© Luc Viatour auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0
© Luc Viatour auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die NOAA hat die Temperatur- und Klimadaten für den Planeten Erde im April 2016 ausgewertet und veröffentlicht. Das Klimakatastrophenjahr ist vollständig! Der zwölfte nicht nur zu warme, sondern der ZWÖLFTE Rekordhitzemonat in Folge ist das erschreckende Ergebnis. Und seit zwölf Monaten wütet der El Niño mit seinen globalen Auswirkungen, der sich wohl erst im nächsten Monat in den globalen Folgen beruhigen wird.

Doch die Zahlen sind nicht nur alarmierend, da die globale Erwärmungsrate ganze Jahrzehnte überspringt. Die Erde brennt lichterloh! Es geschieht genau das, wovor bereits seit Jahrzehnten gewarnt wird und auf das ich immer wieder hinweise: Die Treibhausgase führen zu einem sich selbst beschleunigenden Erwärmungseffekt, der innerhalb von wenigen Jahren nun irreversibel wird (vermutlich bis 2030/40) und am Ende nach 60 bis 200 Jahren für 80 bis 95% allen Lebens auf Erde das Ende bedeuten wird, inklusive unserer Spezies – zumindest in der Art, wie wir es kennen.

Alarmierender Sprung beim CO2 in der Atmosphäre! © <a target="_blank" href="http://www.esrl.noaa.gov/gmd/ccgg/trends/">NOAA</a>
Alarmierender Sprung beim CO2 in der Atmosphäre! © NOAA

Die Zahlen im April 2016 zeigen wie in den Vormonaten die nach wie vor plausible Hypothese, dass möglicherweise die Klimakatastrophe in einen sich selbst steigernden Effekt übergeht, der irreversibel ist und letztlich die gleichen Folgen aufweisen wird wie das größte Massensterben der Erdgeschichte vor 250 Millionen Jahren im Perm-Zeitalter. Allerdings dauerte diese Erwärmung damals 100.000 bis 800.000 Jahre, die Menschheit erledigt das im ultimativen Wahnsinn von 100 Jahren.

Die große Frage lautet, ob mit dem Übergang vom El Niño zum La Niña die globale Lage sich verbessern wird. Der El Niño geht aktuell wieder in den neutralen ENSO-Zustand über, es wird jedoch einige Wochen bis Monate dauern, bis sich das globale Klima „normalisiert“ (was immer das auch inmitten einer Klimakatastrophe bedeuten mag).

Man beachte unbedingt bei den angegebenen Zahlen, dass
(a) das verwendete Mittel nicht der übliche Dreißigjährige Zeitrahmen ist (außer bei den Karten, wie angegeben), sondern das 20. Jahrhundert komplett als Maßstab verwendet wurde, also die Jahre 1901-2000.

(b) die beiden Regionen, in denen die stärkste Erwärmung auftritt, die Arktis und die Antarktis werden bei den Messungen und angegebenen Daten aufgrund nach wie vor fehlender Instrumente ausgespart. Die tatsächliche Erwärmung des Planeten ist somit noch (vermutlich deutlich) höher.

Ergebnis: Der Monat April 2016 liegt auf Platz 1 und ist somit der heißeste April-Monat, der jemals gemessen wurde.

Die Daten werden nach Landmassentemperaturen und Ozeantemperaturen unterteilt und lauten wie folgt:
Landtemperatur: +1.93 Grad über dem Mittel = Platz 1 aller jemals im Januar gemessenen Werte
Ozeantemperatur: +0.80 Grad über dem Mittel = Platz 1
Land und Ozean somit: +1.10 Grad über dem Mittel = Platz 1

Nachdem bereits im Februar der Landtemperaturhöchstwert um unfassbare 0.63 Grad übertroffen und pulverisiert wurde, im März 2016 dann um 0.32 Grad, stellen wir auch im April einen Erwärmungssprung fest, der in diesem Fall 0.42 Grad Celsius zum vorigen Rekordapril aus dem Jahr 2007 beträgt. Die Steigerung steigert sich selbst immer weiter und belegt, dass die bekannten Steigungskurven der Klimakatastrophe nahezu exponentiell sind und mittlerweile einen so hohen Stand erreicht haben, dass sie in einen galoppierenden Effekt übergehen.

