Kommt die Frühlingshitze wieder durch das El Niño-Monster zurück?
Kommt die Frühlingshitze wieder durch das El Niño-Monster zurück?

Wir erinnern uns mit Grauen an den El Niño-Sommer 2015, der uns Leid und Qualen jenseits aller Vorstellungen bescherte.
Nachdem El Niños kühler Gegenpart La Niña nur kurz im Winter 2016/17 sein Unwesen trieb und diesen zu einem Dauerhochdruckwinter beeinflußte, taucht nun das Hitzemonster El Niño viel zu früh wieder auf!

Zwar gab es durchaus schon eine Phase in der Vergangenheit, in der El Niño viel zu früh wiederkehrte (1964/65; vgl. die 3-Monatsdarstellung der NOAA), doch sowohl die Stärke wie auch die rekordschnelle Wiederkehr verblüfft.

Viele Forscher gehen davon aus, dass das Klimaphänomen El Niño einen Dauerzustand annehmen könnte und auf diese Weise die Klimakatastrophe geradezu im Zeitraffer unsere Welt, wie wir sie kennen in die klimatische Apokalypse stürzen könnte, indem sie Jahrzehnte überspringt.

Soweit sind wir noch nicht, doch ist die so frühe Rückkehr von El Niño ein ernstes und bedrohliches Zeichen, das man ernst nehmen muss.

Aktueller Stand des El Nino: Die Küste brennt

Der El Niño hat sich völlig überraschend aus dem Nichts entwickelt und die Temperaturen sind geradezu blitzartig nach oben geschossen. Bereits aktuell beträgt die Anomalie +2 Grad Kelvin, was ungewöhnlich hoch ist.

Dabei handelt es sich um einen EP El Niño.
Wir erinnern uns: Je nachdem, wo die Hitze auftritt, wird ein El Niño als EP (Eastern Pacific = Küste) oder CP (Central Pacific = Zentralpazifik westlich der Küste) klassifiziert. Zumeist ist der Übergang fließend. Auch der 2015er El Niño begann als EP und entwickelte sich dann zum CP.

In den Prognosen erkennen wir, dass der El Niño dieses Mal deutlich einen EP-Charakter hat. Der Zentralpazifik kratzt momentan in den Prognosen im Sommer an der konservativen Definitionsmarke von +0,8 Grad Kelvin, wäre damit also ein sehr schwacher CP El Niño.

Temperaturentwicklung der ENSO in Region 1.2 (Ostpazifik an der südamerikanischen Küste): Aktuell schockierend starker El Niño mit über 2 Grad Kelvin Anomalie; © <a href="http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/people/wwang/cfsv2fcst/images3/nino12Monadj.gif">NOAA</a>
Temperaturentwicklung der ENSO in Region 1.2 (Ostpazifik an der südamerikanischen Küste): Aktuell schockierend starker El Niño mit über 2 Grad Kelvin Anomalie; © NOAA
Temperaturentwicklung der ENSO in Region 3.4 (Zentralpazifik): Aktuell kein El Niño-Status, aber ansteigend bis Sommer und Herbst; © <a href="http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/people/wwang/cfsv2fcst/CFSv2SST8210.html">NOAA</a>
Temperaturentwicklung der ENSO in Region 3.4 (Zentralpazifik): Aktuell kein El Niño-Status, aber ansteigend bis Sommer und Herbst; © NOAA
"Spaltung" der Welt in Hitze und Kälte aufgrund des El Nino (NOAA unter commons.wikimedia.org , lizenzfrei, Das Hitzeaktionszentrum in Europa ist links oben zu erkennen
Rückblick El Niño 2015: „Spaltung“ der Welt in Hitze und Kälte (NOAA unter commons.wikimedia.org , lizenzfrei, Das Hitzeaktionszentrum in Europa ist links oben zu erkennen. Klick auf das Bild zeigt die Animation.

