Der Mensch betreibt ein gefährliches Spiel: Über den Treibhausgaswahnsinn, eine sterbende Arktis und den schwächelnden Jetstream produziert er gefährliche Hitzewellen und andere Extremwetterlagen, die am Ende zu einem globalen Klimakollaps führen.
Der Mensch betreibt ein gefährliches Spiel: Über den Treibhausgaswahnsinn, eine sterbende Arktis und den schwächelnden Jetstream produziert er gefährliche Hitzewellen und andere Extremwetterlagen, die am Ende zu einem globalen Klimakollaps führen.

Dass die „Klimawandel“ genannte globale Klimakatastrophe zu höheren Bodentemperaturen durch eine gesteigerte Strahlungszunahme aufgrund des Treibhauseffektes führt, ist mittlerweile Allgemeingut.
Allerdings ist unser Planet keine zweidimensionale Fläche, wo die Sonnenenergie überall gleichmäßig auftrifft und dann gibt es ja da noch die Atmosphäre mit ihren gasbedingten Verzögerungen aus planetaren Rossbywellen und zu allem Überfluß dreht sich die Erde auch noch.
Was ergeben sich daraus für neue und äußerst bedrohliche Wettermuster?

Warum die sterbende Arktis den Jetstream beeinflusst

Der Jetstream ist ein Band starker Winde, das die Polarfront von den mittleren Breiten trennt. Diese Winde sind demzufolge zwischen 40 und 60 Grad nördlicher Breite anzutreffen und befinden sich sinnigerweise am beginnenden Übergang der („chaotischen“, wettergenerierenden) Troposphäre zur (ruhigen, vom Wetter losgelösten) Stratosphäre in etwa 9 km Höhe (entspricht 300 hPa Druck).

Jahrtausende lang war der Jetstream vermutlich stabil und sein Verlauf regelmäßig ohne größere Anomalien. Man könnte den Jetstream mit einem Gummiband vergleichen, das im Normalzustand kreisförmig über der Nordhalbkugel liegt, die polare Zone von den mittleren Breiten trennt und dabei gespannt wirkt. Tatsächlich ist es natürlich weniger ein Gummiband, sondern es vermischt die warme Luft der mittleren Breiten mit den kalten Luftmassen der polaren Zone und zerfasert teilweise dabei (bei den Bildern weiter unten im Jetstreamvergleich kann man das sehr gut sehen).

Darstellung der globalen Jet-Streams, U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration, Public Domain
Darstellung der globalen Jet-Streams, U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration, Public Domain

Bleiben wir jedoch bei dem Bild des Gummibandes.
Die „Straffheit“ des Gummibandes hängt von den Temperaturgegensätzen von arktischer Zone und mittleren Breiten ab. Je größer die Differenz, d.h. je wärmer die mittleren Breiten und je kälter die Polarzone, desto stabiler und ruhiger läuft der Jetstream. Denn aus den Temperaturgegensätzen wird der Jetstream schneller und von West nach Ost angetrieben. Aus ihm resultieren letztlich auch die Westwind-Wetterlagen (Westdrift), die Deutschland früher zumeist atlantisches, kühles und feuchtes Wetter bescherten.

Die Klimakatastrophe aber hat durch den Mensch nun Treibhausgase in die Atmosphäre gepumpt, deren Ausmaß innerhalb von nur einigen Jahrzehnten alles an Schnelligkeit übertrifft, was es in 4,6 Mrd. Jahren Erdgeschichte gegeben hat. Selbst sibirische Trappvulkane benötigten beim Massensterben des Perm zehntausende oder hunderttausende von Jahren für eine vergleichbare Emission.

Vergleich des Polarwirbels bei positiver und negativer Arktischer Oszillation
Vergleich des Jetstreams (weißer Rand) in schwachem, langsamen Zustand (oben) und stabilem, schnellem Zustand (unten.

Doch nicht nur die Schnelligkeit ist ein Zeichen für den globalen Selbstmord des Homo sapiens, sondern auch die Menge der emittierten Treibhausgase: Wir stehen an einem Punkt, bei dem wir mittlerweile die höchsten CO2- und Methanwerte seit mindestens 2, vermutlich aber seit etwa 14 Millionen Jahren messen, Tendenz stark steigend.

Die Folge ist eine Arktis, die im Zeitraffer schmilzt, 30 Grad zu hohe Temperaturen im Winter durch die sog. „Polare Verstärkung“ aufweist und mittlerweile mitten im arktischen Winter Plusgrade (!) verzeichnet.

Durch diese Hypererwärmung wird der Temperaturgegensatz von Arktis und mittleren Breiten reduziert. Dies wiederum hat Auswirkungen auf unser „Gummiband“, den Jetstream. Da sein „Motor“ aus Temperaturgegensätzen somit schwächer wird, „leiert“ das Gummiband und beult nach Süden aus. Mit andere Worten: Es produziert Troglagen, die aus einer Verlangsamung des Jetstreams entstehen. Wie bei einem Kinderkreisel, der mit abnehmender Geschwindigkeit immer mehr anfängt zu trudeln.

