Temperaturentwicklung des Planeten: Keine Hitzerekorde, aber nur weil wir blind sind!
Temperaturentwicklung des Planeten: Keine Hitzerekorde, aber nur weil wir blind sind!

Die NOAA hat die Temperatur- und Klimadaten für den Planeten Erde im ersten Monat des Treibhausgasssommers, Juni 2017, ausgewertet und veröffentlicht.

Die Reihe der seit Oktober 2016 aussetzenden globalen Hitzerekordmonate setzt sich weiter fort mit dem Juni 2017 auf Platz 3 der heißesten Junimonate seit 1881.
Wie wir in der letzten Klimabilanz Mai 2017 festgestellt haben, ist das Verfehlen von Platz 1 vermutlich auf die „Rückkühlung“ nach El Niño 2015/16 zurückzuführen.

Denkbar ist hier vor allem die Rückkühlung der Erde nach dem El Niño 2015, die Prof. Rahmstorf belegt hatte:

Natürlich hat das nichts mit einer Abkühlung der Erde im eigentliche Sinne zu tun!
Die Aufheizung der Erde in der globalen Treibhausgaskatastrophe erfolgt in Wellen, einer Sinuskurve, die allmählich ansteigt von einer Amplitude zur nächsten nicht unähnlich. Die Erde kühlt sich also nicht ab, sondern heizt sich in Schwankungszyklen auf.
Am Ende werden die Temperaturen auf einem höheren Niveau abstoppen als vor dem Beginn des El Niño 2015 und dann wieder steigen.

Der Anstieg des CO2 ist weiterhin reduziert von 3 ppm auf 2 ppm! Das ist eine erfreuliche Tendenz, könnte aber auch eine Schwankung sein und kein Trend. Der Anstieg geht, ob 3 oder 2 ppm nach wie vor weiter und nur ein Minus vor der Zahl würde hoffnungsvoll stimmen ... © <a target="_blank" href="https://www.esrl.noaa.gov/gmd/ccgg/trends/">NOAA</a>
Der Anstieg des CO2 ist weiterhin reduziert von 3 ppm auf 2 ppm! Das ist eine erfreuliche Tendenz, könnte aber auch eine Schwankung sein und kein Trend. Der Anstieg geht, ob 3 oder 2 ppm nach wie vor weiter und nur ein Minus vor der Zahl würde hoffnungsvoll stimmen … © NOAA

Wenn der nächste El Niño als „Agent der Klimakatastrophe“ wieder auftreten wird (vermutlich erneut mit Rekordzahlen, da sich der El Niño in der Klimakatastrophe stetig steigert) wird er die Welt wieder in Brand setzen und einen Eindruck vermitteln, wie die Welt in 30 bis 40 Jahren brennen wird.

Die Erde ist immer noch mit zweit- und drittheißesten Monaten seit Messungsbeginn 1881 keinen Schritt weiter! Sie ist und bleibt zu heiß. Punkt. Und zwar deutlich. Dabei ist es irrelevant, ob der erste, zweite, fünfte oder sogar zehnte Platz zu Buche steht. Bei einem Platz 50 wäre das eine andere Sache.

Man beachte unbedingt bei den angegebenen Zahlen, dass
(a) das verwendete Mittel nicht der übliche Dreißigjährige Zeitrahmen ist (außer bei den Karten, wie angegeben), sondern das 20. Jahrhundert komplett als Maßstab verwendet wurde, also die Jahre 1901-2000.

(b) die beiden Regionen, in denen die stärkste Erwärmung auftritt, die Arktis und die Antarktis werden bei den Messungen und angegebenen Daten aufgrund nach wie vor fehlender Instrumente ausgespart. Die tatsächliche Erwärmung des Planeten ist somit noch (vermutlich deutlich) höher.

(c) dass die verwendeten globalen Zahlen aufgrund der Komplexität eines ganzen Planeten sich von der Realität zwar unterscheiden können, aber in der Tendenz korrekt sind.

Ergebnis: Der Monat Juni 2017 liegt global auf Platz 3 der heißesten Junimonate seit Messungsbeginn 1881.

