Ungewohnt: Die USA-Ostküste im Mildwinter, der sonst Europa vorbehalten ist.
Ungewohnt: Die USA-Ostküste im Mildwinter, der sonst Europa vorbehalten ist.

Die NOAA hat die Temperatur- und Klimadaten für den Planeten Erde im zweiten Wintermonat Januar 2017 ausgewertet und veröffentlicht.

Das Absinken unter 3 ppm vom Dezember 2016 war wohl nur eine Schwankung. Erneut weit über 3 ppm Steigerung nur innerhalb 1 Jahres und ein alarmierender Beleg der nach wie vor rasend schnell steigenden Treibhausgase nach geologischen Maßstäben; © <a target="_blank" href="http://www.esrl.noaa.gov/gmd/ccgg/trends/">NOAA</a>
Das Absinken unter 3 ppm vom Dezember 2016 war wohl nur eine Schwankung. Erneut weit über 3 ppm Steigerung nur innerhalb 1 Jahres und ein alarmierender Beleg der nach wie vor rasend schnell steigenden Treibhausgase nach geologischen Maßstäben; © NOAA

Nein, der Titel und das Bild stehen nicht in der Mode des „Trump-Bashings“, sondern weisen darauf, dass es völlig unüblicherweise an der Ostküste der USA im Januar 2017 statt Traumwinter nur Dauerwärme gab. Als Folge bekam Europa gegenläufig zur globalen Wärme-Lage eine Kaltphase durch den Waccy-Effekt der sterbenden Arktis.

Seit Oktober 2016 stellen wir nichtsdestoweniger einen überraschenden Stopp der Hitzerekorde fest, d. h. die Erwärmung stagniert. Im Januar 2017 steht „nur“ der drittwärmste Januar nach 2015 und 2007 zu Buche. Auf unserer Nordhemisphäre, die sich deutlich stärker erwärmt, stellen wir die viertwärmsten Land und die zweitwärmsten Ozeantemperaturen fest mit in der Summe ebenfalls „nur“ einem Platz 3 der heißesten Januare.

Die Pause bei den Rekordhitzetemperaturen findet ihre Ursache im Waccy-Effekt, der seit Oktober 2016 erstmals in seiner Heftigkeit die Nordhemisphäre dominiert. Dabei erfährt die Arktis eine Supererwärmung mit Rekordniedrigstand des Meereises, dadurch Einfluss von maritimer Warmluft und Plustemperaturen am Nordpol. Die Kälte „weicht“ quasi auf die südlichen Kontinente aus, sodass die paradoxe Situation entsteht, dass trotz Klimakatastrophe zeit- und stellenweise wieder Winter Einzug hält, auch in Europa, wie man im Januar 2017 sehen konnte.

Es ergibt sich eine spannende Frage aus dem Waccy-Effekt, der eine neue Stufe der Klimakatastrophe belegt. Was passiert, wenn der Polarwirbel sich im April 2017 auf natürliche Weise auflöst und die arktische Wärme grundlegend neu angeordnet wird? Wird sich die überschüssige Wärme auf die mittleren Breiten verteilen und einen Brüllhitzefrühling auslösen? Oder passiert das Gegenteil und die Restkälte wird Europa fluten im Rahmen der Klimaanomalien der Eisheiligen und der Schafskälte? Die zu erwartenden neuen Entwicklungen werden wir gemeinsam beobachten und dokumentieren.

Die Konstruierung von globalen Temperaturen ist so komplex und auch ungenau, dass die Zahlen nicht in Stein gemeißelt sind. Die grobe Richtung jedoch ist offensichtlich, zumal die NOAA in ihren Berechnungen die Pole ausklammert aufgrund fehlender Messdaten – Satellitenmessungen, die ansonsten für die Oberflächentemperatur herangezogen werden, benutzt die NOAA offenbar nicht. Da die Erwärmung an den Polen durch den „polaren Verstärkungseffekt“ die mit Abstand größte auf dem Planeten ist, sind die Zahlen daher trotz offensichtlicher Ungenauigkeiten bei einem ganzen Planeten dennoch aussagekräftig und fundiert hinsichtlich der Entwicklung. Ob sie zu niedrig oder zu hoch oder doch korrekt liegen, wird sich erst mit genaueren Messverfahren in der Zukunft messen lassen. An der Tatsache einer katastrophalen Klimaerwärmung im Zeitraffer ändert die technische Problematik nichts.

