Die NOAA hat die Temperatur- und Klimadaten für den Planeten Erde im Mai 2016 ausgewertet und veröffentlicht.
Man wird langsam müde, die Fakten zu nennen: Es handelt sich um den 13. Monat in Folge, der den Temperaturrekord in Sachen Hitze für diesen jeweiligen Monat gebrochen hat. Das ist schlimm genug. Allerdings gestatten wir uns einmal beim etwas genaueren Blick auf die Zahlen nach einem optimistischen Strohhalm zu greifen: An Land gibt es ein Zeitloch!
Was das bedeutet?
Die Landtemperaturen waren für sich betrachtet, einmal nicht im Rekordbereich, sondern auf der Nord- wie auch auf der Südhalbkugel „nur“ auf Platz 3 bzw. 5. Dass der Monat Mai 2016 dennoch global die Hitzerekorde durchbrach, lag somit an der Aufheizung der Ozeane, was natürlich alles andere als beruhigend ist – liegt die Tendenz letztlich vor, dass die Ozeane die Pufferungsqualität verloren haben, mit denen sie die Klimakatastrophe bisher aufgenommen hatten. Wie nah uns ein sogenanntes „Großes Anoxisches Ereignis“ ist und wie wenig Menschen dies bisher begreifen, darauf gehe ich zum Abschluss dieses Artikels ein.

Nach einem alarmierenden Sprung beim CO2 in der Atmosphäre steigen die Werte zum Vormonat nur leicht; © <a target="_blank" href="http://www.esrl.noaa.gov/gmd/ccgg/trends/">NOAA</a>
Nach einem alarmierenden Sprung beim CO2 in der Atmosphäre steigen die Werte zum Vormonat nur leicht; © NOAA

Die Zahlen im Mai 2016 stagnieren also an Land. Das bedeutet zwar nicht viel, aber hoffen wir, dass es sich dabei wenigstens um eine Abschwächung des El Niño-Effekts der globalen Grillorgie handelt.
Denn die große Frage lautet, ob mit dem Übergang vom El Niño zum La Niña die globale Lage sich verbessern wird. Der El Niño geht aktuell wieder in den neutralen ENSO-Zustand über, es wird jedoch wohl dennoch einige Wochen bis Monate dauern, bis sich das globale Klima „normalisiert“ (was immer das auch inmitten einer Klimakatastrophe bedeuten mag).

Man beachte unbedingt bei den angegebenen Zahlen, dass
(a) das verwendete Mittel nicht der übliche Dreißigjährige Zeitrahmen ist (außer bei den Karten, wie angegeben), sondern das 20. Jahrhundert komplett als Maßstab verwendet wurde, also die Jahre 1901-2000.

(b) die beiden Regionen, in denen die stärkste Erwärmung auftritt, die Arktis und die Antarktis werden bei den Messungen und angegebenen Daten aufgrund nach wie vor fehlender Instrumente ausgespart. Die tatsächliche Erwärmung des Planeten ist somit noch (vermutlich deutlich) höher.

Ergebnis: Der Monat Mai 2016 liegt auf Platz 1 und ist somit der heißeste Mai-Monat, der jemals gemessen wurde.

Die Daten werden nach Landmassentemperaturen und Ozeantemperaturen unterteilt und lauten wie folgt:
Landtemperatur: +1.17 Grad über dem Mittel = Platz 3 aller jemals im Januar gemessenen Werte (bisheriger Rekord: 1.26 im Jahr 2012)
Ozeantemperatur: +0.76 Grad über dem Mittel = Platz 1
Land und Ozean somit: +0.87 Grad über dem Mittel = Platz 1

