Der El Niño bringt in einem der schlimmen klimatischen August-Katastrophen aller Zeiten das Thermometer zum Schmelzen in einem Meer aus Schweiß und Tränen.
Der El Niño bringt in einem der schlimmen klimatischen August-Katastrophen aller Zeiten das Thermometer zum Schmelzen in einem Meer aus Schweiß und Tränen.

In der letzten planetenweiten Klimabilanz vom Juli 2015 zeigten sich die ersten globalen Auswirkungen des El Niño.
Jetzt im August legte er richtig los. Man erkennt auf den Darstellungen und wie bei den Artikeln zu den Folgen des El Niño (Hitzekatastrophe Europa, bipolare Telekonnektion), wie sich die Welt in Kälte- und Hitzepunkte aufspaltet, da die El Niño-Hitze global verteilt wird.

Global lag Deutschland natürlich in einer El Niño-gesteuerten Hitzeblase und war man im Juli schon geneigt zu sagen, dass es schlimmer nicht mehr kommen kann, steigerte der August noch das Ausmaß an Hitzequalen um ein Vielfaches.
Trotz der „Kältepunkte“ aus der El Niño-Systematik übertrafen Anzahl und Ausmaß der Hitzepunkte natürlich global die regionalen Kältebereiche deutlich, sodass in der Bilanz sich ein Anstieg der globalen Temperaturen zeigt – an Land und natürlich aufgrund der El Niño-Wassertemperaturen auch bei den Oberflächentemperaturen (Sea Surface Temperatures, SST) der Ozeane mit erneut Rekordwerten.

Man beachte unbedingt bei den angegebenen Zahlen, dass
(a) das verwendete Mittel nicht der übliche Dreißigjährige Zeitrahmen ist (außer bei den Karten, wie angegeben), sondern das 20. Jahrhundert komplett als Maßstab verwendet wurde, also die Jahre 1901-2000.

(b) die beiden Regionen, in denen die stärkste Erwärmung auftritt, die Arktis und die Antarktis werden bei den Messungen und angegebenen Daten aufgrund nach wie vor fehlender Instrumente ausgespart. Die tatsächliche Erwärmung des Planeten ist somit noch (vermutlich deutlich) höher.

Ergebnis: Der Monat August 2015 liegt auf Platz 1 und ist somit der heißeste August-Monat, der jemals gemessen wurde.

Die Daten werden nach Landmassentemperaturen und Ozeantemperaturen unterteilt und lauten wie folgt:
Landtemperatur: +1.14 Grad über dem Mittel = Platz 1 aller jemals im August gemessenen Werte
Ozeantemperatur: +0.78 Grad über dem Mittel = Platz 1
Land und Ozean somit: +0.88 Grad über dem Mittel = Platz 1

Die Ozeantemperaturen steigen seit Monaten in einer bedenklichen Kurve an. El Niño befeuert im wahrsten Sinne des Wortes diese Entwicklung noch durch die Temperaturanomalien im Pazifik, die sich global verteilen.

Dies addiert sich noch zu der These, dass die Kohlendioxidaufnahme der Meere ihr Limit erreicht hat. Sollte sich dies in den Temperaturen in den kommenden Jahren wiederspiegeln, so würde sich in diesem Fall die Klimakatastrophe deutlich steigern über einen Schneeballeffekt: Wärmere Ozeane = schneller schmelzendes Eis = geringere Albedo (Reflexion) der Sonnenstrahlen = schnellere Erhitzung der Erde nebst Meeresspiegelanstieg, außerdem: Versauerung der Ozeane und Massensterben der Meerestiere aufgrund Sauerstoffmangels. Vgl. dazu auch: http://byjrdp.myraidbox.de/die-waermewirkung-des-kohlendioxids-und-die-klimasensitivitaet/ und http://byjrdp.myraidbox.de/daten-zur-eisschmelze-entlarven-klimawandelskeptiker-als-luegner/

Die Landtemperaturen sind El Niño-bedingt geradezu explodiert und haben zum ersten Mal die Schwelle von 1 Grad oder mehr überschritten. Bitte beachten: Die Darstellung bezieht sich nicht auf ein ganzes Jahr, sondern immer nur auf den aktuell analysierten Monat, also in diesem Fall dem August!

Globale Temperaturentwicklung Land und Ozean im Monat August, © NOAA
Globale Temperaturentwicklung Land und Ozean im Monat August, © NOAA

Temperaturverteilungen auf dem Planeten

Die Weltkarte zeigt im Unterschied zu den vorherigen Monaten eine Spaltung in Hitze* und Kälte und eine Zunahme von Gegensätzlichkeiten. Eine El Niño-bedingte Hitzekatastrophe in Europa fällt global ebenso auf wie ein zu kaltes Russland. Außerdem ist nach wie vor der „kalte Fleck“ auf dem Atlantik zu erkennen, der als Indiz für eine Schwächung des Golfstroms gilt.

Deutschland erlebte im August 2015 eine Hitzenaturkatastrophe wie 2003, was sich sowohl im August 2015 selbst, wie auch in der gesamten Bewertung eines Alptraumsommers 2015 niederschlug.

Bitte beachten: Die hier dargestellten Veränderungen beziehen sich auf die Klimakatastrophenjahre 1981-2010 und nicht auf das Mittel 1901-2000, um deutlich zu machen, ob sich die Klimakatastrophe weiter verschärft oder sie abklingt.