Man beachte unbedingt bei den angegebenen Zahlen, dass
(a) das verwendete Mittel nicht der übliche Dreißigjährige Zeitrahmen ist (außer bei den Karten, wie angegeben), sondern das 20. Jahrhundert komplett als Maßstab verwendet wurde, also die Jahre 1901-2000.
(b) die beiden Regionen, in denen die stärkste Erwärmung auftritt, die Arktis und die Antarktis werden bei den Messungen und angegebenen Daten aufgrund nach wie vor fehlender Instrumente ausgespart. Die tatsächliche Erwärmung des Planeten ist somit noch (vermutlich deutlich) höher.
(c) dass die verwendeten globalen Zahlen aufgrund der Komplexität eines ganzen Planeten sich von der Realität zwar unterscheiden können, aber in der Tendenz korrekt sind.

Ergebnis: Der Monat Januar 2017 liegt global auf Platz 3 der heißesten Januarmonate seit Messungsbeginn.

Die Daten werden nach Landmassentemperaturen und Ozeantemperaturen unterteilt und lauten wie folgt:
Landtemperatur: +1.54 Grad über dem Mittel = Platz 3 aller jemals im Januar gemessenen Werte (bisheriger Rekord: 1.88 im Jahr 2007)
Ozeantemperatur: +0.65 Grad über dem Mittel = Platz 2 (bisheriger Rekord im Januar: +0.86 im Jahr 2016)
Land und Ozean somit: +0.88 Grad über dem Mittel = Platz 3 (bisheriger Rekord im Januar: +1.06 im Jahr 2016)

Die Zahlen weisen an sich eine deutliche Abkühlung verglichen zu den Vorjahren 2016, 2015 und 2014 aus. Die „Abkühlung“ reduziert sich jedoch bereits um etwa die Hälfte verglichen zum Dezember 2016 und November 2016.
Wenn meine Theorie richtig ist, müsste sich der (immer noch aktive) Waccy-Effekt aus der sterbenden Hitzearktis immer weiter abschwächen, je näher wir dem Frühling kommen. Demnach müsste ab der natürlichen Selbstauflösung des Polarwirbels wie in jedem Jahr der Treibhauseffekt der Klimakatastrophe wieder zu Buche schlagen. Eine massive Erwärmung mit neuen Temperaturrekorden wäre dann unausweichlich, möglicherweise nach dem Waccy-Effekt sogar mit katastrophalen Auswirkungen auch für Europa.
Ob das tatsächlich so kommen wird, werden wir genauestens verfolgen.

Globale Temperaturentwicklung Land und Ozean im Monat Januar; © <a target="_blank" href="https://www.ncdc.noaa.gov/sotc/global/201701">NOAA</a>
Globale Temperaturentwicklung Land und Ozean im Monat Januar; © NOAA
Globale Temperaturentwicklung Nördliche und Südliche Hemisphäre im Monat Januar © <a target="_blank" href="https://www.ncdc.noaa.gov/sotc/global/201701">NOAA</a>
Globale Temperaturentwicklung Nördliche und Südliche Hemisphäre im Monat Januar; © NOAA

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Temperaturverteilungen auf dem Planeten

Während im Dezember 2016 noch La Niña überraschend tätig war, verschwand der ohnehin schwache (aber wirksame!) Effekt allmählich im Januar 2017, auch wenn er noch auf den Karten als zentralpazifische Anomalie über den Gesamtmonat zu erkennen ist.
Sibiriens „Waccy-induzierte Superkälte“ schwand etwas und die Ostküste der USA erlebte einen Mildwinter, der in seinen Werten an das erinnerte, was uns in Europa seit langen Jahren geläufig war.
Der „kalte Fleck“ im Atlantik, den viele für eine Abschwächung des Golfstroms gehalten haben, ist nach wie vor vorhanden, wenn auch sehr, sehr schwach. Neueste Erkenntnisse der internationalen Forschung deuten auf einen tatsächlichen Zusammenhang mit der Schmelze des Grönlandeises (die naturgemäß im Winter nicht vorhanden ist)! Siehe hierzu den aktuellen Bericht zur Forschungslage: Der „Kalte Fleck“ im Atlantik – Neuigkeiten von der Forschungsfront.

