Caldera des Supervulkans Laguna del Maule, den ein See füllt; © NASA's Earth Observatory, Lizenz: CC BY 2.0
Caldera des Supervulkans Laguna del Maule, den ein See füllt; © NASA's Earth Observatory, Lizenz: CC BY 2.0

Laguna del Maule? Nie gehört? Dann geht es Euch wie mir.
Handelt es sich um ein tropisches Sofeten-Paradies? Weit gefehlt. Aber bevor wir weiter rätseln: Wozu haben sich Spezialisten im Web bereit erklärt, ihre Erkenntnisse freimütig zu teilen – in diesem Fall der mittlerweile bekannte deutsche Vulkanologe Marc Szeglat.

Die Laguna del Maule ist ein großer Vulkan. Er liegt zum größten Teil in Chile und der See ist ähnlich wie beim Toba oder dem Laacher See die mit Wasser aufgefüllte riesige Caldera (Krater) eines Supervulkans.
Der chilenische Vulkan liegt mit seinen Ausmaßen von 15 x 25 km unter denen des Yellowstone (ausführlicher Artikel zum Yellowstone von Marc Szeglat) und Toba, aber deutlich über dem Laacher See (ca. 1,2 x 2 km). Allerdings sagt die Größe einer Caldera nur bedingt etwas über die Ausbruchsstärke und die Magmakammer eines Vulkans aus, die von vielen Faktoren abhängt – wenn man so will, vom „Rezept“ aus Magma, Druckaufbau und Wasseranteil, die sich stetig ändern können.

Der Boden hob sich um 2 Meter

Bestimmte Bodenbereiche der Laguna del Maule haben sich seit dem Jahr 2007 angehoben. Das ist zunächst nichts Besonderes bei einem Supervulkan. So beobachtet man auch im Yellowstone-Nationalpark ein An- und Abschwellen der Bodenbereiche, die sogar mit bloßer Augenbeobachtung auffällt. Diese zyklischen Bewegungen wirken wie ein „Atmen“ des Supervulkans unter der Erde und stammen von Gasen, die sich aus dem Magma lösen und den Boden anheben, bevor sie durch den Boden diffundiert sind und der Boden sich wieder senkt, wenn der Druck der Gasblase nachlässt.

Allerdings: Die Bodenhebung der Laguna del Maule geht stetig weiter und sinkt nicht ab! Seit 2007 hob sich der Boden mit jedem Jahr um etwa 25 cm an, ohne dass eine Entlastung erkennbar gewesen wäre. Der Vulkan steht unter verstärkter Beobachtung, denn wenn dieser mögliche Supervulkan ausbricht, könnte dies sehr plötzlich und mit äußerster Gewalt geschehen.

Zwar ist nicht gesichert und nachgewiesen, dass eine Magmaansammlung die Ursache für die Bodenhebung ist, doch die Wissenschaftler sind sich in der Mehrheit einig, dass Gas allein nicht für diese Hebung über diesen Zeitraum verantwortlich sein kann. Statt dessen verhält es sich so, dass bei einem Vulkan noch nie so eine starke Bodenhebung beobachtet wurde, ohne dass er ausgebrochen wäre.

Wann ist eine Eruption zu erwarten und welche Folgen hätte dies?

Die Crux ist bei allen Vulkanen stets die Gleiche: Man kann nur die Indizien der Veränderungen messen und katalogisieren. Von Gasemissionen (hier vor allem CO2 und Schwefeldioxid) über Erdbeben und deren Art und Dauer bis hin zu Infrarotaufnahmen der Wärmeemission eines Vulkans und eben den Bodenhebungen.
Ob der Vulkan ausbricht, kann niemand sagen und es verhält sich hier ähnlich wie mit dem Wetter: Man kann nur Wahrscheinlichkeiten postulieren. Der Laguna del Maule kann also morgen schon mit einem VEI (Vulkanexplosivitätsindex) von 8 ausbrechen oder in einem Jahr quasi eine vulkanische Flatulenz von VEI 3 von sich geben und mit dem Miniausbruch den Druck der Magmakammer senken oder sich in 5 Jahren wieder ohne einen Ausbruch beruhigen.

Laguna del Maule: Die Idylle trügt. © <a target="_blank" href="https://www.flickr.com/photos/ruperthp/4322690217">Roberto Herrera Pellizzari auf flickr.com</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>
Laguna del Maule: Die Idylle trügt. © Roberto Herrera Pellizzari auf flickr.com, Lizenz: CC BY 2.0

Geht man jedoch davon aus, dass die Bodenhebungen ein deutliches Indiz für eine Eruption sind, dann könnte es in der Tat gefährlich werden. Denn der Laguna del Maule birgt in seiner Magmakammer vor allem rhyolitisches Magma. Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um hochexplosives Magma. Es hält Gase sehr gut und ist sehr zäh und dickflüssig (weil reich an Siliziumdioxid, kann man sich vereinfachend, wenn auch fachlich inkorrekt als „Sand“ vorstellen) und somit in der Lage, in der Magmakammer einen gewaltigen Druck aufzubauen. Das Gegenteil mafischer (oder basaltische) Lava entgast deutlich leichter und ist flüssiger in seiner Konsistenz.

