Der El Nino-Sommer lässt uns ungewollt einen Blick in die Zukunft werfen ...; © Ben Salter auf flickr.com, Lizenz: CC BY 2.0
Der El Nino-Sommer lässt uns ungewollt einen Blick in die Zukunft werfen ...; © Ben Salter auf flickr.com, Lizenz: CC BY 2.0

Der DWD hat die Klimabilanz für Deutschland für den 2. Sommermonat Juli 2015 herausgegeben.
DWD (Deutschneudorf-Brüderwiese – Welt – Deutschland) wird sich vermutlich bald die klimatologische Pars Pro toto-Himbeere sichern. Deutschneudorf-Brüderwiese, ein kleines Kaff irgendwo in den Bergen, dient mal wieder als abstruses Vorzeigeobjekt für Sommerfetischisten, dass der Juli 2015 mit der schlimmsten Hitzekatastrophe seit 2003 ein „Gruselsommer“ war – immerhin waren es am 11.07.2015 1,7 Grad Celsius dort. Ehrlich gesagt wäre das ein Grund für mich, meine tropenhessische Wohnstatt nach dorthin umzuverlegen.

Doch zurück zum Ernst der Lage:
Der Juli 2015 war eine beispiellose Katastrophe, natürlich ab der Mitte Deutschland, den Norden ausgenommen, wie immer in diesem Jahr.
Während der Norden lediglich etwa 1 Grad über dem Mittel zu verbuchen hatte, gab es unfassbare 4 bis 5 (!) Grad über dem Monatsmittel von Tropenhessen bis Bayern zu vermelden.

Temperaturkarte Deutschland im Juli 2015, © http://www.bernd-hussing.de/klima.htm
Temperaturkarte Deutschland im Juli 2015, © http://www.bernd-hussing.de/klima.htm

Niederschlagskarte Deutschland im Juli 2015, © http://www.bernd-hussing.de/klima.htm
Niederschlagskarte Deutschland im Juli 2015, © http://www.bernd-hussing.de/klima.htm

Sonnenscheinbelastungskarte Deutschland im Juli 2015, © http://www.bernd-hussing.de/klima.htm
Sonnenscheinbelastungskarte Deutschland im Juli 2015, © http://www.bernd-hussing.de/klima.htm

El Niño befeuerte mit der meridionalen oder gemischt-meridionalen Wetterlage das schlimmste aller Szenarien: Eine Omega-Lage mit Südwindströmung, die Afrikahitze zu uns führte. Nicht nur ein Mal, sondern zwei Mal. Das öffentliche Leben war bei Temperaturen um die 40 Grad lahmgelegt, jede Bewegung eine Qual, der Kreislauf dauerbelastet. Das Leben wurde zur unerträglichen Qual. Erst am Ende des Monats nach wochenlangem Hitzeterror kam endlich, endlich die erflehte Abkühlung und dann auch gleich richtig mit bis zu 9 Grad (!) unter dem Mittel. Extreme, wie man sie nur während eines El Niños wohl vorfindet.
Leider dauert die Hitze immer zwei bis drei mal länger als die herrliche Frische Phase, die subjektiv immer noch mit 20 Grad zu warm war (bis auf den Norden, wo es sogar nur 13 Grad erreichte).

Der El Niño als Hitzetreiber, der auch Auswirkungen auf Europa besaß und Ursache eines katastrophalen Julis war, wird leider auch im August weiter wirken und auch im Herbst*. Allerdings kann sich im Herbst durch den sich aufbauenden Polarwirbel alles ändern, sodass die Strukturen des Sommers nicht zwangsläufig in den Herbst übergehen werden.

Der Monat Juli 2015 war in Deutschland 2,5 Grad zu warm und ist somit der 11. zu warme Monat in Folge!

Die bisherigen Monate des Jahres bestätigen damit, dass die Klimaerwärmung nach wie vor aktiv ist – global ohnehin!

Januar 2015 = 2,2 Grad Celsius im Mittel = +2,7 Grad zu warm (2014: +2,6 Grad)
Februar 2015 = 0,7 Grad im Mittel = +0,3 Grad zu warm (2014: +4,7 Grad)
März 2015 = 5,2 Grad Celsius = +1,8 Grad zu warm (2014: +3,4 Grad).
April 2015 = 8,6 Grad Celsius = +1,2 Grad zu warm (2014: +3,4 Grad).
Mai 2015 = 12,5 Grad im Mittel = +0,4 Grad zu warm (2014: +0,3 Grad).
Juni 2015 = 16,0 Grad im Mittel = +0,6 Grad zu warm (2014: +0,7 Grad).
Juli 2015 = 19,5 Grad Celsius = +2,5 Grad zu warm (2014: +2,4 Grad).

