Juli 2017: Angesichts regionaler Überschwemmungen in Berlin und Niedersachsen mutete die Straße manchmal wie eine Schwimmbahn an.
Juli 2017: Angesichts regionaler Überschwemmungen in Berlin und Niedersachsen mutete die Straße manchmal wie eine Schwimmbahn an.

Der DWD hat die Klimabilanz für Deutschland im zweiten Sommermonat, Juli 2017, veröffentlicht: Deutschlandwetter im Juli 2017 (PDF).

Vor den Zahlen des DWD zunächst eine eigene Einschätzung des Juli 2017:
Der Sommer 2017 entspricht klimatologisch dem, was man inmitten einer globalen Klimakatastrophe als „kühlste“ Variante sehen kann: Der Norden erhält wie im Juni 2017 (und bereits im Mai 2017) die gesamte, geballte Kühlkraft atlantischer Tiefdrucktätigkeit, während ab der Mainlinie südlich die Welt in Flammen steht. Dazu kamen nun im Juli 2017 und bereits seit Ende Juni 2017 überall Gewitterlagen mit regionalen Überschwemmungszentren.

Die Nordatlantische Oszillation ist aufgrund der schwachen Sonne oft im negativen Indexbereich anzutreffen. Dies ist im Sommer zwar nur von geringem Belang, soll aber zu vermehrtem Tiefdruckeinfluss führen. © <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hitzewelle#Mortalit.C3.A4t_durch_Hitze">NOAA</a>
Die Nordatlantische Oszillation ist aufgrund der schwachen Sonne oft im negativen Indexbereich anzutreffen. Dies ist im Sommer zwar nur von geringem Belang, soll aber zu vermehrtem Tiefdruckeinfluss führen. © NOAA

Interessant ist in dieser Hinsicht, dass die Wissenschaft genau diese Strukturen dem Einfluss einer „schwachen“ Sonne zuordnet: In Zeiten nahe des Sonnenfleckenminimums kommt es vermehrt zu einem negativen Verlauf der Nordatlantischen Oszillation (NAO). Dies assoziiert meist neben einem schwachen Islandtief auch ein schwaches Azorenhoch (das normalerweise Hitzeanschläge auf Deutschland verüben würde), da die NAO die Druckverhältnisse zwischen den beiden Polen Island und Azoren wiedergibt. Allerdings ist die Bedeutung der NAO im Sommer nur sehr gering, während sie im Winter unser Klima deutlich prägt (negative NAO = kalte Winter, positive NAO = warme Winter).

Somit erklärt sich jedoch auch, dass es trotz negativer NAO bzw. trotz Sonnenfleckenminimum mit negativer NAO Rekordhitzewellen wie im Juni 2017 gibt, die an die beispiellose Naturkatastrophe von 2003 heranreichten bzw. sie regional sogar übertrafen. Die Hitzefaktoren der Klimakatastrophe sind im Sommer letztlich übermächtig.

Man könnte auch sagen: In Zeiten einer aktiven Sonne und positiver NAO ist ein Dauerhitzesommer nahezu sicher. Die ruhige Sonne nähert sich jedoch nun dem Sonnenfleckenminimum, das sie ca. 2020 erreichen wird. Erfahrungsgemäß sind 2-3 Jahre davor und danach von einer negativen NAO geprägt, in denen zumindest teilweise der Tiefdruckeinfluss stärker ist und je weiter nördlich in Deutschland, umso deutlicher.

Vergleich eines normalen Juni im Mittel 1961-1990 (links) mit dem tatsächlichen Juni 2017 (rechts). © <a target="_blank" href="http://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/klimaatlas/klimaatlas_node.html">Deutscher Klimaatlas des DWD</a>
Vergleich eines normalen Juli im Mittel 1961-1990 (links) mit dem tatsächlichen Juli 2017 (rechts). © Deutscher Klimaatlas des DWD