Anstieg der globalen Aufheizung in 3 Zukunftsvarianten bei ungebremsten Emissionen von Treibhausgasen (oben: Anstieg bei hoher Reaktion des globalen Klimas, Mitte: wahrscheinlichster Anstieg, unten: Anstieg bei nur geringer Klimasensitivität). Im Vergleich sieht man, wie stabil in den letzten Jahrtausenden vor dem menschlichen Einfluss die globalen Temperaturen waren vor der Explosion der Treibhausgase mit der Industriellen Revolution; © <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Globale_Erw%C3%A4rmung#/media/File:Bau_future_warming_med.jpg">Skeptical Science auf commons.wikimedia.org</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en">CC BY-SA 3.0</a>
Anstieg der globalen Aufheizung in 3 Zukunftsvarianten bei ungebremsten Emissionen von Treibhausgasen (oben: Anstieg bei hoher Reaktion des globalen Klimas, Mitte: wahrscheinlichster Anstieg, unten: Anstieg bei nur geringer Klimasensitivität). Im Vergleich sieht man, wie stabil in den letzten Jahrtausenden vor dem menschlichen Einfluss die globalen Temperaturen waren vor der Explosion der Treibhausgase mit der Industriellen Revolution; © Skeptical Science auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Nachdem im Februar der Landtemperaturhöchstwert um unfassbare 0.63 Grad übertroffen und pulverisiert wurde, im März 2016 dann um 0.32 Grad und im April 2016 einen Erwärmungssprung von 0.42 Grad Celsius zum vorigen Rekordapril aus dem Jahr 2007, stagnieren im Mai nun die Landzahlen. Ob es sich um eine statistisch normale Abweichung oder eine Folge des abklingenden El Niño handelt, müssen wir in den kommenden Klimaberichten in der Entwicklung der Zahlen sehen.

Auch die Ozeantemperaturen steigen bekanntlich seit Monaten in einer bedenklichen Kurve an. El Niño befeuerte im wahrsten Sinne des Wortes diese Entwicklung noch durch die Temperaturanomalien im Pazifik, die sich global verteilen. Dies addiert sich noch zu der These, dass die Kohlendioxidaufnahme der Meere ihr Limit erreicht hat. Wie nahe uns ein „Großes Anoxisches Ereignis“ ist, besprechen wir ganz am Ende dieses Artikels.

Zur Einordnung der globalen Zahlen sei darauf hingewiesen, dass ab einer globalen Erwärmungsschwelle von 2,0 oder 2,5 Grad eine weltweite Katastrophe angenommen wird, die nicht mehr zu verhindern sein wird.
Die globale Erwärmung betrug im Jahr 1997 bei Beginn der Aufzeichnungen der NOAA +0,42 Grad Celsius.
Im Jahr 2007 hatte sich die Erwärmung auf +1,02 Grad Celsius mehr als verdoppelt.
Das letzte Jahr 2015 bezifferte die Erwärmung auf +1,33 Grad Celsius, Tendenz stark ansteigend. Da auch 2016 bereits jetzt auf Hitzerekordkurs sich befindet, liegen wir als Menschheit mit einem maximalen Unbelehrbarkeitsfaktor und einem noch größeren Idiotenfaktor voll im Plan einer rasend schnellen Selbstvernichtung. Glückwunsch.

Globale Temperaturentwicklung Land und Ozean im Monat Mai; © NOAA
Globale Temperaturentwicklung Land und Ozean im Monat Mai; © NOAA
Globale Temperaturentwicklung Nördliche und Südliche Hemisphäre im Monat Mai; © NOAA
Globale Temperaturentwicklung Nördliche und Südliche Hemisphäre im Monat Mai; © NOAA

Abkühlung gegen die Hitze

Temperaturverteilungen auf dem Planeten

Der Mai 2016 zeigt wie im März und April 2016 und im Gegensatz zum Februar 2016 weniger Extreme, dafür eine weiter verbreitete Hitze an den meisten Orten. Vor allem in Osteuropa und Kanada/Alaska ist eine übermäßige Hitze zu sehen. Offenbar wirkt sich der Übergang der ENSO vom El Niño-Status in den neutralen Zustand bereits aus. Die Folge: Weniger Radikalismen in Hitze- und Kälteaufspaltungen, dennoch ein nach wie vor unnatürlicher Hitzestand der Temperaturen auf unserem Planeten. Man könnte mit bitterem Beigeschmack sagen: Statt Radikalhitze mit seltener Kälte sehen wir nun eine gleichförmige Hitze wie in der Zeit vor dem El Niño.

