© serge1965 auf deviantart.com, Lizenz: CC BY-ND 3.0
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Die aktuellen Prognosen zum El Niño überschlagen sich!
In einigen der Modelle bildet sich nicht nur der früheste, sondern auch der stärkste El Niño aller Zeiten ab, d. h. seit 1790, wenn man einen weiten Maßstab anlegt, oder seit 1979, wenn man mit den Satellitenmessungen ein engeres Kriterium wählt.

Grundlegend zum El Niño noch einmal der Verweis auf meinen Leitartikel: http://byjrdp.myraidbox.de/el-nino-ein-ueberbewertetes-klimaphaenomen/
Und zu den Auswirkungen auf unseren Sommer in Europa: http://byjrdp.myraidbox.de/update-el-nino-forscher-ahnungslos-ueber-die-auswirkungen-auf-unseren-sommer/

Aktueller Stand der Modellprojektionen

Mittlerweile gehen sämtliche Modellberechnungen von einem El Niño aus!
Werfen wir einen Blick auf die Grafik der Australier vom Bureau of Meteorology, die die wichtigsten Modelle im Vergleich zusammenfasst:

El Nino-Prognose der verschiedenen Modelle für Juni 2015; © Bureau of Meteorology, http://www.bom.gov.au/climate/ahead/model-summary.shtml#tabs=Pacific-Ocean
El Niño-Prognose der verschiedenen Modelle für Juni 2015; © Bureau of Meteorology

El Nino-Prognose der verschiedenen Modelle für August 2015; © Bureau of Meteorology, http://www.bom.gov.au/climate/ahead/model-summary.shtml#tabs=Pacific-Ocean
El Niño-Prognose der verschiedenen Modelle für August 2015; © Bureau of Meteorology

El Nino-Prognose der verschiedenen Modelle für Oktober 2015; © Bureau of Meteorology, http://www.bom.gov.au/climate/ahead/model-summary.shtml#tabs=Pacific-Ocean
El Niño-Prognose der verschiedenen Modelle für Oktober 2015; © Bureau of Meteorology

Wir sehen also, dass einige noch vorsichtig sind bzw. die neusten Daten noch nicht aktualisiert haben und die Amerikaner* (NOAA und NASA) einen unfassbaren Rekord-El Niño von 3 Grad im Herbst anzeigen!
Für die USA, Japan und Südamerika hätte dies Wetterkapriolen zur Folge, die man bisher noch nicht gesehen hat, von Dürren unvorstellbaren Ausmaßes bis Überschwemmungen mit Regengüssen jeglicher Vorstellung – zumindest in der Theorie und nach dem, was wir beim letzten, bisher stärksten El Niño 1997/98 beobachtet haben.

Nochmal: Für Europa im Sommer können keinerlei Prognosen getätigt werden, weil es weder Forschungen dazu gibt noch eine Datengrundlage: Es gab bisher einfach nur 3 El Niños, die früh im Jahr so hoch gingen. Von einem Kaltsommer über eine Hitzekatastrophe bis hin zu null Auswirkung ist alles möglich.
Hochinteressant wird es jedoch für den Winter.

Rekord El Niño = Arktischer Winter in Europa?

Begeben wir uns ins Reich der Spekulation und nehmen wir an, die Modellprojektionen sind korrekt und es wird einen Rekord-El Niño geben, den die Welt bisher noch nicht erlebt hat.
Es ist bekannt, dass El Niños die Wahrscheinlichkeit für einen Kaltwinter in Europa drastisch erhöhen. Eine Zahl zu nennen fällt auch den Wissenschaftlern nicht leicht, da bekanntlich auch Großwetterlagen mitspielen müssen, damit unser Traum eines Kaltwinter eintrifft. Man munkelt also von 60 bis 70% Wahrscheinlichkeit eines Kaltwinters.

