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Im Kaltwetter-Planetarium: Die sofetische Sonnenbrandvettel

Willkommen im Kaltwetterplanetarium!

Schon immer war der Sternenhimmel unseren Vorfahren eine Leinwand, an denen Götter sich selbst und ihre Zeichen, Mahnungen und Botschaften in Sternen gemalt hatten. Diese Magie und Inspiration ist leider in den wissenschaftlichen Zeiten und einer Reduktion der Sterne auf Katalogisierungen von Kernfusionsmaschinen vollständig verloren gegangen. Da ist von Bezeichnungen wie “Fomalhaut” für einen Stern zu lesen (klingt eher nach einem Fall für den Hautarzt), von “Dschubba” (Gesundheit!) bis hin zu “Sadalsuud” (kryptisches Sofetengericht aus dem Orient) und “Alkalurops” (basischer Rülpser) im Sternbild “My Bootis” (engl., “meine Hintern”).

Was liegt näher, als unsere Vorfahren zu ehren, indem wir die alte Tradition wiederbeleben, in den Sternen inspirierende Bilder zu sehen als nurmehr eine Spielwiese für orthografische Vergewaltigungen? In einer Welt mit der ebenso endlos langweiligen Bezeichnung “Erde” für ein (noch) blaues Juwel im Weltall, das von einer Spezies bewohnt wird, die sich in einem gefährlichen Selbstexperiment gefällt, wie man einen Planeten in Brand steckt, liegt die Neuinterpretation von astronomischen Objekten und Sternbildern zur moralischen Erbauung klar auf der Hand. Danke an Michael Hoops für die Idee dafür!

 

Die sofetische Sonnenbrandvettel

Die Lichter im Planetarium verlöschen allmählich. Hier und da hört man ein Husten im Publikum und das wohlbekannte Geräusch der laufenden Klimaanlagen, um die astronomische Präsentation ohne den Druck der sonst allgegenwärtigen Hitzequal genießen zu können.
Nach einer Reihe einführender Worte reisen wir mit dem Planetarium und unserem Geist in die Tiefen des Alls. Bis in eine Entfernung von etwa 2000 Lichtjahren. Verzückt blicken wir auf die Schönheit eines wundervollen leuchtenden Nebels.

Nebel mit der dramatischen Bezeichnung "IC 5067". Fälschlicherweise früher "Pelikannebel" genannt. © <a target="_blank" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Pelican_Nebula#/media/File:Pelican_nebula_ic5070_ic5067.jpg">Miodrag Sekulic auf flickr.com</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC BY-SA 3.0</a>

Nebel mit der dramatischen Bezeichnung “IC 5067”. Fälschlicherweise früher “Pelikannebel” genannt. © Miodrag Sekulic auf flickr.com, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Früher wurde dieser Nebel fälschlicherweise als “Pelikannebel” bezeichnet, Gott allein weiß, warum. Doch wir sehen ganz deutlich eine sommerfetischistische (sofetische) alte Frau, die uns aus zwei Augen direkt anblickt, die vom Grauen Star gezeichnet totengleich blass wirken und die Folge tausender Sonnenbadstunden ohne Sonnenbrille sind. Mühsam dreht sie sich am Strand in der Brüllhitze und wir erkennen ihr Leiden als Opfer einer Zeit, in der die UV-Killerstrahlen der Sonne* ihrem Leben bald ein vorzeitiges Ende bereiten werden. Denn obwohl sie wie 80 Jahre wirkt, ist sie doch nur knapp über 50!
Richten Sie Ihr Augenmerk auf ihren buckligen Rücken, wo ein hochgefährlicher Sonnenbrand glüht und wütet.
Zur Veranschaulichung sehen Sie hier in den Umrissen den Nebel der Sonnenbrandvettel noch einmal mit eingezeichneten Umrissen.