Erst in der Grafik wird deutlich wie abnorm der Anstieg der Treibhausgase und wie sehr er außerhalb natürlicher Entwicklungen steht: Hellgrau = Kohlendioxid; Schwarz = Methan, Rot = Bodentemperatur (2013 als Basis). © Reg Morrison auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY 2.5

Ein schwacher Jetstream führt zu Extremwetter

Der langsamer werdende und „ausbeulende“ Jetstream kann dabei mittels der Troglagen durchaus für Kälte in Deutschland sorgen, wenn der Trog günstig über uns liegt. Aber was oft vergessen wird im Jubeltaumel über meridionale (Nord/Süd ausgerichtete statt West/Ost) Wetterlagen ist, dass sich die Rossbywellen des Jetstreams dadurch nicht mehr weiterbewegen.

Darstellung des Jetstreams am 17. März 2017: Starke Windgeschwindigkeiten deuten auf einen stabilen, schnellen Jetstream; © <a target="_blank" href="http://www.meteociel.fr/modeles/gfse_cartes.php?jour=17&mois=3&annee=2017&heure=0&archive=1&mode=5&ech=6&runpara=0&carte=1">Meteociel.fr Archiv</a>
Darstellung des Jetstreams am 17. März 2017: Starke Windgeschwindigkeiten deuten auf einen stabilen, schnellen Jetstream; © Meteociel.fr Archiv

Diese fehlende Weiterbewegung kann unter bestimmten Bedingungen zu einem Hochschaukeln der Wetterbedingungen führen. Wenn keine Veränderung durch eine Weiterbewegung eintritt, dann verbleiben die Bedingungen und der Jetstream stationär.
Dies führt beispielsweise im Sommer zu extremen und hochgefährlichen Hitzesituationen wie 2003 mit damals 70.000 Hitzetoten in Europa. Was geschieht in solchen Fällen?

Wenn der Jetstream sich verlangsamt und einen Trog ausbildet, muss dieser nicht zwangsläufig über Europa „hängen“. In den meisten Fällen zeigen Studien, dass die Tröge leider westlich von uns auf dem Atlantik landen und östlich von uns in Osteuropa.

Darstellung des Jetstreams am 01. Juli 2015: Schwache Windgeschwindigkeiten verlangsamen den Jetstream und führen zu "Beulen" wie über Deutschland, die Afrikaluft aus Süden heranführen (an jenem Tag deutlich über 30 Grad). Im Sommer ist der Jetstream allerdings immer schwächer, verglichen zu den anderen Jahreszeiten; © <a target="_blank" href="http://www.meteociel.fr/modeles/gfse_cartes.php?jour=1&mois=7&annee=2015&heure=0&archive=1&mode=5&ech=6&runpara=0&carte=1">Meteociel.fr Archiv</a>
Darstellung des Jetstreams am 01. Juli 2015: Schwache Windgeschwindigkeiten verlangsamen den Jetstream und führen zu „Beulen“ wie über Deutschland, die Afrikaluft aus Süden heranführen (an jenem Tag deutlich über 30 Grad). Im Sommer ist der Jetstream allerdings immer schwächer, verglichen zu den anderen Jahreszeiten; © Meteociel.fr Archiv

Wir liegen dann in der gegenläufigen „Delle“ des Jetstreams zwischen zwei Trogsäcken. Dadurch wölbt sich der subtropische Hochdruckgürtel auf und die Lage östlich eines Troges führt entsprechend den Luftbewegungen südliche oder südwestliche Luftmassen nach Deutschland, sprich: Tropische Hitze im Sommer.

Nicht genug, bewegt sich nun aber aufgrund einer stationären Rossby-Welle der Jetstream nicht mehr weiter.  Das bedeutet: Wie im Bild links führt die Schlaufe zu einer Nord-Süd-Bewegung statt West-Ost und bei resonanten Rossby-Wellen kann eine solche Schlaufe sogar „stehen bleiben“. Sie bleibt. Für Wochen. Und die Wetterlage ändert sich nicht. Dadurch steigern sich die Temperaturen immer weiter bis zu Extremen wie 2003, 2006 oder 2015. Die Leiden und die Verzweiflung wachsen analog mit.

Normalerweise bewegt sich der Jetstream trotz geringer Geschwindigkeiten und Schlaufen weiter. Wie kommt es aber zu den stationären Rossbywellen, bei denen die Schlaufen für Wochen in dieser Form bleiben? Der Grund für das „Feststecken“ der Schlaufen liegt laut dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) in bestimmten Temperaturmustern am Boden, die aufgrund der Treibhausgasemissionen in die Atmosphäre um 70% zugenommen haben und eindeutig dem Menschen zuzuordnen sind. Sie lenken quasi den Jetstream in die abnormen Schlaufenlagen, die man im Bild oben sieht und verankern diese geradezu an Ort und Stelle – und leider ist Deutschland ein Zentrum solcher Extremwetterlagengenese.

