Sofetenwettrennen um die möglichst schnellste Auslöschung des Homo sapiens.
Sofetenwettrennen um die möglichst schnellste Auslöschung des Homo sapiens.

Die NOAA hat die Temperatur- und Klimadaten für den Planeten Erde im März 2016 ausgewertet und veröffentlicht. Der elfte nicht nur zu warme, sondern der ELFTE Rekordhitzemonat in Folge ist das erschreckende Ergebnis. Und seit elf Monaten wütet der El Niño mit seinen globalen Auswirkungen.

Man stelle sich einen Laufwettbewerb vor, bei dem jede Person für ein einzelnes Jahr steht. Etwa 1980 begann sich die Klimakatastrophe erstmals messbar bemerkbar zu machen, obwohl sie in der Industriellen Revolution 1850 ihren Anfangspunkt hat. Vorne weg laufen die Jahre 2014 und 2015. 2016 setzt zum Überholen an. Die anderen Jahre von 2000 bis 2013 hecheln schwitzköpfig hinterher. 1990 bis 1999 sind weit abgeschlagen und die Läufer der Jahre 1970 bis 1989 werden bereits überrundet.
Die Ziellinie kann eigentlich nicht ihr Ziel sein, aber sie können nicht anders, da sie von einem Kohlendioxid-Nordkorea gezwungen werden, zu laufen. Das Ziel besteht in einer Flammenwand und die beste Hoffnung besteht in einem schnellen, gnädigen Tod.
So in etwa könnte man die Zahlen bildhaft interpretieren.

Doch die Zahlen sind nicht nur alarmierend, da die globale Erwärmungsrate ganze Jahrzehnte überspringt. Die Erde brennt lichterloh! Es geschieht genau das, wovor bereits seit Jahrzehnten gewarnt wird und auf das ich immer wieder hinweise: Die Treibhausgase führen zu einem sich selbst beschleunigenden Erwärmungseffekt, der innerhalb von wenigen Jahren nun irreversibel wird (vermutlich bis 2030/40) und am Ende nach 60 bis 200 Jahren für 80 bis 95% allen Lebens auf Erde das Ende bedeuten wird, inklusive unserer Spezies – zumindest in der Art, wie wir es kennen.

Aktuell erfolgte ein gefährlicher Sprung bei der Messung des CO2 in der Atmosphäre. © <a target="_blank" href="http://www.esrl.noaa.gov/gmd/ccgg/trends/">NOAA</a>
Aktuell erfolgte ein gefährlicher Sprung bei der Messung des CO2 in der Atmosphäre. © NOAA

Die Zahlen im März 2016 zeigen für den Planeten, dass möglicherweise die Klimakatastrophe in einen sich selbst steigernden Effekt übergeht, der irreversibel ist und letztlich die gleichen Folgen aufweisen wird wie das größte Massensterben der Erdgeschichte vor 250 Millionen Jahren im Perm-Zeitalter. Allerdings dauerte diese Erwärmung damals 100.000 bis 800.000 Jahre, die Menschheit erledigt das im ultimativen Wahnsinn von 100 Jahren. Die große Frage lautet, ob mit dem Übergang vom El Nino zum La Niña die globale Lage sich verbessern wird.

Man beachte unbedingt bei den angegebenen Zahlen, dass
(a) das verwendete Mittel nicht der übliche Dreißigjährige Zeitrahmen ist (außer bei den Karten, wie angegeben), sondern das 20. Jahrhundert komplett als Maßstab verwendet wurde, also die Jahre 1901-2000.

(b) die beiden Regionen, in denen die stärkste Erwärmung auftritt, die Arktis und die Antarktis werden bei den Messungen und angegebenen Daten aufgrund nach wie vor fehlender Instrumente ausgespart. Die tatsächliche Erwärmung des Planeten ist somit noch (vermutlich deutlich) höher.

Ergebnis: Der Monat März 2016 liegt auf Platz 1 und ist somit der heißeste März-Monat, der jemals gemessen wurde.

