Sofetisches Attentat mit Hitzewaffen mitten im schönsten Kaltmonat!; © Ben Salter auf flickr.com, Lizenz: CC BY 2.0
Sofetisches Attentat mit Hitzewaffen mitten im schönsten Kaltmonat!; © Ben Salter auf flickr.com, Lizenz: CC BY 2.0

Der DWD hat die Klimabilanz für Deutschland für den letzten Herbstmonat November 2015 veröffentlicht (Deutschlandwetter im November DWD, PDF-File).

September und Oktober 2015 waren die ersten kühlen Monate seit 13 teilweise abstrus zu heißen Monaten in Folge. Der November kehrte nun wieder zurück zur Katastrophenhitze. Ebenso wie 2014 war er rekordverdächtig zu warm (die Mittelwerte lagen nach zwei Dritteln des Monats bei völlig unfassbaren 6 Grad über dem Mittel!) und der einstmals herrlich neblige Monat verwandelt sich immer mehr zu einem Monster der Klimakatastrophe. In diesem Fall waren Südlagen und der durch El Niño nach wie vor unfassbar heiße Mittelmeerraum die Ursachen. Wäre die Kaltphase mit Schnee und Regen im letzten Monatsbereich nicht gewesen, hätte man den November getrost als September bezeichnen können.

Der größte Teil des Monats war erneut zu trocken, bevor im letzten Drittel des Monats mit der Westdrift-Rückkehr und stürmischen Witterungen kräftige und lange Regenfälle einsetzten, die regional das Mittel am Ende deutlich übertrafen.

Durch die ersten zwei Drittel einer Hitze- und Sonnenhölle waren paradoxerweise jedoch auch die Sonnenbelastungswerte viel zu hoch. Der November – ein Monat der Extreme.

Die Karten sprechen Bände (die Werte unterscheiden sich geringfügig von den „offiziellen“ DWD-Daten, da hier andere Messstationen vermutlich ausgewertet werden. Insgesamt aber dennoch die beste frei verfügbare Datendarstellung):

Temperaturkarte Deutschland November 2015, © <a target="_blank" href=" http://www.bernd-hussing.de/klima.htm"> http://www.bernd-hussing.de/klima.htm</a>
Temperaturkarte Deutschland November 2015, © http://www.bernd-hussing.de/klima.htm

Niederschlagskarte Deutschland November 2015, © <a target="_blank" href=" http://www.bernd-hussing.de/klima.htm"> http://www.bernd-hussing.de/klima.htm</a>
Niederschlagskarte Deutschland November 2015, © http://www.bernd-hussing.de/klima.htm

SonnenscheinbelastungDeutschland November 2015, © <a target="_blank" href=" http://www.bernd-hussing.de/klima.htm"> http://www.bernd-hussing.de/klima.htm</a>
Sonnenscheinbelastung Deutschland November 2015, © http://www.bernd-hussing.de/klima.htm

Der Monat November 2015 war in Deutschland 3,5 Grad zu warm und der wärmste jemals gemessene November.

Der November 2015 ruft uns in Erinnerung, was in einer Klimakatastrophe passiert, wenn die Wetterlage einmal erneut ungünstig ist. Trotz der zwei zu kühlen Monate September und Oktober ist das Jahr 2015 auf Hitzerekord, global ist sogar ein gefährlicher Sprung festzuhalten!

Januar 2015 = 2,2 Grad Celsius im Mittel = +2,7 Grad zu warm (2014: +2,6 Grad)
Februar 2015 = 0,7 Grad im Mittel = +0,3 Grad zu warm (2014: +4,7 Grad)
März 2015 = 5,2 Grad Celsius = +1,8 Grad zu warm (2014: +3,4 Grad).
April 2015 = 8,6 Grad Celsius = +1,2 Grad zu warm (2014: +3,4 Grad).
Mai 2015 = 12,5 Grad im Mittel = +0,4 Grad zu warm (2014: +0,3 Grad).
Juni 2015 = 16,0 Grad im Mittel = +0,6 Grad zu warm (2014: +0,7 Grad).
Juli 2015 = 19,5 Grad Celsius = +2,5 Grad zu warm (2014: +2,4 Grad).
August 2015 = 19,9 Grad Celsius = +3,4 Grad zu warm (2014: -0,5 Grad).
September 2015 = 13,0 Grad Celsius = -0,3 Grad zu kühl (2014: +1,6 Grad).
Oktober 2015 = 8,4 Grad Celsius = -0,6 Grad zu kühl (2014: +2,9 Grad).
November 2015 = 7,5 Grad Celsius = +3,5 Grad zu warm (2014: +2,5 Grad).