Diese Entwicklung im Sommer führt bei uns zu zwei Polen: Einerseits einem Sommer, der früher ein Kaltsommer geworden wäre, nun aber durch die Treibhausgase zu einer Art tropischen Monsun sich verwandelt. Denn letztlich sind die durch Treibhausgase erhöhten Bodentemperaturen und die durch die schwache Sonne wie auch die Treibhausgase abgekühlte höhere Atmosphäre (Stratosphäre) der Grund, warum mehr Feuchtigkeit in den Wolken gespeichert wird. Es bilden sich öfter Gewittertürme auf den Gewitterwolken und wenn die Schwerkraft letztendlich über die Auftriebe in einer Wolke siegt, ergießen sich Extremregen. Siehe dazu auch das verständliche Video von „Quarks & Co.“, die dem Laien das gut veranschaulicht: Quarks & Co Starkregen, Sturzflut, Sintflut Sieht so der Sommer der Zukunft aus? (insbesondere ab Minute 17:30).

So konnte man beispielsweise in Berlin (schon Ende Juni) und Niedersachsen/Harz/Goslar im Juli 2017 die neue Disziplin im Sportkaleidoskop der Klimakatastrophe ausprobieren: Asphaltschwimmen. Dazu Videos in Abschnitt (4) unten.
Andererseits kommt es bei ungünstig gelegenen Tiefdruckgebieten zu weit westlich auf dem Atlantik zu Aufwölbungen des Subtropenhochs, die altbekannte Hitzequalen mit heutzutage beinahe immer neuen Rekordtemperaturen uns aufbürden. So geschehen im Juni 2017.

26. Juli 2017: Wetterlage des Überschwemmungsszenarios in Niedersachen, dem Harz und Goslar: Ein Tief über Ostdeutschland mit Anströmung heißer südöstlicher Luftmassen trifft auf kühle, feuchte Atlantikluft und produziert dabei gewaltige Niederschlagsmengen. © <a target="_blank" href="http://www.wetterzentrale.de/reanalysis.php?uur=0000&var=1&map=1&model=avn&jaar=2017&maand=07&dag=26">Kartenarchiv wetterzentrale.de</a>
26. Juli 2017: Wetterlage des Überschwemmungsszenarios in Niedersachen, dem Harz und Goslar: Ein Tief über Ostdeutschland mit Anströmung heißer südöstlicher Luftmassen trifft auf kühle, feuchte Atlantikluft und produziert dabei gewaltige Niederschlagsmengen. © Kartenarchiv wetterzentrale.de

Natürlich bedarf es jenseits der klimatologischen Meta-Ebene dazu auch der entsprechenden Konkretisierung meteorologischer Wetterlagen. Statt der Subtropenaufwölbungen aus dem Juni 2017 ergaben sich im Juli 2017 vermehrt Tiefdruckeinflüsse in Deutschland und Luftmassengrenzen zwischen kalter und warmer, trockener und feuchter Luft, die zu vielen Gewitterszenarien führten.

Die Folge waren Unwetter, an deren Ausmaß wir uns im Zeitrahmen des Sonnenfleckenminimums vermutlich gewöhnen müssen und in den neuen, extremen Randfaktoren einer globalen Treibhausgaskatastrophe ohnehin.
Trotz der Schäden durch die massiven Unwetter dürfen wir zwei Dinge nicht vergessen:

1. Die Opferzahl wäre bei einer Hitzewelle statt der Unwetter deutlich höher, auch wenn die Toten still und leise und medial unbeachtet sterben.

„Nach einer 2017 veröffentlichten Studie in 27 europäischen Staaten sterben in Europa im Durchschnitt mehr als 28.000 Menschen pro Jahr infolge von Hitzewellen, davon ca. 5.600 Menschen In Deutschland. Prozentual treten die höchsten Sterberaten in Portugal, Spanien und Frankreich auf. Auch in Deutschland lagen die Sterbefälle leicht über dem europäischen Durchschnitt. Betroffen sind vor allem ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen. Für die Zukunft wird infolge der globalen Erwärmung ein weiterer Anstieg der Mortalität erwartet.“
(Quelle: Wikipedia nach Steffen Merte, Estimating heat wave-related mortality in Europe using singular spectrum analysis).