Der „kalte Fleck“ im Atlantik, den viele für eine Abschwächung des Golfstroms halten, hält sich auch im Mai 2016 erstaunlich stabil, wie seit mittlerweile über 2 Jahren (vgl. Darstellung bei Tropical Tidbits, Auswahl North Atlantic links unten). Vgl. auch die Diskussion um alternative Erklärungen zum Golfstromausfall).

Bitte beachten: Die hier dargestellten Veränderungen beziehen sich auf die Klimakatastrophenjahre 1981-2010 und nicht auf das Mittel 1901-2000, um deutlich zu machen, ob sich die Klimakatastrophe weiter verschärft oder sie abklingt. Das bedeutet: Allein um einen Vergleich zur Zeit vor dem Start der beschleunigten Klimakatastrophe zu erhalten, muss man für globale Verhältnisse etwa +0.2 Grad dazuzählen.

El Niñ-Radikalismen glätten sich trotz nach wie vor viel zu hohen Temperaturanomalien. Verteilung globaler Temperaturanomalien im Monat Mai 2016, © NOAA
El Niño-Radikalismen glätten sich trotz nach wie vor viel zu hohen Temperaturanomalien. Verteilung globaler Temperaturanomalien im Monat Mai 2016, © NOAA

Klima-Höhepunkte

In der Grafik der NOAA zeigen sich im Mai 2016 trotz der Landtemperaturstagnation endlose Beispiele für zu heiße und/oder zu trockene Gebiete in einem Ausmaß, das Angst macht und zwar zu recht!

1. Zu heiße Regionen: Alaska, Mittel- und Südamerika, Kandana und Alaska, Afrika, Nordeuropa, ABahrein, Australien, und Neuseeland. Letztlich so gut wie die gesamte Welt …

2. Zu trockene Regionen: Die Fidji-Inseln und damit nur sehr wenige trockene Regionen!

3. Niederschlagsanomalien über dem Mittel verzeichnete Texas und auch hier konstatieren wir nur wenige Extreme!

4. Zu kühl war es lediglich in außerordentlichem Maße an der Südspitze Südamerikas, wie schon im April 2016, vermutlich aufgrund des Einflusses der Antarktis (der Kälteschrank der Südhalbkugel ist stabiler in seinem Einfluss auf benachbarte Landmassen im Gegensatz zur Nordhalbkugel).

5. Ein tropischer Hurricane tauchte im Atlantik an der Ostküste der USA auf. Bekanntlich begünstigt La Niña die Hurricaneentstehung im Atlantik und dies könnte bereits der erste Hinweis auf die Umstellung von El Niño (kaum Hurricanes) auf La Niña und der Auftakt einer Hurricanesaison sein!

Erwartet uns ein „Großes Anoxisches Ereignis“?

Die Landtemperaturen im Mai 2016 stagnierten erstmals seit langer Zeit, doch die Ozeantemperaturen steigen nach wie vor bedenklich an.
Dies gab es zum letzten Mal in der Kreidezeit vor 87 Millionen Jahren, genauer gesagt gab es ein solches Ereignis gleich 8 mal in der Kreidezeit in einem Zeitraum vor 124 Millionen Jahren bis 87 Millionen Jahren, wobei jedes Ereignis zwischen 100.000 und gut 2 Millionen Jahren andauerte.

Verkannte Gefahr: Die globale Erwärmung kann in einem Massensterben der marinen Fauna enden.
Verkannte Gefahr: Die globale Erwärmung kann in einem Massensterben der marinen Fauna enden.

