Irgendeine Hemisphäre brennt immer: Die Erde heizt sich durch die schnellste Treibhausgasverstärkung der Sonnenstrahlen in der Erdgeschichte massiv auf.
Irgendeine Hemisphäre brennt immer: Die Erde heizt sich durch die schnellste Treibhausgasverstärkung der Sonnenstrahlen in der Erdgeschichte massiv auf.

Die NOAA hat die Temperatur- und Klimadaten für den Planeten Erde im zweiten Monat des Treibhausgasssommers, Juli 2017, ausgewertet und veröffentlicht.

Die Reihe der seit Oktober 2016 aussetzenden globalen Hitzerekordmonate setzt sich weiter fort mit dem Juli 2017 auf Platz 2 der heißesten Julimonate seit 1881.
Wie wir in der Klimabilanz Mai 2017 festgestellt haben, ist das Verfehlen von Platz 1 vermutlich auf die „Rückkühlung“ nach El Niño 2015/16 zurückzuführen:

Interessant ist bei der globalen Betrachtung der Temperaturen im Juli 2017, dass sich Nord- und Südhemisphäre plötzlich umkehren.
War ansonsten die Südhemisphäre deutlich weniger von der Klimakatastrophe betroffen als die Nordhemisphäre, so verzeichnet (zumindest bei den Landtemperaturen) plötzlich die Südhemisphäre höhere Anomalien als die Nordhemisphäre: +1,07 Grad Celsius Anomalie Nordhemisphäre und +1,53 Grad Celsius Anomalie Südhemisphäre.

Was steckt dahinter?
Normalerweise ist die Auswirkung der Faktoren der Klimakatastrophe auf der Nordhalbkugel aus 3 Gründen stärker als auf der Südhalbkugel:

1. Die Landmassenverteilung der Erde ist ungleich. Auf der Nordhemisphäre sind mehr Kontinentalmassen als auf der Südhemisphäre und damit auch eine größere Hitze (mehr Land = mehr Erwärmung).

2. Die meisten Industrieanlagen befinden sich in der westlichen Welt und damit ebenfalls auf der Nordhemisphäre. Die Emissionen an Treibhausgase sind somit als regionaler Faktor extrem höher als in der Südhemisphäre.

3. Am Nordpol existiert keine Landmasse. Lediglich Grönland ist hier als Landmasse der Arktis ein kühlender Faktor. Am Südpol hingegen liegt aus Zufallsgründen der Kontinentaldrift die riesige Antarktis als Kühlfaktor (Landmassen an den Polen = Abkühlung).

Gut 2,7 ppm Anstieg in 1 Jahr bei den Julimonaten - es geht wieder nach oben. Insgesamt bleibt die Steigerungsrate weiterhin unter den Rekordwerten von 3 ppm und mehr aus dem Jahr 2016. Auch hier ist wie bei den Temperaturen eine Art gesunkener Anstieg festzustellen. Die Werte steigen aber letztlich trotzdem und viel zu schnell. © <a target="_blank" href="https://www.esrl.noaa.gov/gmd/ccgg/trends/">NOAA</a>
Gut 2,7 ppm Anstieg in 1 Jahr bei den Julimonaten – es geht wieder nach oben. Insgesamt bleibt die Steigerungsrate weiterhin unter den Rekordwerten von 3 ppm und mehr aus dem Jahr 2016. Auch hier ist wie bei den Temperaturen eine Art gesunkener Anstieg festzustellen. Die Werte steigen aber letztlich trotzdem und viel zu schnell. © NOAA

Wie es aussieht, verstärkt sich allmählich auch auf der Südhalbkugel der Treibhauseffekt und „zieht nach“. Vergessen wir nicht, dass auf der Südhalbkugel derzeit Winter ist! In Winterzeiten wirken sich mittlerweile die Erwärmungen deutlich stärker aus, sprich: Statt der „normalen“ Kälte gibt es immer mehr Temperaturextreme durch die veränderten Meeresströmungen, den immer wärmeren Ozean und durch die Treibhausgasschicht sowie immer mehr „Schönwetter“ und somit direkter Sonneneinstrahlung.