Eine Hitzekatastrophe allein durch einen Rekord-El Niño wie 1997 oder 2015 wäre damit also nicht zu erwarten, ist aber im Zusammenhang mit anderen Faktoren auch nicht auszuschließen. Allerdings verstärkt die QBO-Westphase, die aktuell in der Stratosphäre herrscht, das El Niño-Signal. Der Grund ist vereinfacht ausgedrückt einsichtig: Die Folgen der ENSO (El Niño + La Niña; El Niño Southern Oscillation) werden global im Rahmen der sog. bipolaren Telekonnektion über die Stratosphäre übertragen. Anders ausgedrückt: Die Meeresoberfläche und die Atmosphäre stehen in direktem Kontakt und Austausch. Dadurch wird die gewaltige Hitze von El Niño über die Atmosphäre auch zu uns geführt. Wie 2015 entstehen dann „Brandherde“ überall auf der Erdoberfläche und kleinere Kühlgebiete in der Nachbarschaft. Die Klimakatastrophe springt dann quasi wie in einer Zeitreise in die Höhe und zeigt uns ein Klima, wie es 40 Jahre in der Zukunft aussieht.

Das ist jedoch nur bei einem Rekord-El Nino wie 2015 anzunehmen und nicht beim aktuellen, moderaten El Nino im Sommer. +2,0 Grad K sind allerdings schon eine Hausnummer mit Auswirkungen, die letztlich nach meiner Meinung zu einem Hitzefrühling führen können.

Hitzeoptionen ohne Ende: Wie beeinflusst El Niño den Frühling?

Im Rahmen der bipolaren Telekonnektion hatte ich im Vorfeld des Rekord-El Niños 2015 die Zusammenhänge erläutert, wie und warum das weit entfernte Klimaphänomen El Niño doch auf Europa Einfluß nimmt. In diesem Artikel stehen folgende 3 Regeln im Zusammenhang mit einem El Nino:

1. El Niño -> Wärmeverteilung global -> Angleichung Tropischer und Nordatlantik -> weniger Stürme -> Verstärkung von Hitze durch Nichtunterbrechung

2a. El Niño (bei negativer NAO) -> Verlagerung des Golfstroms nach Süden -> Entstehung von Tiefs im Mittelmeerraum statt auf dem Nordatlantik -> Dürre jenseits der Tiefs in Europa und Verstärkung der Hitze

2b. El Niño (bei positiver NAO) -> Verlagerung des Golfstroms Richtung US-Küste -> Entstehung von Tiefs bei Neufundland -> Zyklogenese und Verstärkung der Westdrift auf dem Atlantik

3. Geringe Zahl Sonnenflecken -> Verstärkung meridionaler Wetterlagen (Hochs auf dem Atlantik blockieren die stürmische Westdrift) -> Verstärkung von Hitzewetterlagen in Europa trotz der Möglichkeit von “kühlen” Nord- und Ostlagen (nur wirksam an den Küsten).

Tägliche Sonnenflecken: Seit Tagen keinerlei Sonnenflecken und eine sehr stille Sonne! © <a target="_blank" href="http://space-env.esa.int/index.php/Daily-Sun-Spot-Number.html">ESA</a>
Tägliche Sonnenflecken: Seit Tagen keinerlei Sonnenflecken und eine sehr stille Sonne! © ESA

Die Zahl der Sonnenflecken ist seit Tagen auf Null!
Dieser isolierte Faktor begünstigt also meridionale Wetterlagen mit Atlantikblockaden und Skandinavienhochs.

Bei der Nordatlantischen Oszillation (NAO) sieht es derzeit nach einer positiven NAO aus. Die NAO kann vereinfacht als Wärme oder Kälteindikator herangezogen werden. Detaillierter betrachtet, bildet sie die Druckverhältnisse zwischen Azorenhoch und Islandtief als grundlegende Eckpfeiler unseres Wetters vom Atlantik ab. Starkes Azorenhoch und starkes Islandtief entsprechen einer positiven NAO, schwache Pendants definieren eine negative AO.
Bei einer positiven NAO erwartet uns meist warmes Wetter (zumeist aufgrund der Ausdehnung des Azorenhochs), eine negative NAO gibt mehr Raum für andere Wetterlagen, darunter auch kühlere.