Noch einmal zur Erinnerung: Es handelt sich um monatliche MITTEL-Temperaturen. Zur groben Einschätzung halte man in Erinnerung, dass +1 Grad über dem Mittel etwa 3 Grad zu hohe Tagestemperaturen im Flachland bedeuten, also z. B. statt 16 Grad 19 Grad. +2 Grad über dem Mittel entsprechend ca. 6 Grad zu hohe und +3 Grad etwa 9 Grad zu hohe Tagesmaxima.

Quellen für alle Temperaturen: DWD, Zeitreihe der Lufttemperatur in Deutschland, Wetterkontor.

Die Dürre hat sich durch den Westdriftregen im letzten Novemberdrittel entspannt, ist aber immer noch nicht behoben. Das allein zeigt, was das Jahr 2015 mit einem unfassbaren Sommer auf dem Niveau einer klimatischen Hitzenaturkatastrophe angerichtet hat und auch in Zukunft anrichten wird.

Dürrezustand am 03.11.2015 in 25 cm Bodentiefe (links) und 1,8 Meter Bodentiefe (rechts), © <a target="_blank" href="http://www.ufz.de/index.php?de=33328">Helmholtz-Zentrum Dürremonitor</a>
Dürrezustand am 03.11.2015 in 25 cm Bodentiefe (links) und 1,8 Meter Bodentiefe (rechts), © Helmholtz-Zentrum Dürremonitor

(1) Temperaturen im November 2015

Reihenfolge der Bundesländer, von Bundesländern mit der besten, also niedrigsten Temperatur bis hin zu den Klimaopfern mit der höchsten Temperatur – wobei im November alle Bundesländer deutlich über dem Mittel 1961-1990 landeten und dementsprechend alles in roter Warnfarbe gehalten ist. Zur Einschätzung dient der Hinweis, dass der November deutschlandweit ein Temperaturmittel von 4,0 Grad (1961-1990) aufweist. 1 Grad darüber gilt als zu warmer Monat, 2 Grad darüber als unnatürlich und noch höhere Werte sind ohne Einfluss der Klimakatastrophe (sprich El Niño) im Grunde nicht denkbar.

Platz 1: Bayern 6,4 Grad
Platz 2: Baden-Württemberg 6,9 Grad
Platz 3 und 4: Hessen und Thüringen 7,2 Grad
Platz 5 und 6: Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern 7,3 Grad
Platz 7 und 8: Saarland und Brandenburg 7,4 Grad
Platz 9: Rheinland-Pfalz 7,5 Grad
Platz 10: Schleswig-Holstein 8,0 Grad
Platz 11: Sachsen-Anhalt 8,1 Grad
Platz 12: Niedersachsen 8,4 Grad
Platz 13: NRW 8,7 Grad

Die Diskrepanz zum bisherigen Jahresverlauf fällt deutlich auf: Die im Frühjahr und Sommer in Traumkühle befindlichen Länder Niedersachsen und Schleswig-Holstein (aufgrund der Küstenregionen) und auch NRW landen im Temperaturranking ganz unten und somit bei den wärmsten Bundesländern. Im Herbst dreht sich zumeist die Lage vergleichen zum Frühling und Sommer um und die warme Nordsee führt zu höheren Temperaturen als in den „innerkontinental“ liegenden Bundesländern.