Jegliche Ausbrüche unterhalb eines VEI 7 wären global beinahe bedeutungslos. Doch sollte die Eruption die errechneten Werte vorheriger Ausbrüche erreichen mit der Stärke VEI 7 oder gar 8, dann wären die Auswirkungen global – obwohl der Vulkan auf der Südhalbkugel liegt. Unabhängig von der Ausbruchsstärke wäre zudem entscheidend, wieviel Schwefeldioxid der Vulkan ausstößt und dies lässt sich nicht vorhersagen. So war der Ausbruch des Mount St. Helens sehr schwefeldioxidarm und damit nur wenig klimawirksam, während der Ausbruch des Krakatau 1883 als klassischer Ausbruch eines schwefelreichen Vulkanausbruchs, ja sogar als Maßstab gilt.

Während die Staubaerosole recht schnell von der Atmosphäre ausgewaschen werden, gelangt das Schwefeldioxid bei einer Eruptionssäule von mehr als 10 km Höhe in die Stratosphäre und verteilt sich rund um den gesamten Globus bei einer extrem starken Eruption. Dabei verbindet es sich mit Wassermolekülen zu Schwefelsäure. Diese Schwefelsäurewolken in der oberen Atmosphäre blockieren das Sonnenlicht und würden die Erde für die Dauer von zwei bis zwanzig Jahren (je nach Ausbruchsstärke) ein wenig (!) abkühlen.

Übersicht über Lava- und Gesteinsarten. X-Achse (unten): Anteil Siliziumdioxid im Gestein, Y-Achse (links): Gesteinsarten. Rhyolite (im Festzustand Granit) sind die dichtesten, zähflüssigsten und auch Siliziumreichsten Laven.
Übersicht über Lava- und Gesteinsarten. X-Achse (unten): Anteil Siliziumdioxid im Gestein, Y-Achse (links): Gesteinsarten. Rhyolite (im Festzustand Granit) sind die dichtesten, zähflüssigsten und auch Siliziumreichsten Laven.

Auch wenn Sofeten das gar nicht gerne hören: Ein solcher Vulkanausbruch wäre die Rettung für die Menschheit, denn eine Abkühlung von global 1-2 Grad würde für einige Jahre oder Jahrzehnte die Klimakatastrophe ausgleichen und der Menschheit würde kostbare Zeit geschenkt, um für die Zeit nach Abklingen der vulkanischen Abkühlung das Klima weiter verbessern zu können. Mit anderen Worten: Ein Vulkan stellt im Grunde eine Art natürliches Geo-Engineering da und letztlich ist die Summe der Vulkanemissionen immer ein fester Faktor des Erdklimas. Würden die jährlich 60 kleineren Eruptionen verschwinden, würde sich die Erde schlagartig noch schneller erwärmen, als es ohnehin durch den anthropogenen Einfluss geschieht.
Da der Laguna del Maule in den Anden in einer recht unbesiedelten Gegend liegt, wäre ein Ausbruch auch hinsichtlich der örtlichen Gefährdung das ideale Klimainstrument. Ein Schutz der Bevölkerung ist durch die wissenschaftliche Dauerbeobachtung des Vulkans zudem ebenso gesichert, vergleichbar dem Ausbruch des Pinatubo 1991.

Behalten wir aber hinsichtlich der Eruptionswahrscheinlichkeit im Gedächtnis, dass ein großer Vulkanausbruch extrem selten ist und daher auch letztlich unwahrscheinlich bleibt. Erst wenn sich die Indizien beim Laguna del Maule weiter verstärken, würde das Thema interessant. Trotz dieser rationalen Einschätzung ist es auch möglich, dass der Vulkan dennoch völlig überraschend ausbricht und vielleicht dann sogar mit der 100-fachen Gewalt des Ausbruchs des Mount St. Helens in den USA im Jahr 1980.

Themenbezogene Artikel

Vulkane.net (Marc Szeglat): Laguna del Maule: Starke Bodendeformation
Scinexx (2014): Mega-Vulkan kurz vor dem Ausbruch?
Kaltwetter.com: Gibt es mehr oder weniger Vulkanausbrüche durch die Klimakatastrophe?
Kaltwetter.com: Wieviel Einfluss haben Vulkanausbrüche auf das Klima?
Kaltwetter.com: Die Klimakatastrophe aktiviert Gletschervulkane
Kaltwetter.com: Wieviel tragen kleinere Vulkanausbrüche zum Klimaschutz bei?

  • Nun, eine Supervulkaneruption ist kaum in Worte zu fassen. Daher lasse ich Bilder sprechen (realistisch umgesetzter hypothetischer Yellowstone-Ausbruch): https://youtu.be/aVUx1JtT-5I

    • Eisbär

      Würde man bei uns von diesem unmittelbaren Ereignis bei eigentlich etwas spüren oder sehen?