Da wir eine positive NAO haben, verstärkt sich theoretisch mit dem El Niño nach dem oben dargestellten Schema die Westdrift bzw. die Zyklogenese auf dem Atlantik. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig Sturm, Regen und Kälte!
Ich tendiere dazu, die Atlantikblockaden und somit eine Skandinavienhochlage als entscheidend anzunehmen, zumal eine positive NAO unabhängig von El Nino ja ein starkes Azorenhoch postuliert und damit bei dessen Ausdehnung ebenfalls eine Atlantikblockade begünstigt.

Verlauf (schwarz) und Prognose (rot) der Nordatlantischen Oszillation (NAO): Deutlich im positiven Bereich; © NOAA - http://www.cpc.ncep.noaa.gov/
Verlauf (schwarz) und Prognose (rot) der Nordatlantischen Oszillation (NAO): Deutlich im positiven Bereich; © NOAA – http://www.cpc.ncep.noaa.gov/

Anders ausgedrückt: Wenn die Westdrift bei Neufundland auflebt, muss sie noch lange nicht Europa und Deutschland erreichen. Ein Blockadehoch wirkt wie eine Mauer und dann führt die positive NAO zusammen mit der ruhigen Sonne zu einer Dauerhochdrucklage im meteorologischen Folgerahmen.
Dauerhochdruck bedeutet: Sonne, Hitze und Dürre.

Die stille Sonne: Skandinavienhoch als Hitze-Amboß

Nicht genug, dass der El Niño die globale Hitze befeuert und die Wahrscheinlichkeiten in Richtung Hitzefrühling drastisch verschiebt. Ein weiterer Faktor begünstigt ebenfalls im Frühling und Sommer die Wahrscheinlichkeit von mörderischen Hitzelagen wie 2003 und 2015.
Die stille Sonne, auf dem Weg in ihr zyklisches Sonnenfleckenminimum, begünstigt meridionale Wetterlagen. Das bedeutet: Hochdrucklagen von den Azoren bis nach Skandinavien blockieren den Atlantik.
Dies führt nicht nur zu einer Verhinderung der einst so herrlichen Frühlingsstürme, sondern auch zu einer gesteigerten Wahrscheinlichkeit, dass sich Hitzelagen etablieren und unverrückbar bestehen bleiben. Insbesondere das Skandinavienhoch als wichtiger Spieler im Wettergeschehen nimmt hier eine besondere Stellung ein. Dieses bildet sich nicht selten im Frühling und kann sich mit einem Omegacharakter (2 Tiefdruckgebiete westlich und östlich stabilisieren das Hoch und regenerieren es) sehr lange halten, teilweise 2 Monate lang.

Ein Dauerhochdruckfrühling würde in einer katastrophalen Hitze und Dürre münden. Und tatsächlich deuten sich aktuell in den Modellen genau diese Aspekte an und bestätigen die Theorie, dass El Niño und niedrige Sonnenflecken eine Hitzejahreszeit nahezu garantieren. Bereits der März ist ungewöhnlich deutlich über dem Mittel und es gab bereits von Rosenmontag bis hin zu heutigen Tag 3 isolierte Phasen frühsommerlicher Wärmeabstrusität mit bis zu über 20 Grad Celsius (insbesondere im Süden, an den Küsten im Atlantikeinfluss natürlich nicht).

GFS-Prognose für den 27. März 2017: Zyklogenese bei Neufundland führt aber durch Azorenhochbrücke bis zu den britischen Inseln zu einer Blockade des Atlantiks und einer Hitzelage; © wetterzentrale.de
GFS-Prognose für den 27. März 2017: Zyklogenese bei Neufundland führt aber durch Azorenhochbrücke bis zu den britischen Inseln zu einer Blockade des Atlantiks und einer Hitzelage; © wetterzentrale.de
Auch das europäische ECMWF sieht am Ende des Prognosezeitraums am 30. März 2017 ein Hoch, sogar ein Skandinavienhoch in Omegalagenstruktur und somit eine Hitzelage (mit Vorteilen in Ostdeutschland); <a target="_blank" href="http://www.wetterzentrale.de/de/topkarten.php?map=1&model=ecm">wetterzentrale.de</a>
Auch das europäische ECMWF sieht am Ende des Prognosezeitraums am 30. März 2017 ein Hoch, sogar ein Skandinavienhoch in Omegalagenstruktur und somit eine Hitzelage (mit Vorteilen in Ostdeutschland); wetterzentrale.de