Der "Sonnenbrandvettel-Nebel" mit erläuternden Umrissen. ORiginal: © <a target="_blank" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Pelican_Nebula#/media/File:Pelican_nebula_ic5070_ic5067.jpg">Miodrag Sekulic auf flickr.com</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/">CC BY-SA 3.0</a>

Der “Sonnenbrandvettel-Nebel” mit erläuternden Umrissen. ORiginal: © Miodrag Sekulic auf flickr.com, Lizenz: CC BY-SA 3.0

 
Unterhaltsam und spannend: handverlesene Astronomie von Profis für Laien

 

Das Sternbild “Hitzegeier” (Vultur caldoris)

Auch wenn der Sonnenbrandvettel-Nebel am Himmel mit bloßem Auge nicht sichtbar ist, sondern nur das Sternbild “Hitzegeier” (früher: “Schwan”), in dem er sich befindet, so wissen sie künftig mit einer dunklen Ahnung bei einem Blick in den Nachthimmel, dass die hautgärende Vettel auch SIE – vor allem mit dem einen Untotenauge -, dem “Oculus mortalis”, warnend anblickt, nicht so zu werden wie sie selbst.

Sternbild "Hitzegeier" (Vultur caldoris), Original: © <a target="_blank" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:CygnusCC.jpg">Till Credner von allthesky.com</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en">CC BY-SA 3.0</a>

Sternbild “Hitzegeier” (Vultur caldoris), Original: © Till Credner von allthesky.com, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Murmeln setzt im Publikum ein, als das Bild wechselt und das Sternzeichen “Hitzegeier” zu sehen ist. Das Murmeln wandelt sich in ein erschrecktes Raunen, als die Flügel des Geiers mit einer Flammenanimation versehen werden. Hier und dort ertönen helle Frauenstimmen im Panikmodus, die eine bevorstehende Ohnmacht ankündigen.
Der erfahrene Kaltwetter-Astronom wartet, bis sich die Aufregung gelegt hat und beruhigt die emotional aufgewühlten Menschen mit seiner sonor klingenden Sachkenntnis. Er deutet auf einen verwaschenen Fleck links vom Kopf des Geiers, der tatsächlich der Ort der Sonnenbrandvettel ist. Zu Recht verweist er auf die schicksalhafte Koinzidenz, dass sich hier zwei warnende Symbole vor der Hitze am Himmel gegenseitig ergänzen.

Erschüttert, aber inspiriert verlassen die Zuschauer nach einigen weiteren abschließenden Worten das Kaltwetterplanetarium, um in die Hitze einer brennenden Welt zurückzukehren. Und alle fragen sich, ob es dort draußen im Universum noch Welten gibt, die nicht durch eine außer Kontrolle geratene Klimakatastrophe in einen Weltenbrand gestürzt wurden und wie es wohl wäre, wenn die Sommer nicht mehr 40 Grad hätten.

Der Kaltwetterastronom aber bereitet das Planetarium für die nächste Vorstellung vor. Eine Schulklasse aus Tropenhessen wird erwartet, die nur noch mit technischen Hilfsmitteln in gekühlten Klassenräumen unterrichtet werden kann. Lächelnd schaut der Astronom auf seinen Spickzettel. Aus früheren Tagen hat er einen Begriff herausgesucht, den heute niemand kennt. “Hitzefrei” nannte man damals den Zeitpunkt, wenn die Temperaturen 30 Grad überschritten und die Schüler wegen der Hitzebelastung nach Hause gehen durften. Er schüttelt traurig den Kopf. Heutzutage würde eine zeitgemäße Entsprechung von “Hitzefrei” so hoch sein müssen, dass Blei schmilzt.
Er steckt den Zettel ein und grinst. Diese Anekdote wird die Schüler gewiss erfreuen, auch wenn sie sie vermutlich nicht glauben werden.

Hinweis: Dieser Artikel könnte Satire beinhalten. Falls Sie mit diesem Humorkonzept nicht vertraut sind, fragen Sie Ihre einstigen Erziehungsberechtigten oder Ihren verbeamteten Humorberater. Anleitungen zur Gesichtsmuskelverformung eines korrekten Lachens finden Sie im Internet.



  • MINDERQUEST

    Wie wärs mit einer Kaltwetter-Religion? 😉

    • Wirst du Konvertieren, oh Akolyth? ^^

      • MINDERQUEST

        Atheist konvertieren? Ist wie zu sagen, dass die in DSDS Talent haben, unmöglich ^^

        • Atheist ist auch ein Glaube ^^ Der Glaube an den Nichtglauben.

          • MINDERQUEST

            Wahrer Punkt… aber nene das wäre eine moderne Religion, da muss man nicht konvertieren! ^^

          • MINDERQUEST

            Aber trotzdem soll es als Hauptreligion angenommen werden! ^^

            Die Magie der Moderne halt! Die konservativen Politiker wollen diese Magie nicht, ist denen wie eine Hexe! ^^

      • MINDERQUEST

        Unsere Basis wird in Tromsö sein! Und in Iquit!