Verteilung globaler Temperaturanomalien im Monat August 2015, © NOAA
Verteilung globaler Temperaturanomalien im Monat August 2015, © NOAA

Klima-Höhepunkte

In der Grafik der NOAA zeigt sich im August 2015, dass die radikalen Klimaanomalien, befeuert durch El Niño, wieder massiv zugenommen haben.

1. Arktis und Antarktis: Hier stellen wir erfreulicherweise keine neuen Rekordzahlen fest, sondern „nur“ den neunt- bzw. viertniedrigsten Stand. Zwar war die Schmelze auf Grönland auf Rekordniveau, wie man hier in der Monitoring-Grafik deutlich sieht:

Ausmaß der Eisschmelze (in Prozent) im Jahr 2015 im Vergleich mit dem Mittel 1981-2010, © NSIDC/Thomas Mote, University of Georgia, http://nsidc.org/greenland-today/
Ausmaß der Eisschmelze (in Prozent) im Jahr 2015 im Vergleich mit dem Mittel 1981-2010, © NSIDC/Thomas Mote, University of Georgia, http://nsidc.org/greenland-today/

Dennoch scheint sich diese Schmelze bezogen auf die gesamte Nordhemisphäre nicht gravierend in den Zahlen niedergeschlagen zu haben.

1. Großbritannien erlebte im krassen Unterschied zu Mitteleuropa einen kühlen Sommer – da kann man neidisch werden!

2. Europa (mit Ausnahme der Küsten), die Westküste der USA und die Mongolei erlebten hingegen abnorme Hitze bzw. Trockenheit.

3. Auf der sich im Winter befindlichen Südhalbkugel gab es in Australien, Südamerika und Afrika deutlich zu hohe Temperaturen

4. Im pazifischen Raum waren typisch für El Niño-Jahre Hurricanes sehr aktiv, während auf dem Atlantik es äußerst ruhig zuging (in La Niña-Jahren, also bei einer zu kühlen Wassertemperatur vor der Westküste Südamerikas, kehrt sich das ganze um und Hurricanes nehmen Kurs auf die Ostküste der USA. Das wird dann für 2016 erwartet).

Wie lange reichen die Auswirkungen des El Niño?

Der El Niño begann sich im Frühjahr 2015 aufzubauen und wurde global im Sommer wirksam. Allerdings wird er aktuell immer noch stärker, baut sich jedoch vom EP zum CP El Niño um.
Damit wird er quasi vom Saulus zum Paulus, denn so grauenhaft ein El Niño im europäischen Sommer wüten kann, so deutlich erhöht er die Chancen im Winter für Tröge und damit polare Kaltluft. Im Herbst war die Lage bislang unklar, aber wie es scheint, erhöhen sich die Wahrscheinlichkeiten für Tröge bereits im September, weswegen wir bisher einen Traumherbst erleben durften und den ersten echten Herbst seit 2010. Allerdings zeigen die Darstellungen im Wikipedia-Artikel zur Hitzekatastrophe 2015, dass es sich auch um einen Zufall handeln könnte, denn von der Schweiz bis Osteuropa geht die Hitze derzeit im September weiter (https://de.wikipedia.org/wiki/Hitzewelle_in_Europa_2015).

Sinnvoll ist es sicher, den September als Übergangsmonat zu betrachten und während die El Niño-Hitze nach wie vor vorhanden und auch möglich ist, steigert sich die Chance auf Kaltluft-Tröge parallel dazu. Ob wir also nun einfach Glück hatten, wo wir im Juli und August Pech hatten, oder ob der El Niño an sich oder die Umwandlung vom EP zum CP El Nino uns meteorologisch und klimatologisch begünstigt, sei dahingestellt. Vermutlich wird der El Niño mit jeder Woche jedoch mehr die Wahrscheinlichkeit für Tröge und damit kühle Temperaturen erhöhen, wobei die Langfristprognosen bei einigen Modellen auf einen sehr kühlen Oktober deuten, aber seltsamerweise auf einen sehr warmen November. Für den Winter, vor allem ab Januar 2016, sehen die Chancen rein theoretisch für einen Kaltwinter dieses Jahr brillant aus.

Der El Niño wird nach den Projektionen sich noch bis zum Frühjahr von den Werten als El Niño halten, jedoch bereits ab Januar 2016 wieder abzusinken beginnen. Es wird spannend sein, die Zeit danach zu beobachten, die neue Fragen aufwirft. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es dann ab Spätfrühling 2016 zu einem La Niña kommen. Ob dies wirklich zu einer globalen Abkühlung führt, wie man voreilig in der Presse lesen kann, werden wir hier auf kaltwetter.com noch detailliert und differenziert aufschlüsseln, um zu einer seriösen Prognose zu gelangen, was 2016 bei einem La Niña klimatologisch wirklich auf uns wartet.

DIE LETZTEN GLOBALEN KLIMABERICHTE: Juli 2015, Juni 2015, Mai 2015, April 2015, März 2015
DIE LETZTEN NATIONALEN KLIMABERICHTE: August 2015, Juli 2015, Juni 2015, Mai 2015, April 2015, März 2015
JAHRESKLIMABERICHTE: 2014.