Mit technischer Hilfe zurück in die Eiszeit?; Eisbergzeitalter, © George Grie auf Wikimedia, Lizenz: CC BY SA 3.0
Mit technischer Hilfe zurück in die Eiszeit?; Eisbergzeitalter, © George Grie auf Wikimedia, Lizenz: CC BY SA 3.0

Geo-Engineering ist ein Reizthema. Forscher, die sich aktiv beteiligen, wie z. B. der kanadische Wissenschaftler David Keith, gehören vermutlich zu den Personen, die am meisten Morddrohungen und Hass-Mails erhalten. Auf den ersten Blick erscheint es als eine bloße logische Folge, dass in einer Welt aus längst wahnsinnig gewordenen Sommerfetischisten, die die Erde am liebsten in ein Dauertreibhaus verwandeln würden und die eine bereits aktive Klimakatastrophe auf Kosten unserer Kinder und Kindeskinder absurd beklatschen, diese naturgemäß einer Abkühlung der Erde wenig Verständnis entgegenbringen.
Doch solcherlei Hass resultiert nicht selten aus Unwissen und Unverständnis.
Zunächst einmal sollte man sich daher dem Begriff „Geo-Engineering“ widmen und diesen Forschungsbereich verstehen.

Was genau ist „Geo-Engineering“?

Mit dem Begriff „Geo-Engineering“ bezeichnet man die willentlich durchgeführten Änderungen in Kreislaufsystemen der Erde durch technische Mittel, insbesondere in der Atmosphäre. Das Ziel besteht aktuell angesichts einer bedrohlichen, globalen Erwärmung in einer Erhöhung des Albedo-Werts, also der Reflektionsfähigkeit von Sonnenenergie, um die Erde abzukühlen.

Einige Vorschläge aus dem Ideen-Pool der Wissenschaftler:

Eruption des Stromboli/Italien (Bild verkleinert zum Original), © Wolfgang Beyer at wikipedia, Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/
Eruption des Stromboli/Italien (Bild verkleinert zum Original), © Wolfgang Beyer at wikipedia, Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/

1. Vulkan spielen: Schwefeldioxid in die Stratosphäre bringen

Es ist bekannt, dass bei Vulkanausbrüchen das in die Stratosphäre gelangende Schwefeldioxid (SO2) sich in der Atmosphäre mit Wasser zu Schwefelsäuretröpfchen verbindet und als Schleier die Albedorate, also die Rückstrahlrate der Sonnenenergie, deutlich erhöht. Nach großen Vulkanausbrüchen wurde global stets eine Verringerung der Temperatur um etwa 1 bis 1,5 Grad verzeichnet.
Die Idee, das Schwefel auf künstliche Weise in die Troposphäre zu verfrachten, liegt daher nahe. Pläne gehen dabei von Schläuchen, die 25 km lang sind und mit Heliumballons in die Stratosphäre geführt werden, über Flugzeugbasierende Sprühverfahren (abstruse Chemtrail-Verschwörungstheoretiker glauben, dass dies schon längst geschieht) bis hin zur Verlängerung schwefelproduzierender Fabrikschornsteine in die Stratosphäre.

Der bereits erwähnte kanadische Forscher David Keith favorisiert hingegen die Verwendung von Aluminium statt Schwefeldioxids aufgrund der effektiveren Eigenschaften des Leichtmetalls.

2. Phosphoretisch schwebende Nanoscheiben

Klingt futuristisch wie aus dem Film „Matrix*“ und bedeutet die Verbringung von mikroskopisch kleinen Scheiben aus verschiedenen Metallen, die aufgrund des Phosphorese-Effekts dauerhaft schweben würden, in die Stratosphäre statt Schwefeldioxid zu verwenden. Es handelt sich dabei um einen bekannten, aber mittlerweile beinahe vergessenen Effekt, der z. B. auch auftritt, wenn Sonnenlicht auf Windmühlenflügel trifft und diese sich dadurch bewegen. Die Wechselwirkung zwischen einem Gas (in diesem Fall der Luft) und einer erwärmten Oberfläche (in diesem Fall der Nanoscheiben) führt zu einer Bewegung und bildet die Grundlage für diese Theorie. Eine erhöhte Albedorate der Atmosphäre ist auch hier das Ziel des Projektes.

3. Eine Sonnenbrille für die Erde

Der Pentagonphysiker Lowell Woo plädiert für riesige Sonnensegel, die zwischen Sonne und Erde im Weltraum aufgespannt werden sollen, um auf diese Weise die Erde zu beschatten und die Wärmestrahlung der Sonne abzublocken, bevor sie den Planeten erreicht.