Noch einmal zur Erinnerung: Es handelt sich um monatliche MITTEL-Temperaturen. Zur groben Einschätzung halte man in Erinnerung, dass +1 Grad über dem Mittel etwa 5 Grad zu hohe Tagestemperaturen im Flachland bedeuten, also z. B. im Mai statt 16 Grad 21 Grad. +2 Grad über dem Mittel entsprechend ca. 7 Grad zu hohe und +3 Grad etwa 12 Grad zu hohe Tagesmaxima.

Quellen für alle Temperaturen: DWD, Zeitreihe der Lufttemperatur in Deutschland, Wetterkontor.

Was die „Deutsche Sahelzone“ (DSZ) angeht, setzte sich die Dürre im sage und schreibe 6. Monat in Folge (!) fort. Der Norden gehörte auch hier schon wieder zu den Glücklichen und bekam ausreichend Regen. Die Mitte Deutschlands als DSZ verdorrte an Leib und Seele und weiß schon seit 6 Monaten (!) gar nicht mehr, wie sich der wundervolle Regen anfühlt, es ist eine unbeschreibliche Tragödie für alle, die die Sonne zum Kotzen finden und den lebens- und segenspendenden Regen für ihr Glück benötigen.
Im Süden, bisher ein Regenparadies, kehrte sich die Lage im Juli um. Aufgrund fehlender Alpentiefs oder Vb-Lagen kehrte auch hier die Trockenheit ein.

Sonnenschein gab es viel zu viel. Ohnehin ist der Sommer nicht wirklich als sonnenscheinarm bekannt. Jetzt kam noch einmal zu den ohnehin viel zu langen, grellen Tagen ohne Lichterholung eine Dauergrelle, die blind machte und hier besonders im Osten der Republik im Raum Leipzig/Dresden bis in einer südlichen Linie bis Straubing.

(1) Temperaturen im Juli 2015

Reihenfolge der Bundesländer, von Bundesländern mit der besten, also niedrigsten Temperatur bis hin zu den Klimaopfern mit der höchsten Temperatur:

Platz 1: Schleswig-Holstein: 17 Grad
Platz 2: Mecklenburg-Vorpommern: 17,7 Grad
Platz 3: Niedersachsen: 18,1 Grad
Platz 4: NRW 18,9
Platz 5: Sachsen-Anhalt 19,3
Platz 6 und 7: Thüringen und Brandenburg: 19,6 Grad
Platz 8: Hessen 19,9 Grad
Platz 9: Sachsen: 20,1 Grad
Platz 10: Rheinland-Pfalz 20,2 Grad
Platz 11: Bayern: 20,4 Grad
Platz 12: Saarland: 20,6 Grad
Platz 13: Baden-Württemberg 20,9

Die Zahlen sind eigentlich unfassbar. Noch immer ist der Norden eine andere Klimazone – so etwas hat man noch nie gesehen! Bis zu 3,9 Grad niedriger als der Süden? (entspricht etwa 10 Grad weniger an jedem einzelnen Tag im Juli umgerechnet!!) Niemand im Norden ahnt auch nur ansatzweise, was die Menschen ab der Mitte Deutschlands für eine Lebenswirklichkeit haben. Es ist im Mittel ein Unterschied, der kaum noch rational begreifbar ist. Ich würde an Stelle der Friesen einen Dankesaltar errichten, um mich in den kommenden Jahren, falls die Klimakatastrophe richtig zuschlägt, immer und ewig an diese Kaltsommer 2015 zu erinnern und von diesen Erinnerungen zu zehren. Da kann man nur noch aufrufen zum Dauerurlaub von April bis September im hohen Norden!
Woran das liegen mag, hat verschiedene Gründe:
(a) Die meridionale oder gemischte Wetterlage führt natürlich zu Trögen, die vor allem den Norden begünstigen, weil die Arktis-Tröge des Jetstreams nicht so weit nach Süden reichen.

(b) Wegen der Meridionalität fallen auch die feuchten Winde der Westdrift als Regenbringer aus und östliche Kontinentalluft ist trocken, ebenso wie Südströmung (mit Ausnahme von Vb-Lagen).

(c) Der El Nino und die bipolare Telekonnektion verstärkt diese Tendenzen noch einmal extrem.