Die Daten werden nach Landmassentemperaturen und Ozeantemperaturen unterteilt und lauten wie folgt:
Landtemperatur: +2.33 Grad über dem Mittel = Platz 1 aller jemals im Januar gemessenen Werte
Ozeantemperatur: +0.81 Grad über dem Mittel = Platz 1
Land und Ozean somit: +1.22 Grad über dem Mittel = Platz 1

Nachdem bereits im Februar der Landtemperaturhöchstwert um unfassbare 0.63 Grad übertroffen und pulverisiert wurde, stellen wir auch im März einen Erwärmungssprung fest, der in diesem Fall 0.32 Grad Celsius beträgt. Die Steigerung steigert sich selbst immer weiter und belegt, dass die bekannten Steigungskurven der Klimakatastrophe exponentiell sind und mittlerweile einen so hohen Stand erreicht haben, dass sie in einen galoppierenden Effekt übergehen.

Anstieg der globalen Aufheizung in 3 Zukunftsvarianten bei ungebremsten Emissionen von Treibhausgasen (oben: Anstieg bei hoher Reaktion des globalen Klimas, Mitte: wahrscheinlichster Anstieg, unten: Anstieg bei nur geringer Klimasensitivität). Im Vergleich sieht man, wie stabil in den letzten Jahrtausenden vor dem menschlichen Einfluss die globalen Temperaturen waren vor der Explosion der Treibhausgase mit der Industriellen Revolution; © <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Globale_Erw%C3%A4rmung#/media/File:Bau_future_warming_med.jpg">Skeptical Science auf commons.wikimedia.org</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en">CC BY-SA 3.0</a>
Anstieg der globalen Aufheizung in 3 Zukunftsvarianten bei ungebremsten Emissionen von Treibhausgasen (oben: Anstieg bei hoher Reaktion des globalen Klimas, Mitte: wahrscheinlichster Anstieg, unten: Anstieg bei nur geringer Klimasensitivität). Im Vergleich sieht man, wie stabil in den letzten Jahrtausenden vor dem menschlichen Einfluss die globalen Temperaturen waren vor der Explosion der Treibhausgase mit der Industriellen Revolution; © Skeptical Science auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Auch die Ozeantemperaturen steigen seit Monaten in einer bedenklichen Kurve an. El Niño befeuerte im wahrsten Sinne des Wortes diese Entwicklung noch durch die Temperaturanomalien im Pazifik, die sich global verteilen. Dies addiert sich noch zu der These, dass die Kohlendioxidaufnahme der Meere ihr Limit erreicht hat.

Die Landtemperaturen sind El Niño-bedingt auf der nördlichen Hemisphäre geradezu explodiert und haben erneut die früher für undenkbar gehaltene Schwelle von 2 Grad oder mehr überschritten.
Bitte beachten: Die Darstellung bezieht sich nicht auf ein ganzes Jahr, sondern immer nur auf den aktuell analysierten Monat, also in diesem Fall dem März! Die Hitze auf der nördlichen Hemisphäre sprengt im Grunde die Skalen.

Zur Einordnung der globalen Zahlen sei darauf hingewiesen, dass ab einer globalen Erwärmungsschwelle von 2,0 oder 2,5 Grad eine weltweite Katastrophe angenommen wird, die nicht mehr zu verhindern sein wird.
Die globale Erwärmung betrug im Jahr 1997 bei Beginn der Aufzeichnungen der NOAA +0,42 Grad Celsius.
Im Jahr 2007 hatte sich die Erwärmung auf +1,02 Grad Celsius mehr als verdoppelt.
Das letzte Jahr 2015 bezifferte die Erwärmung auf +1,33 Grad Celsius, Tendenz stark ansteigend.