2. Der Regen beendete zumindest teilweise die seit über einem Jahr grassierende, extreme Dürre in Deutschland. Da Extremregen oberflächlich abfließt und nicht in den tiefen Boden dringt, besteht daher kurioserweise trotz der Regenmengen immer noch im tieferen Boden eine Dürresituation. Dies zeigt zudem, wie gravierend die Lage in Deutschland durch die Faktoren der Klimakatastrophe sich mittlerweile darstellt.

Die Lage im tieferen Boden zeigt, wie ernst die Lage ist: Trotz massiven Regens besteht immer noch eine deutliche Dürre in vielen Gebieten. Stand: 28. Juli 2017; © Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums
Die Lage im tieferen Boden zeigt, wie ernst die Lage ist: Trotz massiven Regens besteht immer noch eine deutliche Dürre in vielen Gebieten. Stand: 28. Juli 2017; © Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums

Schon alles bereit für die Herbsterlösung?


Juli 2017: Zwischen tropischem Taupunkt und Städten als Schwimmlagune

Die Bilder, die vom Juli 2017 in Erinnerung bleiben, sind natürlich die dramatischen Überschwemmungen mit Rekordniederschlagszahlen in Berlin und im Harz/Niedersachsen/Goslar. Dazu ganz am Ende des Artikels in Abschnitt (4) mehr.

Temperaturkarte Deutschland im Juli 2017, © <a target="_blank" href=" http://www.bernd-hussing.de/Archivdateien/Archiv.htm">Bernd Hussing (Archiv)</a>
Temperaturkarte Deutschland im Juli 2017, © Bernd Hussing (Archiv)

Die Temperaturen brachten nach wie vor Hitzewellen, je südlicher man im Kontinent lag. Eine kurze Abkühlung brachte leider nur wenige Tage perfekte Sommertemperaturen von 15 Grad, bevor mit ansteigenden Temperaturen und unerträglichen Taupunkten von bis zu 21 Grad eine tropische Situation sich einstellte. Das war letztlich ebenso qualvoll wie 40 trockene Grad und zeigte, dass südlich der Mainlinie im Treibhausgassommer der Zukunft es kein Entrinnen mehr gibt und die Mortalitätszahlen zunehmen.
Ohne Klimaanlage ist man mittlerweile verloren!

Der Juli 2017 war demnach nach den Zahlen zwar „nur“ 1,2 Grad Kelvin im Mittel wärmer als das Mittel 1961-1990, aber da der Juli das höchste Mittel aller drei Sommermonate aufweist, sind bereits 1 Grad mehr eine Hitzekatastrophe – wenn auch im dauerschwülen Südwesten (regional: ca. 20,5 Grad Celsius – siehe schwarze Zahlen im Bild links oben) mehr als im Norden, der regional ein Mittel aufweist (ca. 17 Grad Celsius), das einer anderen Klimazone entspricht und durch den Atlantikeinfluss ja auch ist.

Niederschlagskarte Deutschland im Juli 2017, © <a target="_blank" href=" http://www.bernd-hussing.de/Archivdateien/Archiv.htm">Bernd Hussing (Archiv)</a>
Niederschlagskarte Deutschland im Juli 2017, © Bernd Hussing (Archiv)

Der Niederschlag war eine Sensation!
Einerseits war er regional extrem, andererseits führte er vor allem im Südwesten zu tropischen Qualen und nicht etwa zu Abkühlung – ein Gesetz, das man sich in der Treibhausgaskatastrophe unserer Gegenwart und Zukunft merken muss.

Wie erwähnt besserte sich die Dürresituation, aber noch lange nicht vollständig, da Extremregen abfließt statt langsam wie Landregen in den Boden einzusickern. Im Gegenteil: Extremregen frisst fruchtbaren Boden und stellt eine Katastrophe auch auf lange Sicht in Deutschland da. Für Wetterextremliebhaber freilich war es dennoch ein Fest!
Der Juli 2017 stellt somit nach dem Juni 2016 den ersten Monat mit deutlich mehr Regen über dem Soll dar und zwar deutschlandweit! Der DWD beziffert die Bilanz mit 163% des Solls und somit 130 Liter pro Quadratmeter (l/qm) statt der normalen 78 l/qm.