(d) Ebenso führt der niedrige Sonnenfleckenstand zu einer Blockadesituation auf dem Atlantik mit Meridionalität (Hochs auf dem Atlantik blockieren die Westdrift und begünstigen Nord- und Ostlagen, gelegentlich auch Südlagen).

Aber: Man darf auch nicht vergessen, dass sich im Herbst das Blatt wendet. Aufgrund der warmen Nordseeküste ist der hohe Norden oft wärmer als der Süden, was sich auch in den Mitteltemperaturen niederschlägt. Ob es diesen Herbst und Winter auch zur „Rückzahlung“ für den hitzegebeutelten Rest Deutschlands gibt, muss aber bezweifelt werden. Zum Einen ist die Nordsee erstaunlich kühl (ist das jetzt schon der schwächelnde Golfstrom mit dem kühlen Fleck östlich Neufundlands – auf den Karten macht es den Anschein!), zum anderen würden bei Meridionalität die Tröge der Polarluft natürlich auch vorrangig den Norden bei Nordlagen treffen, nur bei Ostlagen mit Arktisluft von Sibirien (in sommerfetischistischer Übertreibung „Russlandpeitsche“ genannt – oh möge sie die Sofeten mit aller Gewalt treffen!) profitiert der Norden nahezu überhaupt nicht.

Dass im Juli auch ein „offizieller“ Temperaturrekord in Kitzingen gemessen wurde, der betroffen macht, hindert den Bürgermeister von Kitzingen nicht daran, in sofetischer Einfalt die Klimakatastrophe und die Hitzequalen für seine Bürger in den Gluthimmel zu loben. Allerdings sollte man so viel geistige Selbstbeschränkung von einem Politiker auch erwarten, insofern lässt einen ein solches Verhalten buchstäblich kalt.

(2) Niederschlag im Juli 2015

Die deutsche Sahelzone setzt sich aus dem Frühling und dem Juni 2015 fort und scheint überhaupt nicht mehr aufhören zu wollen. Da steht uns als Folge des El Nino und der Klimakatastrophe ein Horrorszenario* in den nächsten Jahren und Jahrzehnten bevor.
Der Juli 2015 erreichte lediglich im deutschlandweiten Mittel 68 Liter pro Quadratmeter und damit nur 88% des Solls von 78 Litern – und das ist bereits die reduzierte Menge des Klimakatastrophenmittels 1981-2010!

Die einzelnen Bundesländern in absoluter Reihenfolge, beginnend mit den regenreichsten Ländern als positives Vorbild bis hin zu den Ländern der Sahelzone Deutschlands.

Platz 1: Schleswig-Holstein mit 127 l/qm
Platz 2: Niedersachsen 115 l/qm
Platz 3: Sachsen-Anhalt 92 und
Platz 4: NRW mit 87 l/qm
Platz 5: Thüringen mit 82 l/qm
Platz 6: Brandenburg mit 77 l/qm
Platz 7: Sachsen mit 69 l/qm
Platz 8: Mecklenburg-Vorpommern mit 67 l/qm
Platz 9: Hessen mit 59 l/qm
Platz 10: Bayern mit 45 l/qm
Platz 11: Rheinland-Pfalz 40 l/qm
Platz 12: Baden-Württemberg mit 39 l/qm
Platz 13: Saarland 33 l/qm

Die Kombination aus niedrigem Sonnenfleckenstand, El Nino und damit insgesamt meridionaler (und teilweise gemischter) Wetterlage führt durch die inaktive Westdrift und durch die CO2-gesteigerte Hitze zu einer gefährlichen Dürresituation in der Deutschen Sahelzone.
Wie vom Bundesumwelt prognostiziert führt die Klimakatastrophe zu Bodenerosion und verändert die Grundlage für Mensch und Tier in Deutschland auf eine sehr gefährliche Art und Weise. Geht man davon aus, dass dies erst der Anfang ist, so kann man Deutschlands Mitte bereits jetzt als ein europäisches Zentrum der Auswirkungen der Klimakatastrophe* betrachten.