(2) Niederschlag im November 2015

Insgesamt notiert der DWD im deutschlandweiten Mittel 100 l/m2 statt der erwarteten 66 l/m2 und somit ein Regensoll von unfassbaren 149%. Allerdings täuscht dies darüber hinweg, dass es große regionale Unterschiede gab (wie immer ist die Rhein-Main-Region bis nach Erfurt und der Südwesten mittlerweile als Folge der Klimakatastrophe deutlich benachteiligt) und die ersten zwei Drittel des Monats nach wie vor zu trocken daherkamen.

Die einzelnen Bundesländer mit dem besten Ergebnis, also der größten Menge des köstlichen, lebensspendenden Nass*, an erster Stelle bis hin zu den trockenen Regionen. Da alle Bundesländer im Monatsmittel über dem Soll landeten, sind alle grün gekennzeichnet:

Platz 1: Schleswig-Holstein mit 160 l/m2
Platz 2: Niedersachsen mit 130 l/m2
Platz 3: Saarland mit 118 l/m2
Platz 4: NRW mit 115 l/m2
Platz 5: Bayern mit 100 l/m2
Platz 6: Baden-Württemberg mit 105 l/m2
Platz 7: Mecklenburg-Vorpommern mit 94 l/m2
Platz 8: Hessen mit 90 l/m2
Platz 9 und 10: Rheinland-Pfalz und Sachsen mit 85 l/m2
Platz 11: Thüringen 75 l/m2
Platz 12 und 13: Sachsen-Anhalt und Brandenburg mit 70 l/m2

(3) Sonnenscheinbelastung im November 2015

Der Großteil des Monats war geprägt von einem reinen Sonnenhorror mitten im Nebelmonat. Dieser surreale Alptraum* wurde nur regional von Nebel unterbrochen, sowie im letzten Drittel des Monats durch wolkig-stürmische Westdriftlagen. Dementsprechend lag die Sonnenbelastung deutschlandweit mit 70 statt 54 Mittelstunden um 28 Prozent zu hoch.

Die einzelnen Bundesländer, angefangen mit dem besten, also niedrigsten Wert und endend mit den Sonnenopfer-Ländern:

Platz 1: Saarland mit 35 Stunden
Platz 2: Mecklenburg-Vorpommern mit 45 Stunden
Platz 3: Schleswig-Holstein mit 46 Stunden
Platz 4 und 5: Hessen und Rheinland-Pfalz mit 50 Stunden
Platz 6 und 7: NRW und Brandenburg mit 60 Stunden
Platz 8 und 9: Niedersachsen und Thüringen mit 65 Stunden
Platz 10: Sachsen-Anhalt mit 66 Stunden
Platz 11: Sachsen mit 70 Stunden
Platz 12: Bayern mit 88 Stunden
Platz 13: Baden-Württemberg mit 93 Stunden
DIE LETZTEN GLOBALEN KLIMABERICHTE: Oktober 2015, September 2015, August 2015, Juli 2015, Juni 2015, Mai 2015, April 2015, März 2015
DIE LETZTEN NATIONALEN KLIMABERICHTE: Oktober 2015, September 2015, August 2015, Juli 2015, Juni 2015, Mai 2015, April 2015, März 2015
JAHRESKLIMABERICHTE: 2014.

  • Alptraum der Sofeten

    Einfach nur erschreckend wenn man das noch mal rückwirkend auf sich wirken lässt. SO gesehen will ich das schon gar nicht mehr sehen, da es zu schrecklich ist das ich schon vor Verzweiflung heulen könnte. Denn man kann ja nichts machen(hilflos ausgeliefert). 🙁
    Trotzdem gut zusammengefasst Michael.
    Hoffen wir das sich das ab jetzt nicht immer so fortsetzen wird.
    Außerdem schauen wir schon wieder mit sorge auf den Winter. Das kann ja was werden…

    • Ich mache mich momentan locker. Im Januar muss es aber krachen, sonst wirds bitter.

      Bald kommt noch der große Herbstrückblick inkl. Auswertung von mir, wer bei den Prognosen Ende August die Nase vorn hatte. Das wird ja durchaus positiv mit 2 zu kühlen Herbstmonaten und angenehm im Rückblick 🙂

  • lake-effect

    Kannst Du das mit dem +1℃ über dem Mittel gleich 3℃ höheres tagesmaximum erklären oder auf Literatur dazu verweisen.
    Das bedeutet dann wenn es beim Klimawandel einen temp Anstieg von 5℃ gibt, dass man mit 15℃ höheren maxima rechnen muss?. Statt 30 45℃?

