Bald ein Gut, kostbarer als alles Gold der Welt: Eis.
Bald ein Gut, kostbarer als alles Gold der Welt: Eis.

Die nächsten „Überraschungen“ in der wissenschaftlichen Presse.
Wie ich bereits öfter angemerkt habe, hat die wissenschaftliche Methodik eine Art von „Überseriositätstrauma“. Zwar führt die Methodik der Falsifikation zu qualitativ hochwertigen Erkenntnissen, aber auch zu der psychologisch fatalen Entwicklung, dass Wissenschaftler absolut risikoscheu sind, was Prognosen für die Zukunft angeht.

Keiner möchte sich öffentlich zu weit aus dem Fenster hängen und am Ende als „Alarmist“ gelten, obwohl (auch wenn es sich surreal anfühlt) mit der Klimakatastrophe ein globales Apokalypseszenario sich mit jedem Jahr und jedem Jahrzehnt nähert.
Dies führt zu einer massiven Unterschätzung der Folgen der bereits Fahrt aufnehmenden Klimakatastrophe und zu regelmäßigen Meldungen von „Überraschungen“, die allesamt nur in eine Richtung führen: Neue Erkenntnisse zeigen, dass die Klimakatastrophe in allen Detailpunkten immer schlimmer und schneller wird. Beinahe jedes Jahr werden die Prognosen der Erwärmung und der Eisschmelze nach oben und nicht nach unten korrigiert, während Forscher inoffiziell unter der Hand Szenarien sehen, die sie ebensowenig wissenschaftlich belegen können wie ein Meteorologe das Wetter in 17 Tagen, die aber dennoch in hohem Maße (im Unterschied zum Wetter, da es sich hier um Klima handelt) wahrscheinlich sind.

Zu den bisherigen „Überraschungen“ gehörte die Entdeckung von „schwarzem Eis“, das die Eisschmelzrate deutlich erhöht und das nicht in den Projektionen der globalen Eisschmelze berücksichtigt worden war. Die Wolken galten lange Zeit als Bremser der Klimakatastrophe, da sie Sonnenstrahlen reflektieren. Nun fand man heraus, dass die Wolken vertikal anwachsen und dadurch die Klimakatastrophe in der Summe durch eine Stärkung des Treibhauseffektes vorantreiben, ähnlich wie auf der Venus.
Die Eisschmelzraten wurden schon dutzende Male nach oben korrigiert durch „Überraschungen“ wie unterseeische Warmwasserströmungen, die sich aus der Klimakatastrophe ergeben. Auch die Seen der Welt warteten mit „Überraschungen“ auf: Sie erwärmen sich 3 bis 4 mal schneller als die Landflächen und tragen durch Methanausgasung ebenfalls massiv zum Treibhauseffekt bei.

Nun lesen wir von zwei weiteren „Überraschungen“, die den aktuellen, galoppierenden Status einer globalen Klimakatastrophe im Detail unterstütz(t)en: Der Boden als Kohlenstoffsenke und (mal wieder) die Eisschmelze in Grönland in Zusammenhang mit der Hebung der dortigen Landfläche.

(1) Der Boden nimmt deutlich weniger Kohlendioxid auf als erwartet

Der bisherige Forschungsstand bestand in der These, dass der Boden in den letzten 450 Jahren Unmengen ans Kohlendioxid gespeichert habe.
Dies geschieht auf sehr nachvollziehbare Weise: Pflanzen veratmen das CO2 und lagern es in ihren Zellen an. Stirbt die Pflanze, gelangt das CO2 über die verrottenden Bestandteile in den Boden. Nach und nach reichern sich immer weitere Schichten absterbender Pflanzen mit jeder Vegetationsperiode an und „vergraben“ so über die Zeitenläufte quasi das Treibhausgas CO2 in den tieferen Boden.

Humusboden: Als CO2-Senke und Helfer gegen die Klimakatastrophe deutlich überschätzt! © <a target="_blank" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Humus#/media/File:Schwarzerde_Tongrube_Asel_100_0553.jpg">Wulf Grube, hochgeladen von AxelHH auf commons.wikimedia.org</a>, Lizent: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en">CC BY-SA 3.0</a>
Humusboden: Als CO2-Senke und Helfer gegen die Klimakatastrophe deutlich überschätzt! © Wulf Grube, hochgeladen von AxelHH auf commons.wikimedia.org, Lizent: CC BY-SA 3.0

Genauere Untersuchungen ergaben jedoch nun eine der üblichen „Überraschungen“: Mit Hilfe von genaueren Radiokarbondatierungen gelang der Nachweis, dass der Boden die Mengen an CO2 nicht in 450, sondern in 3100 Jahren angereichert hat. Mit anderen Worten: Der Zeitraum für die Speicherung des Kohlendioxids im Boden ist um ein Vielfaches länger als angenommen. Im Umkehrschluss ergibt sich daraus, dass die Speicherfähigkeit des Bodens für CO2 deutlich überschätzt wurde und der Boden als Faktor, der dem Treibhauseffekt entgegenwirkt, ebenso überschätzt worden ist.