Globale Temperaturentwicklung Land und Ozean im Monat März; © NOAA
Globale Temperaturentwicklung Land und Ozean im Monat März; © NOAA

Temperaturverteilungen auf dem Planeten

Der März 2016 zeigt im Gegensatz zum Vormonat weniger Extreme, dafür eine weiter verbreitete Hitze an den meisten Orten. Vor allem in Russland und Sibirien ist erneut eine übermäßige Hitze zu sehen. Offenbar scheint der El Nino bereits in der Abschwächung, die ebenfalls deutlich vor Südamerika im Vergleich mit den Vormonaten erkennbar ist, den „Bunsenbrenner“ herunterzudrehen. Die Folge: Weniger Radikalismen in Hitze- und Kälteaufspaltungen.
Daneben erfuhr im März 2016 Nordamerika eine anormale Erwärmung.

Der „kalte Fleck“ im Atlantik, den viele für eine Abschwächung des Golfstroms halten, hält sich auch im März 2016, wie seit mittlerweile fast 2 Jahren (vgl. Darstellung bei Tropical Tidbits, Auswahl North Atlantic links unten). Vgl. auch die Diskussion um alternative Erklärungen zum Golfstromausfall).

Bitte beachten: Die hier dargestellten Veränderungen beziehen sich auf die Klimakatastrophenjahre 1981-2010 und nicht auf das Mittel 1901-2000, um deutlich zu machen, ob sich die Klimakatastrophe weiter verschärft oder sie abklingt. Das bedeutet: Allein um einen Vergleich zur Zeit vor dem Start der beschleunigten Klimakatastrophe zu erhalten, muss man für globale Verhältnisse etwa +0.2 Grad dazuzählen.

Verteilung globaler Temperaturanomalien im Monat März 2016, © NOAA
Verteilung globaler Temperaturanomalien im Monat März 2016, © NOAA

Klima-Höhepunkte

In der Grafik der NOAA zeigen sich im März 2016 endlose Beispiele für zu heiße und/oder zu trockene Gebiete in einem Ausmaß, das Angst macht und zwar zu recht! Ursache sind vermutlich nach wie vor die Spätfolgen des El Niño.

1. Arktis und Antarktis: Hier zeigt sich wie immer das gleiche Bild: In der Arktis am Nordpol deutliche Schmelzprozesse mit oft Rekordwerten, auf der Südhalbkugel in der Antarktis ein erstaunlich hohes Maß an See-Eis. Bei dem komplexen Abschmelzungsprozess muss immer berücksichtigt werden, dass die Schwankungen mit dem Abschmelzen der Gletscher zusammenhängen, die zu einer Erhöhung des See-Eises führen. Mit anderen Worten: Das See-Eis selbst ist eine Folge der massiven Eisschmelze und nicht etwa ein Beleg gegen die Klimakatastrophe, die an den Polen noch einmal deutlich stärker als in anderen Regionen sich auswirkt.

2. Hitze und/oder Trockenheit gab es in folgenden  Regionen: Alaska, USA, Südamerika, Asien, Afrika, Australien, Bahrein, Neuseeland und Europa. Im Grunde also die gesamte Welt …

3. Niederschlagsanomalien über dem Mittel verzeichneten kleinere Regionen der USA und Europa.

Der Dauer-El Niño ist abgesagt worden!


Sprachen die Prognosen der ENSO (El Niño/Southern Oscillation) beim letzten globalen Klimabericht für den Februar 2016 noch von einem schockierenden Dauer-El Niño statt einem Abklingen der hohen Wassertemperaturen vor Südamerika, so haben sich mittlerweile die Wissenschaftler korrigiert.
Wir können aufatmen!
Die Prognosen zeigen nun wie nach einem El Niño erwartet, einen Rückgang der Wasseroberflächentemperaturen (SST, sea surface temperatures) zunächst auf neutrales ENSO-Niveau und dann den Absturz in zu kalte Regionen, sprich: La Niña!