    • Eine Literaturangabe habe ich nicht dazu, es ergibt sich vielmehr aus der Mittel-Natur der Temperaturen und meint, dass im Flachland, was 80% Deutschlands ist, sich die Temperaturen unter Ausgrenzung der Bergregionen natürlich höher darstellen. Zudem wird der nivellierende Nachttemperaturfaktor abgezogen.
      Am Ende ergibt sich aus eigener Erfahrung und nach Schätzwerten diese Differenz von Mittelwert und Tagesmaxima.
      Beispiel: Im Frühsommer war es glaube ich, da war Ostfriesland als Region bei ca. 1,1 Grad über dem Mittel, Rhein-Mein aber ca. 4,5 Grad über dem Mittel. Die Tagesmax unterschieden sich aber nicht um 3,4 Grad, sondern jeden Tag um etwa 8 bis 12 Grad für den kompletten Monat.
      Da die Tagesmax. oft aussagekräftiger sind als Mittelwerte und auch sehr viel anschaulicher, verwende ich diese Hinweise, um das spürbare, tägliche Ausmaß zu verdeutlichen, denn der Laie wird sicherlich denken „+3, +5 Grad im Mittel – das ist doch erträglich. Ob ich jetzt 20 oder 25 Grad habe.“ Ist es aber eben nicht. Es sind dann eben statt 20 satte 30 bzw. 35 Grad Tagesmax. ^^
      Das kann man auch selbst sehr gut überprüfen, wenn im Frühjahr oder Sommer die Temperaturdiskrepanz zwischen einzelnen Regionen sehr hoch ist. Tagesmax. notieren für einen Ort, dann vergleichen und am Ende die Mitteltemperatur für den Monat heranziehen.

  • HaMa1975
  • Darth Vader

    Vader ist erzürnt! Was soll diese Warmwetterphase jetzt wieder? Und der Blick auf die lokalen Aussichten sehen sehr düster aus. Am Wochenende werden wieder Temperaturen von 10-12 Grad erwartet….. plus Sonne pur.
    Ich war ende letzter Woche im Engadin (Garant für Winter und Kälte) und bis 2000 Meter nur grün gesehen! Die Leute vor Ort machen sich echt Sorgen denn eigentlich hat nun die Ski-Saison in den ersten Regionen angefangen. Mit massiven Einsatz von Schneekanonen hat man dann eine ganz schmale Spurt gemacht, die dann am Tag beinahe wieder wegschmilzt. Traurig, traurig.
    Dann ganz weit oben auf dem Pass sah es schlussendlich so aus, wie es im Tal hätte aussehen müssen.

    • lol was heißt hier am Wochenende? Hier waren es gestern schon exakt 14,0 Grad. Im Schatten. Aktuell 12 Grad ….
      Hinten raus gibts immer noch Hoffnung in den Modellen. Aber das wird eine lange Wartezeit.

      • ok ich war jetzt bei 13.5 Grad in T-Shirt und kurzer Hose einkaufen…. Dezember mit 8 Grad lass ich mir ja noch gefallen, aber das? Mir langt’s!

  • McWuerg

    Endlich mal ein richtig schöner November. So könnten in Zukunft alle diese Schmuddelmonate werden. Auf Nasskalt,dauergrau und Dauernebel kann ich gern verzichten. Gute Sturmlagen waren auch dabei,was will man mehr?
    Naja und als „Hitze“ kann man die Monatstemperaturen wohl auch nicht bezeichnen. Hitze ist ab 25°C aufwärts…

    Ich hasse dieses Wetter was „dazwischen“ ist. Enweder es ist so wie es gerade ist oder richtig Winter. Dem kann man auch schöne Seiten abgewinnen…

    Apropos richtig Winter: der hat noch nichtmal angefangen und hier wird schon gejammert. Die kältesten Winter kamen meist Ende Januar,Anfang Februar nach zuvor ziemlich milden Monaten.

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