Was ist ein Großes Anoxisches Ereignis?
Wie ich schon des Öfteren ausgeführt habe, führt ein Anstieg der Temperatur in den Ozeanen zu einer Reduzierung des Sauerstoffs aufgrund physikalischer und biologischer Begebenheiten. Eine Reduzierung auf eine einfache Regel könnte lauten: Je kälter, desto mehr Sauerstoff!

Deswegen sind die arktischen Gewässer im Atlantik auch die nährstoffreichsten für die marine Fauna und deswegen sind Winter mit Frost so eminent wichtig für unsere Seen, damit diese sich von der Hitze und Sauerstoffarmut erholen (und deswegen schrumpfen die Seen und gefährden das Leben in ihnen, da sie sich 3x so stark erwärmen wie der Ozean: Der erste Kipppunkt fällt – Seen und Ozeane sind am Ende).

Heizen sich global die Ozeane auf, ist das im Grunde die gleiche Entwicklung, die wir bereits von verschmutzten Flüssen in den 1980er Jahren kennen: Sie „kippen um“, d. h. der Sauerstoffgehalt fällt, auch durch einen Dauerüberschuss an Nährstoffen, die der Mensch in die Flüsse (und heute in die Ozeane) über Industrieabwässer pumpt. Diese künstliche Nährstoffanreicherung gleicht aber nicht etwa die Reduzierung durch Wärme aus, sondern geht über das „eutrophe Maß“ hinaus und erzeugt im Rahmen einer sog. „Eutrophierung“ das Gegenteil: Anaerobe Bakterien (Lebewesen, die ohne Sauerstoff auskommen) vermehren sich dadurch, die Giftstoffe ausscheiden, welche wiederum eine Gefahr für marine Lebewesen sind. Es entwickelt sich ein tödlicher Kreislauf, bei dem bis zu 97% allen Lebens in den Ozeanen vernichtet wird!
Die Folgen sind nicht nur auf die Ozeane beschränkt, da hier nur der Beginn der Nahrungskette zusammenbricht.

Da wir bereits in einigen Jahrzehnten die Temperaturwerte der Kreidezeit erreichen werden, stellt sich die Frage: Ab welcher ozeanischen Temperatur erfolgt ein Großes Anoxisches Ereignis?
Das wissen selbst Forscher nicht genau.
Geht man von den klimatischen Zahlen der Kreidezeit aus und einer globalen (Land und Ozean-)Erwärmung von +6 Grad aus vor 120 Millionen Jahren und dem Einsetzen des ersten Anoxischen Ereignisses in der Kreidezeit, dann müssten wir diese Marke ca. um 2100 bis 2150 erreichen.

Temperaturen auf der Erde im Laufe der geologischen Epochen von 500 Millionen Jahren vor unserer Zeit bis heute, © :Glen Fergus, hg6996 auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Temperaturen auf der Erde im Laufe der geologischen Epochen von 500 Millionen Jahren vor unserer Zeit bis heute, © :Glen Fergus, hg6996 auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die ersten Anzeichen, sog. „Todeszonen“ in den Sommermonaten zeigen sich momentan nur, wenn wie 2015 eine extreme El Niño-Klimalage vorhanden ist, weisen jedoch darauf hin, wie sich eine abnorme Erwärmung der Ozeane auswirkt. Lange vor einem „Großen Anoxischen Ereignis“ mit einem nahezu vollständigen Massensterben werden bereits weite Teile der Ozeane unbewohnbar für Leben sein und die warmen Küstenbereiche wird es noch früher treffen.
Angesichts der Zeitrafferschnelle, mit der wir den Planeten aufheizen (Jahrzehnte statt Hunderttausende von Jahren) sind durch Rückkopplungseffekte sogar deutlich schnellere Entwicklungen und ein Großes Anoxisches Ereignis denkbar, wenn auch nach derzeitigem Stand vor 2100 unwahrscheinlich.

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