Anstieg der globalen Aufheizung in 3 Zukunftsvarianten bei ungebremsten Emissionen von Treibhausgasen (oben: Anstieg bei hoher Reaktion des globalen Klimas, Mitte: wahrscheinlichster Anstieg, unten: Anstieg bei nur geringer Klimasensitivität). Im Vergleich sieht man, wie stabil in den letzten Jahrtausenden vor dem menschlichen Einfluss die globalen Temperaturen waren vor der Explosion der Treibhausgase mit der Industriellen Revolution; © <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Globale_Erw%C3%A4rmung#/media/File:Bau_future_warming_med.jpg">Skeptical Science auf commons.wikimedia.org</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en">CC BY-SA 3.0</a>
Anstieg der globalen Aufheizung in 3 Zukunftsvarianten bei ungebremsten Emissionen von Treibhausgasen (oben: Anstieg bei hoher Reaktion des globalen Klimas, Mitte: wahrscheinlichster Anstieg, unten: Anstieg bei nur geringer Klimasensitivität). Im Vergleich sieht man, wie stabil in den letzten Jahrtausenden vor dem menschlichen Einfluss die globalen Temperaturen waren vor der Explosion der Treibhausgase mit der Industriellen Revolution; © Skeptical Science auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Auch die Ozeantemperaturen steigen seit Monaten in einer bedenklichen Kurve an. El Niño befeuerte im wahrsten Sinne des Wortes diese Entwicklung noch durch die Temperaturanomalien im Pazifik, die sich global verteilen. Dies addiert sich noch zu der These, dass die Kohlendioxidaufnahme der Meere ihr Limit erreicht hat.

Die Landtemperaturen sind El Niño-bedingt auf der nördlichen Hemisphäre geradezu explodiert und haben erneut die früher für undenkbar gehaltene Schwelle von 2 Grad oder mehr überschritten.
Bitte beachten: Die Darstellung unten bezieht sich nicht auf ein ganzes Jahr, sondern immer nur auf den aktuell analysierten Monat, also in diesem Fall dem April! Die Hitze auf der nördlichen Hemisphäre sprengt im Grunde die Skalen.

Zur Einordnung der globalen Zahlen sei darauf hingewiesen, dass ab einer globalen Erwärmungsschwelle von 2,0 oder 2,5 Grad eine weltweite Katastrophe angenommen wird, die nicht mehr zu verhindern sein wird.
Die globale Erwärmung betrug im Jahr 1997 bei Beginn der Aufzeichnungen der NOAA +0,42 Grad Celsius.
Im Jahr 2007 hatte sich die Erwärmung auf +1,02 Grad Celsius mehr als verdoppelt.
Das letzte Jahr 2015 bezifferte die Erwärmung auf +1,33 Grad Celsius, Tendenz stark ansteigend.

Globale Temperaturentwicklung Land und Ozean im Monat April; © NOAA
Globale Temperaturentwicklung Land und Ozean im Monat April; © NOAA

Temperaturverteilungen auf dem Planeten

Der April 2016 zeigt wie im Vormonat und im Gegensatz zum Februar 2016 weniger Extreme, dafür eine weiter verbreitete Hitze an den meisten Orten. Vor allem in Russland und Sibirien ist ebenso wie in Alaska eine übermäßige Hitze zu sehen. Offenbar scheint der El Niño bereits in der Abschwächung, die ebenfalls deutlich vor Südamerika im Vergleich mit den Vormonaten erkennbar ist, den „Bunsenbrenner“ herunterzudrehen. Die Folge: Weniger Radikalismen in Hitze- und Kälteaufspaltungen, dennoch ein nach wie vor überdeutlich unnatürlicher Hitzestand der Temperaturen auf unserem Planeten. Man könnte mit bitterem Beigeschmack sagen: Statt Radikalhitze mit seltener Kälte sehen wir nun eine gleichförmige Hitze wie in der Zeit vor dem El Niño.
Daneben erfuhr im April 2016 auch Grönland eine anormale Erwärmung, was nur ansatzweise zu sehen ist, da in Nordgrönland keinerlei Datenstationen existieren.

Der „kalte Fleck“ im Atlantik, den viele für eine Abschwächung des Golfstroms halten, hält sich auch im April 2016, wie seit mittlerweile 2 Jahren (vgl. Darstellung bei Tropical Tidbits, Auswahl North Atlantic links unten). Vgl. auch die Diskussion um alternative Erklärungen zum Golfstromausfall).

