoffen?“ Ich schmetterte dagegen und sagte, dass er für eine Minderheit spräche und erwähnte, dass das für mich persönlich kein Genuss sei, sondern ein Grund, das Land unter diesen Umständen für einige Zeit zu verlassen.
Kai Zorn

Der El Niño als „Brandstifter“ der Höllentemperaturen und Agent der Klimakatastrophe soll nach aktuellen Forschungen doppelt so häufig in Zukunft vorkommen als bisher. Was das bedeutet, dürfte jedem nach dem Sommer 2015 klar sein …
Gut, dass es da noch im idiotenverseuchten Deutschland Meteorologen wie Kai Zorn gibt, der den sommerhitzeperversen Wahnsinn hinterfragt und die Gefahren der Zukunft erkennt (siehe Zitat links aus seiner Sommernachbetrachtung: http://www.wetter.com/blog/ein-grosser-sommer-geht_aid_21605.html).

Ich denke, dass derzeit angesichts der katastrophalen und jetzt allmählich deutlich spürbaren Folgen der Klimakatastrophe ein Umdenken stattfindet, ein Paradigmenwechsel der Mentalität – so, wie es immer geschieht, wenn die Menschheit selbst verursachte Probleme nicht in den Griff bekommt und die nachfolgende(n) Generation(en) die Dummheit ihrer Vorfahren aufräumen muss. Was jedoch bisher keiner zu begreifen scheint: Eine globale Klimakatastrophe bedroht die gesamte Menschheit und offenbart erstmals die Möglichkeit, dass wir uns vollständig selbst vernichten – schleichender und subtiler als ein Atomkrieg, aber mit Sicherheit nachhaltiger, denn die sich selbst steigernden Wellen eines Klimakatastrophen-Automatismus sind stärker als alle Atomwaffen der Welt zusammengenommen …

  • Alptraum der Sofeten

    Wieder sehr guter Bericht mit schönen Quellen und nicht langweilig.
    Als ich das Artikelbild sah dachte ich sofort an einen Balrog 😀
    Danke für deine tollen Berichte nochmals und immer wieder 😉

    • Danke, Tim und ja der Fantasyfachmann erkennt den Balrog natürlich sofort hehe

  • cleopatra

    Ich wohne im 3. Stock mit weitem Blick über unser Wohngebiet, eine Straße ebenfalls im Blick, die zur Hauptstraße führt.

    Dieses Jahr sah ich über den Sommer hinweg gut zehnmal den RTW anrücken, abfahren oder gerade vor einem Haus stehend.
    Dabei hielt ich mich selbst an heißen Tagen nur minutenweise auf dem Balkon auf (zum Gießen und Pflanzen in Sicherheit vor der Sonne bringen), hab also wohl nur einen Bruchteil der Einsätze mitbekommen.

    Momentan ist das Wetterchen allerdings sehr schön für mich. Zwischen 16 und 22 Grad, immer wieder bewölkt (nie den ganzen Tag sonnig – das mag ich nicht, außer im tiefen Winter), mal ein bisschen Sonne, immer eine frische Brise und man kann gut durchatmen.

    So könnte es das ganze Jahr über sein. Ein Kältefan bin ich denn doch nicht, zugegeben.
    Dafür liebe ich meine hübschen Vintagefummel viel zu sehr und Kleidchen und das alles mit leicht gebräunter Haut.
    Hoffentlich krieg ich bei diesem Geständnis jetzt nicht eins mit der Keule über von Kaltwetter 😉

    Bin aber soooooooo froh, dass die Hitze vorbei ist und erstmal bis nächsten Jahr vom Tisch.
    Das war so die Hölle, ich darf gar nicht dran denken.
    Hab mich eweig schlapp und elend gefühlt, zu gar nix mehr fähig und hab auch meine ganzen Aufgaben sowie Hobbys schleifen lassen.
    Ich habe in den Hitzewochen praktisch kaum gelebt, mehr vegetiert. Sowas braucht kein Mensch und auch kein Tier.

    • Dann müsste ich meiner Frau auch was mit der Keule geben. Das Problem: Sie hat die größere Keule haha
      Meine Seite nennt sich zwar „KALTwetter“, aber solange sich die Kommunikation im netten und humorvollen Rahmen bewegt, dürfen gerne auch Sommerfreunde oder Extremwetterfreaks hier teilnehmen, so wie es auf englischsprachigen Seiten ebenfalls Gang und gäbe ist. Zudem bin ich mir durchaus bewusst, dass ich mit meiner Temperaturvorliebe von idealerweise -10 Grad und +10 Grad als Grenze zu den unangenehmen Temperaturen durchaus zu einer Minderheit gehöre und diese Vorliebe auch nicht von anderen verlange, wie könnte ich?
      Bei den Sofeten richtet sich meine Kritik schließlich auch nur auf deren Intoleranz Andersempfindenden gegenüber, ihre wahnwitzigen „Belege“ und den krankhaften Missionierungswahn, jeder müsse Hitze und damit letztlich auch die Klimakatastrophe, die uns vernichten wird, positiv besetzen.

