© U.S. Fish and Wildlife Service Southeast Region auf flickr.com, Lizenz: CC BY 2.0
© U.S. Fish and Wildlife Service Southeast Region auf flickr.com, Lizenz: CC BY 2.0

Zum vorerst letzten Mal werde ich in einem Sonderartikel den El Niño begutachten.
Denn der El Niño hat seinen Höhepunkt überschritten und wird sich nun langsam reduzieren, bis ihm voraussichtlich im Juni 2016 die Luft ausgeht und der ENSO-Status in den neutralen Bereich wechseln wird.

Der weitere Verlauf des El Niño im Detail

Da das australische Bureau of Meteorology seine Seite umgebaut hat und sich die Prognosen der NOAA bzgl. El Niño als sehr zuverlässig dargestellt haben, genügt die aktuelle Darstellung der NOAA zum weiteren Verlauf des El Niño:

Temperaturentwicklung des El Nino in Region 3.4 (Zentralpazifik); © <a href="http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/people/wwang/cfsv2fcst/images3/nino34MonadjPDFC.gif">NOAA</a>
Temperaturentwicklung des El Niño in Region 3.4 (Zentralpazifik); © NOAA
Zonen beim El Nino: 1.2 = Küste (Eastern Pacific = EP); 3.4 = Zentralpazifik (Central Pacific = CP).
Zonen beim El Niño: 1.2 = Küste (Eastern Pacific = EP); 3.4 = Zentralpazifik (Central Pacific = CP).

Die Region 3.4 auf dem Zentralpazifik ist derzeit entscheidend für den Status des El Niño, da hier die wärmeren Temperaturen vorherrschen – es handelt sich bekanntlich um einen CP El Niño, wo die Temperaturen weit auf dem Pazifik (Zone 3.4) höher sind als an der Küste Südamerikas (Zone 1+2).
Ungefähr im Juni 2016 dürfte der El Niño die Schwelle von 0,8 Grad Celsius Temperaturanomalie unterschreiten und damit offiziell enden – das bedeutet leider noch Auswirkungen auf den Frühling und Sommer … Die Bandbreite der Entwicklungsmöglichkeiten ist unabhängig von dem Ende des El Niño jedoch noch sehr groß, wie man an der Streuung der möglichen Verläufe sehen kann.

Die Temperaturen der Region 1+2 an der Küste Südamerikas werden noch schneller absinken, was jedoch irrelevant ist, da sich der El Niño im CP-Status befindet und immer nur die Temperaturen zählen, die in einer der beiden Regionen am stärksten sind.
Auch an der Küste wird natürlich die Temperatur sich abschwächen, sogar deutlicher als in Zone 3.4.

Temperaturentwicklung des El Nino in Region 1.2 (Ostpazifik an der südamerikanischen Küste); © <a href="http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/people/wwang/cfsv2fcst/images3/nino12Monadj.gif">NOAA</a>
Temperaturentwicklung des El Niño in Region 1.2 (Ostpazifik an der südamerikanischen Küste); © NOAA

 

Folgt auf die El Niño-Hitze jetzt eine Abkühlung mit einem La Niña?

Nein und nochmals nein.
Weder ist es zwangsläufig, dass ein La Niña auftritt noch ist eine Abkühlung im Sinne von sinkenden Tagestemperaturen in Deutschland damit verbunden, selbst wenn La Niña käme.

Ungewohntes Bild nach dem Jahr 2015: Umkehr der Verhältnisse - La Nina bringt zu kühle Pazifiktemperaturen (NASA)
Ungewohntes Bild nach dem Jahr 2015: Umkehr der Verhältnisse – La Niña bringt bald vielleicht zu kühle Pazifiktemperaturen, wie hier im Jahr 2008 (NASA)

Was ist realistisch zu erwarten?
1. Zunächst hat der El Niño leider noch bis zum Frühsommer Auswirkungen. Man darf zu recht davor zittern …

2. Wenn ENSO in einen neutralen Status übergeht, dürfte lediglich die Wahrscheinlichkeit für extremes Wetter sinken. Im Sommer ist durch die Klimakatastrophe, sprich die Treibhausgase und die maximale Sonneneinwirkung in der Jahreszeit die Chance auf Alptraumtemperaturen trotzdem massiv erhöht. 2003 gab es bekanntlich auch keinen El Niño, aber die Omegalage führte trotzdem zu 70.000 Hitzetoten in Europa.

3. Sollte ein La Niña kommen, dann erfolgt dies frühestens mit einer dreimonatigen Verzögerung, bis die ENSO sich von einem neutralen Zustand in einen La Niña mit dann zu kühlen Temperaturen vor der Küste Südamerikas melden könnte. Eine Abkühlung* in Europa ist damit nicht direkt verbunden, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit westdriftorientiertes, warmes, aber nasseres Wetter* und – Überraschung – eine nahezu Garantie für Mildwinter.
Allerdings steht der Niedrigstand der Sonnenflecken dem entgegen, der meridionale Wetterlagen mit einer Blockade der Westdrift unterstützt und damit Kaltwetterlagen. Man wird also sehen müssen, wie sich diese beiden gegensätzlichen Grundmuster verhalten und in welchem Wetter sie dann unter Einschluss der Großwetterlage münden.
Wie sich ein La Niña im Detail auswirkt, werde ich dann zu gegebener Zeit im Sommer oder eher Herbst 2016 darstellen, wenn sich abzeichnen sollte, dass es tatsächlich einen La Niña geben wird.