Sonnenbelastungskarte Deutschland im Juli 2017, © <a target="_blank" href=" http://www.bernd-hussing.de/Archivdateien/Archiv.htm">Bernd Hussing (Archiv)</a>
Sonnenbelastungskarte Deutschland im Juli 2017, © Bernd Hussing (Archiv)

Die Sonnenscheinbelastung. Wie inzwischen belegt ist, kommt die Hölle der Klimakatastrophe nicht nur in Form von durchaus noch akzeptablem Extremregen und -stürmen und natürlich unerträglichen Hitzewellen, sondern auch in Form von zu viel Sonnenschein, der die Treibhausgaseffekte noch verstärkt: Die schlimmste Folge des Klimawandels – Schönwetter.

Im Juli 2017 konnte man trotz der grauenhaften Schwüle und Hitzewellen in dieser Hinsicht endlich einmal ein wenig aufatmen: Durch die Regentiefs gab es endlich einmal einen Monat nicht mit weit über 100% Sonnenbelastung, sondern mit 94% wenigstens 6 Stunden weniger als die normalen 212 Stunden, die natürlich sowieso viel zu viel sind, um noch als erträglich zu gelten.

Der Monat Juli 2017 war in Deutschland 1,2 Grad zu heiß.

Der Juni ist psychologisch der schlimmste aller Hitzemonate. Der Juli aber steht dem nur wenig nach: Man hat den Juni dann hinter sich, aber der Juli hat das höchste Temperaturmittel aller drei Sommermonate und eine Hoffnung auf klimatische Anomalien wie Schafskälte (Juni) und Eisheilige (Mai) gibt es ohne den längst verstorbenen Polarwirbel auch nicht mehr.

Im Juli vollzieht sich als Kernmonat die Kernschmelze der globalen Treibhausgaskatastrophe der Menschheit, da logischerweise mit dem hohen Sonnenstand und der gespeicherten Hitze (zeitverzögerte Auswirkung der Hitze nachdem der Sonnenstandswechsel bekanntlich bereits am 22. Juni mit der Sommersonnenwende erfolgte) die Auswirkungen von Treibhauseffekt und Hitzewellen am stärksten sind.

Blicken wir auf die Juli-Monate der letzten Jahre.
Die Mitteltemperatur im Juni beträgt 16,9 Grad Celsius (Mittel 1961-1990) und damit ist der Juli der heißeste der drei Sommermonate.
Die Abweichung von dieser Mitteltemperatur beträgt in den Farbcodes: Blau = unter dem Mittel, Grün 0,0 bis +0,2 Grad, Orange +0,3 bis +0,9 Grad, Rot +1,0 bis +1,9 Grad, Violett +2,0 Grad und mehr.
Die Farbcodes unterscheiden sich von den Farbcodes anderer Jahreszeiten, da durch die hohe Mitteltemperatur der Sommermonate bereits +1,0 Grad größtenteils Dauerhitze bedeuten und alles, was 2,0 Grad Kelvin Anomalie überschreitet, eine Hitzekatastrophe impliziert:

Juli 2016: +1,7 Grad
Juli 2015: +2,5 Grad

Juli 2014: +2,4 Grad
Juli 2013: +2,6 Grad
Juli 2012: +0,5 Grad
Juli 2011: -0,8 Grad
Juli 2010: +3,4 Grad
Juli 2009: +1,1 Grad
Juli 2008: +1,1 Grad
Juli 2007: +0,3 Grad
Juli 2006: +5,1 Grad
Juli 2005: +1,1 Grad

Als Vergleich einmal die Jahre 1965-1970:
Juli 1965: -1,9 Grad
Juli 1966: -1,3 Grad
Juli 1967: +1,7 Grad
Juli 1968: -0,7 Grad
Juli 1969: +1,5 Grad
Juli 1970: -0,8 Grad

