Die NOAA hat die Temperatur- und Klimadaten für den Planeten Erde im Januar 2016 ausgewertet und veröffentlicht. Der neunte Rekordhitzemonat in Folge ist das erschreckende Ergebnis. Und seit neun Monaten wütet der El Niño mit seinen globalen Auswirkungen. Es bedarf nicht wirklich eines Sherlock Holmes, um hier die richtigen Schlüsse zu ziehen und eine kausale Verbindung zu sehen. Allerdings sei nochmals darauf hingewiesen, dass der El Niño keine „Ausrede“ für die Menschheit ist im Sinne von: „Wenn dieses seltsame Klimaphänomen loslegt, dann können wir ja nichts dafür“.
Doch. Können wir. Denn El Niño hängt mit der anthropogenen Klimakatastrophe kausal zusammen. Steigt der Energieertrag in der Atmosphäre durch menschliche, mittlerweile über 130 Jahre andauernde Idiotie, Kohlendioxid freizusetzen, dass der Stand der Atmosphäre einem Zeitpunkt gleicht, der 14 Millionen Jahre zurückliegt, dann steigert sich natürlich auch El Niño im Rahmen des komplexen Oberflächentemperatur Ozean/Atmosphäre-Austauschsystems und wirkt als Agent der Klimakatastrophe, der den klimatischen Holocaust irreparabel beschleunigt.

Steigt und steigt ... CO2 wird unkontrollierbar nach den Werten. © <a target="_blank" href="http://www.esrl.noaa.gov/gmd/ccgg/trends/">NOAA</a>
Steigt und steigt … CO2 wird unkontrollierbar nach den Werten. © NOAA

Lächerlichen Klimakonferenzen zum Trotz befinden wir uns weiter auf dem Weg in die Selbstvernichtung. Der El Niño wird sich im kommenden Monat zwar abschwächen, bleibt aber bis Juni 2016 noch aktiv – die Folgen sind bereits jetzt eine Ansammlung globaler Katastrophen.

Global handelt es sich bei den Landtemperaturen der nördlichen Hemisphäre zwar „nur“ um die dritthöchsten jemals gemessenen, im Verbund mit den Wassertemperaturen kommt am Ende dennoch der wärmste Januar aller Zeiten heraus. Ursache der extrem hohen Wassertemperaturen ist natürlich El Niño selbst, der sich bekanntlich über die Pazifikaufheizung vor Südamerika definiert. Dazu kommt die globale Verteilung dieser Hitze und auch die vermutete Überlastung der Speicherkapazität von CO2 durch die Ozeane – speicherten die Ozeane bisher etwa 94% der anthropogenen Klimaerwärmung, so scheint die Grenze der Speicherung erreicht und die Klimakatastrophe könnte möglicherweise in einen galoppierenden Zustand durch den Ausfall der Ozeane als Hitzespeicher übergehen.

Man beachte unbedingt bei den angegebenen Zahlen, dass
(a) das verwendete Mittel nicht der übliche Dreißigjährige Zeitrahmen ist (außer bei den Karten, wie angegeben), sondern das 20. Jahrhundert komplett als Maßstab verwendet wurde, also die Jahre 1901-2000.

(b) die beiden Regionen, in denen die stärkste Erwärmung auftritt, die Arktis und die Antarktis werden bei den Messungen und angegebenen Daten aufgrund nach wie vor fehlender Instrumente ausgespart. Die tatsächliche Erwärmung des Planeten ist somit noch (vermutlich deutlich) höher.

Ergebnis: Der Monat Januar 2016 liegt auf Platz 1 und ist somit der heißeste Januar-Monat, der jemals gemessen wurde.

Die Daten werden nach Landmassentemperaturen und Ozeantemperaturen unterteilt und lauten wie folgt:
Landtemperatur: +1.56 Grad über dem Mittel = Platz 2 aller jemals im Januar gemessenen Werte
Ozeantemperatur: +0.86 Grad über dem Mittel = Platz 1
Land und Ozean somit: +1.04 Grad über dem Mittel = Platz 1

Die Ozeantemperaturen steigen seit Monaten in einer bedenklichen Kurve an. El Niño befeuert im wahrsten Sinne des Wortes diese Entwicklung noch durch die Temperaturanomalien im Pazifik, die sich global verteilen. Dies addiert sich noch zu der These, dass die Kohlendioxidaufnahme der Meere ihr Limit erreicht hat.

Die Landtemperaturen sind El Niño-bedingt auf der nördlichen Hemisphäre geradezu explodiert und haben zum dritten Mal in Folge die Schwelle von 1 Grad oder mehr überschritten. Bitte beachten: Die Darstellung bezieht sich nicht auf ein ganzes Jahr, sondern immer nur auf den aktuell analysierten Monat, also in diesem Fall dem Januar! Die Hitze auf der nördlichen Hemisphäre sprengt im Grunde die Skalen.