Bitte beachten: Die hier dargestellten Veränderungen beziehen sich auf die Klimakatastrophenjahre 1981-2010 und nicht auf das Mittel 1901-2000, um deutlich zu machen, ob sich die Klimakatastrophe weiter verschärft oder sie abklingt. Das bedeutet: Allein um einen Vergleich zur Zeit vor dem Start der beschleunigten Klimakatastrophe zu erhalten, muss man für globale Verhältnisse etwa +0.2 Grad dazuzählen.

Auffällig ist im Januar 2017 vor allem das abnorm warme nördliche und östliche Nordamerika; © <a target="_blank" href="https://www.ncdc.noaa.gov/sotc/global/201701">NOAA</a>
Auffällig ist im Januar 2017 vor allem das abnorm warme nördliche und östliche Nordamerika; © NOAA

Klima-Höhepunkte

In der Grafik der NOAA zeigen sich im Januar 2017 dank WACCY (Effekt der warmen Arktis und kalten Kontinente) verhältnismäßig viele kalte Gebiete.

1. Zu heiße Regionen: Hier sind vor allem Alaska, die Ostküste Nordamerikas, Südamerika und das östliche Asien (Russland) zu nennen.

2. Zu kühle Regionen:
 Europa, West-USA und Südwestasien (Regionen Schwarzes Meer).

3. Zu nasse Regionen: Australien.

4. Hurricanes:
 Ohne La Niña (Hurricane-Zeit!) tauchten keine großen Zyklone auf.

5. Die Lage an den Polen verschärft sich deutlich: In der Arktis ebenso wie in der Antarktis (Sommerperiode) verzeichneten die Messungen einen Rekordniedrigstand des Meereises seit Aufzeichnungsbeginn im Jahre 1979.

Bei der Diskussion, ob die NOAA-Zahlen letztlich exakt richtig sind oder nicht, zeigen auch alternative Messungen nur eines: Die Richtung geht nach oben. Die klimatischen Folgen sind auch jenseits der Zahlendiskussion offensichtlich. Ob wir dabei bereits einen globalen Kipppunkt überschritten haben (und die Zahlen tatsächlich noch schlechter sind, als wir derzeit messen können) oder ob es doch noch wie einst angedacht bis 2030 Zeit bleibt, etwas gegen die Klimakatastrophe zu unternehmen, wird sich wohl letztlich erst im Rückblick nach Jahren final bewerten lassen. Allerdings könnte es dann bereits lange zu spät sein, Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Temperaturen auf der Erde im Laufe der geologischen Epochen von 500 Millionen Jahren vor unserer Zeit bis heute, © :Glen Fergus, hg6996 auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Temperaturen auf der Erde im Laufe der geologischen Epochen von 500 Millionen Jahren vor unserer Zeit bis heute. Der Mensch existiert erst seit max. 1 Million Jahren (im blauen Bereich – wir sind Wesen der Eiszeit, die aktuell in Dinosaurierverhältnisse katapultiert werden und dabei zusammenbrechen werden), © :Glen Fergus, hg6996 auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0

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  • Michael Wax

    Die Antarktis wird dieses Jahr wohl ebenfalls einen traurigen Negativrekord aufstellen, was die Meereseisbedeckung anbelangt!

