Feuergrube in Derweze, Turkmenistan aus brennendem, natürlich vorkommendem Gas; © Tormod Sandtorv at flickr.com, Lizenz: CC BY-SA 2.0
Feuergrube in Derweze, Turkmenistan aus brennendem, natürlich vorkommendem Gas; © Tormod Sandtorv at flickr.com, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Die US-amerikanische NOAA hat den globalen Klimabericht für den Monat März 2015 veröffentlicht. (Den Klimabericht für unser Deutschland, das immer mehr der Atacamawüste ähnelt, finden Sie hier: http://byjrdp.myraidbox.de/klimabilanz-maerz-2015-deutschland-klimakatastrophen-dreikampf/)
Die gesammelten Daten zeigen erneut eine weitere Erhöhung der Temperaturen, demnach schreitet die Klimakatastrophe weiter voran. Man beachte unbedingt bei den angegebenen Zahlen, dass
(a) das verwendete Mittel nicht der übliche Dreißigjährige Zeitrahmen ist (außer bei den Karten, wie angegeben), sondern das 20. Jahrhundert komplett als Maßstab verwendet wurde, also die Jahre 1901-2000.

(b) die beiden Regionen, in denen die stärkste Erwärmung auftritt, die Arktis und die Antarktis werden bei den Messungen und angegebenen Daten aufgrund fehlender Instrumente ausgespart. Die tatsächliche Erwärmung des Planeten ist somit noch (vermutlich deutlich) höher.

Ergebnis: Der Monat März 2015 liegt auf Platz 1 der heißesten März-Monate, die jemals gemessen wurden.

Die Daten werden nach Landmassentemperaturen und Ozeantemperaturen unterteilt und lauten wie folgt:
Landtemperatur: +1.65 Grad über dem Mittel = Platz 2 aller jemals gemessenen Werte (Rekord: 2008 mit +1.92 Grad Celsisus)
Ozeantemperatur: +0.55 Grad über dem Mittel = Platz 3 (Rekord: 1998, 2010 mit +0.56 Grad Celsius)
Land und Ozean somit: +0.85 Grad über dem Mittel = Platz 1

In der Grafik zeigt sich eine Ahnung über das Ausmaß der globalen Klimakatastrophe, die insbesondere in ihrer Schnelligkeit liegt:

Temperaturentwicklung Land und Ozean, © NOAA
Temperaturentwicklung Land und Ozean, © NOAA

Die Karte zeigt überraschende regionale Unterschiede – allen voran natürlich die östlichen USA, die ein Kältetraumwetter mit bis zu 5 Grad UNTER dem Mittel erleben, dass Europa dagegen wie die Vereinigten Arabischen Emirate wirkt und man angesichts des Winters und Frühlings jenseits des Atlantiks in Tränen ausbrechen möchte. Bitte beachten: Die hier dargestellten Veränderungen beziehen sich auf die Klimakatastrophenjahre 1981-2010 und nicht auf das Mittel 1901-2000, um deutlich zu machen, ob sich die Klimakatastrophe weiter verschärft oder sie abklingt:

Verteilung globaler Temperaturen, © NOAA
Verteilung globaler Temperaturen, © NOAA

Klima-Höhepunkte

Eine Übersichtskarte zeigt weitere klimatische Höhepunkte im März 2015 auf dem Planeten Erde und bis auf die amerikanische Ostküste mit herrlichen Kältetemperaturen ist keine davon positiv:

1. Arktis: Das See-Eis ist auf Rekordniedrigniveau seit Messungsbeginn 1979
2. USA: Während der Osten der USA herrliche Kälte erlebt, stöhnt der Westen unter Hitze und Dürren
3. Skandinavien: Die Hitze umfasst 3 bis 5 Grad über dem Mittel und die sonst kühlen nördlichen Ländern erleben einen unfassbaren heißesten Monat, der jemals gemessen wurde
4. Afrika: Zentralafrika erlebt ebenfalls die höchsten, je gemessenen Hitzewerte
5. Australien: Erlebte ebenso die höchsten jemals gemessenen Hitzewerte eines März.
6. Argentinien: Überschwemmungen durch ungewöhnliche Regenfälle.
7. Antarktis: Das See-Eis hat deutlich zugenommen und liegt 24.3 Prozent über dem Mittel 1981-2010 (die Abschmelzung ist fernab des See-Eises dennoch rapide)

Ergebnis und Aussichten: Die globale Klimakatastrophe lebt

Die Daten lassen nur einen Schluss zu: Dass die Klimakatastrophe weiter voranschreitet.
Man muss sich dabei vor Augen halten, dass regionale Befindlichkeiten darüber hinwegtäuschen können. Haben wir in Deutschland im Jahr 2014 das schlimmste aller jemals erlebten Jahre durchlitten, so ist der Winter und Frühling 2015 bisher zwar zu warm, aber nicht so bedrohlich wie 2014.
Das verleitet Sommerfetischisten natürlich, das Wort „kühl“ zu benutzen, da alles andere als eine Klimakatastrophe mit afrikanischen* Werten natürlich die eigene Hitze-Perversion nicht befriedigt …

An der objektiven Lage ändert sich allerdings nichts. Global schreitet die Klimakatastrophe weiter fort und derzeit erleben wir in Deutschland den 8. (in Worten: achten) Monat in Folge, der zu warm ausfällt.