Es scheint nach den Karten zudem so zu sein, dass auch in der Antarktis ein Waccy-Effekt zu beobachten ist. Auf den Eisflächen der Antarktis waren über die Wintermonate extremste Wärmeanomalien zu beobachten, wie wir es seit Herbst 2016 von unserer Nordhemisphäre kennen. Auch das „Ausweichen“ der Kälte nach (auf der Südhemisphäre) Norden war auf den Karten zu erkennen.
Ob es sich dabei um einen Waccy-Effekt handelt, ist aber bislang nicht in der Forschung zu lesen. Man könnte auch wegen der fehlenden angrenzenden Kontinente sagen, es handele sich letztlich um den klassischen polaren Verstärkungseffekt einer extremen Aufheizung an den Polen.

30. Juli 2017. Die Erwärmung der Antarktis im dortigen Winter zeigt plötzlich die gleichen Extremanomalien wie im letzten Winter der Arktis mit einem offenbar Waccy-Effekt: Extreme Hitze- und Kälteanomalien, wobei die Kälte dann "ausweicht", im Fall der Antarktis nach Norden auf den Ozean (da es keine direkt angrenzenden Landmassen gibt wie in der Arktis mit Sibirien). © <a target="_blank" href="http://www.karstenhaustein.com/climate">Karsten Haustein</a>
27. Juli 2017. Die Erwärmung der Antarktis im dortigen Winter zeigt plötzlich die gleichen Extremanomalien wie im letzten Winter der Arktis mit einem offenbar Waccy-Effekt: Extreme Hitze- und Kälteanomalien, wobei die Kälte dann „ausweicht“, im Fall der Antarktis nach Norden auf den Ozean (da es keine direkt angrenzenden Landmassen gibt wie in der Arktis mit Sibirien). © Karsten Haustein

Man beachte unbedingt bei den angegebenen Zahlen, dass
(a) das verwendete Mittel nicht der übliche Dreißigjährige Zeitrahmen ist (außer bei den Karten, wie angegeben), sondern das 20. Jahrhundert komplett als Maßstab verwendet wurde, also die Jahre 1901-2000.

(b) die beiden Regionen, in denen die stärkste Erwärmung auftritt, die Arktis und die Antarktis werden bei den Messungen und angegebenen Daten aufgrund nach wie vor fehlender Instrumente ausgespart. Die tatsächliche Erwärmung des Planeten ist somit noch (vermutlich deutlich) höher.

(c) dass die verwendeten globalen Zahlen aufgrund der Komplexität eines ganzen Planeten sich von der Realität zwar unterscheiden können, aber in der Tendenz korrekt sind.

Ergebnis: Der Monat Juli 2017 liegt global auf Platz 2 der heißesten Julimonate seit Messungsbeginn 1881.

Die Daten werden nach Landmassentemperaturen und Ozeantemperaturen unterteilt und lauten wie folgt:
Landtemperatur: +1.20 Grad über dem Mittel = Platz 1 aller jemals im Juli gemessenen Werte (bisheriger Rekord: 1.20 im Jahr 2016, somit identisch)
Ozeantemperatur: +0.69 Grad über dem Mittel = Platz 3 (bisheriger Rekord im Juli: +0.78 im Jahr 2016)
Land und Ozean somit: +0.83 Grad über dem Mittel = Platz 2 (bisheriger Rekord im Juli: +0.88 im Jahr 2016)

Die globalen Temperaturen in anschaulichen Grafiken umgesetzt zeigen die alarmierenden Anstiege im Monat Juli über die Jahre. Geht man von einer nicht linearen Entwicklung aus, sondern sich beschleunigender Temperaturanstiege, dann wird die Katastrophe verständlicher.

Globale Temperaturentwicklung Land und Ozean im Monat Juli; © <a target="_blank" href="https://www.ncdc.noaa.gov/sotc/global/201707">NOAA</a>
Globale Temperaturentwicklung Land und Ozean im Monat Juli; © NOAA
Globale Temperaturentwicklung Nördliche und Südliche Hemisphäre im Monat Juli; © <a target="_blank" href="https://www.ncdc.noaa.gov/sotc/global/201707">NOAA</a>
Globale Temperaturentwicklung Nördliche und Südliche Hemisphäre im Monat Juli; © NOAA

Temperaturverteilungen auf dem Planeten

Bitte beachten: Die hier dargestellten Veränderungen beziehen sich auf die Klimakatastrophenjahre 1981-2010 und nicht auf das Mittel 1901-2000, um deutlich zu machen, ob sich die Klimakatastrophe weiter verschärft oder sie abklingt. Das bedeutet: Allein um einen Vergleich zur Zeit vor dem Start der beschleunigten Klimakatastrophe zu erhalten, muss man für globale Verhältnisse etwa +0.2 bis +0.3 Grad dazuzählen. Die hellblauen Flächen würden sich damit ebenfalls in den roten Bereich verändern.

