Sorgt die im Rahmen des absinkenden Sonnenfleckenzyklus inaktivere Sonne trotz nur geringer Globalschwankungen zwar nicht für eine Abkühlung, aber immerhin einen reduzierten Anstieg der Temperaturen?
Sorgt die im Rahmen des absinkenden Sonnenfleckenzyklus inaktivere Sonne trotz nur geringer Globalschwankungen zwar nicht für eine Abkühlung, aber immerhin einen reduzierten Anstieg der Temperaturen?

Die NOAA hat die Temperatur- und Klimadaten für den Planeten Erde im dritten und letzten Frühlingsmonat Mai 2017 ausgewertet und veröffentlicht.

Die Reihe der seit Oktober 2016 aussetzenden globalen Hitzerekordmonate setzt sich weiter fort. Dies führt mittlerweile dann doch zu zwei Fragen:
1. Warum gibt es keine neuen Hitzerekorde?
2. Sind die zweiten und dritten Plätze gleichbedeutend mit einer Abkühlung?

(1) Warum gibt es keine neuen Hitzerekorde?

Diese Frage ist nicht mit einem Schlagwort zu beantworten. Die Phase von Oktober 2016 bis etwa März 2017 war vom Waccy-Effekt geprägt, bei dem die vom Polarwirbel stammende Kälte südlich auf die Kontinente auswich und dadurch die globalen Mittel abkühlte. Dabei schlug die kontinentale Kälte deutlich zu Buche, da in den globalen Daten nach wie vor die Pole ausgespart bleiben, wo aber durch den polaren Verstärkungseffekt die größte Aufheizung messbar ist.

Theoretisch sollte die „Abkühlung“ damit ab April oder Mai 2017 mit dem Ende des Waccy-Effektes und der Auflösung des Polarwirbels beendet worden sein, aber dem ist nicht so!
Welche Erklärungsmuster ergeben sich für diese auf den ersten Blick überraschende Entwicklung?

Denkbar ist hier vor allem die Rückkühlung der Erde nach dem El Niño 2015, die Prof. Rahmstorf belegt hatte:

Dies würde bedeuten, dass die im Rahmen der Ozean/Atmosphäre-Austauschsysteme die global verteilte Hitze des El Niño immer noch langsam zurückgeht und auf die (noch) langsam ansteigende Erwärmung der Klimakatastrophe trifft. Vermutlich im kommenden Jahr würden die globalen Temperaturen dann wieder ansteigen.

Verlauf des aktuellen Sonnenfleckenzyklus 24, Daten bis 03.04.2017, Quelle: NOAA
Verlauf des aktuellen Sonnenfleckenzyklus 24, Daten bis 03.04.2017, Quelle: NOAA

Die zweite Ursache könnte in dem nach wie vor absinkenden Zyklus der Sonnenflecken liegen. Die Forschung ist sich hier noch sehr uneinig, welche Auswirkungen die Sonne hat. Es ist zwar wissenschaftlich gesichert, dass die Sonne lediglich etwa 0,2 Grad global beeinflusst – mehr aber eben auch nicht!
Die Kritiken und diffuse Klimaskeptikertheorien gehen sämtlich ins Leere. Trotzdem werden sie immer wieder hervorgeholt, da sich kaum jemand die Mühe macht, die Belege zu prüfen.

Zur Erklärung: Eiszeiten sind auf der Erde in der Vergangenheit selbst durch diese geringe Temperaturschwankung erklärbar und logisch!

Klimamodelle zeigen: Die globalen Temperaturen würden sich selbst bei einem großen Sonnenminimum wie der sog. "Kleinen Eiszeit" im 17. Jahrhundert aufgrund der tausendfach stärkeren anthropogen induzierten Klimakatastrophe so gut wie kaum auswirken. © <a target="_blank" href="https://scilogs.spektrum.de/klimalounge/faellt-die-sonne-in-ein-neues-maunder-minimum/">Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, auf: Scilogs</a>
Klimamodelle zeigen: Die globalen Temperaturen würden sich selbst bei einem großen Sonnenminimum wie der sog. „Kleinen Eiszeit“ im 17. Jahrhundert aufgrund der tausendfach stärkeren anthropogen induzierten Klimakatastrophe so gut wie kaum auswirken. © Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, auf: Scilogs

Eine Schwankung von nur 0,2 Grad (im Vergleich dazu: Die Klimakatastrophe erwärmt unseren Planeten aktuell auf etwa 1 Grad seit der Industriellen Revolution) genügt, um durch Albedorückkopplungseffekte und die Eigendynamik von Schnee und Eiszuwachs relativ rasch eine Eiszeit auszulösen. Hinzu kommt, dass etliche Klimamodelle den Verlauf des Klimas bis heute mit einer stabilen Sonne von 0,2 Grad Schwankungen korrekt wiedergegeben haben, während Annahmen stärkerer Sonnenschwankungen zu fehlerhaften Abbildungen des Klimaverlaufs führten.