    • Snow Patrol

      Willkommen im Club! Ich kam mir vor im Sommer wie ein Zombie: Zu schwach zu leben, zu stark um übern Jordan zu gehen:-(

  • cleopatra

    ach so und ein Kompliment für deine sorgfältig ausgearbeiteten Beiträge, Kaltwetter.

    Es tut doch immer gut, mal was durchdachtes und fundiertes weitab des plappernden mainstreams zu lesen.

    Auch wenn ich nach wie vor der Ansicht bleibe, das Hauptproblem sind die Menschenmassen auf diesem Planeten, die ihn kaputt machen, auch wenn sie sich alle vorbildlich verhalten würden. Zuviel ist zuviel.

    • Die Theorie hatte ich auch mal vorgestellt anhand Prof. Leschs Video. Ich denke ein Faktor allein reicht nicht, da kommen wohl alle zusammen, um etwas in 50-100 Jahren zu „erreichen“, was sonst 100.000 Jahre auf natürliche Weise benötigt.
      Interessant wäre die Frage, ob es eine evolutionäre Prädestination ist, dass wir die gescholtene Kybernetik (Biochips), Genetik und vielleicht auch Künstliche Intelligenz just in dieser Phase entwickeln, da sie uns theoretisch befähigen würde mit der Zeit, das Sonnensystem zu besiedeln und den Populationsdruck auf der Erde zu mindern. Natürlich gehört die fatale Büchse der Pandora bei solch gewaltigen Evolutionssprüngen, will sagen Missbrauch durch das Militär und Katastrophen, immer automatisch dazu.

      • cleopatra

        Für dich wäre evtl mal das wunderbare Buch „Zukunftsvisionen“ was….
        Ich las das vor etlichen Jahren und einiges davon ist inzwischen eingetroffen.

        Besonders interessant war die Zukunft der Menschheit und die Einteilung in Zivilisationsphasen…. danach waren wir gerade mal bei Phase 0. Die letzte Phase war die Eroberung des weiteren Kosmos, weil die Uhr unserer Erde eh abgelaufen war.
        Ich hab ja so meine Zweifel, ob diese Phase je eine Zivilisation erreichen könnte. Davor bringen sie sich selbst um…. das erklärt auch, warum wir noch nie von einer anderen intelligenten Spezies von außerhalb besucht oder „angefunkt“ wurden.

        also das Buch kann ich nur empfehlen, ist echt ganz kurzweilig zu lesen und deckt alle Gebiete ab von künstlicher Intelligenz über Gentechnik bis Schicksal des Menschen.

  • SchneeKönigin

    Tausend Dank für diesen hervorragenden Beitrag, kaltwetter!!!
    Ich kam aus der Gänsehaut nicht mehr raus…was für ein Wahnsinn kommt da auf uns zu?? Und was muß noch alles geschehen, ehe die Menschheit wachgerüttelt wird?

    • Danke 🙂
      Ja, was muss noch geschehen? Traditionell einige Millionen Tote, wie immer. Ich hoffe, es kommt anders, denn diese Zukunftsvision ist so negativ und düster, dass man sich mit Grausen abwenden muss.
      Ich denke, wir sind uns alle einig, dass etwas getan werden muss, damit die Zukunft wieder besser aussieht in einer Welt, die an allen Ecken und Enden allmählich wahnsinnig wird, nicht nur beim Klima.

  • Fneeschall

    nach diesem unerträglichen sommer sind die aktuellen temperaturen einfach nur wunderbar…. 13 grad und heute nacht sogar nur 3,9 grad gehabt.
    ich will schnee !!!

    • Schnee wäre prima, habe ich persönlich als Flachlandbewohner (seit über 40 Jahren) aber aufgegeben. Winterherbst mit unter 10 Grad und manchmal sogar Frost (wow!) wäre für mich ok. Schnee habe ich selbst in den 70er und 80er Jahren im Ruhrpott wohl nur jeden zweiten oder dritten Winter erlebt und mehr als 10 cm waren das nie, die dann meist nach einigen Tagen sich in Schneematsch verwandelten.
      Insofern: Jetzt in der Klimakatastrophe wäre für mich Schnee hier in Rhein-Main ein Wunder und es würde auch entsprechend behandelt (angebetet ^^).

      • Fneeschall

        du armer….. noch nie über einen umzug ins gebirge nachgedacht ?

        • Es gibt nie nur eine Ideale Wahrheit. Im Gebirge sind die Sommer oft die Hölle mit viel zu viel Sonne und Föhn-Brandstiftung. Letztlich bin ich, auch wenn ich Berge mit ihrer majestätischen, beschützenden Aura mag, ein Halbostfriese ^^
          Aber man muss ja nicht gleich in die Berge ziehen – Urlaub ist eine prima Alternative 😉 Schneeurlaub, das wäre mal etwas, ist nur schwer zu planen in der Klimakatastrophe – selbst in den Bergen, die immer mehr mit Kunstschnee arbeiten müssen.