Verteilung globaler Temperaturanomalien im Juli 2017. Osteuropa immer noch kalt. Zusammen mit Asien reduzierte dies die Globallandtemperaturen. Gut zu erkennen das "geteilte" Deutschland in den kühlen Norden und heißen Süden. © <a target="_blank" href="https://www.ncdc.noaa.gov/sotc/global/201707">NOAA</a>
Verteilung globaler Temperaturanomalien im Juli 2017. Osteuropa immer noch kalt. Zusammen mit Asien reduzierte dies die Globallandtemperaturen. Gut zu erkennen das „geteilte“ Deutschland in den kühlen Norden und heißen Süden. © NOAA

Klima-Höhepunkte

In der Grafik der NOAA zeigen sich im Juli 2017 die auf der Nordhemisphäre im Sommer zu erwartenden Hitzewellen, die es in dieser Form vor 40 Jahren nicht gab. Dürren werden nur bei Großflächigkeit erfasst, aber selbst hier sind einige traurige Rekorde zu verzeichnen.

1. Zu heiße Regionen: Nord- und Südamerika, Europa, Afrika, Bahrein, Australien, Südasien – also im Grunde die gesamte Welt.

2. Kühle Regionen: Nordasien.

3. Zu trockene Regionen: USA, Fidji, Australien.

4. Zu nasse Regionen: Neuseeland.

5. Die Lage an den Polen verschärft sich wieder: Während jedoch die Arktis nur den fünftniedrigsten Stand seit 1979 verzeichnet, erlebt die Antarktis im dortigen  Winter einen Rekordniedrigstand des Meereises. Während die NOAA keine Temperaturdaten von den Polregionen verwertet, zeigen andere Daten (z. B. beim Climate Reanalyzer) Erwärmungsraten in der Antarktis, die über die Skalen hinausreichen – genau wie im nordhemisphärischen Winter in der Arktis mit dem dortigen Waccy-Effekt (warme [Ant-]Arktis, kalte Kontinente).

Bei der Diskussion, ob die NOAA-Zahlen letztlich exakt richtig sind oder nicht, zeigen auch alternative Messungen nur eines: Die Richtung geht nach oben. Die klimatischen Folgen sind auch jenseits der Zahlendiskussion offensichtlich. Ob wir dabei bereits einen globalen Kipppunkt überschritten haben (und die Zahlen tatsächlich noch schlechter sind, als wir derzeit messen können) oder ob es doch noch wie einst angedacht bis 2030 Zeit bleibt, etwas gegen die Klimakatastrophe zu unternehmen, wird sich wohl letztlich erst im Rückblick nach Jahren final bewerten lassen. Allerdings könnte es dann bereits lange zu spät sein, Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Temperaturen auf der Erde im Laufe der geologischen Epochen von 500 Millionen Jahren vor unserer Zeit bis heute, © :Glen Fergus, hg6996 auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Temperaturen auf der Erde im Laufe der geologischen Epochen von 500 Millionen Jahren vor unserer Zeit bis heute. Der Mensch existiert erst seit max. 1 Million Jahren (im blauen Bereich – wir sind Wesen der Eiszeit, die aktuell in Dinosaurierverhältnisse katapultiert werden und dabei zusammenbrechen werden), © :Glen Fergus, hg6996 auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0

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JAHRESKLIMABERICHTE: 20162015, 2014.




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  • Peter

    Danke erneut für diesen interessanten Artikel, der sehr schön die globale Situation aufarbeitet. Nach dem Lesen hat man immer das Gefühl, als wären die Zusammenhänge ja eh ganz logisch und klar und man versteht warum Langzeitprognosen so komplex sind.

  • Paul Panzer

    Ach, warum so einen langen Artikel lesen? Geht man nach draußen und fragt den Normalbürger, wird man erfahren, dass „wir gar keinen richtigen Sommer hatten.“ Na dann.