Verlieren wir in der Klimakatastrophe, beschönigend
Verlieren wir in der Klimakatastrophe, beschönigend "Klimawandel" genannt, schlussendlich den Kopf ..? (Hinrichtung von Marie Antoinette, Königin von Frankreich, am 16. Oktober 1793 in Paris)

Der aktuelle El Niño kennt keine Scham.
Von einem Radikal reißt er uns erst in einen Alptraumsommer brutalster Hitze, dann in das nächste, wenn auch erlösende Radikal eines Kaltherbstes, wie man ihn lange nicht mehr gesehen hat. Ursache sind die „Weiterleitungen“ der enormen Hitze vor der Nordküste Südamerikas über die gesamte Welt mittels der „Bipolaren Telekonnektion“ im Sommer, sowie der vermuteten Atlantikblockade und Troglagenverstärkung ab dem Herbst*.

ENSO und die Pazifische Dekaden-Oszillation

Bereits seit längerem vermuten Wissenschaftler, dass das Klimaphänomen El Niño in Zukunft deutlich häufiger auftreten wird: http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-17104-2014-01-20.html
Grund dafür sind zum Einen Hitzephänomene im Pazifik, deren Zustandekommen und deren Wechselwirkung miteinander noch nicht vollständig verstanden sind:

1. ENSO wird die El Niño und die Southern Oscillation abgekürzt genannt, bei dem ein El Niño eine Zustandsform ist. Die Wechsel zwischen El Niño (zu warme Wassertemperaturen), seinem Gegenstück La Niña (zu kühle Wassertemperaturen) und einem neutralen Zustand wechseln relativ kurzfristig und beschreiben die Atmosphäre (SOI – Southern Oscillation Index) und die Wassertemperaturen (El Niño, La Niña, Neutral) im pazifischen Raum.

Wir sehen auf der grafischen Darstellung, dass der SOI als Teil der ENSO sich zeitlich relativ rasch ändert, dafür aber qualitativ in seinen Anomalien relativ verhalten ist (mit Blick auf die gemittelten Werte in Form der schwarzen Wellenlinie):

Southern Oscillation Index (SOI) mit Darstellung der Meerestemperaturanomalien El Niño und La Niña, © <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/El_Ni%C3%B1o-Southern_Oscillation#/media/File:Soi.svg">Giorgiogp2 auf commons.wikimedia.org</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC BY-SA 3.0</a>
Southern Oscillation Index (SOI) mit Darstellung der Meerestemperaturanomalien El Niño und La Niña, © Giorgiogp2 auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0

2. Die Pazifische Dekaden-Oszillation (Abkürzung PDO; englisch pacific decadal oscillation) hingegen offenbart den Wissenschaftlern einen größeren Zyklus der Veränderungen von Wassertemperaturen im Pazifik. Es scheint sich hier um grob gesagt 30 Jahres-Zyklen zu handeln, die mit der kurzwelligen ENSO interagieren und dabei die Klimaphänomene El Niño und La Niña hervorrufen oder verstärken sowie abschwächen können.

Die PDO unterscheidet sich von der SOI/ENSO beträchtlich, wie man sieht. Hier ist der zeitliche Abstand zwischen zwei Änderungen deutlich größer, dafür ist die Qualität der Anomalien deutlich stärker:

Pazifische Dekaden-Oszillation (PDO) seit 1900 mit warmen und kalten Phasen, © <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pazifische_Dekaden-Oszillation#/media/File:PDO.svg">Giorgiogp2 auf commons.wikimedia.org</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC BY-SA 3.0</a>
Pazifische Dekaden-Oszillation (PDO) seit 1900 mit warmen und kalten Phasen, © Giorgiogp2 auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Hier liegt allerdings auch ein Kritikpunkt: Wenn die Interaktionen der kurzwelligen ENSO und der langwelligen PDO noch nicht verstanden wurden, dann steht eine Hypothese über eine Verstärkung und Häufung von El Niño-Ereignissen auf unverstandenen, schwachen Füssen.

Schaukeln sich die Klimakatastrophe und El Niño gegenseitig hoch?

Zum zweiten könnten sich die El Niño-Ereignisse durch die Klimakatastrophe selbst häufen, denn die globale Erwärmung wirkt sich natürlich auch auf die Wassertemperaturen aus. Bislang hat es den Anschein, dass die Erwärmung von den Ozeanen geschluckt wurde. Doch seit einigen Monaten steigen die globalen Wassertemperaturen deutlich an (siehe den globalen Klimabericht zum August 2015) und Forscher befürchten, dass die Wärmekapazität der Ozeane erschöpft ist und diese sich nun exponentiell stärker erwärmen – mit allen negativen, erdrutschartigen Folgen von einer galoppierenden Eisschmelze bis hin zu „Todeszonen“ ohne Sauerstoff, in denen millionenfach Lebewesen massenvernichtet werden und einer Versauerung der Ozeane, die bereits jetzt zu einem Korallensterben führt.
Eine stetige Erwärmung der Wassertemperaturen könnte also im Bezug auf den El Niño dieses besorgniserregende Klimaphänomen, das als „Agent der Klimakatastrophe“ und somit als Verstärkungsfaktor einer globalen Erwärmung gesehen wird, deutlich häufiger „triggern“ (auslösen) als bisher.