Der Beleg meiner These, dass der Juli der schlimmste Treibhausgasmonat der Klimakatastrophe ist, könnte nicht eindrucksvoller bestätigt werden!
Das Traumklima der 1960er-1970er Jahre mit vielen Kalt-Julimonaten, wie man sie auch erinnert, im Wechsel mit ab und zu einem Hitzemonat ist eine Natürlichkeit, der wir heute bitterlich nachweinen! Und die wir auch nie wieder in unserem Leben erfahren werden …

Noch einmal zur Erinnerung: Es handelt sich bei den obigen Juliwerten um monatliche MITTEL-Temperaturen. Zur groben Einschätzung halte man in Erinnerung, dass +1 Grad über dem Mittel etwa 3 Grad zu hohe Tagesmaximaltemperaturen im Flachland bedeuten, also z. B. statt 12 Grad 15 Grad. +2 Grad über dem Mittel entsprechend ca. 5 Grad zu hohe und +3 Grad etwa 7 Grad zu hohe Tagesmaxima. +4 Grad Mittelanomalie erreichen +10 Grad zu hohe Tagesmaxima.

Quellen für alle Temperaturen: DWD, Zeitreihe der Lufttemperatur in Deutschland.

Wir sehen an den Zahlen vor allem einen Aspekt:
Der Juli ist der leibhaftig gewordene Satan einer außer Kontrolle geratenen klimatischen Globalkatastrophe. Aus dem hohen Sonnenstand (am 21. Juni erfolgt die Sommersonnenwende) resultiert in Verbindung mit der zeitverzögerten Hitzespeicherung durch die Atmosphäre und Ozeane zwangsläufig eine mittlerweile extreme Verstärkung der am Boden ankommenden Wattzahl pro Quadratmeter durch die Treibhausgasverstärkung. Die Temperaturwerte werden für die nächsten Jahrhunderte im Mittel immer weiter ansteigen – egal, was die Menschheit hinsichtlich der Treibhausgasemissionen unternehmen wird, da die Klimakatastrophe bereits in einen dynamischen Zustand der Selbsterhaltung und Verstärkung übergegangen ist.

Temperaturentwicklung in den jeweiligen Jahreszeiten:

Temperaturentwicklung im Frühling von 1760 bis 2010, Quelle: <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zeitreihe_der_Lufttemperatur_in_Deutschland">Wikipedia Zeitreihe der Lufttemperatur in Deutschland</a>
Temperaturentwicklung im Frühling von 1760 bis 2010, Quelle: Wikipedia Zeitreihe der Lufttemperatur in Deutschland

Temperaturentwicklung im Sommer von 1760 bis 2010, Quelle: <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zeitreihe_der_Lufttemperatur_in_Deutschland">Wikipedia Zeitreihe der Lufttemperatur in Deutschland</a>
Temperaturentwicklung im Sommer von 1760 bis 2010, Quelle: Wikipedia Zeitreihe der Lufttemperatur in Deutschland

Temperaturentwicklung im Herbst von 1760 bis 2010, Quelle: <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zeitreihe_der_Lufttemperatur_in_Deutschland">Wikipedia Zeitreihe der Lufttemperatur in Deutschland</a>
Temperaturentwicklung im Herbst von 1760 bis 2010, Quelle: Wikipedia Zeitreihe der Lufttemperatur in Deutschland

Temperaturentwicklung im Winter von 1760 bis 2010, Quelle: <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zeitreihe_der_Lufttemperatur_in_Deutschland">Wikipedia Zeitreihe der Lufttemperatur in Deutschland</a>
Temperaturentwicklung im Winter von 1760 bis 2010, Quelle: Wikipedia Zeitreihe der Lufttemperatur in Deutschland