Dürrezustand am 29.07.2015, © <a target="_blank" href="http://www.ufz.de/index.php?de=33328">Helmholtz-Zentrum Dürremonitor</a>
Dürrezustand am 29.07.2015, © Helmholtz-Zentrum Dürremonitor

Dürrezustand am 22.06.2015, © <a target="_blank" href="http://www.ufz.de/index.php?de=33328">Helmholtz-Zentrum Dürremonitor</a>
Dürrezustand am 22.06.2015, © Helmholtz-Zentrum Dürremonitor

Dürre im April 2014 , © Helmholtz-Zentrum Dürremonitor, http://www.ufz.de/index.php?de=33328
Dürre im April 2014 , © Helmholtz-Zentrum Dürremonitor

(3) Sonnenscheinbelastung im Juli 2015

Nach der Sommersonnenwende scheint die Sonne gottlob jeden Tag weniger. Dennoch reicht es im Juli nicht, um spürbar die Sonnenstundenzahl zu reduzieren oder um spürbar eine Tagesverkürzung zu bemerken. Juni und Juli sind klassischerweise die beiden Monate, die für Freunde aufdringlicher Grelle und kitschigem Blumentand* die Krönung im Boulevardtheater unsubtiler Oberflächlichkeiten darstellen.

Im Gegensatz zu den Temperaturen und Niederschlagszahlen halten sich die regionalen Unterschiede in Grenzen. Die einzelnen Bundesländer, angefangen mit dem besten, also niedrigsten Wert und endend mit den Sonnenopfer-Ländern (da jedes Land über dem langjährigen Mittel landete, sind alle in Warn-Rot gehalten):

Platz 1: Schleswig-Holstein mit 202 Stunden
Platz 2: NRW mit 209 Stunden
Platz 3: Niedersachsen mit 211 Stunden
Platz 4: Mecklenburg-Vorpommern mit 227 Stunden
Platz 5: Saarland mit 242 Stunden
Platz 6: Hessen 244
Platz 7: Rheinland-Pfalz mit 248 Stunden
Platz 8 und 9: Brandenburg und Thüringen mit 250 Stunden
Platz 10: Sachsen-Anhalt mit 253 Stunden
Platz 11: Sachsen mit 269 Stunden
Platz 12: Bayern 273
Platz 13: Baden-Württemberg 274 Stunden

Juli, der schlimmste aller Sofetenmonate

Bekanntlich sind alle drei Sommermonate, die bezeichnenderweise nach römisch-italienischen Sofetenkaisern bzw. -familien benannt sind, nur schwer zu ertragen. Der schlimmste aber ist der Juli – der Höhepunkt der Hitze. Dieser Monat war seit 2003 der Schlimmste dank El Nino. In Tropenhessen und im Südwesten bis zur Abkühlung am Ende des Monats über 5 (!) Grad über dem Mittel, eine unsägliche Hitzequal, die einem die Luft zum Atmen nahm und das ist nicht sprichwörtlich gemeint. Jeder Tag, jede Minute, jede Sekunde ein Kampf.

Regentage* sind göttlich! Etwas Grausameres als ein dröger, blauer Himmel, gleichsam ein Symbol für die Leere eines Sofetenhirns, kann man sich kaum vorstellen. Wie herrlich ästhetisch sind dagegen Wolkenformationen die mit dem Licht spielen, aber die Sonne verdecken, wie es in diesem Video zu sehen ist, das aus 70.000 Einzelfotos von Jeff Boyce zusammengestellt wurde:

Aber der Juli ist nun vorüber.
(Man lasse sich in einigen Sekunden dankbarer Ehrfurcht noch einmal diese Worte auf der Zunge wie im Geiste zergehen.)
Und wir haben überlebt.
Noch 30 Tage überstehen und wir sind im (meteorologischen) Herbst angekommen. Und auch wenn der August mal wieder mit einer Hitzewelle startet: Wenigstens die Tage werden spürbar kürzer, die Nächte wieder länger und die Atmosphäre verändert sich zusehends.

Bis dahin hoffen wir auf eine Abkühlung ab Mitte August und dass die Schönheit der Nacht wieder Einzug hält in die Lebenswelt. Und uns eine Ahnung schenkt und einen köstlichen Vorgeschmack auf Herbst und Winter, dessen Schwester die Nacht selbst ist.

Vielleicht koppelt das Gedicht „Mondaufgang“ bei dem einen oder anderen wie auch an meine Seele an, denn es kündet für mich davon, dass man nicht in einer Welt der Sofeten heuchlerisch der Sonne huldigt, weil es alle erwarten und verlangen, sondern zu seinen eigenen Werten, Gedanken und Gefühlen steht, die letztlich weiter und auch tiefer blicken. Nie mehr vor fremden Seelen betteln gehn! Der Mond, das Gefäß der Zuversicht, das uns im August verspricht, es wird auch unsere Zeit kommen …