Bei allen Werten muss man sich dabei vor Augen halten, dass irgendwann das Klima sich in einen galoppierenden Zustand versetzt. Das bedeutet: Ab einer globalen Erwärmung von etwa 2 Grad schätzen die Forscher, wird sich die Erwärmung sprunghaft steigern und ein Lawineneffekt produzieren. Die Gletscher und Eismassen schmelzen, die Erde erwärmt sich immer schneller, weil Eis und Schnee mit ihrer Rückstrahlwirkung ausfallen und zu einem Rückkopplungseffekt führen.
Anders ausgedrückt: Wird diese Grenze überschritten, steht die Menschheit nicht mehr und nicht weniger als vor der möglichen Vernichtung, weil die Folgewirkungen zu schnell und zu stark sind, um darauf zu reagieren oder man reagiert und wird durch Geo Engineering möglicherweise alles nur noch verschlimmern, da die Komplexität des Klimas nicht wie eine „Klima-Maschine“ funktioniert und das Verstellen eines Hebels unbedachte Auswirkungen haben kann.

Wenn sich die Lage nicht bessert in den kommenden Jahren (man beachte hier: Der Sonnenfleckenzyklus wird 2020/21 sein Minimum erreichen und möglicherweise kurzfristig für einen Erwärmungsstopp sorgen, bevor ab ca. 2024 Hitze kommen könnte, die alles in den Schatten stellt), dann wird sich das Aussehen der Menschheit drastisch verändern. Gemäß dem Idealbild des unverbesserlichen Sommerfetischisten, der 40 Grad für normal hält und der schokobraune UV-Hautfäule als Ästhetikum fehlinterpretiert, wird die Epoche der Klimakatastrophe uns zu unseren afrikanischen* Wurzeln zurückführen und auch das Schönheitsideal verändern, das sich bekanntlich immer auf etwas bezieht, das es nicht mehr gibt:

Typischer deutscher Sommerfetischist im Hochsommer nach Antidepressions-Lichttherapie im Winter und 12-Stunden-Sonnenbad täglich im Sommer; © Ed Shipul auf www.flickr.com; Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/
Typischer deutscher Sommerfetischist im Hochsommer nach Antidepressions-Lichttherapie im Winter und 12-Stunden-Sonnenbad täglich im Sommer; © Ed Shipul auf www.flickr.com; Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Das neue (unerreichbare) Ideal: Porzellane, weiße Haut ohne UV-Schäden aus einer Zeit, als es die Klimakatastrophe noch nicht gab
Das neue (unerreichbare) Ideal: Porzellane, weiße Haut ohne UV-Schäden aus einer Zeit, als es die Klimakatastrophe noch nicht gab
  • Asaad Chneker

    Schöner Bericht Michael. Hoffen wir auf ein neues Dalton Minimum was mindestens 30-40 Jahre geht. Das wäre ein Traum !!

    • Das ist meine Hoffnung wobei die Auswirkung strittig ist, ob sie überhaupt bemerkt würde eine solche „kleine Eiszeit“, aber besser als das Gegenteil auf jeden Fall ^^

  • FalkvonTrasic

    Ohjehmineh!
    Erst mal danke. Das war wieder ein hervorragender Bericht. Mit Esprit und Witz formulierte Fakten, die eher einer doppelhändigen Axt ähneln!
    Die hier als Lawinenelemente bezeichneten Prozesse sind kurz vor dem Ausbruch denke ich und monatlich erwarte ich das heuchlerische Geschrei der Sofeten.
    Glänzend kam bei mir die Abschluß-Foto-Hommage an. Was für eine wunderschöne Frau! Nach all dem Mist ein erhebender Abschluss, der dem puren Überleben inmitten einer feindlichen Umgebung einen kleinen Anstoss gibt!
    Danke.

    • Aber gerne Falk. Danke für das Lob! Und pssst. Es ist ein Bild von Marie Antoinette in jungen Jahren, in barocken Zeiten, als man noch wusste, dass Bräune ein Zeichen des Pöbels ist 😉

  • Kältefreak

    Die Metaphorik mit dem Schrumpfkopf – einfach zu schön, herrlich!!

  • Kältefreak

    Eijeijei, in Chile ist es zu einem massiven Vulkanausbruch mit einer 20 Km!!!! Rauchsäule gekommen. Mein lieber Herr Gesangsverein, mal sehen was der noch so auf der Palette hat……

    • Ist für plinianische Eruptionen normal. Gleich mal eine Meldung verfasst: http://byjrdp.myraidbox.de/vulkan-calbuco-in-chile-ausgebrochen/
      Die Auswirkungen aufs Klima sind nicht unwichtig, aber nur marginal denke ich. Egal. Wenigstens ein wenig Aerosole und vielleicht auch Schwefeldioxid in der Atmosphäre – hängt davon ab, wie stark der Schwefeldioxidgehalt im Magma dieses Vulkans ist.

  • Blizzard

    Ein New Yorker Istitut hat kürzlich einen Bericht zur Berechnung des World Happiness Index (WHI) herausgegeben. Scheiz liegt auf Platz 1, aber da wissen wir ja woran es liegt.. An der schönen Landschaft. Dicht gefolgt von Island, einem klamatischen Idealbild und Traumland für jeden Naturliebhaber. Das hitzeverpesstete Deutschland weit abgeschlagen auf Rang 26 zusammen mit anderen Wüstenstaaten und Grillnationen. Ist dies der Beginn einer Welle globalen Umdenkens? Und nicht zuletzt ein Beweis dafür, dass zuviel Sonne nicht nur ungesund macht, sondern auch noch unglücklich? 😉

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