Die Daten werden nach Landmassentemperaturen und Ozeantemperaturen unterteilt und lauten wie folgt:
Landtemperatur: +1.15 Grad über dem Mittel = Platz 4 aller jemals im Juni gemessenen Werte (bisheriger Rekord: 1.29 im Jahr 2012)
Ozeantemperatur: +0.70 Grad über dem Mittel = Platz 3 (bisheriger Rekord im Juni: +0.78 im Jahr 2016)
Land und Ozean somit: +0.82 Grad über dem Mittel = Platz 3 (bisheriger Rekord im Juni: +0.92 im Jahr 2016)

Die globalen Temperaturen in anschaulichen Grafiken umgesetzt zeigen die alarmierenden Anstiege im Monat Juni über die Jahre. Geht man von einer nicht linearen Entwicklung aus, sondern sich beschleunigender Temperaturanstiege, dann wird die Katastrophe verständlicher.

Globale Temperaturentwicklung Land und Ozean im Monat Juni; © <a target="_blank" href="https://www.ncdc.noaa.gov/sotc/global/201706">NOAA</a>
Globale Temperaturentwicklung Land und Ozean im Monat Juni; © NOAA
Globale Temperaturentwicklung Nördliche und Südliche Hemisphäre im Monat Juni; © <a target="_blank" href="https://www.ncdc.noaa.gov/sotc/global/201706">NOAA</a>
Globale Temperaturentwicklung Nördliche und Südliche Hemisphäre im Monat Juni; © NOAA

Temperaturverteilungen auf dem Planeten

Bitte beachten: Die hier dargestellten Veränderungen beziehen sich auf die Klimakatastrophenjahre 1981-2010 und nicht auf das Mittel 1901-2000, um deutlich zu machen, ob sich die Klimakatastrophe weiter verschärft oder sie abklingt. Das bedeutet: Allein um einen Vergleich zur Zeit vor dem Start der beschleunigten Klimakatastrophe zu erhalten, muss man für globale Verhältnisse etwa +0.2 bis +0.3 Grad dazuzählen. Die hellblauen Flächen würden sich damit ebenfalls in den roten Bereich verändern.

Verteilung globaler Temperaturanomalien im Juni 2017. Osteuropa kalt, Mitteleuropa abseits der Küsten in der Hitzehölle, © <a target="_blank" href="https://www.ncdc.noaa.gov/sotc/global/201706">NOAA</a>
Verteilung globaler Temperaturanomalien im Juni 2017. Osteuropa kalt, Mitteleuropa abseits der Küsten in der Hitzehölle, © NOAA

Klima-Höhepunkte

In der Grafik der NOAA zeigen sich im Juni 2017 trotz „nur“ des dritten Hitzeplatzes aller Juni-Monate wieder vermehrt Hitzewellen. Dürren werden nur bei Großflächigkeit erfasst. Deutschland beispielsweise erlebt die schlimmste Dürre seiner Geschichte, wobei es regionale Unterschiede gibt – vgl. hierzu den Dürremonitor Deutschland des Helmholtzzentrums.

1. Zu heiße Regionen: Kanada, USA, Mitteleuropa, Asien, Afrika, Südamerika – also mal wieder im Grunde die gesamte Welt.

2. Kühle Regionen: Teilweise Nordeuropa, Osteuropa.

3. Zu trockene Regionen: Neuseeland, Australien.

4. Zu nasse Regionen: Keine.

5. Die Lage an den Polen entspannt sich nach langen Monaten neuer Niedrigstandrekorde. Am Nordpol verzeichnet man „nur“ den sechstniedrigsten Stand des Meereises und in der Antarktis gab es erneut den zweitniedrigsten Stand.

Bei der Diskussion, ob die NOAA-Zahlen letztlich exakt richtig sind oder nicht, zeigen auch alternative Messungen nur eines: Die Richtung geht nach oben. Die klimatischen Folgen sind auch jenseits der Zahlendiskussion offensichtlich. Ob wir dabei bereits einen globalen Kipppunkt überschritten haben (und die Zahlen tatsächlich noch schlechter sind, als wir derzeit messen können) oder ob es doch noch wie einst angedacht bis 2030 Zeit bleibt, etwas gegen die Klimakatastrophe zu unternehmen, wird sich wohl letztlich erst im Rückblick nach Jahren final bewerten lassen. Allerdings könnte es dann bereits lange zu spät sein, Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Temperaturen auf der Erde im Laufe der geologischen Epochen von 500 Millionen Jahren vor unserer Zeit bis heute, © :Glen Fergus, hg6996 auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Temperaturen auf der Erde im Laufe der geologischen Epochen von 500 Millionen Jahren vor unserer Zeit bis heute. Der Mensch existiert erst seit max. 1 Million Jahren (im blauen Bereich – wir sind Wesen der Eiszeit, die aktuell in Dinosaurierverhältnisse katapultiert werden und dabei zusammenbrechen werden), © :Glen Fergus, hg6996 auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0