Mondaufgang
Verschüttet Herz, du Mond noch nicht im Klaren,
brich durch, das letzte Licht erlosch im Abendwind …
Bald werden alle meine Gedanken, die Verdammte waren,
strahlen, weil sie schwebend und einsam sind.
Nie mehr vor fremden Seelen betteln gehn!
Nie mehr um die Erfüllung werben!
Nicht mehr mit jeder Sehnsucht sterben
und falschen Herzens auferstehn.
Gefäß der Zuversicht, du Mond im Klaren …
Die Welt verlor den Glanz im Abendwind.
Es kam die Nacht. Nun strahlen, die erblasste Sklaven waren,
die Gedanken, weil sie über Meer und Erde mächtig sind.
(René Schickele)

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DIE LETZTEN GLOBALEN KLIMABERICHTE: Juni 2015, Mai 2015, April 2015, März 2015
DIE LETZTEN NATIONALEN KLIMABERICHTE:Juni 2015, Mai 2015, April 2015, März 2015
JAHRESKLIMABERICHTE: 2014.

  • Blizzard

    Der „kalte“ Norden spiegelt sich unmittelbar in den Meerestemperaturen der Nord und Ostsee wieder. Die liegen ca. bei 17° und damit fast 2K unter den Werten der letzten Jahren.

    • Irgendwelche Schlussfolgerungen für den Herbst daraus? Verstärkung von Trögen auch für Restdeutschland? Der Norden bleibt ewig kalt auch im Herbst und Winter?

      • Blizzard

        Gute Frage.. jetzt noch schwer einzuschätzen, ich kann nur sagen, dass ein kaltes Nordmeer das Ergebnis einer schwachen Westdrift ist, aber was die Wirkung für Mitteleuropa ist? Spekulativ halte ich konstante Hochdrucklagen bei einem kalten Meer wahrscheinlicher, was evtl. ein Januar mit Osteuropahoch??? Aber klar ist mir das nicht, da muss erst der Herbst abgewartet werden und die Zonalwinde die Oberhand gewinnen.

        • ok danke, Blizzard. Das sind ja schon mal Ansätze, ich war hier völlig ratlos. Es bleibt spannend (und leider brüllend heiß ohne erkennbares Ende …)

  • Zoppo Trump

    Wieder ein toller Artikel, danke dafür. Und mit dem Golfstrom und dem kühlem Fleck vor Grönland wird das langsam immer interessanter. Bin auf den Herbst gespannt.

  • Autumn

    Nicht nur der Juli war die Hölle, der August wird es auch. Keine Aussicht auf Abkühlung bis zum 15. August *heul* 🙁 Stabiles Hoch, die Atlantische Frontalzone kann sich nicht gegen dieses VERDAMMTE (Entschuldigung) Dreckshoch durchsetzen 🙁 ….also noch mindestens 2 Wochen grausamste Brüllhitze hier im Süden, es ist einfach zum ko…! Wie lange kann es dauern, bis so ein stabiles Hoch abgebaut wird? Gibt es schon Anzeichen auf Besserung Mitte August? Was für ein schrecklicher Sommer! Dieses Jahr hat sich alles gegen die Hitzehasser verschworen. 🙁

    • Sara Bosshard

      Hallo Autumn. Schau dir mal die neusten Diagramme von heute 12 Uhr an. Es sind nun doch wesentlich besser aus für uns, beispielsweise München – der GFS-Hauptlauf verzeichnet hier einen gewaltigen Absturz um den 11. August. Das ist doch erfreulich.

      • Autumn

        Habe ich eben geguckt, Sara. Der sieht wirklich schon viel besser aus! Hoffentlich wird der Absturz nicht wieder weggerechnet

  • Sommerliebhaber

    Die Temperaturunterschiede in diesem Juli sind so gewaltig, dass sie sich für einen Vergleich anhand einer kleinen Reise durch Europa eignen. Der Ort in Klammern hat dabei den gleichen* Wert im Mittel 1961-1990, den es dieses Jahr am angegebenen Ort in Deutschland im Juli gab:

    Schleswig 16,6 (Helsinki, Finnland)
    Hamburg 17,9 (Warschau, Polen)
    Berlin 20,4 (Debrecen, Ungarn)
    München 21,2 (Zagreb, Kroatien)
    Frankfurt 22,3 (Bukarest, Rumänien)
    Konstanz 22,9 (Nizza, Frankreich)

    Quelle: wetterkontor.de für die diesjährigen Daten und die frei verfügbaren Daten des DWD für die Mittelwerte 1961-1990
    *Abweichung max. +/- 0,1 K

    • ich darf ergänzen als Tropenhesse: „Bitte kotzen Sie JETZT!“.