Vergleich der 30-Jahresmittel 1961-1990 und 2000-2016

Erschreckend wird es, wenn wir die zwei Mittelwerte vergleichen in den jeweiligen Monaten. Das Mittel 1961-1990 umfasst dabei zwar durchaus bereits eine moderate Erwärmung durch die Klimakatastrophe, doch die exponentielle Steigerung der Faktoren fing erst nach der Pinatubo-Eruption ca. ab 1994 an.
Die Steigerung der Temperaturen ist im Jahresmittel 2000-2016 erschreckend hoch und dient als ultimative Warnung, was wir Menschen derzeit mit der Erde anstellen und wie sich die unkontrollierte Klimakatastrophe einer nach geologischen Maßstäben blitzartigen, künstlichen Treibhausaufheizung bereits jetzt auswirkt. Und das ist erst der Anfang.
Wie man sieht, ist der Juli ein Monat, der mit 1,6 Grad Kelvin Steigerungsrate verglichen mit Monaten anderer Jahreszeiten somit der Monat mit der zweithöchsten Steigerungsrate nach April.
Wenn man bedenkt, dass die Mittelwerte der Sommermonate selbst im natürlichen Zustand extrem hoch sind, wiegt die Steigerungsrate von 1,6 Grad Celsius letztlich nicht ohne Grund als mittlerweile lebensgefährlicher Faktor.

Temperaturvergleich der Monate zwischen den Mitteln 1961-1990 und 2000-2016.© Wikipedia Zeitreihe der Lufttemperaturen in Deutschland
Temperaturvergleich der Monate zwischen den Mitteln 1961-1990 und 2000-2016.
© Wikipedia Zeitreihe der Lufttemperaturen in Deutschland

Zur Einschätzung: +0,5 Grad sind deutlich spürbar. +1,0 Grad Anomalie sind im Grunde eine andere Klimazone mit ca. +3 Grad höheren Tagesmaxima jeden einzelnen Tag im Flachland …

Jedem ohne Worte zeigen, dass man kein Sofet ist!

(1) Temperaturen im Juli 2017

Zunächst die Reihenfolge der Bundesländer, von Bundesländern mit der besten, also niedrigsten Temperatur bis hin zu den Klimaopfern mit der höchsten Temperatur.

Im Juli 2017 liegen ähnlich wie im Mai und Juni 2017 die nördlichen Bundesländer in einer himmlischen Kühle, die eher an die 1960er Jahre erinnert als an heutige Treibhausgassommer – dank atlantischen Einflusses von der See.
Tropenhessen (der Name ist aufgrund der unfassbaren Schwüle wieder passend!) liegt als Sonderregion so weit außerhalb der Skalen, dass es eine eigene Kernschmelzregion bildet, während das gesamte Bundesland Hessen wegen der vielen kühlen Gebirge es bis auf Platz 8 ins Mittelfeld schafft.

Die sommerspezifischen Farbcodes spiegeln die regional sehr unterschiedlichen Temperaturmittel wieder. Temperaturen mit maximal +0,5 Grad sind im normalen Bereich und grün dargestellt, Temperaturen von +0,6 bis +0,9 Grad im leicht zu warmen, orangefarbenen Bereich, +1,0 bis +1,9 Grad im deutlich zu warmen, roten Bereich und ab 2,0 Grad Celsius im extrem zu warmen Bereich, der lilafarben markiert ist. Blau ist unser aller Ziel und spricht für sich: Temperaturen unter dem Mittel.

Platz 1: Schleswig-Holstein 16,6 Grad Celsius
Platz 2: Mecklenburg-Vorpommern 16,9 Grad Celsius
Platz 3: Niedersachsen 17,4 Grad Celsius
Platz 4: Thüringen 18,1 Grad Celsius
Platz 5 bis 7: Bayern, NRW und Sachsen-Anhalt 18,2 Grad Celsius
Platz 8: Hessen 18,3 Grad Celsius (Tropenhessen: 20,3 Grad Celsius)
Platz 9: Brandenburg 18,5 Grad Celsius
Platz 10 und 11: Baden-Württemberg und Sachsen 18,6 Grad Celsius

Platz 12: Rheinland-Pfalz 18,8 Grad Celsius
Platz 13: Saarland 18,9 Grad Celsius

 

(2) Niederschlag im Juli 2017

Der Juli 2017 war nach über einem Jahr Wartezeit der erste Monat, der nach dem legendären „Fischregenmonat“ Juni 2016 wieder ein vernünftiges Soll an Regen aufwies und mehr noch: Mit 163% des Solls und somit 130 Liter pro Quadratmeter (l/qm) statt der normalen 78 l/qm machte der Juli einiges wieder gut, was die Klimakatastrophe mit Dauersonne sogar im Winter an Dürre angerichtet hatte.