          • Fneeschall

            ja es müssen ja auch nicht gleich die alpen sein 😀

  • Peter

    Danke für den (wievielten eigentlich?) sensationellen Artikel zur Lage der „Klimanation“. Ich erschrecke immer wieder, wenn ich Deine ausführlichen Berichte lese und mir dann erst klarmachen muss, dass das die Wirklichkeit ist und nur vermutlich ein Vorgeschmack auf den Wahnsinn, der uns noch in der Zukunft erwartet. Noch mehr wundere ich mich, dass das offenbar niemanden der politischen Entscheidungsträger auch nur interessiert.
    Ich hoffe auf viele weitere solcher Berichte!

    • Ja die politische Ahnungs- und Handlungslosigkeit wundert mich auch, in der Tat. Deswegen habe ich mit der Seite ja auch angefangen.
      Vielen Dank für Lob und Unterstützung – das ist der Applaus für den Schreibenden 🙂 Ich wünschte nur, es wird irgendwann einmal richtig gutes zu berichten geben und nicht nur leider negativ gestimmte Nachrichten. Die Zukunft fließt und auch wenn sie derzeit düster aussieht, ist die nicht auf das schlimmste aller möglichen Enden prädestiniert. Also müssen wir etwas tun, jeder nach seiner Fähigkeit. Und indem wir allein darüber reden an dieser Stelle hier, wird etwas im Kleinen bewegt.

  • Autumn

    Ein toller Artikel, der sehr zum Nachdenken anregt. Du sprichst mir auch wieder einmal aus dem Herzen, vor allem die „Qualen am Arbeitsplatz“; es war einfach furchtbar! 🙁 Man konnte sich so gut wie gar nicht konzentrieren, ich war total antriebslos, ständig müde und kaputt. Nächstes Jahr findet bei mir der Urlaub definitiv im Hochsommer statt. Habe bislang immer während der Nebensaison gebucht (günstiger, ruhiger) und immer gehofft und gebetet, dass der Hochsommer mild ausfallen und mich mit Hitze verschonen möge. Aber der Sommer 2015 hat mich definitiv eins gelehrt: ab in den Norden zwischen Mitte Juli und Mitte August!! Etwa dann ist ja die Wahrscheinlichkeit für Hitzewellen am höchsten. Zwei Wochen Urlaub buchen und weg, in der Hoffnung, die schlimmste(n) Hitzewelle(n) zu „verpassen“.

    Ich kann die Sofeten übrigens immer weniger verstehen…wenn ich diesen Artikel genau durchlese: WIE kann man über eine solche Katastrophe auch noch JUBELN??!! Noch schlimmer die schrecklichen Radiomoderatoren und Journalisten, die natürlich schön in ihren klimatisierten Büros sitzen. Ich hoffe, dass bei denen mal die Klimaanlage für eine längere Zeit ausfällt, mal schauen, ob die dann auch noch so jubeln.

    Ich selbst habe unter der Hitze sehr gelitten. Bin hitzeempfindlich und sonnenallergisch. Bei diesen fürchterlichen 40 Grad habe ich schreckliche Kopfschmerzen bekommen 🙁 Verabscheue alles über 28 Grad! Hoffe, ein Vulkan bricht irgendwo aus, am besten mehrere!!! So eine grausame, alles vernichtende Brüllhitze will ich NIE MEHR.

  • Snow Patrol

    Einwandfreier Artikel über den Höllensommer 2015!
    Bei mir kam nach dem Wadenbeinbruch Ende Feb.eine Rippenprellung im Juni sowie das sensationelle Auftreten einer bis dato unbekannten Hautkrankheit Dishydrose im Juli (bis heute) dazu. Starkes Brennen und Jucken sowie Hautabspaltungen an Händen und Füßen:-(
    Dass ich am Tag des Temperaturmaximums (5.7.15) eine Prüfung vorbereiten musste aber nicht konnte interessiert einen Bunte-lesenden Sofetenhonk natürlich nicht die Bohne. Obwohl die neue Dachwohnung gut isoliert ist, haben die nächtlichen Fensteröffnungsszenarien wenig bis nichts gebracht. Außer Dauerstress mit den Zeitgenossen in Familie und Beruf. Vielleicht bringt eine Klimaanlage in der Höllenzukunft ein wenig.
    Jetzt ist der 12.10. und ich wünsche mir einen Höllenwinter mit einem Geopotential von unter 950 hp am besten über der Mittelmeerküste von Istrien kombiniert mit einem Kältehoch über Skandinavien mit 1080 hp oder so. Remember 78//79:-) Das waren noch Zeiten als die Sofeten zu Schweigemärschen aufbrachen:-)

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