      • Autumn

        Wer aus BaWü kommt, darf JETZT! (Bitte in den dafür vorgesehenen Eimer): 3,2,1 *würg, böööööörks*, PLATSCH!
        Komme entsprechend gegrillt (Aua! Sonnenbrand) und ausgelaugt (Aua, …woooo bleibt das Magnesiuuuum?) zurück aus der hiesigen Folterkammer BaWü. Da gibts das Dampfbad bei 32°C gleich umsonst.

  • Baur Hans Peter

    Noch sind die Hoffnungen dass es nach überstandenem nächstem Horrorhitzefreitag hier auf der Schweizer Alpennordseite wieder deutlicher abkühlt auf wackeligen Beinen, das europäische Modell 2.8.12 ist etwas gnädiger als das amerikanische. Vielleicht wird die 2. Augusthälfte erträglicher und die deutschen Nordlichter leiden vermutlich wirklich nur einen Tag (Freitag). Wie das die Andalusier Jahr für Jahr monatelang aushalten ist bewundernswert aber mir auch schleierhaft haben die in Spanien hitzeresistentere Gene oder einfach nur alle Klimaanlagen?

    • sommerliebhaber

      was die Frage zu Andalusien anbelangt: ja, zum einen haben fast alle eine Klimaanlage, sowohl zu Hause als auch im Büro, zum anderen wird anders mit der Hitze umgegangen: es gibt sog. „horarios de verano“ Sommer-Arbeitszeiten (z.B. von 8:30-15:00) danach geht der Andalusier in seine klimatisierte Wohnung und macht Siesta. Erst zum Abendessen (21:00-23:00) sind dann alle wieder unterwegs. Außerdem gewöhnt man sich bis zu einem gewissen Grad an die Hitze und nimmt sie mit der Zeit auch anders war, deshalb sieht man wie im Winter in Sevilla die Einheimischen bei 18 Grad dick eingepackt mit Pullover und Jacke herumlaufen, während man in Schweden im Sommer bei 18 Grad schon Menschen in kurzen Hosen sieht. Die Beständigkeit des Wetters und viel trockenere Luft ohne Schwüle trägt dazu bei, dass man sich leichter an die Hitze gewöhnt. Ich bin zwar Sommerfan, finde aber 38 Grad in Deutschland auch etwas zu warm, 30 reichen völlig und komischerweise kommt es mir so vor – vermutlich wegen der höheren Luftfeuchtigkeit – dass ich in Mannheim bei 38 Grad deutlich mehr schwitze als in Sevilla.

  • Baur Hans Peter

    Sorry meinte Modell Läufe vom 2. August 12 UHR

  • Horst

    Kennt hier jemand zufällig eine gute Seite für Wetterberichte? Ich habe gestern eine Beschwerde-Mail an wetter.com geschrieben und heute eine ziemlich unverschämte Antwort erhalten. Jetzt bin ich auf der Suche nach einer zuverlässigen Alternative ohne diesen unerträglichen Hitze-Hype.

    • Von den reinen Daten empfehle ich proplanta.de – die Bauern sind halt auf gute Wetterdaten angewiesen. Die Daten sind vom DWD. http://www.proplanta.de/Agrar-Wetter/Deutschland/
      Von den „Boulevardseiten“ kenne ich keine die erträglich wäre (wetter.de = RTL, wetteronline.de geht halbwegs, wetter.com sind nicht erträglich). Aus diesem Grund habe ich ja kaltwetter.com im Juli 2014 ja gegründet ^^ Ich habe auch gesucht und nichts gefunden, nur Hitzeperverse Sofetenpresse.
      Wenn du fündig werden solltest irgendwo, oh bitte lass uns teilhaben. 🙂

      • Lossoth

        Hallo Kaltwetter,
        was hälst du von Meteomedia und Meteovista? Also mir kommen die recht seriös vor. Wobei ich bei Meteovista direkt meinen Ort eingebe und nur auf die Temperaturen schaue. Ob die auch Sofeten-Propaganda verbreiten, weiß ich nicht.
        Hab übrigens im Internet eine interessante Seite entdeckt (obwohl ich glaube, dass du die bestimmt schon kennst): „National Snow and Ice Data Center (nside.org). Die zeigen u.a. auch Satellitenbilder und Diagramme von der Grönland Eisdecke, die täglich aktualisiert werden.

        • Die beiden kenne ich noch nicht, schaue ich mir mal an. Danke für den Tipp.