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  • Leon

    Danke für den Bericht.
    Ich habe hier einen interessanten Englischsprachigen Artikel gefunden, der zeigt, dass bisher der Januar bis Juni der zweit heißeste Zeitraum war der gemessen wurde.
    Von Abkühlung also auch hierbei keine Spur.
    https://news.mongabay.com/2017/07/halfway-through-the-year-2017-is-on-pace-to-be-the-second-warmest-on-record/

    • Ja das steht auch so bei der NOAA. Abgerechnet wird zum Schluss. Wenn die Rückkühlung endet und die globalen Temperaturen wieder steigen, wird es zwangsläufig wieder einen Platz 1 geben, sowohl monatlich wie auch auf das Jahr bezogen. Dazu muss man keinen Doktor machen, um das zu prognostizieren ^^

  • Tobi (VBG/AT)

    Ist das jetzt eigentlich eine natürliche Wärmephase oder wurde die vom Menschen verursacht? Oder hat der Mensch Einfluss auf diese Entwicklung?

    • Eine natürliche Warmphase? Mit Milliarden Tonnen Treibhausgasen die wir seit der Industriellen Revolution in die Atmosphäre pumpen? ^^
      Natürlich künstlich. Und die schnellste Warmphase der gesamten Erdgeschichte.
      Ich zitiere mal Wikipedia:
      „Im Gegensatz zu den auf geologischen Zeitskalen stattfindenden natürlichen Klimaveränderungen läuft der anthropogene Klimawandel, der in erster Linie auf einer Erhöhung der Kohlenstoffdioxid-Konzentration beruht, in extrem kurzer Zeit ab. Neueren Studien zufolge vollzieht sich die gegenwärtig zu beobachtende Erwärmung rascher als alle bekannten Erwärmungsphasen der letzten 66 Millionen Jahre.[11] Die globale Erwärmung von der letzten Eiszeit zur heutigen Warmzeit war eine Erwärmung um etwa ein Grad pro 1000 Jahre.[12] Die Erhöhung der Konzentration aller Treibhausgase in den letzten 100 Jahren führte zu einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um ca. 0,85 K.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Treibhauseffekt#Geschwindigkeit)

      Der Mensch hat mittlerweile keinen Einfluss mehr auf die Entwicklung, da die Folgen sich verselbstständigt haben. Selbst wenn der Mensch von einer Sekunde auf die andere vom Planeten verschwände, würde die Klimakatastrophe weitergehen.

      Die „Überseriosität“ der Wissenschaft, verbunden mit der Notwendigkeit zeitraubender Forschungen, die im Klimabereich sehr komplex und schwierig sind, haben zu einer exponentiellen Unterschätzung der Folgen der Klimakatastrophe geführt und daher ist „Klimawandel“ auch nur eine euphemistische Verharmlosung im Stil des heutigen „Neusprech“.
      Den Beleg für diese Unterschätzung von Rückkopplungseffekten einer völlig außer Kontrolle geratenen Klimabeeinflussung sieht man in den zeitlich abgestuften Einschätzungen der letzten Jahre: http://kaltwetter.com/wp-content/uploads/2017/05/Folgen_Klimawandel.jpg

      • Tobi (VBG/AT)

        Danke für die ausführliche Information!

  • MINDERQUEST

    Der Juni war hier NÄÄÄÄÄÄH!!!
    Aber der Juli sieht ganz gut aus ^^ (also im Nordosten)
    Viel Regen und 18-24 Grad °!

    • Ich sag nur: 34 Tage mit 30 Grad und mehr im Südwesten. Da kommt nur Wien drüber. Wir können hier schon seit Juni nicht mehr und funktionieren zombiegleich mit leerem 1000-Meter-Blick seitdem.

      • MINDERQUEST

        Tja, Wien is aber auch Hitzehölle Nr 1. Ihr Armen!

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