Auch Sini von wetterprognose-wettervorhersage.de misst der Sonne in dem typisch unsicheren Duktus, wenn man als Wissenschaftler seiner Sache nicht sicher ist und in der Forschung die Belege fehlen, im absteigenden Zyklus 24 eine Funktion der Abkühlung zu, allerdings nur im meteorologischen Bereich fern klimatischer Langzeit und auch nur relativ zu den dauerwarmen Sommern unserer entkoppelten Epoche:

„Häufiger zeigte sich in den Jahren kurz vor Erreichen des Minimums eine erhöhte Niederschlagsaktivität und auch der Trend zu „normalen“ Temperaturen.“ (wetterprognose-wettervorhersage.de)

„Im Sommer 2017 könnte der Zyklus der schwachen Sonnenaktivität (Sonnenfleckzyklus) durchaus auch für einen durchwachsenen Wettercharakter und Phasenweise auch für kühlere Temperaturen sorgen.“ (wetterprognose-wettervorhersage.de)

(2) Ist das gleichbedeutend mit einer Umkehr der globalen Klimakatastrophe?
Natürlich bedeuten zweite und dritte Plätze in den monatlichen Temperatur“charts“ keine Abkühlung!

Vergessen wir nicht, diese Werte in den Gesamtzusammenhang einzuordnen: Es gibt regional starke Differenzen. Und wo Sibirien eiskalt daherkommt, verbrennt Europa in Frühlingsglut…

Der Anstieg des CO2 ist weiterhin reduziert von 3 ppm auf 1.6 ppm und nun 1.95 ppm! Das ist eine erfreuliche Tendenz, könnte aber auch eine Schwankung sein und kein Trend. Der Anstieg geht, ob 3 oder 1.6 ppm nach wie vor weiter ... © <a target="_blank" href="https://www.esrl.noaa.gov/gmd/ccgg/trends/">NOAA</a>
Der Anstieg des CO2 ist weiterhin reduziert von 3 ppm auf 1.6 ppm und nun 1.95 ppm! Das ist eine erfreuliche Tendenz, könnte aber auch eine Schwankung sein und kein Trend. Der Anstieg geht, ob 3 oder 1.6 ppm nach wie vor weiter … © NOAA

Die Erde ist immer noch mit zweit- und drittheißesten Monaten seit Messungsbeginn 1881 keinen Schritt weiter! Sie ist und bleibt zu heiß. Punkt. Und zwar deutlich. Dabei ist es irrelevant, ob der erste, zweite, fünfte oder sogar zehnte Platz zu Buche steht. Bei einem Platz 50 wäre das eine andere Sache.

Wir können zudem realistisch davon ausgehen, dass mit dem Sommer 2017 neue Rekordmonate kommen werden, da der Sonnenstand auf der Nordhalbkugel am höchsten ist. Da sich hier die meisten Kontinente im Vergleich zur Südhalbkugel befinden, werden die Temperaturen hier auch deutlich mehr ansteigen als im Sommer der Südhälfte, da Kontinente gleichbedeutend mit Hitzeakkumulation sind. Das sieht man im übrigen auch an all den Zahlen über die Jahre weiter unten im Artikel: Die Nordhemisphäre ist immer wärmer als die Südhemisphäre.

Allenfalls die El Niño- und Hitzerekordjahre 2015, 2003 und 2006 könnten hier noch die neuen Rekordzahlen verhindern, da damals die globale Hitze durch den Telekonnektionseffekt der Wärmeverteilung durch El Niño deutlich höher war als 2017 ohne einen El Niño.

Auf lange Sicht gesehen ist es 100% sicher, dass die Temperaturen neue Rekordhöhen erreichen werden. Die Frage ist nur wann. Mehr als auf zweite und dritte Plätze wird es nicht zurückgehen. Und wenn der nächste El Nino kommt, dann wird es ohnehin mit den dann gesteigerten Klimakatastrophentemperaturen eine erneute grauenhafte Naturapokalypse globalen Ausmaßes in mehreren Akten geben. Welche Wirkung die Sonne hat, die ab 2021/22 wieder in ihrem Sonnenfleckenzyklus ansteigen wird, muss man dann aufgrund spärlicher wissenschaftlicher Einschätzungsmöglichkeiten konkret sehen.

Man beachte unbedingt bei den angegebenen Zahlen, dass
(a) das verwendete Mittel nicht der übliche Dreißigjährige Zeitrahmen ist (außer bei den Karten, wie angegeben), sondern das 20. Jahrhundert komplett als Maßstab verwendet wurde, also die Jahre 1901-2000.

(b) die beiden Regionen, in denen die stärkste Erwärmung auftritt, die Arktis und die Antarktis werden bei den Messungen und angegebenen Daten aufgrund nach wie vor fehlender Instrumente ausgespart. Die tatsächliche Erwärmung des Planeten ist somit noch (vermutlich deutlich) höher.

(c) dass die verwendeten globalen Zahlen aufgrund der Komplexität eines ganzen Planeten sich von der Realität zwar unterscheiden können, aber in der Tendenz korrekt sind.