    • Ja das ist richtig.
      Wobei die Schlagzeilen in gewisser Hinsicht aber oft irreführend sind. Man bekommt den Eindruck, dass die Arktis zum tropischen Schwimmbadparadies verkommt ^^ Tatsächlich ist die Fläche aus Meereis nach wie vor riesig mit ca. 14 Millionen Quadratkilometern.

      https://uploads.disquscdn.com/images/40608fe794f5e6041d63aafd0dcc658d15b0cd4dc85fad6fb71dc151dbaec1ec.png

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      (c) NSIDC – https://nsidc.org/arcticseaicenews/

      Der Punkt ist jedoch: Die Fläche verringert sich über mittlere Zeiträume von Jahrzehnten stetig und diese Abnahme vergrößert sich drastisch. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, wann die Arktis und deren Fauna stirbt. Insofern sind die Schlagzeilen auf lange Sicht dann doch richtig.
      Dabei sorgt die Meereisabnahme selbst für ihren Untergang abgesehen von der immer stärker und schneller stärker werdenden Klimakatastrophe: Weniger Meereis bedeutet keine Hochdruckgebiete als Blockade (über Eis und Schnee bilden sich Hochdruckgebiete), dadurch gerät die Arktis immer mehr in den Einfluss maritimer Tiefdruckgebiete und somit von Schmelztemperaturen.

      Was passieren wird, sieht man bereits heute: Plustemperaturen am Nordpol, Waccy-Effekt mit kalten Kontinenten. Die Frage ist nur: Wie lange und wann kippt die gesamte Erde in einen Hitzezustand?
      Die Frage ist auch, ob wir in ein Zwischenklima bis zum endgültigen Ende geraten, in dem es durchaus gute lokale Winter geben wird (teilweise in Sibirien sogar Rekordkälte) und anschließend extreme Dauerhitze. Das Ende des „gemäßigten Klimas“ auf lange Sicht.
      Beobachten wir die Entwicklung mal weiter ….

      • Ingo Gorges

        Guten Abend,
        das Arktiseis hat sich aufgrund der günstigen Lage des Polarwirbels im Februar doch auf stattliche 14,35 Million Quadratkilometer ausbauen können. Das Problem wird jedoch wie letztes Jahr die Entwicklung des Frühlings sein, da das neu gebildete Eis noch sehr dünn ist und bei zu warmen Temperaturen ruck zuck wieder weg ist. Daher wird es spannend, ob sich der Polarwirbel nach dem Warming nochmals erholt oder bereits Anfang März total zerbröselt.

        • Nun… „stattlich“ ist etwas anderes, wie man an den Grafiken oben sieht. Trotzdem wird es noch einige Jahre dauern, bis die Arktis nahezu eisfrei sein wird.
          Was den Polarwirbel angeht, sieht es aktuell nicht nach einer vorzeitigen Auflösung, sondern nach einer Teilrekonstitutierung aus. https://uploads.disquscdn.com/images/9f1056cd5a807f188512e3e9b09cd939a35cdd1c804052902b8fc2c5c112030e.png
          (c) meteociel.fr

          • Ingo Gorges

            Mit dem stattlich gebe ich Dir Recht, allerdings hätte ich eine Wette verloren, da ich weder im Dezember noch im Januar daran geglaubt hätte, dass der Wendepunkt dieses Jahr über 14 Quadratkilometern liegt. Vielleicht gelingt sogar die Teilrekonstituierung recht nachhaltig, so dass nicht bereits wieder im März ein Riesenschwund an Meereis wie im letzten Jahr auftritt.

          • Das hängt nicht vom stratosphärischen Polarwirbel ab. Sondern von lokalen Wetterlagen. Durch das Meereis-Minimum ergeben sich weniger polare Hochdruckgebiete, dadurch Tiefdruckzunahme und Mildtemperaturen. Die Schwelle für solche Entwicklungen ist bei der gegenwärtigen Lage am Pol überschritten und folglich werden solche „Plustemperaturen am Pol“ immer mehr zunehmen.

  • Leon

    hab mich noch garnicht zu dem wiedermal gelungenen Artikel geäußert, dann mache ich das jetzt 😀

    Ja die Amis kriegen jetzt auch mal zu spüren wie sich ein Mitteleuropäischer Klimakatastrophen Winter anfühlt, obwohl sie trotzdem noch ihre alljährlichen Blizzards erleben dürfen.
    Schon heftig das gerade Temperaturen, um die 21 Grad in Michigan herrschen.

  • MINDERQUEST

    Die Amis können doch nichts dafür wenn ein regressiver Präsident mit Karottenhaut das Land abreißen will!