Globale Temperaturentwicklung Land und Ozean im Monat Januar, © NOAA
Globale Temperaturentwicklung Land und Ozean im Monat Januar, © NOAA

Temperaturverteilungen auf dem Planeten

Im Januar 2016 hat sich nicht viel geändert. El Niño hat die Lage und den Planeten im Würgegriff. Lediglich die durch Troglagen erzeugten Kältewellen in Sibirien/Russland/Osteuropa fallen als außergewöhnliche Besonderheit ins Auge. Ansonsten fallen die aus den bisherigen globalen Klimaberichten bekannten Einzelaspekte auf, die erneut im Januar 2016 zu sehen sind:
* El Niño ist weiterhin aktiv und auch auf der Karte überdeutlich sichtbar vor der Westküste Südamerikas und wie man hier jetzt auch deutlich sieht als CP El Niño mit den höchsten Temperaturen nicht mehr direkt vor der Küste Südamerikas wie bei einem EP El Niño, sondern weit draußen auf dem Pazifik.

* Der „kalte Fleck“ im Atlantik, den viele für eine Abschwächung des Golfstroms halten, hält sich auch im Januar 2016, ebenso wie im Dezember 2015 wie im November 2015 (vgl. Darstellung bei Tropical Tidbits, Auswahl North Atlantic links unten). Vgl. auch die Diskussion um alternative Erklärungen zum Golfstromausfall.

Deutschlands Mildwintertemperaturen sind ebenso wie eine außergewöhnliche Kältewelle in Sibirien/Russland/Osteuropa ebenfalls zu sehen.

Bitte beachten: Die hier dargestellten Veränderungen beziehen sich auf die Klimakatastrophenjahre 1981-2010 und nicht auf das Mittel 1901-2000, um deutlich zu machen, ob sich die Klimakatastrophe weiter verschärft oder sie abklingt.

Verteilung globaler Temperaturanomalien im Monat Januar 2016, © NOAA
Verteilung globaler Temperaturanomalien im Monat Januar 2016, © NOAA

Klima-Höhepunkte

In der Grafik der NOAA zeigt sich im Januar 2016, dass die radikalen Klimaanomalien, befeuert durch El Niño, weiterhin ihr Unwesen treiben. Dabei ist die Eigentümlichkeit des El Niño zu verzeichnen, Extreme zu erzeugen – auch in kältetechnischer Hinsicht! So hat Osteuropa und Russland eine massive Kältewelle zu verzeichnen, während Europa selbst im Mildwinter zu unserem Leidwesen leidet, was sich insbesondere auf das Flachland bezieht.

1. Arktis und Antarktis: Hier verzeichnet die Arktis nach einigen Monaten der Entspannung nun erneut einen Rekordniedrigwert, was das See-Eis betrifft. Die Antarktis bleibt mit dem sechzehntniedrigsten Stand in einem relativ beruhigenden Datenrahmen, was jedoch mit dem Abschmelzen der Gletscher zusammenhängt, die zu einer Erhöhung des See-Eises führen. Insofern sind die Zahlen nicht erleichert als Hoffnung zu sehen, sondern differenzierter als Folge eines sehr komplexen Gletscherschmelzesystems.

2. Europa und die USA erlebten im Januar 2016 einen Mildwinter

3. In Osteuropa und Russland verzeichnen die globalen Klimadaten eine starke Kältewelle

4. Ein Hurricane auf dem Atlantik namens Alex ist der erste Hurricane im Januar seit 1955 und ist auch wegen El Niño ungewöhnlich. In El Niño-Jahren sind Hurricanes auf dem Atlantik kaum anzutreffen, während im Pazifik die Hurricane-Rate deutlich ansteigt, wie es auch geschehen ist im Jahr 2015.

5. Australien, Afrika, Südamerika und Alaska verzeichnete Wärmerekorde im Januar

6. Argentinien erlebte El Niño-bedingt Rekordniederschläge im Januar 2016.

Was passiert, wen der El Niño zum Dauerzustand wird?

Die Zeit mit dem unsäglichen El Niño zieht sich wie Gummi in die Länge. Mittlerweile dürfte jedem klar sein, dass das Klimaphänomen deutliche Auswirkungen auch auf Europa hat. Zwar führt El Niño nicht ausschließlich zu Hitze, wie das Beispiel Osteuropa im Januar 2016 zeigt, aber in Europa zu 90% eben doch. Hinzu kommen geografische Bedingungen im Winter und die stets ungünstig verlaufenden Troglagen, bei denen Europa immer im Tal zwischen einem Trog auf dem Atlantik und einem Trog in Osteuropa und damit in der Hitze landet. Ich habe hinlänglich spekuliert, dass aus noch nicht ganz verstandenen Gründen diese neue Systematik ursächlich für die Hitzelage Europas und damit für unseren Dauermildwinter geworden ist – allen günstigen Klimarandbedingungen für einen Kaltwinter zum Trotz. Und es sieht nicht danach aus, als ob sich etwas daran ändern könnten.