Temperaturentwicklung der ENSO in Region 1.2 (Ostpazifik an der südamerikanischen Küste): Hier ist der El Niño mittlerweile bereits verschwunden; © <a href="http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/people/wwang/cfsv2fcst/images3/nino12Monadj.gif">NOAA</a>
Temperaturentwicklung der ENSO in Region 1.2 (Ostpazifik an der südamerikanischen Küste): Hier ist der El Niño mittlerweile bereits verschwunden; © NOAA

Das bedeutet, dass ich mich in Kürze eingehend mit La Niña statt El Niño beschäftigen muss, um entgegen diverser Idiotenmeldungen in der Presse darzustellen, wie man den Antipoden zum Klimaphänomen El Niño einschätzen sollte.
So viel vorab: Es ist nicht gleichbedeutend mit einer globalen Abkühlung in dem Sinne, dass jetzt alle Regionen kälter werden!
Vielmehr kann man davon ausgehen, dass der beschriebene „Bunsenbrenner“-Effekt über die „bipolare Telekonnektion“ verschwinden wird. Das bedeutet: Die Spaltung der Erde in (viele) Hitze- und (wenige) Kältepunkte wird verschwinden oder zumindest deutlich zurückgehen, weil die Pazifikhitze vor Südamerika nicht mehr vorhanden ist und somit im Rahmen des Ozean-/Atmosphäreaustauschs nicht mehr global verteilt wird.

Temperaturentwicklung der ENSO in Region 3.4 (Zentralpazifik): Hier schwächt sich der El Niño aktuell weiter ab und wird ca. Juli allmählich in den La Niña-Status übergehen (ab -0,5 Grad Celsius Temperaturanomalie bzw. ab -0,8 Grad Celsius nach einer anderen, konservativeren Lesung); © <a href="http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/people/wwang/cfsv2fcst/images3/nino34MonadjPDFC.gif">NOAA</a>
Temperaturentwicklung der ENSO in Region 3.4 (Zentralpazifik): Hier schwächt sich der El Niño aktuell weiter ab und wird ca. Juli allmählich in den La Niña-Status übergehen (ab -0,5 Grad Celsius Temperaturanomalie bzw. ab -0,8 Grad Celsius nach einer anderen, konservativeren Lesung); © NOAA

Während die Folgen für die unmittelbaren ENSO-Regionen mittlerweile gut bekannt sind, ist die Auswirkung auf Europa umstritten und unklar. Ich gehe davon aus, dass eine kausale Wirkung vorhanden ist, wie ja auch El Niño uns dies anschaulich im letzten Sommer mit der Katastrophenhitze gezeigt hat – leider haben diese Erkenntnisse immer noch nicht Eingang in diverse Pressemitteilungen gefunden, die immer noch fälschlicherweise von „keiner Wirkung von El Niño auf Europa“ schreiben.
Im Umkehrschluss sollte also auch La Niña Wirkungen auf Europa haben, wenn auch keine direkten, sondern indirekte Beeinflussungen von Wetterstrukturen. Welche das sein werden, versuche ich herauszufinden, wobei jetzt schon klar ist, dass eine einfache Antwort leider nicht am Ende stehen wird.
Allgemein wird vermutet, dass La Niña die Wahrscheinlichkeiten für einen nassen Sommer in Europa erhöht. Allerdings gab es auch La Niña-Sommer, die brutal heiß und trocken waren.

Insgesamt ist es zunächst also am klügsten, im Kopf zu behalten, dass La Niña das globale Wettergeschehen durcheinanderbringen wird, aber anders als El Niño. Und selbst wenn die Chancen auf einen halbwegs normalen Sommer steigen, so darf man nie vergessen, dass völlig unabhängig von La Niña immer eine Omega-Lage denkbar ist und damit eine Hitzekatastrophe wie 2003 oder 2015 (letztes Jahr war die erste Hitzewelle im Juli eine Omega-Lage, die zweite beruhte auf El Niño-Auswirkungen über die Aufheizung Osteuropas).

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JAHRESKLIMABERICHTE: 2015, 2014.




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