In den Wetterkarten manifestieren sich solche Hitzelagen immer öfter in einer Omega-Lage: Ein Hoch über Deutschland mit Brüllhitze und links und rechts die Tiefdruckgebiete der benachbarten Troglagen. Ein solches System aus einem Hoch und zwei benachbarten Tiefs stärkt sich gegenseitig und kann über viele Wochen bestehen bleiben, wie beispielsweise im Horrorsommer 2003.

Ursache der stationären Rossby-Wellen und des verlangsamten Jetstreams: Der Mensch

Die immer mehr abnehmende Temperaturdiskrepanz zwischen Arktis und mittleren Breiten als Ursache des langsameren Jetstreams, der stationären Rossbywellen und der Extremwetterlagen ist also auf den Menschen und die Treibhausgasemissionen zurückzuführen.

Temperaturen in der Arktis über dem Mittel 1981-2010, welches bereits ca. 1 Grad zu warme Temperaturen zu 1961-1990 beinhaltet. Das Ergebnis: Eine Klimakatastrophe beispiellosen Ausmaßes.
Mittlere Lufttemperaturen in der Arktis über dem Mittel 1981-2010, welches bereits ca. 1 Grad zu warme Temperaturen zu 1961-1990 beinhaltet. Das Ergebnis: Eine Klimakatastrophe beispiellosen Ausmaßes.

Denn die Arktis erfährt im Rahmen der polaren Verstärkung aufgrund physikalischer Begebenheiten die Folgen der Treibhauseffekte deutlich stärker als beispielsweise der Äquator, wo die Auswirkungen rein auf die Temperaturerhöhungen bezogen am geringsten sind. Im Grunde genommen ist die Arktis damit eine Art Zeitmaschine für uns, weil sie uns aufzeigt, mit welchen Folgen wir in einigen Jahren auch in den mittleren Breiten zu rechnen haben. Dass die Temperaturmuster am Boden durch den erhöhten Strahlungsantrieb zu einer Verstärkung der Jetstream-Verlangsamung führen, stellt eine gefährliche Rückkopplung dar.

Wundern muss uns das mittlerweile nicht mehr. Allein die Tatsache, dass wir Treibhausgase in die Atmosphäre emittiert haben, die in Jahrzehnten einen künstlichen Zeitsprung von vielen Millionen Jahren erwirkt haben, ist bei näherer Betrachtung so wahnsinnig, dass sie kaum vollständig verstanden werden kann.

Wieviel mehr an Hitzeenergie (Watt pro Quadratmeter) kommt am Boden an? Faktoren der Erderwärmung, exemplarisch am Jahr 2005, Vergleichsjahr 1750; © "Komponenten des Strahlungsantriebs" by Arne Nordmann (norro) und Leland McInnes. Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/
Wieviel mehr an Hitzeenergie (Watt pro Quadratmeter) kommt am Boden an? Faktoren der Erderwärmung, exemplarisch am Jahr 2005, Vergleichsjahr 1750; © „Komponenten des Strahlungsantriebs“ by Arne Nordmann (norro) und Leland McInnes. Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/

Dass die Erde darauf mit einem Kollaps des Klimasystems zeitverzögert reagiert, ist völlig logisch, physikalisch nachvollziehbar und wir erleben die Anzeichen dafür zu hunderten. Von der Zeitraffer-Eisschmelze an den Polen mit einer eisfreien Nordwestpassage wo vor 150 Jahren noch englische Forscher reihenweise gestorben sind über globale Hitzewellen mit vielen Toten, einer Sterberate biologischer Arten die die Merkmale eines bereits erfolgenden Massensterbenereignisses aufweist bis hin zu einem immer schnelleren Meerespiegelanstiegs.

Eine klimatische Apokalypse klingt surreal, ist zum heutigen Zeitpunkt aber wahrscheinlicher als ein wie auch immer geartetes esoterisches Wunder, das von allein alle unsere klimatischen Probleme beseitigt. Die Frage ist nur, wann eine solche Apokalypse erfolgen würde. Ob schon 2026 durch eine polynomiale Steigerung der klimatischen Effekte oder doch erst 2100, das weiß derzeit niemand zu sagen – auch nicht die von der rasanten Entwicklung völlig überforderten Forscher.

Artikel
kaltwetter.com – Der Golfstrom schwächelt und Deutschland versinkt deswegen in Hitze?
kaltwetter.com – Hitzewellen werden durch Veränderungen des Jetstreams wahrscheinlicher
PIK – Wetter-Extreme: Menschheit verändert wahrscheinlich gigantische Luftströme
Scinexx – Mehr Wetterextreme durch gestörten Jetstream
Scinexx – Grönland: Rekordschmelze durch Jetstream-Welle




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