  • MINDERQUEST

    a im Alphabet

  • Leon

    haha ja ganz lustig, besonders für einen Hobbie Astronomen und Teleskop Besitzer wie mich!
    Traurig ist nur, das wir durch die Lichtverschmutzung in unserer brennenden und verschwenderischen Welt, ironischerweise nicht mal die strahlenden Sonnen unserer eigenen Galaxie zu sehen bekommen.
    Für viele Leute ist der einzige “Stern” der sichtbar ist die Venus, unser Nachbarplanet der am Westhimmel so hell strahlt wie kein anderer Planet es tut. Fast schon als wolle er uns davor warnen weiterzumachen, denn auf seiner Oberfläche herrschen über 400 Grad. Und warum? Richtig, wegen einem außer Kontrolle geratenen Treibhauseffekt.

    Ist das Zufall das wir fast ausschließlich grade diesen Planeten am Abendhimmel sehen?!?!
    Oder doch eine Warnung unseres Universums? Egal was es ist, Fakt ist das wir etwas ändern müssen

    • Interessanter Gedanke mit der Venus und eine versteckte Ironie des Schicksals.
      Ich werde auch meine Astronomiebegeisterung wieder reaktivieren wenn meine Tochter alt genug für die Materie ist. Über die Lichtverschmutzung rege ich mich schon auf seit ich 12 bin – eben aus astronomischen Gründen ^^

      • Leon

        ja ist schon was feines die Astronomie.
        Ich muss nur einen guten Ort für mein relativ großes Teleskop finden, da die Lichtverschmutzung seit wir umgezogen sind, deutlich zugenommen hat :/

        Aber ja, mit seinen Kindern in den Himmel zu schauen stelle ich mir ganz super vor. Ich habe das so ähnlich auch immer mit meiner jüngeren Schwester und meiner Mutter gemacht, die dann beide das erste mal im Leben den saturn mit bloßen Augen gesehen haben 😀

        Hier mal ein paar Bildchen, ich weiß ist nicht so gut, ist aber mit meinem Handy aufgenommen

        hier der Saturn https://uploads.disquscdn.com/images/debeba90e651dce0160dfd0f59c96f1d1c5b2c0f05702b9d692683293c39fa93.jpg
        Und Jupiter mit seinen 4 Monden Europa, Io, Ganimed und Kallisto https://uploads.disquscdn.com/images/0ad5e17cd81a5f8635020c6e991798991d5ddb9d3ead3df4f2a5cda05b82f9b1.jpg
        und natürlich unser eigener Mond https://uploads.disquscdn.com/images/370e7c639d85ad6c1c05a23cf4bffde4123ac0244681d5e4cfd7d2918459822d.jpg

        • Prima Aufnahmen! Der Mond kommt immer super raus. Vor allem das Live-Erblicken der Wunder hat etwas Magisches, dieses Gefühl, es ist “echt”. Ich erinnere mich immer dann auch an meine Jugend, mit diesem “Aha-Erlebnis”, das wohl jeder hatte, der die Liebe zur Astronomie entdeckt hat. Sternwartenbesuch im eiskalten November. Mit dem Geist in die Tiefen des Alls zu reisen und zu begreifen, dass man bisher immer irgendwie falsch lag mit dem, was man als seine “Heimat” bezeichnet hat. Es ist das Weltallt. So angefüllt mit Wundern, dass die Kindheitsträume am Ende doch bestätigt wurden. Schwarze Löcher, die Sonnen verschlingen, Neutronensterne mit Gravitationsgewalten, Galaxienhaufen, die sich über Millionen Lichtjahre miteinander zu Brücken verbinden … Wir leben mitten in einem wunderbaren Wahnsinn, den viele nicht mal in der Lage sind zu sehen oder zu begreifen. Astronomie. Das ist der größte Spiegel zur Selbstreflexion von Werten, den es gibt. Und er wurde uns einfach so geschenkt. Man muss ihn nur ergreifen. Mit der Hand des Geistes und der Begeisterung. Fantastisch.

          • Leon

            Absolut super ausgedrückt! ja allerdings, es ist schon beeindruckend was für Wunder direkt vor seiner Haustür warten, man muss einfach nur in den Himmel schauen