          Das National Snow and Ice Data Centre ist im Herbst/Winter eines meiner Hilfsmittel, wobei dieses US-amerikanische Institut eng mit der NOAA zusammenarbeitet und die Daten gegenseitig ausgetauscht werden.
          Für den Winter ist einer der vielen Faktoren, die bestimmend sind, ob es im Herbst zu einer größeren Schnee- und Eisdecke in Sibirien kommt. Im Rahmen des October Pattern Index wird dabei ermittelt, inwieweit sich ein Kaltwinter oder Mildwinter in Europa dadurch abzeichnet.
          Leider hat sich 2014 der OPI als großer Fehlschlag erwiesen. Die Prognosen zu einem (sehr seltenen!) Kaltwinter sind dabei sicherlich schwierig, die Prognosen zu einem Mildwinter passen bisher.
          Grundlegend zum OPI: http://byjrdp.myraidbox.de/winter-201415-ein-prognoseversuch-mit-dem-october-pattern-index-opi/
          Außerdem der OPI zu 2014: http://byjrdp.myraidbox.de/der-winter-201415-kommt-opi-endergebnis-uebertrifft-alle-erwartungen/
          Und das enttäuschende Energebnis nach dem Winter: http://byjrdp.myraidbox.de/der-winter-201415-ein-finaler-rueckblick/

          Darüber hinaus ist das NSIDE auch gut, um die Eisschmelze in Grönland zu verfolgen. Zum einen als Nachweis der aktiven Klimakatastrophe, deren Zeugen wir sind und auch, um abschätzen zu können, ob das Schmelzwasser (das ja bekanntlich Süßwasser ist) weiterhin dazu führt, dass der Salzgehalt im Nordatlantik sinkt und somit der Golfstrom weiter geschwächt wird oder sogar ab einem Kipppunkt ausfallen könnte.

  • Horst

    Oh. Vielen Dank. Ich habe mir gerade proplanta.de angeschaut. Das scheint eine sehr gute Wetterseite zu sein. Einfach ganz sachlich, ohne viel unnötigen Schnickschnack und vor allem ohne Hitze-Hype. 😉

  • Jo1965

    Der 06er von GFS ist mal wieder der reinste Horrorlauf. Demnach regeneriert sich dieser Dreckshochdruck über Deutschland nach einem kurzen Einbruch zum Wochenende wieder und die 15er-Iso in 850 hPa verbleibt permanent nördlich der Mittelgebirge, ganz im Süden schaut dann auch regelmäßig das 20er-Monster vorbei. Hoffentlich wird das noch weggerechnet und EZ setzt sich mit seinem wesentlich moderateren 00er-Lauf durch. Dabei steht schon seit längerem eine wirklich ausgeprägte Kaltluftblase Richtung Island und Grönland bereit, aber bisher schafft es einfach kein Tief vom Atlantik diese verfluchten Azorenhochableger nachhaltig zu beseitigen und dieses Reservoir endlich anzuzapfen.

  • Lossoth

    Hallo Kaltwetter,
    hab gerade deinen Rückblick auf den Winter 2014/15 gelesen. Tja Schnee wird wohl immer seltener. Obwohl wir bei uns im letzten Winter wenigstens ein paar Mal Schnee hatten (hab 10!!!! Schneewanderungen gemacht). Im Winter 2013/14 nix.
    Keine einzige Schneeflocke! Mit Wehmut denke ich an den Winter 2010, auch der Winter 2012/13 war noch ganz gut. Eigentlich müsste uns der kommende Herbst/Winter für den grauslichen Sommer entschädigen.
    Jetzt hoffe ich auf eine möglichst schnelle Schwächung des Golfstroms (von mir aus kann er auch ganz ausfallen) und einen Vulkanausbruch. Das könnte uns den Hintern retten, oder lieg ich da falsch?

  • Jo1965

    Ist schon spät, trotzdem: Gerade den 18er von GFS gesehen, den 12er verpasst, aber der 18er sieht ja fast noch schlimmer als der 06er aus. Einfach unfassbar! Nur der 12er von EZ macht Hoffnung. Möge GFS in seiner eigenen Hitzehölle schmoren!

    • Also das sehe ich nicht. Der 18er geht deutlich runter, wenn auch lange noch nicht weit genug (ich beziehe mich hier weniger auf den springenden grünen Hauptlauf als vielmehr auf das weiße Mittel aller Läufe).
      http://www.wetterzentrale.de/pics/MT8_Frankfurt_Main_ens.png
      Bisher war der Verlauf seltsamerweise immer gleich: 00z bis 12z eine Hitzekatastrophe, 18z Abklingen. Steckt da ein System hinter? ^^
      Also weiter beten, dass eine unverhoffte Rettung kommt.