Boote, die Wasser in die Atmosphäre sprühen, Illustration: NASA
Boote, die Wasser in die Atmosphäre sprühen, Illustration: NASA

4. Wolkenbildungs-Boote

Der Ingenieur Steven Salter propagiert einen Vorschlag, der geradezu gefahrenfrei klingt: Das Versprühen von Wasser in der Atmosphäre mit Hilfe von windbetriebenen Glasfaserbooten, um auf diese Weise eine vermehrte Wolkenbildung anzuregen.

Die genannten Ideen zur Abkühlung der Erde sind meist mit geradezu lächerlich geringen Kosten umsetzbar und darin liegt auch die Crux: Wenn die nachträgliche Behebung der Klimasünden via „Geo-Engineering“ günstiger ist als ein gemeinsames Arbeiten an der Klimaschutz-Prävention könnte die erzieherische Wirkung für die Menschheit ins Leere laufen – immer natürlich vorausgesetzt, die globale Erwärmung ist tatsächlich rein menschenbedingt und nicht natürlichen Ursprungs, was bekanntlich noch nicht sicher ist (vgl. Artikel zum Schmelzen der Polkappen und zur Diskussion um das Kohlendioxid).

Das „Herumpfuschen“ in der Atmosphäre birgt Risiken, so viel steht fest.

Die Risiken

Geo-Engineering ist risikoreich allein von der grundsätzlichen Überlegung, dass wir die unglaublich komplexen Zusammenhänge im System Erde noch lange nicht verstanden haben. Drehen wir an einer Stellschraube, könnte das eine ganze Reihe von bis dato ungekannten Folgen auslösen, derer wir nicht mehr Herr werden.
Dass dies nicht bloß eine dramatisierende Vorstellung ist, bestätigt kein geringerer als der „Geo-Ingenieur“ David Keith, der dem Geo-Engineering im schlimmsten Fall das Potential zuspricht, das Leben auf der Erde ungewollt auszulöschen. Brutale Wahrheit, aber andererseits kann auch eine galoppierende Klimakatastrophe einer unkontrollierten Erwärmung das gleiche erreichen.

Abgesehen von solch einem Katastrophenfall kann aber auch in kleinerem Maßstab vieles schiefgehen. Bei Schwefelsäureinjektionen der Atmosphäre kann die entstehende Schwefelsäure durch Regen ausgewaschen werden und sich auf diese Weise in sauren Regen verwandeln, wie es momentan auch wieder beim Vulkan Bardarbunga in Island zu beobachten ist.

Nebenwirkungen wie der Abbau der Ozonschicht durch Schwefelsäure würden zu anderen Problemen führen. Zwar trägt der Abbau der Ozonschicht ebenfalls zur Abkühlung bei, allerdings erhöht sich die gefährliche UV-C und UV-B-Strahlung, die im Normalfall vollständig von der Ozonschicht absorbiert wird. Alle Lebewesen erlitten in diesem Fall Strahlungsschäden, die bereits heutzutage massiv unterschätzt werden.

Einige Methoden würden zudem zu starken regionalen Unterschieden führen, statt die Vorteile gleichmäßig zu verteilen. Nimmt man jetzt noch Gefahren wie den Missbrauch durch Militär oder geldgeile Kontrolleure aus der Wirtschaft hinzu und einer unkontrollierten Erwärmung, sobald man das einmal begonnene Geo-Engineering abrupt beendet, wird schnell klar, dass es sich hier nicht um ein harmloses Spiel übereifriger Wissenschaftler handelt, sondern um eine verantwortungsvolle Aufgabe mit dem einzigen Ziel, eine Katastrophe der Menschheit zu verhindern bei gleichzeitigem Potential, eine Katastrophe neu zu erschaffen.

Wann macht Geo-Engineering Sinn?

Wenn Forscher wie David Keith dabei vor allem aus der Fraktion der Klimawandel- bzw. CO2-Leugner als “Irre, die die Erde kühlen wollen” tituliert werden, vergisst man, dass im Grunde umgekehrt ein Schuh daraus wird.

Wowbagger, der unendlich Verlängerte: Schlechte Laune durch ewiges Leben, aber mit neuem Lebenssinn! © Yasir999 auf Wikimedia, Lizenz: CC BY-SA 4.0
Wowbagger, der unendlich Verlängerte: Schlechte Laune durch ewiges Leben, aber mit neuem Lebenssinn! © Yasir999 auf Wikimedia, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Wenn die Erde tatsächlich sich nicht durch natürliche Gründe wie die Sonne* erwärmt, sondern durch den Menschen, dann verhindert lediglich die große Zahl sommerfetischistisch verblendeter Sonnengeilheitsfanatiker, dass ich selbst jeden als Irren bezeichne, der diese bereits erfolgende Klima*-Apokalypse direkt oder indirekt in Wort und Tat unterstützt.