      • Vermutlich nicht. Andererseits war beim Ausbruch des Krakatau glaube ich war es, der Explosionsknall in tausenden Kilometern Entfernung zu hören. Später, wenn sich das Schwefeldioxid zu Schwefelsäure in der Stratosphäre verbunden hat, werden die Sonnenuntergänge schwefelgelb, wie auf den Gemälden, die im 19. Jahrhundert ein Maler angefertigt hat nach dem Ausbruch des Tambora oder Krakatau.

        Das gilt für weit entfernte Supervulkane (Yellowstone in den USA und Toba auf den Philippinen). Was viele vergessen ist, dass auch wir 2 Supervulkane haben: Die Phlegräischen Felder beim Vesuv in Italien und die Eifel. Letzterer wird wohl trotz Zunahme der Entgasung im Laacher See in den kommenden 50.000 Jahren nicht ausbrechen. Bei den Phlegräischen Feldern ist es nicht sicher.
        Von so einem Ereignis wären wir direkt betroffen mit Ascheregen, Schlammlawinen etc.
        Ein Supervulkanausbruch würde die Welt beenden, wie sie existiert, vor allem wenn es in einer modernen Zivilisation wie den USA geschieht. Weniger durch die Abkühlung als vielmehr durch den Zusammenbruch von Wirtschaft und Gesellschaft und die dadurch ausgelösten globalen Krisen bzw. die Verschärfung derselben, aus denen ja mittlerweile eigentlich die gesamte Welt besteht …

    • Alptraum der Sofeten

      Aber das mit der Schneebedeckung am Ende kann doch gar nicht stimmen oder?

      • Das ist kein Schnee, das ist Asche ^^ Und durch die Abkühlung wird es natürlich im Winter wieder schneien durch eine anfangs massive Abkühlung, die sich später normalisieren wird. Das heißt aber nicht, dass es im Sommer schneit 😉

        • Alptraum der Sofeten

          Ach so das soll Asche darstellen. Aber es war so schön weiß. Danke 🙂

  • Asaad Chneker

    Hoffentlich fliegt das Ding in die Luft. Will nicht in einem 8ter Mildwinterblock gefangen sein^^. Nein Geld für Russland oder Kanada ist (noch) nicht vorhanden^^

    • haha Willkommen im Club der (materiell) Armen 😉 Also der Tag an dem ein Supervulkan ausbricht, an dem wird gefeiert 😉

  • Alptraum der Sofeten

    Wieder was neues über Vulkane, klasse. Ich kann mir das aber ehrlich gesagt gar nicht vorstellen mit solchen oder ähnlichen Globalen Katastrophen. Wenn es kühler wird durch einen Ausbruch dann nur her damit 😀
    Interessant was alles noch so passieren kann und wird. Die Zeit ist einfach nicht in Worte zu fassen!

    • Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Ich schwanke da extrem zwischen Angst vor den Folgen (weil ein Supervulkanausbruch nun einmal eine globale „Katastrophe“ ist) und der Lust am Untergang sowie der faktischen Rettung vor der Klimakatastrophe und auch noch der Neugier, Zeuge eines solchen Jahrtausendereignisses zu sein.
      Letzten Endes geht es aber nicht nach Wunsch. Wenn’s passiert, dann passiert’s und dann haben wirs. Mit allen Vor- und Nachteilen.

  • Herrmann Walhalla

    Für mich auch extrem faszinierend und beunruhigend zugleich. Sehr aufschlussreich zusammen gestellt, vielen Dank!
    Kleine Anmerkung bzw. Frage: War ’95 auf Sumatra, am Toba-See. Ist ein Kratersee des gleichnamigen Vulkans. Der von Dir, Kaltwetter, angesprochene Toba-Vulkan liegt auf den Philippinen. Gibt’s da 2 von der Sorte gleichen Namens?

  • Fernando76

    Die guten Vulkane. Sie tauchen immer wieder auf, in letzter Zeit überraschender Weise erfreulich vermehrt in interdisziplinären Forschungsarbeiten, bei denen Klimatologen und Historiker zusammenarbeiten, so auch bei den Büchern, die es aus aktuellem Anlass über den Tambora gibt. Wenn ich an den Geschichtsunterricht in der Schule denke, hat man zwar ausführlichst die Folgen der napoleonischen Kriege oder die Vorgänge um die französische Revolution erläutert, keinerlei Hinweise aber auf klimatologische Kapriolen und deren mögliche Ursachen erhalten (Laki-Krater, Tambora, Extrem-Winter 1783/1784). Es ist schön zu sehen, dass da mittlerweile ein grundlegender Wandel eingetreten ist.

    So auch in folgendem Artikel gut zu lesen:

    http://www.spektrum.de/news/drei-vulkane-beendeten-die-antike/1398776
    Wir brauchen einfach einen VEI7 😉
    Liebe Grüße und @Kaltwetter: Influenza mittlerweile überstanden? Der letzte Bericht über Dein persönliches Major Warming hat sich gar nicht gut angehört……