Bereits 2003 hat dies Frank Hagedorn allerdings in einer Arbeit aus einer Detailanalyse für Schweizer Böden quasi vorweggenommen.
In dieser Studie zeigt sich, dass der Boden durch Humus große Mengen CO2 speichert, aber dass Mikroorganismen bereits im ersten Monat 10-15% davon wieder zu CO2 verstoffwechseln und es in die Atmosphäre rückgeführt wird!
Zudem würde der Boden als „Senke“, also dauerhafte Speicherung von CO2 überschätzt: „Die Autoren folgern daraus, dass das Potenzial von Böden als Senken für CO2 begrenzt ist, weil langfristig nur wenig neuer Humus entsteht.“

Somit fallen neben den Wolken auch die Böden als „Retter“ gegen die Treibhausgase aus. Welche „Überraschung“ …

(2) Die Grönländische Eisschmelze wird einmal mehr nach oben korrigiert

Anhand der Eisschmelze Grönlands kann man sehr gut die von mir kritisierte „Überseriosität“ der Wissenschaftler nachvollziehen oder auch die nur schleichende Erkenntnisgewinnung der Faktoren einer Eisschmelze in einer sich im Zeitraffersupertempo aufheizenden Welt.

Waren in den 1990er Jahren und bis etwa 2005 die Forscher noch hinsichtlich von Projektionen der Eisschmelze in Grönland sehr vorsichtig, so überschlagen sich seit einigen Jahren die Ereignisse. Diese wurden übrigens von Greenpeace bereits 1999 in Bezug auf Antarktis und Arktis vorhergesagt (hier ein Beleg der Thesen von 2004: https://www.greenpeace.de/themen/klimawandel/folgen-des-klimawandels/groenland-eisfrei-holland-verschwunden) und sie ernteten dafür kübelweise Spott: „Doch wie die Umweltorganisation auf ihr Horrorszenario kommt, bleibt ihr Geheimnis.“ (http://www.wissenschaft.de/archiv/-/journal_content/56/12054/1663641/Eiskalte-Widersprüche/ vom 01.07.2000)

Mittlere Lufttemperaturen in der Arktis über dem Mittel 1981-2010, welches bereits ca. 1 Grad zu warme Temperaturen zu 1961-1990 beinhaltet. Das Ergebnis: Eine Klimakatastrophe beispiellosen Ausmaßes.
Mittlere Lufttemperaturen in der Arktis über dem Mittel 1981-2010, welches bereits ca. 1 Grad zu warme Temperaturen zu 1961-1990 beinhaltet. Das Ergebnis: Eine Klimakatastrophe beispiellosen Ausmaßes.

Tatsächlich zeigte die Realität, dass die Eisschmelze einer Eigendynamik unterliegt, die den Eismassenschwund immer mehr beschleunigte. „Überraschungen“ wie das „schwarze Eis“ führten zu weiteren Steigerungsraten. Parallel dazu zeigte sich, dass die Klimakatastrophe eben eine Katastrophe und kein angenehmer „Klimawandel“ ist. Die Treibhausgase stiegen, die El Ninos vn 1996 und 2015 katapultierten die Erdkugel auf unfassbare Hitzewerte und die Eisschmelze scheint einen Kipppunkt bereits überschritten zu haben, der in der unausweichlichen Erhöhung der Meeresspiegel (allein beim Abschmelzen Grönlands auf gut 6 Meter über dem heutigen Stand) resultiert und allen Folgen, die damit einhergehen: Versalzung der Böden, Landverknappung bei gleichzeitig exponentiell anwachsender Weltbevölkerung, Versalzung des Grundwassers bei bereits heute zu geringen Trinkwasserbeständen, Unruhen, Kriege und gesellschaftliche Destabilisierung und Barbarei auf einem globalen Niveau.

Nun kommt ein Aspekt hinzu, den man ebenfalls bisher „überraschend“ nicht berücksichtigt hatte und der die Berechnung der Eisschmelze erneut nach oben katapultiert, damit auch den Zeitpunkt des Meeresspiegelanstiegs und der kompletten, traurigen Eisfreiheit Grönland deutlich näher rückt.