  • Jo1965

    Ich beziehe mich jetzt nur auf die Hauptläufe 12er-EZ und 12er-GFS und ich möchte eigentlich allen Leidensgenossen und -genossinnen hier Mut machen, aber diese Hauptläufe sind echt ein Alptraum bis in den Glaskugelbreich hinein. Ginge es nach EZ, würde die 20er-Iso in 850hPa am Freitag, d. 14.08., fast bis nach Großbritannien reichen und für alle Regionen südlich der Mainlinie sieht es grauenhaft aus! Die Kaltluft über Grön- und Island sitzt dort wie eingemauert und kommt keinen Meter zu uns voran. Ich setze mittlerweile auch meine ganze Hoffnung auf den abnehmenden Sonnenstand und die damit verbundenen Südverlagerung der globalen Drucksysteme sowie beginnende Kaltluftproduktion in den Polargebieten. Und wenn es dann zum endgültigen Kollaps dieser Wetterlage kommt, möge die scheinbar immer ausgeprägtere Erhaltungsneigung ganz in unserem Sinne voll zurückschlagen! Venceremos 😉

  • Baur Hans Peter

    Ja Jo, es sieht für Hitzeempfindliche bis über Mitte August nach den aktuellen Modell Läufen ganz schlecht aus was die Mitte und den Süden Deutschlands aber auch hier das Flachland der Schweizer Alpennordseite betrifft. Noch reicht der tiefere Sonnenstand nicht um Temperaturen bis 40 Grad im Schatten hier zu verhindern, erst in der zweiten Augusthälfte werden Horrortemperaturen über 35 Grad hier wohl deutlich unwahrscheinlicher. Am 13. August 2003 hatte soweit ich weiß Karlsruhe noch 40,2 Grad im Schatten…

  • Autumn

    Hallo

    Hey, im aktuellen gfs lauf ist die schlimmste Brüllhitze jetzt weggerechnet. Es geht langsam aber stetig auf den Herbst zu! Noch 10 Tage Hochsommer! Ab Mitte August kann es keine abscheuliche Brüllhitze mehr geben. Die Sonne steht immer flacher. Es dunkelt immer früher und irgendwann verp…… sich auch dieses Dreckshoch!

  • Daphne

    Hallo,

    so richtig gut in Erinnerung habe ich den Sommer 2003 nicht mehr. Wenigstens nicht alle Einzelheiten, nur dass es am Ende nochmal brüllend heiß war und alles auf einem Schlag mit einem großen Unwetter zuende war. Ab da war Herbst, wenn ich das noch richtig weiß. Von einem Tag auf den anderen. Aber diesmal zieht sich das wie Kaugummi… Nirgends wirklich Besserung in Sicht. Immer, wenn man denkt, dass es in den nächsten Tagen irgendwann besser (kühler) wird, dann kommt am nächsten Tag das dicke „Ätsch-Bätsch!“ und es wird immer weiter und weiter Hitze angekündigt.

    Im Büro kühle ich meine Beine mit Wasser aus der Sprühflasche, zuhause haben wir über die Fenster, die sich nicht anders verdunkeln lassen, alte Bettlaken gehängt, damit die von außen die Sonne abhalten. Lüften nur noch nachts, aber langsam dringt auch hier die Hitze ein und dann gibt es nichts mehr, wohin man noch flüchten kann.

    LG
    Daphne
    mitten in der Wüste Mittelfrankens

    • Baur Hans Peter

      Abhilfe schafft nur ein mobiles Klimagerät auf Rollen ich denke so ab 300 Euro gibt es was rechtes es lohnt sich!

      • Nee da musst du schon 900 EUR investieren. Alles andere macht keinen Sinn. Wer billig kauft, kauft teuer – denn Billiggeräte belasten a) das Klima mit treibhausgas-Kühlmittel b) halten nicht lange und c) sind ineffektiv. Eine ordentlich mobile Anlage (geschweige denn eine Splitanlage von einer Firma eingebaut) hält mind. 10 Jahre. Das sind dann pro Sommer 100 EUR als Investition vom Kaufpreis gesehen. Spottbillig. Und der Energieverbrauch ist mittlerweile auch niedrig bei den mobilen Anlangen. De Longhi Pinguino ist nach wie vor der beste auf dem Markt, v.a. was die fortschrittliche Technik angeht

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