Da müsste man schon durch einen Zufall zur Unsterblichkeit gelangen, wie es der Romanfigur “Wowbagger, dem unendlich Verlängerten” aus Douglas Adams kongenialer Per Anhalter durch die Galaxis”*-Reihe, passiert ist, um fortan in der Langeweile endloser Jahre seinen Lebenssinn darin zu sehen, jeden einzelnen (in diesem Fall) Sommerfetischisten aufzusuchen und ihn gründlich als Dankeschön zu beleidigen, dass er für seine Sommersonnenhitzegegenwart die Zukunft der Menschheit opfert.

Letztlich macht es doch keinen Sinn, wenn jeder subjektiv argumentiert. Sonst müsste ich lauthals verkünden, dass es eine geniale Idee ist, die Erde endlich mal auf vernünftige Temperaturen abzukühlen, so dass man in Deutschland im Sommer max. 15 Grad hat (selbst das wäre mir eigentlich zu viel) und im Winter auch mindestens 3 Monate am Stück so viel Schnee und Eis, dass diese Jahreszeit ihren Namen verdient und nicht dieser Klimawitz, den wir leider oft ertragen müssen.

Nein, es macht nur Sinn, objektiv zu bewerten, ob „Geo-Engineering“ sinnvoll ist oder nicht. Die Risiken sind, wie oben beschrieben, doch als sehr hoch einzuschätzen und man gewinnt unweigerlich den Eindruck, dass man an Knöpfen einer Maschine dreht, deren Komplexität nicht einmal annähernd verstanden wurde. Für mich ergibt sich daraus nur eine logische Schlussfolgerung: Erst wenn der Katastrophenfall eintritt, also eine galoppierende Klimakatastrophe – und dies wird man definitiv bemerken -, dann müssen Gegenmaßnahmen getroffen werden, allein um der Menschheit beim Überleben ein Zeitfenster zu bieten. Man kann in diesem Fall sozusagen nichts mehr verlieren.
Aus diesem Grund müssen für einen solchen hypothetischen Fall die Forschungen dann nicht erst beginnen, sondern bereits abgeschlossen in der Schublade parat liegen. Arbeiten wie die von David Keith könnten also uns und unseren Kindern einst auf gut deutsch gesagt den klimatischen Hintern retten. Dass sie dafür mit Hass übersät werden, ist eine Folgerichtigkeit des Homo sapiens, der in seiner Dämlichkeit innerhalb der eigenen Geschichte ein Abonnement auf Idiotie oft genug bewiesen hat.
In jedem Fall wäre es klüger und besser für uns, wenn es erst gar nicht so weit käme, waghalsige Pläne umzusetzen. Aber möglicherweise ist dieser Weg bereits unbemerkt jenseits unseres zukünftigen Handlungshorizontes gelangt. Wir werden es in den nächsten Jahrzehnten in jedem Fall am eigenen Leib erfahren.

Vielleicht ist es ja auch unser Schicksal, evolutionäre Kältesegel zu entwickeln, wie die Dinosaurier* es uns vorgemacht haben. Dimetrodon* besaß ein eindrucksvolles Rückensegel, um seine Körpertemperatur zu regulieren. Allerdings hat ihn dies ebenfalls nicht vor dem Aussterben bewahrt 😉

Dimetrodon: Ausgestorben trotz Kühlfunktion ;-)
Dimetrodon: Ausgestorben trotz Kühlfunktion 😉

Artikelbild: Eisbergzeitalter, © George Grie at wikimedia.commons, Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en

  • Dracu

    Hallo Kaltwetter,
    Ich Glaube das eine neue Eiszeit die Menschheit ausrotten würde.
    Übrigens wenn wir schon bei Vulkanausbrüchen sind.
    Es sind in diesem Jahr 2014 so viele Vulkanausbrüche
    zu verzeichnen wie noch nie. Ich habe gelesen das 35 Vulkane
    aktiv sind.Und die Wissenschaftler sind ratlos warum das so ist.
    Nur Zufall kann das doch nicht sein.Das wäre meiner Meinung nach zu
    einfach.

    • Ja Dracu, eine neue Eiszeit wäre ebenso schlecht wie eine globale Erwärmung, aber Ausrotten würde sie uns sicher nicht, nur an die Grenzen führen.
      Was die Vulkanausbrüche angeht vermute ich, dass du eine Klimawandelgegnerseite besucht hast, denn die übliche und ganz normale Rate sind 50-60 aktive Vulkane global auf der Erde pro Jahr (Schmincke, Vulkanismus). Derzeit aktive Vulkane sieht man sehr gut im Überblick auf dieser Weltkarte: http://www.volcanodiscovery.com/de/aktuell-aktive-vulkane.html