Der entscheidende Fehler in den Modellprognosen bisher war die Nichtberücksichtigung der „viskoelastische Hebung der Erdkruste“.
Durch den Eisverlust sinkt der Druck auf die entsprechende Regionen und wie bei einem Korken hebt sich mit dem nachlassenden Gewicht des schmelzenden Eises die Landmasse aus dem Meer. Zudem fand man heraus, dass unter Grönland sich ein Ausläufer eines Hotspots befindet, also eine Magmaansammlung, die die Lithosphäre ausdünnt. Dies hat weitere Korrekturen beim langfristigen Eisverlust Grönlands in der Vergangenheit zur Folge.

Insgesamt führt die Korrektur zu dem heutigen Ergebnis, dass aktuell nicht etwa „nur“ 253 Milliarden Tonnen pro Jahr schmolzen im Zeitraum von 2004 bis 2015, sondern 272 Milliarden Tonnen.

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die nächste Korrektur erfolgen wird, wenn die Ereignisse sich im Rahmen der ablaufenden Klimakatastrophe beschleunigen werden. Während für uns an den Rechnern das Ganze trotz der apokalyptischen Ereignisse sich recht abstrakt anfühlt, haben Passagiere auf einem Forschungsschiff kürzlich schockiert auf die Eisfreiheit der legendären „Nordwestpassage“ reagiert: http://www.wiwo.de/videos/news/kreuzfahrt-durch-die-nordwestpassage/14561310.html

Artikel
GeoHorizon: Boden nimmt weit weniger Kohlenstoff auf als erwartet
Waldwissen.net: Böden – Große Speicher, aber kleine Senken für CO2

Geo Horizon: Grönland verliert mehr Eis als gedacht
Zeit: Kleiner Rechenfehler – große Wirkung
Bildungsserver: Grönländischer Eisschild (Grundlagenartikel)




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  • HaMa1975

    „Überraschend“ realistischer und guter Beitrag. Viele Punkte sind schon seit Jahrzehnten bekannt, aber Spezies Mensch ist leider prädestiniert, Fakten konsequent zu ignorieren.

  • MINDERQUEST
  • MINDERQUEST

    Bald könnten die HÖCHSTtemperaturen die Nachttemperaturen ähneln! Das ist großartig! 😀

  • MINDERQUEST
  • Eisbär

    Meine Güte. Ich habe bisher allen Unkenrufen zum Trotz immer noch auf eine unwahrscheinliche Rückkehr zu alten Mustern geglaubt.
    De jüngsten Ereignisse und Forschungsergebnisse haben mich jedoch immer mehr daran zweifeln lassen.
    Deine apokalyptischen, wenn auch gut geschriebenen Artikel habe ich oftmals mit Absicht ignoriert, da ich nicht immer an das scheinbar nahende Unheil erinnert werden will und dennoch bekomme ich es so langsam mit der Angst zu tun.

    Natürliche Klimaschwankungen schön und gut, aber so langsam nimmt das Ganze eine Geschwindigkeit an, bei der mir nicht nur schwindelig sondern kotz übel wird.

    Das Schlimme ist für mich die Erkenntnis zu glauben dass der Zeitpunkt an dem wir überhaupt noch irgend etwas daran hätten ändern könnten verpasst zu haben.
    Selbst bei radikaler Co² Einsparung hat das ganze eine gewaltige Eigendynamik angenommen.

    Ich fürchte wir sollten die Tage, an denen noch alles einigermaßen beim Alten ist genießen und uns daran erinnern, dass wir womöglich zäher sind als wir glauben.
    Scheiß auf Hitze, wozu gibt es Klimaanlagen! :-p

  • Evgenij Mansurov

    Dank Wallpurga sind hier am kommenden Freitag -2°C bis + 4°C und soll auch ne Weile halten – wie geil ist dass denn! Werden wir doch noch entschädigt?

  • MINDERQUEST

    The fall is here, and is cold,
    shock your heart with so many colors…

    The fall is here, and is cold,
    shock your eyes with so many rain…

    The fall is here, and is cold,
    the temperature under 15 degrees…

    The fall is here, and is cold,
    the nights are cold & the days too…

    The fall is here, and is cold,
    the days are rainy & so fantastic…

    Ein Herbstgedicht, mal auf englisch!

  • Nie wieder unter 400 ppm… die Meldung ist so witzig, weil so brutal vorbei an der Realität, dass man die eigentliche Traurigkeit übersehen könnte…
    400 ppm werden nicht das Ende sein bei rasend ansteigenden Werten. Bald wird es heißen: „Nie wieder unter 500 ppm, 600 ppm“ etc. pp., denn sogar ohne die Menschheit würden die Werte weiter ansteigen, da die Klimakatastrophe sich durch die Atmosphärenerwärmung selbst nährt und weitere Kipppunkte fallen, die wiederum zur Steigerung von CO2 beitragen.
    http://geohorizon.juskis-erdbebennews.de/2016/10/04/co2-normalwert-nach-oben-korrigiert/

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