Zusammenfassung: Uns stehen Alptraumzeiten bevor

Wenn meine Theorie korrekt ist, dann stehen uns düstere (oder genauer: Gleißend helle Alptraum-) Zeiten bevor. Die Wahrscheinlichkeiten eines extrem warmen Frühlings sind ebenso extrem hoch: Durch den völlig überraschenden, starken EP El Niño, durch die inaktive Sonne und die erfolgende Etablierung von sturmlosen meridionalen Wetterlagen mit der Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Dauerhochdrucklage mit Hilfe eines skandinavischen Omegahochs etabliert.

Immer noch herrscht trotz etwas Regen eine deutschlandweite Dürresituation mit Zentrum im Südwesten; © <a target="_Blank" href="http://www.ufz.de/index.php?de=37937">Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums</a>
Immer noch herrscht trotz etwas Regen eine deutschlandweite Dürresituation mit Zentrum im Südwesten; © Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums

Natürlich ist auch diese Prognose nicht in Stein gemeißelt, denn es geht immer um Wahrscheinlichkeiten. Wie stark die klimatischen Anomalien der Eisheiligen (25. Mai) und der Schafskälte (4. bis 20. Juni) sein können, muss sich zeigen. Hoffnung gibt ebenso die Aussicht, dass derzeit der El Niño nicht von Dauer ist, sondern spätestens zum Juni wieder abgeklungen ist.
Das will im Sommer, der in der Klimakatastrophe nur ein Hitzesommer sein kann, zwar nicht viel bedeuten, aber man sollte derzeit jeden Strohhalm ergreifen, selbst wenn er von einem notorischen Sofeten gereicht wird 😉

Ich wünsche uns allen viel, viel Kraft, körperliche Gesundheit und Nerven wie Drahtseile, falls diese Prognose tatsächlich Wirklichkeit werden sollte. Eine prozentuale Wahrscheinlichkeit von einem deutlich zu warmen April und Mai würde ich mit 85% einordnen.

Die bedrohliche Dürresituation würde sich in diesem Fall drastisch weiter verschärfen, denn der Sommer wird in jedem Fall zu einer Dürreausweitung führen.

Mit einem volkswirtschaftlichen Schaden in Höhe von geschätzten 13 Milliarden US-Dollar und zehntausenden Todesopfern gehört sie [der Sommer 2003] zu den opferreichsten Naturkatastrophen der letzten 40 Jahre weltweit, ist eine der schwersten Naturkatastrophen Europas der letzten 100 Jahre und wohl das schlimmste Unwetterereignis in Europa seit Beginn der modernen Geschichtsschreibung.
Wikipedia zum Sommer 2003.

Die Auswirkungen eines Hitzefrühling mit Skandinavienhoch plus anschließendem Horrorsommer Marke 2003 oder 2015 würde der Natur dann den Todesstoß versetzen.

Eine solche Lage zeigt, womit wir zukünftig auch in der fernen Zukunft zu rechnen haben werden: Hitzetote, Wassermangel, Erosion des fruchtbaren Bodens, Ernteeinbußen. Um das entgegen dem völlig irrsinnigen Bejubeln von Hitzenaturkatastrophen in der Sofetenpresse richtig einzuordnen, sei daran erinnert, dass sowohl die Sommer 2003 wie auch 2015 als eine der schlimmsten Naturkatastrophen aller Zeiten gelten und in dieser Form auch ihren Niederschlag bei Wikipedia gefunden haben: Sommer 2003 und Sommer 2015.

Hoffen wir, dass meine Prognose falsch ist und uns sowie der Natur dieses Horrorszenario erspart bleibt.

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Spiegel Online: Die vergessene Jahrhundertkatastrophe





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