Es folgt die Aufstellung der einzelnen Bundesländer mit dem besten Ergebnis, also der größten Menge des köstlichen, lebensspendenden Nass*, an erster Stelle bis hin zu den trockenen Regionen. „Tropenhessen“ hatte etwa 106 Liter pro Quadratmeter laut Raunheimer Station, was eine echte Hausnummer für die Sahara Deutschlands darstellt. Mir persönlich kam es gar nicht so viel vor und 500 Liter pro qm wären für mich dann wohl passender – solange sie nicht innerhalb von 24 Stunden ähnlich wie in Berlin herunterkommen (aber als Wexxer wäre mir das sogar mal recht).

Da es aufgrund geologischer Bedingungen viele regionale Unterschiede zwischen den Bundesländern hinsichtlich des Niederschlagssolls gibt, sind die Länder teilweise auch mit gleichen absoluten Werten unterschiedlich markiert. Grün stellt hierbei das Soll oder einen leichten Regenüberschuss dar, Orange ein mittleres Niederschlagsdefizit und Rot ein deutliches Niederschlagsdefizit, sowie Lila ein extremes Niederschlagsdefizit mit weniger als 75% des Solls. Blau kennzeichnet deutliche (mehr als 125%) Niederschlagsmengen über dem Mittel.

Platz 1: Thüringen 165 l/m2
Platz 2: Hessen 155 l/m2
Platz 3: Niedersachsen 145 l/m2
Platz 4: Baden-Württemberg 135 l/m2
Platz 5 und 6: Bayern und NRW 130 l/m2
Platz 7: Saarland 125 l/m2
Platz 8: Brandenburg 120 l/m2
Platz 9 bis 11: Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt 115 l/m2
Platz 12: Sachsen 100 l/m2
Platz 13: Schleswig-Holstein 95 l/m2


(3) Sonnenscheinbelastung im Juli 2017

Juli. Der Monat, der einen leicht geringeren Sonnenstand als der Juni hat, aber trotzdem die meisten Sonnenstunden (da hatte ich mich in der letzten Prognose geirrt!).
Das Mittel beträgt nämlich 212 Sonnenbelastungsstunden (Juni: 198). Dass mit erreichten 195 Stunden 6 Prozent zum Soll fehlten, ändert nichts daran, dass die dreimal verfluchte Plasmafackel ohne Unterlass brennt und die ohnehin lichtüberflutete und Schönwetterüberlastete Welt noch grausamer macht, als sie ohnehin schon ist.
Insgesamt herrscht ein überdeutliches Plus an Sonnenstunden seit November 2016, da der Winter durch häufige Ostlagen ein Sonnenwinter mit teilweise regional 500% zu viel Sonnenstunden wurde.
Zur Einschätzung: Für einen geborenen Nachtästheten liegt der Idealwert bei 30 Stunden pro Monat. Oder weniger.

Es folgen die einzelnen Bundesländer, angefangen mit dem besten, also niedrigsten Wert und endend mit den Sonnenopfer-Ländern (grün = weniger Sonnenstunden als das Mittel oder genau im Mittel, orange = Sonnenstunden leicht über dem Mittel, rot = deutlich mehr Sonnenstunden als das Mittel, violett = mind. 25% mehr Sonnenstunden als das Mittel).