Auch die Verlangsamung des Jetstream könnte damit zusammenhängen, wie auch der „Kalte Fleck“ auf dem Atlantik, der uns zwar Hoffnung verschafft, der Golfstrom könnte irgendwann ausfallen, doch die Schwächung scheint zunächst dazu zu führen, dass die Kaltlufttröge statt über Europa sich über dem Atlantik geradezu magnetisch manifestieren und uns im Hitzetal zwischen zwei Trögen zurücklassen, wie es vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung auch belegt und bestätigt wird (vgl. Der Golfstrom schwächelt und Deutschland versinkt deswegen in Hitze?).

Gespannt blicken wir also auf die Abschwächung des El Niño ab März und vor allem das Ende des unsäglichen Klimaphänomens im Juni, das Europa bisher nur Leid beschert hat. Es ist vollkommen offen, was passieren wird. Wird mit dem Wechsel des ENSO-Status von El Niño in Neutral das Wetter sich abkühlen und normalisieren? Oder handelt es sich dann nur um einen Wechsel von Extremzuständen zurück in die Dauerhitze der Klimakatastrophe wie 2014? Kommt gar im Herbst 2016 ein La Nina und was würde dies bedeuten? Regenreicher Mildwinter, wie die Statistiken in der Mehrheit (trotz Kaltwintereinzelfällen) ausweisen? Oder wird es positive Überraschungen geben?
Auch wenn ich sehr skeptisch bin, was eine Entspannung der klimatischen Lage angeht, so kann letztlich nichts schlimmer sein als die Fortsetzung des El Niño. Hoffen wir, dass also der Pazifik den El Niño-Brand nun endlich löschen wird und dass der Sommer 2016 nicht wie 2015 verstärkt und in einer beispiellosen, europaweiten Hitzekatastrophe enden wird. Leider ist die Klimakatastrophe so weit fortgeschritten, dass wir wohl um Hitzekatastrophen von Juni bis August nicht mehr herumkommen werden. Dazu ist der Sonnenstand im Sommer mit den Stunden an Sonnenschein, kombiniert mit dem physikalischen Treibhauseffekt des CO2 viel zu hoch als dass es Hoffnung auf einen normalen Sommer, geschweige denn einen Kaltsommer gäbe (der letzte datiert bekanntlich aus dem Jahr 1987).

Das absolute Schreckensszenario wäre, dass der El Niño sich überraschenderweise nicht abschwächt, sondern eine Art Dauerzustand annähme, was gleichbedeutend mit dem Ende der Menschheit im Zeitraffer wäre. Doch gottlob sieht es danach nicht aus, wenngleich einige Wissenschaftler dieses Szenario für die Zukunft bereits angedacht haben: http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-17616-2014-05-28.html
Eine solche Entwicklung würde die Klimakatastrophe galoppieren lassen. Die Eis- und Gletscherschmelze würde sich beschleunigen, klimatische Katastrophen würden in Zahl und Qualität exponentiell ansteigen und grob geschätzt würde man wohl nach etwa 20 bis 30 Jahren Dauer-El Niño das Ende der Menschheit, obwohl es surreal und unwahrscheinlich klingt, feststellen können. Nur ein einzelnes Jahr El Niño zeigt uns, was der „Agent der Klimakatastrophe“ anrichtet: El Niño – Taktgeber zum Untergang der Menschheit?. Hochgerechnet auf einen Dauer-El Niño ist die Folge für Planet und Klima offensichtlich.

Beunruhigend ist in der letztgenannten Hinsicht, dass aktuell in den Prognosen in der zentralpazifischen Zone sich eine erneute Erwärmung der Oberflächentemperaturen im Pazifik abzeichnet (Zone 3.4 Zentralpazifik! Die Zone 1+2 an der Küste sinkt hingegen sogar auf Abkühlungswerte ab. In der Summe würde dies bedeuten, dass der El Niño sich als zentralpazifische CP-Variante fortsetzt), sodass der El Niño überhaupt nicht in einen neutralen Zustand wechseln würde, sondern im schwachen El Niño-Status verbliebe. Dies deutet auf eine beängstigende Bestätigung der genannten These, dass der El Niño sich in einen Dauerzustand begeben könnte und damit unser Schicksal besiegelt.
Gottlob sind die Prognosen alles andere als sicher, wie die Vergangenheit und der falsch vorhergesagte El Niño 2014 bewiesen haben, aber ein mulmiges Gefühl bleibt dennoch. Kaltwetter.com wird die Entwicklung des El Niño weiterhin mit Argusaugen beobachten im Laufe dieses Jahres. Unser aller Leben könnte tatsächlich, so bitter und unwahrscheinlich es momentan auch klingt, davon abhängen.

Temperaturentwicklung des El Nino in Region 3.4 (Zentralpazifik); © <a href="http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/people/wwang/cfsv2fcst/images3/nino34MonadjPDFC.gif">NOAA</a>
Temperaturentwicklung des El Nino in Region 3.4 (Zentralpazifik); © NOAA




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