Für ganz Neugierige vielleicht ein Hinweis: Nach dem letzten El Niño 1997/98 erfolgte nach dreimonatiger Verzögerung ein ausgedehnter La Niña. Die Temperaturen in Deutschland kühlten nicht herunter, wenngleich sie auch keine neuen Hitzerekorde produzierten. Gleichzeitig gab es eine Reihe von Mildwintern im Zeitraum des La Niña (wer möchte, kann dies bei der Wikipedia-Zeitreihe der Lufttemperaturen in Deutschland sehr gut vergleichen).

Lebensgefährlicher Hitzeterror im Sommer 2015 durch El Nino. © <a target="_blank" href="https://www.flickr.com/photos/anoushdehkordi/2597420553">Ash Photoholic</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>
Lebensgefährlicher Hitzeterror im Sommer 2015 durch El Niño. © Ash Photoholic, Lizenz: CC BY 2.0

Bleibt festzuhalten, dass der El Niño das Klimajahr 2015 zu einer radikalen Achterbahnfahrt gestaltet hat und es das Klimaereignis schlechthin war. Er hat auch bewiesen, dass er sehr wohl Auswirkungen auf Europa hat, was vorher bezweifelt worden war. Zum Einen wirkte er sich über die Systematik der „bipolaren Telekonnektion“, wie auch generell via Radikalisierung von Temperaturregionen aus, die entweder viel zu heiß oder (seltener) zu kühl daherkamen.
Dass Europa ausgerechnet im Sommer inmitten einer glühenden El Niño-Herdplatte lag, kommt zu unserem Pech im Winter dazu, in dem es trotz guter Vorzeichen anscheinend keinen Schnee und konstante Wintertemperaturen mehr gibt.

Nach diesen grausamen Erfahrungen kann man nur hoffen, dass El Niño nicht immer öfter auftauchen wird, wie Forscher befürchten, sondern dass mindestens wieder 18 Jahre ins Land gehen bis zum nächsten Hitzehorror, dann ohnehin gesteigert durch die immer weiter fortschreitende Klimakatastrophe durch steigende Kohlendioxidwerte (aktuelle Werte).

Gesammelte Artikel aus dem Hause kaltwetter.com zum El Niño (zeitlich absteigend, d.h. neueste zuerst)
UPDATE EL NIÑO: VORGLÜHEN IM POLARWIRBEL – ZÜNDET BALD DAS WARMING?
UPDATE EL NIÑO: ZENTRALPAZIFISCHER CHARAKTER DEUTET AUF KALTWINTER 2015/16
EL NIÑO – DIE GUILLOTINE DER MENSCHHEIT? DAS KLIMAPHÄNOMEN SOLL HÄUFIGER UND STÄRKER WERDEN
UPDATE EL NIÑO UND PROGNOSE WINTER 2015/16: VON DR. JEKYLL ZU MR. HYDE
KLIMABILANZ AUGUST 2015 (GLOBAL): DIE EL NIÑO-KATASTROPHE
KLIMABILANZ (GLOBAL) JULI 2015: IM ZEICHEN DES EL NIÑO
UPDATE EL NIÑO: DER EL NIÑO WANDELT SICH. HITZE ODER KÄLTE IM HERBST?
KLIMABILANZ JULI 2015 (DEUTSCHLAND): DER EL NIÑO-SOMMER DES HITZETODES
EL NIÑO UND DIE WIRKUNG AUF EUROPA: DIE BIPOLARE TELEKONNEKTION
UPDATE EL NIÑO: IMMER STÄRKER!
UPDATE EL NINO: STABIL UND AUSSERGEWÖHNLICH
EL NIÑO UPDATE: REKORD-SENSATION IN DEN MODELLEN!
UPDATE EL NIÑO: FORSCHER AHNUNGSLOS ÜBER DIE AUSWIRKUNGEN AUF UNSEREN SOMMER
FÜHRT DER MEGA-EL NIÑO ZU EINEM HORROR-SOMMER?
EL NIÑO 2014/15 WIRD NUR SCHWACH AUSFALLEN
EL NIÑO – EIN ÜBERBEWERTETES KLIMAPHÄNOMEN?

  • Peter

    Hallo Michael!

    Es scheint wirklich so, dass egal was El Nino etc. machen, dass wir nur zwischen Extremhitze und kein Winter, oder Hitzehorror und Mildwinter die Wahl haben. Traurig, aber vermutlich wahr…

    Liebe Grüße

    Peter

    • So siehts aus, aber ich denke das Wetter wird sich nach El Niño wieder normalisieren im Sonne eines Verschwindens der radikalen Wechsel und Super-Extreme. Da die Klimakatastrophe natürlich weitergeht, werden also wohl Horrortemperaturen im Sommer trotzdem kommen. Aber letztlich ist das Wetter trotz der schlimmen äußeren klimatischen Rahmenbedingungen im meteorologischen Detail auch für (Kälte-)überraschungen gut. Darauf hoffen wir ja ^^

      • Peter

        Was sagst Du übrigens zu den Kaltläufen von CFS im Juli und August, oder habe ich da bei Meteociel was falsch eingestellt? Temperaturen, Anomalien 2m.

        • So weit schaue ich nicht, ganz ehrlich, das ist Wahrsager-Glaskugel ^^
          Schon der Blick in den Frühling ist eigentlich nicht seriös, aber könnte man noch halbwegs rechtfertigen mit einer Analyse der klimatischen Rahmenbedingungen und da siehts nach einem warmen März und einen kalten April und eisigen Mai aus: http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/CFSv2/htmls/euT2me3Mon.html
          Was wirklich kommt, werden wir abwarten müssen und das hängt dann letztlich von der meteorologischen Wetterlage ab. Der El Nino spielt ja leider auch noch bis Juni/Juli eine Rolle, insofern ist das alles so hypothetisch, dass es schon in den Zufallsbereich reingeht 😉