Woran liegt das? Durch die Anomalie El Niño kehrt sich das globale Wetter um, als hätte man einen Schalter gedrückt. Allerdings sind die Auswirkungen auf Europa, das weit von der Küste Südamerikas und dem Pazifischen Ozean entfernt ist, mehr als nur unsicher. Projektionen deuten darauf hin, dass in El Niño-Zeiten es östlich von Deutschland feuchter wird (Regen) und südöstlich (Balkan) trockener. Deutschland scheint genau an der Grenze der Veränderungen zu liegen und zeigt letztlich im Sommer und Herbst kaum Veränderungen.
Im Winter ist eine Zunahme von Kaltwintern festzustellen (den Nachweis habe ich detailliert im Leitartikel anhand der verfügbaren Daten geführt) – allerdings nicht immer, sondern nur bei einem CP El Niño – oder einem Modoki El Niño als Sonderform des CP El Niño.

Zur Wiederholung: Bei einem EP El Niño erwärmt sich die Küstenregion Südamerikas stärker als die westlich davon gelegene Pazifikregion. Es handelt sich um einen Eastern Pacific El Nino, also einen, wo die östliche Seite (Region 1.2) direkt an der Küste höhere Temperaturen aufweist als die Zentralpazifische 3.4-Region.
Sieht es anders herum aus, dass der Zentralpazifik wärmer ist als die Küstenregion, dann handelt es sich um einen CP, also Central Pacific El Niño. Der Modoki ist lediglich eine Sonderform des CP.

Mit anderen Worten: Ein EP El Niño ist nach meinen Daten eher schlecht für einen Kaltwinter, der CP oder Modoki erhöht die Wahrscheinlichkeit auf einen Kaltwinter, indem günstige meridionale Wetterlagen die die warme Westdrift vom Atltantik blockieren und mit einer günstigen Wetterlagen im Verbund, wie z. B. ein Skandinavienhoch mit deutschen Tiefs, polare Luftmassen ansaugen könnten und in diesem Fall Winter bis ins Flachland garantieren. Dennoch ist ein CP El Niño noch keine Garantie für einen Kaltwinter, sondern er begünstigt ihn nur.

Werfen wir einen Blick auf die Modelle. Wie sieht es in Region 1.2 (Küste) und 3.4 (Zentralpazifik) denn aus im Laufe des Jahres? Damit sich eine günstige Winterkonstellation bildet, müsste die Region 3.4 im Herbst wärmer sein als die Region 1.2:

Zonen beim El Nino: 1.2 = Küste (Eastern Pacific = EP); 3.4 = Zentralpazifik (Central Pacific = CP).
Zonen beim El Niño: 1.2 = Küste (Eastern Pacific = EP); 3.4 = Zentralpazifik (Central Pacific = CP).

Erfreulicherweise sehen wir in den Modellen der NOAA (CFSv2), dass sich genau im richtigen Zeitpunkt zum Herbst die Temperaturen in Region 1.2 deutlich absenken, während die Region 3.4 zur Höchstform aufläuft. Dies würde einen klassischen CP El Niño bedeuten, da die Temperaturen auf dem Pazifik höher sind als an der Küste – und diese Form würde einen Kaltwinter in Europa theoretisch (!) begünstigen.

Temperaturentwicklung des El Nino in Region 1.2 (Küste Südamerika); © NOAA, http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/people/wwang/cfsv2fcst/CFSv2SST8210.html
Temperaturentwicklung des El Niño in Region 1.2 (Küste Südamerika); © NOAA

Temperaturentwicklung des El Nino in Region 3.4 (Zentralpazifik); © NOAA, http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/people/wwang/cfsv2fcst/CFSv2SST8210.html
Temperaturentwicklung des El Niño in Region 3.4 (Zentralpazifik); © NOAA

Das große Aber zeigt sich ebenfalls in den von mir im Leitartikel dargestellten Jahren mit El Niños: Der größte Effekt für Europa trat scheinbar auf, wenn es sich um moderate CP El Niños handelte, aber nicht um starke El Niños.
Sollte der aktuelle El Niño sich wie von einigen der Modellen geweissagt zu einem „Monster“ entwickeln, könnte gerade diese Stärke am Ende dazu führen, dass er uns eben keinen Kaltwinter beschert. Andererseits befinden wir uns jetzt wieder in einem hochspekulativen Bereich. Denkbar wäre auch, dass gerade diese noch nie dagewesen Stärke für eine positive Kälteüberraschung sorgen könnte.