Bitte beachten: Die hier dargestellten Veränderungen beziehen sich auf die Klimakatastrophenjahre 1981-2010 und nicht auf das Mittel 1901-2000, um deutlich zu machen, ob sich die Klimakatastrophe weiter verschärft oder sie abklingt. Das bedeutet: Allein um einen Vergleich zur Zeit vor dem Start der beschleunigten Klimakatastrophe zu erhalten, muss man für globale Verhältnisse etwa +0.2 Grad dazuzählen.

Verteilung globaler Temperaturanomalien im Monat April 2016, © NOAA
Verteilung globaler Temperaturanomalien im Monat April 2016, © NOAA

Klima-Höhepunkte

In der Grafik der NOAA zeigen sich im April 2016 endlose Beispiele für zu heiße und/oder zu trockene Gebiete in einem Ausmaß, das Angst macht und zwar zu recht! Ursache sind vermutlich nach wie vor die Spätfolgen des El Niño.

1. Zu heiße Regionen: Alaska, Nord- und Südamerika, Afrika, Asien, Südostasien, Australien. Letztlich so gut wie die gesamte Welt …

2. Zu trockene Regionen: Südamerika, Australien

3. Niederschlagsanomalien über dem Mittel verzeichneten die USA, Europa, Argentinien.

4. Zu kühl war es lediglich in außerordentlichem Maße an der Südspitze Südamerikas.

Zwischen Hoffen und Bangen

Die Erwärmungsrate der Monate ist nach wie vor auf einem höchst bedenklichen Niveau.
Statt einer mäßigen Überschreitung vorheriger Rekorde von 0.1 Grad verzeichnen wir bereits seit Monaten Rekordzertrümmerungen zwischen 0.3 und knapp 0.5 Grad Celsius! Ob mit dem Abklingen des El Niño und der vermuteten La Niña im Spätsommer eine Beruhigung der globalen Lage eintritt, wird man abwarten müssen. Zwar ist diese wahrscheinlich, aber letztlich ist es auch denkbar, dass die Exzesse des El Niño den Planeten auf einen neuen Hitzestand geführt haben und dieser leider stabil bleiben wird.

Angesichts dieser Entwicklung wirken Artikel nach dem Motto „Das CO2 führt zur Ergrünung der Erde“ wie blanker Hohn. Denn nach wie vor holzt der Mensch weit mehr Regenwald ab als die Erde nachliefern könnte. Und die „grüne Erde“ ist letztlich in einer galoppierenden Klimakatastrophe nur eine Momentaufnahme, an deren Ende eine weitgehend verwüstete Umwelt stehen wird, da das CO2 mit dem Treibhauseffekt in der unmöglichen Geschwindigkeit, in der wir ihn als Spezies vorantreiben, letztlich die Erde unbewohnbar machen wird und das Massensterben der Arten bereits aktuell sich in vollem Gang befindet.

Viele vergessen wohl auch, dass wir Menschen keine Bäume sind und selbst wenn die Erde dauerhaft „ergrünen“ würde, gäbe es uns längst nicht mehr. Weil unter den Folgen der Klimakatastrophe der Mensch auf multiple Weise mit seinen Gesellschaftssystemen zusammenbrechen wird und altbekannte Verrohung und Barbarei Einzug hält. Man bedenke, es handelt sich bei der Klimakatastrophe um eine globale Bedrohung, der wir niemals in unserer gesamten Menschheitsgeschichte seit 1 Million Jahren entgegengesehen haben. Die Klimakatastrophe entspricht im Bedrohungsfaktor der Zündung von 1 Million Atombomben oder dem Ausbruch von zwei Supervulkanen gleichzeitig, allerdings in (aus menschlichem Zeitempfinden) Zeitlupe.

Einen Hoffnungsschimmer kann man erst dann sehen, wenn die monatlichen Zahlen stagnieren würden oder sogar leicht rückläufig wären und wenn die CO2-Messungen auf Mauna Loa sich ebenso verhalten würden. Davon ist allerdings im Moment nicht einmal ansatzweise etwas zu sehen – im Gegenteil: Alles sieht aktuell danach aus, dass wir bereits zu spät sind und die Klimakatastrophe völlig außer Kontrolle gerät. Die nächsten Monate und Jahre werden es zeigen.