Nachweise über diesen letztlich doch recht schwer fassbaren und diffusen Mechanismus gibt es allerdings bis auf die Beobachtung der letzten El Niños als Folgeerscheinung nicht. Man muss also methodisch aufpassen, dass man nicht einem Zirkelschluss aufsitzt und Ursache und Wirkung eventuell verwechselt.
Bei aller Schwarzmalerei darf man auch eines nicht vergessen: Wir haben nun innerhalb von 20 Jahren ganze 2 El Niños erlebt, die den Namen verdient haben: 1997 und 2015. Ob sich daraus eine signifikante Reihe häufigerer El Niños ergibt, wird sich statistisch nicht so schnell beantworten lassen, sondern vielmehr im Laufe von sagen wir einmal 100 Jahren.
Und über die Stärke der jeweiligen, möglicherweise häufigeren El Niños sagt dies noch überhaupt nichts aus.

In Zukunft mehr sommerliche Hitzequalen wie 2015 durch eine Häufung oder Verstärkung des El Niño? © <a target="_blank" href="https://www.flickr.com/photos/instantvantage/5989252218/in/photostream/">Guian Bolisey auf flickr.com</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/">CC BY-SA 2.0</a>
In Zukunft mehr sommerliche Hitzequalen wie 2015 durch eine Häufung oder Verstärkung des El Niño? © Guian Bolisey auf flickr.com, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Auch wenn die Vermutung, dass El Niños häufiger und stärker werden, in das Schema der Klimakatastrophe perfekt passt, sollte man daher kritisch bleiben und einen Rechenschieber* zur Hand nehmen: Der nächste El Niño sollte nach Adam Riese also vor dem Jahr 2033 (18 Jahre Differenz, wie bei 1997 und 2015) auftreten, wenn die Hypothese stimmen soll.

Werfen wir doch ruhig wissbegierig einen detaillierteren Blick auf die El Niño-Jahre anhand der von der US-amerikanischen NOAA gelieferten Daten, so stellen wir im Zeitraum 1950 – 1970 insgesamt 74 Dreimonatsabschnitte mit El Niño-Wassertemperaturen fest. Im späteren Zeitraum 1990-2010, der der Klimakatastrophe zugeordnet werden kann, sind es jedoch „nur“ 67. Eine Tendenz zur Zunahme ist also nicht feststellbar.
Allerdings nahm die Stärke der El Niños selbst deutlich zu. Stellt sich die Frage, wo die Ursache dafür liegt. Wirklich in der Klimakatastrophe oder doch nur in einer Kombination der sich unregelmäßig überlagernden PDO und SOI?

Eine Antwort darauf wird uns erst die Zeit geben können. Und das ist auch das Gefährliche an der Klimakatastrophe: Die Ursachenforschung ist so komplex, dass dieser Umstand dazu führen könnte, dass Klimalügner und -gegner diesen Umstand ausnutzen, um unwissenschaftlich und propagandistisch eine Klimakatastrophe zu negieren und auch eine Zunahme der Häufigkeit und/oder Stärke des El Niño abzulehnen, um pro Hitzegeilheit oder pro Industrielobby zu lügen.

Das Problem dabei ist das gleiche wie bei der Guillotinierung einer Königin: Wenn es erst einmal passiert ist und das Klimabeil gefallen ist in dem Sinne, dass letztlich doch El Niño immer häufiger und stärker wird und statt in 500 Jahren plötzlich in 50 Jahren die Klimalage für den Homo sapiens lebensbedrohlich wird, dann kann man das gekippte Klima ebensowenig wieder an den Menschen anpassen, wie man das abgetrennte Königinnenhaupt nicht wieder am Corpus zu befestigen in der Lage ist …

Grundlagenartikel zum Verständnis eines El Niño: El Niño – ein überbewertetes Klimaphänomen?

  • Alptraum der Sofeten

    Danke für die neuen Wörter und Bilder Michael 😉
    Bei mir ist auch ein Wunder geschehen, heute Vormittag Schneeregen. War nicht zu Hause aber in Ahlen also Westfalen/Münsterland hat es doch tatsächlich von 10:30 Uhr bis ca.12 Uhr geschneit! Ohne >Regen purer Schneefall. Man war das schön erst mal 20 min in den Schnee gesehen. Zwar nicht liegen geblieben (Autos und Dächer ein wenig) aber das war so schön und das am 14.10 hab ich noch nicht erlebt 🙂
    Bin gespannt wie es nach dem jetzt milderem Verlauf wird, welche Großwetterlage wohl kommt.

    • Gerne 🙂 Wurde mal wieder Zeit für etwas Wissensstoff nach der Satire.

      Hehe schon klasse so eine nette Winterüberraschung, was? Haben wir uns auch verdient nach dem Sommer der Hölle und 25 Jahren Klimakatastrophe! Wobei hier kein Schnee fiel (das überrascht jetzt wirklich niemanden in Tropenhessen) aber 4 Grad und Niesel ist ein endgeiles Wetter. Ich habs draußen genossen heute!

      Momentan sieht es nach kurzer Westdrift aus kommende Woche, aber ich vermute danach (Ende Oktober) gehts teilweise wieder in die Troglagen. Möglicherweise wird der November aber doch zu warm, wie ich mir das in meiner Herbstprognose vorgestellt habe. Aber wird wegen Nebel alles halb so schlimm ^^
      Man schielt bereits zum Winter …
      Die Profiprognosen sind leider immer noch Stand September veraltet. Ich hoffe, ich kriege die Prognosen noch vor meinem Urlaub hin, sonst müsst ihr alle leider warten ^^ IRI, NASA & Co. sollen mal in die Pötte kommen wie es in Westfalen so schön heißt …

      • Alptraum der Sofeten

        Die sollen mal hinne machen, genau 🙂
        Bin gespannt wie lange die Westdrift kommt und wie weit nach Osten.

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