Ergebnis: Der Monat Mai 2017 liegt global auf Platz 3 der heißesten Maimonate seit Messungsbeginn 1881.

Die Daten werden nach Landmassentemperaturen und Ozeantemperaturen unterteilt und lauten wie folgt:
Landtemperatur: +1.15 Grad über dem Mittel = Platz 7 aller jemals im Mai gemessenen Werte (bisheriger Rekord: 1.29 im Jahr 2012)
Ozeantemperatur: +0.71 Grad über dem Mittel = Platz 3 (bisheriger Rekord im Mai: +0.76 im Jahr 2016)
Land und Ozean somit: +0.83 Grad über dem Mittel = Platz 3 (bisheriger Rekord im Mai: +0.89 im Jahr 2016)

Die globalen Temperaturen in anschaulichen Grafiken umgesetzt zeigen die alarmierenden Anstiege im Monat Mai über die Jahre. Geht man von einer nicht linearen Entwicklung aus, sondern sich beschleunigender Temperaturanstiege, dann wird die Katastrophe verständlicher.

Globale Temperaturentwicklung Land und Ozean im Monat Mai; © <a target="_blank" href="https://www.ncdc.noaa.gov/sotc/global/201705">NOAA</a>
Globale Temperaturentwicklung Land und Ozean im Monat Mai; © NOAA
Globale Temperaturentwicklung Nördliche und Südliche Hemisphäre im Monat Mai; © <a target="_blank" href="https://www.ncdc.noaa.gov/sotc/global/201705">NOAA</a>
Globale Temperaturentwicklung Nördliche und Südliche Hemisphäre im Monat Mai; © NOAA

Temperaturverteilungen auf dem Planeten

Bitte beachten: Die hier dargestellten Veränderungen beziehen sich auf die Klimakatastrophenjahre 1981-2010 und nicht auf das Mittel 1901-2000, um deutlich zu machen, ob sich die Klimakatastrophe weiter verschärft oder sie abklingt. Das bedeutet: Allein um einen Vergleich zur Zeit vor dem Start der beschleunigten Klimakatastrophe zu erhalten, muss man für globale Verhältnisse etwa +0.2 bis +0.3 Grad dazuzählen. Die hellblauen Flächen würden sich damit ebenfalls in den roten Bereich verändern.

Verteilung globaler Temperaturanomalien im Mai 2017. Sibirien wird wieder kalt! Und reduziert dadurch die globalen Bodentemperaturen, © <a target="_blank" href="https://www.ncdc.noaa.gov/sotc/global/201705">NOAA</a>
Verteilung globaler Temperaturanomalien im Mai 2017. Sibirien wird wieder kalt! Und reduziert dadurch die globalen Bodentemperaturen, © NOAA

Klima-Höhepunkte

In der Grafik der NOAA zeigen sich im Mai 2017 trotz „nur“ des dritten Hitzeplatzes aller Mai-Monate wieder vermehrt Hitzewellen und Dürren, da sich die Nordhemisphäre auf den Sommer zubewegt.

1. Zu heiße Regionen: Nordamerika, Mitteleuropa, östliches Asien, Afrika, Australien, Südamerika – also mal wieder im Grunde die gesamte Welt.

2. Kühle Regionen: Nordeuropa, Westasien/Sibirien.

3. Zu trockene Regionen: Ostküste USA, Österreich, Australien.

4. Zu nasse Regionen: Westküste USA, Argentinien.

5. Die Lage an den Polen entspannt sich nach langen Monaten neuer Niedrigstandrekorde. Am Nordpol verzeichnet man „nur“ den fünftniedrigsten Stand des Meereises und in der Antarktis gab es den zweitniedrigsten Stand.

Bei der Diskussion, ob die NOAA-Zahlen letztlich exakt richtig sind oder nicht, zeigen auch alternative Messungen nur eines: Die Richtung geht nach oben. Die klimatischen Folgen sind auch jenseits der Zahlendiskussion offensichtlich. Ob wir dabei bereits einen globalen Kipppunkt überschritten haben (und die Zahlen tatsächlich noch schlechter sind, als wir derzeit messen können) oder ob es doch noch wie einst angedacht bis 2030 Zeit bleibt, etwas gegen die Klimakatastrophe zu unternehmen, wird sich wohl letztlich erst im Rückblick nach Jahren final bewerten lassen. Allerdings könnte es dann bereits lange zu spät sein, Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Temperaturen auf der Erde im Laufe der geologischen Epochen von 500 Millionen Jahren vor unserer Zeit bis heute, © :Glen Fergus, hg6996 auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Temperaturen auf der Erde im Laufe der geologischen Epochen von 500 Millionen Jahren vor unserer Zeit bis heute. Der Mensch existiert erst seit max. 1 Million Jahren (im blauen Bereich – wir sind Wesen der Eiszeit, die aktuell in Dinosaurierverhältnisse katapultiert werden und dabei zusammenbrechen werden), © :Glen Fergus, hg6996 auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0

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