DIE LETZTEN GLOBALEN KLIMABERICHTE: März 2016, Februar 2016, Januar 2016Dezember 2015, November 2015, Oktober 2015, September 2015, August 2015, Juli 2015, Juni 2015, Mai 2015, April 2015, März 2015
DIE LETZTEN NATIONALEN KLIMABERICHTE: April 2016, März 2016, Februar 2016Januar 2016, Dezember 2015, November 2015, Oktober 2015, September 2015, August 2015, Juli 2015, Juni 2015, Mai 2015, April 2015, März 2015
JAHRESKLIMABERICHTE: 2015, 2014.




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  • Alptraum der Sofeten

    Wenn man das mit trauriger Musik im Hintergrund liest kommt doch schon ein wenig Endzeitgefühl auf. Wieder ein gut auf den Punkt bringender Artikel Michael.

    • Danke, Tim. Ich wünschte wie immer, mal andere Zahlen und andere Schlussfolgerungen präsentieren zu können …

  • Evgenij Mansurov

    Lieber Michael,
    ich will noch nicht sterben. Gestern waren bei uns wiedermal + 7,5°C bei Dauerregen und am Pfingstsonntag fiel kurz auch Schnee (Kreis Miesbach) – bringt das nicht etwas Hoffnung? Schluchz!

    • Glücklicher! ^^ Ich frage mich, wieviel Jahre Opferung vor diversen Altären verschiedener Wettergötter dafür notwendig waren lol Denn wir hatten 22 Grad und keinen Regen 😛

      • Evgenij Mansurov

        Ich betrachte es als Wiedergutmachung für das was uns 2015 und erste 2 Monate 2016 angetan wurde – dafür sind keine Opfergaben geschuldet.

        Als gottesfürchtiger Mensch bin ich jedoch im Unterschied zu Dir sicher, dass unsereins immernoch eine Null-Power Einheit ist in Vergleich zu dem Allmächtigen – und wenn wir denken, dass wir die Erde erhitzen – so ist es möglicherweise nur ein Trugbild und in Wirklichkeit nur eine Schaukel.

        Je mehr wir die Erhitzung denken voranzutreiben desto stärker würde vielleicht der Rückschlag ausfallen. Das ist die Hoffnung. Aber man muss aufpassen was man sich wünscht, Eine Vollvereisung des Planeten ist angeblich auch nicht ausgeschlossen und sollte sogar schon mal passiert sein. Allerdings glaube ich nicht dass die Gletscher zu unseren Lebzeiten den Südsudan erreichen….

  • Peter

    51 Grad: Neuer Hitzerekord in Indien

    Mit einer Temperatur von 51 Grad hat eine Stadt im Norden Indiens einen neuen Hitzerekord aufgestellt. „Gestern gab es die höchste jemals im Land gemessene Temperatur – 51 Grad in Phalodi“, sagte B. P. Yadav von Indiens Wetterbehörde heute. Die Stadt liegt im Staat Rajasthan. Der alte Rekord lag bei 50,6 Grad und war 1956 gemessen worden.

    Für das Wochenende warnte das indische Wetteramt vor einer „schweren Hitzewelle“ in weiten Teilen Nord- und Westindiens. Von einer Hitzewelle wird in Indien bei Temperaturen ab 45 Grad gesprochen oder wenn die Temperatur fünf Grad über der Durchschnittstemperatur der Vorjahre in einer Region liegt.

    Im Mai und Juni klettern die Temperaturen in Nordindien häufig über die 40-Grad-Marke. Dass 50 Grad oder mehr erreicht werden, kommt allerdings sehr selten vor

  • Zum Thema CO2 eine gute populärjournalistische Zusammenfassung der aktuellen Lage, die anhand der erwähnten Gesprächspartner auch zeigt, dass das Thema seriös ist und es sich bei Klimawandelleugnern um entweder Verschwörungstheoretiker oder Fantasten handelt. Die im Artikel genannten Daten zur Messung des Klimas in der Vergangenheit stimmen ebenso wie die Angaben zum CO2 und können von einem selbst auf der Mauna Loa-Seite geprüft werden oder (falls man über solcherlei Fachwissen verfügt) sogar in der Atmosphäre hier vor Ort gemessen werden. http://www.focus.de/wissen/weltraum/odenwalds_universum/katastrophe-durch-co2-rekordtemperaturen-bedrohen-menschheit_id_5560730.html

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