Platz 1: Thüringen mit 180 Stunden
Platz 2 und 3: NRW und Sachsen-Anhalt mit 185 Stunden
Platz 4 und 5: Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern mit 190 Stunden
Platz 6 und 7: Schleswig-Holstein und Hessen mit 195 Stunden
Platz 8: Sachsen mit 200 Stunden

Platz 9: Brandenburg 205 Stunden
Platz 10 und 11: Rheinland-Pfalz und Saarland mit 210 Stunden
Platz 12 und 13: Bayern und Baden-Württemberg mit 215 Stunden

(4) Überschwemmungen im Sommer 2017 sind eine Folge der Klimakatastrophe

Nicht in den meteorologischen Wetterlagen, aber in den Entstehungsbedingungen und Folgen sind die im Sommer 2017 und allgemein in den letzten Jahren zu beobachtenden Zunahmen von Extremregen eine direkte Folge der Klimakatastrophe.

Die Mechanismen von Gewittertürmen, die aus einer Gewitterwolken herausragen, sind seit längerem bekannt. Dabei scheinen Gewitterwolken durch das höhere Temperaturdifferential zwischen Boden und höheren Luftschichten immer mehr Feuchtigkeit speichern zu können. Der Auftrieb wird stärker und überwiegt die Schwerkraft, wodurch die Regentropfen nicht abregnen, sondern weiter sich ansammeln in den besagten „Türmen“.
Wenn schließlich die Schwerkraft am Ende doch siegt, entlässt sie Regen- und Hagelmengen, die deutlich verstärkt sind und zu den Erscheinungen führen, die man immer öfter beobachtet.

Dass dies global der Fall ist und nicht nur eine regionale Besonderheit darstellt, hat Prof. Rahmstorf unlängst belegt:

Auch für Deutschland finden sich im Unterschied zu manchem „blinden“ Meteorologen deutliche klimatologische Worte:

Die Auswirkungen sind zwar nur regional bzw. lokal wirksam, aber können mitunter erschreckend sein.
In Berlin erlebte man schon Ende Juni 2017 vor einigen Wochen den Rekordregen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Es fielen sage und schreibe 30% der JAHRESMENGE innerhalb von Stunden.
Dass man als Folge auf dem (nicht mehr erkennbaren) Asphalt schwimmen konnte, veranschaulicht diese Dame, die einfach in einem Regenloch versinkt:

In Niedersachsen kam es in den letzten Tagen des Juli zu noch schlimmeren Bildern. Insbesondere in Goslar wurde die Überschwemmungslage so bedrohlich, dass der Katastrophenzustand ausgerufen wurde.

Bei allem Verständnis für die Probleme und Schäden sind solche Wetterlagen für Wetterextremliebhaber natürlich das gefundene Fressen.
Ändern kann man das Wetter nicht und letztlich sind die Regenextreme (ebenso wie die lebensbedrohlichen Hitzewellen) eine direkte Folge menschlicher Anmaßung und unserer Unfähigkeit, uns zu ändern in Politik, Gesellschaft und Lebensführung. Und egal, ob man auf speziell den Extremregen schimpft, ob man ihn als gerechte Rache der Natur sieht, ob als Naturereignis nüchtern einschätzt und wissenschaftlich untersucht oder als Wetterextremschauspiel bejubelt: Er wird immer weiter zunehmen mit den Jahrzehnten – wenngleich nicht stetig, sondern im Schwankungsrhythmus der dazugehörigen Wetterlagen.

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  • Peter

    So geiles Foto am Titel !

    • Fand ich auch. Ich hab schon seit Monaten darauf gewartet es einzusetzen, aber dann blieb die Dürre. Und blieb und blieb und blieb ^^

    • HaMa1975

      Angesichts der hohen Temperaturen habe ich bei Asphaltschwimmen kurzzeitig an was anderes gedacht. Aber ich denke, daß zukünftige Sommer dieser neuen Sportart sicherlich gerecht werden… :-((

      • haha auch eine Vorstellung, die passen würde. Ich liebe ohnehin Widersprüchlichkeiten und Doppeldeutigkeiten ^^ Dann müsste ich aber per Photoshop/Gimp die Strasse zum Hitzeschmelzen bringen.

  • Michael Schletz

    18.9 °C und 215 Stunden Sonne als Maximum, das ist bei uns ein normaler Frühlingsmonat 😉

    Die CLIMAT Datensätze des Juli 2017 der Österreichischen Hauptstationen sind auch schon erschienen:

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