Wir bleiben also am Ball, sammeln, was die Wissenschaftler verlautbaren lassen und beobachten selbst aus erster Hand was sich in diesem Jahr an der Wetterfront abspielen wird. Sollte der Rekord-El Niño eintreffen, wird er massive Folgen über Jahre haben und wir stehen vor der Zeugenschaft eines der entscheidendsten Wetterjahre seit 1997.

  • Zoppo Trump

    Hört sich ja verzwickt an aber du machst das schon 😉
    Ich hoffe natürlich nur auf einen kalten langen Winter und warte ab was passiert. Vielleicht haben wir ja mal glück und es kommt alles auf einmal und beschert uns einen Eiswinter 🙂
    *träum*

    • Ich träume mit, Tim 😉

      • Zoppo Trump

        Haste schon den Livestream von dem Vulkan in Japan gesehen(weiß den Name jetzt nicht)? Der soll ja angeblich bald ausbrechen!? Aber ist viel Werbung im Stream. Hier mal der Link: http://www.ustream.tv/channel/kanagawa-koho2

        • Huch, welcher ist denn das? Der Sakurajima speit ja bereits, ist aber ein mäßig daueraktiver Vulkan. Bei Tokyo gab es ein Erdbeben und bekanntlich ist der heilige Berg Japans, der Fuji-san, überfällig mit einer Explosion – andererseits gab es schon früher Erdbeben und nichts ist passiert. Erdbeben können eine Eruption „triggern“, muss aber nicht zwingend sein.

          Oder der Hakone? http://asienspiegel.ch/2015/05/ein-vulkan-erwacht/

          Tja, nichts genaues weiß man nicht. Allerdings war der Ausbruch des Hakone im herrlichen 12. Jahrhundert von Samurai-Japan auch jetzt nicht der Mega-Ausbruch.
          Lass uns das mal weiter beobachten, bin gespannt, ob etwas passiert. In Japan scheint’s seit einiger Zeit vulkanisch hoch herzugehen, der Ontake ist ja letztes Jahr ausgebrochen.

          • Zoppo Trump

            Sehe gerade steht ja im Link. Ist der Kanagawa-Koho2, wenns den gibt 😀

          • Kanagawa ist eine japanische Präfektur (so etwas wie ein Bundesland könnte man sagen), Koho erschliesst sich mir nicht, einen Vulkan dieses Namens kenne ich nicht. Entweder ist das eine Firma oder die Bezeichnung der Webcam (deswegen „koho2“?). In Kanagawa ist mir nur der Hakone bekannt. Der Stream zeigt bei mir leider nur schwarz, vermutlich ist es nacht ^^

  • Zoppo Trump

    Ah, ok. Der Stream ist irgendwie kaputt bei mir. Keine Ahnung was passiert ist die ISS kann ich mir die ganze zeit angucken, vielleicht ist die cam schon kapput wegen dem ausbruch 😀

    • *g* Optimist ^^
      Aber diese aktuelle Seite zeigt nur den Aso, Sakurajima, Suwanonse-jima und Nishino-jima in Japan aktiv – alles mäßige Eruptionen die teilweise schon Wochen oder Monate andauern: http://www.volcanodiscovery.com/de/aktuell-aktive-vulkane.html

      Wäre für den Fuji-san ja ein Jammer, wenn dieser schönste Berg der Welt weggesprengt würde und dann auch noch direkt bei Tokyo mit so vielen Menschen. Nee dann lieber auf Island die Hekla, da ist nichts in der direkten Nähe, das Teil ist recht unansehlich und hätte zudem viel bessere Auswirkungen auf Europa ^^