Die Gefahr einer Massen-Emission von Methan in den Ozeanen ist nun belegt worden. © Ian Burt auf flickr.com, Lizenz: CC BY 2.0
Die Gefahr einer Massen-Emission von Methan in den Ozeanen ist nun belegt worden. © Ian Burt auf flickr.com, Lizenz: CC BY 2.0

Ich hatte vor einiger Zeit die radikale These vorgestellt, nach der es möglich ist, dass die Menschheit sich einer Vernichtung schon im Jahre 2026 gegenübersieht. Kernpunkt der These: Der explosionsartige, massenhafte Ausstoß von Methan, der ab einer uns unbekannten globalen Erwärmungsschwelle erfolgen könnte, wenn das Methanhydrat in Permafrostböden und im Ozean gelöst würde. Artikel dazu: Der Klimagastresor Sibiriens steht vor dem Kollaps: Kommt das Unvorstellbare?.

Auch wenn die Methanwerte derzeit zwar ansteigen, sind sie doch von einer Masseneruption meilenweit entfernt.
Doch dass dies keine Science Fiction ist, haben Wissenschaftler nun erstmals belegt: Am Meeresgrund fanden sie Belege für eine Masseneruption von Methan in der letzten Warmphase vor 12.000 Jahren.

Riesige Krater am Meeresgrund

In der Barentsee im Nordpolarmeer haben Karin Andreassen von der Arktischen Universität Tromsø und ihre Kollegen hunderte gewaltige Krater entdeckt. Sie stammen aus dem Ende der Würm-Eiszeit vor 12.000 Jahren, als das Klima auf natürliche Weise sich erwärmte und der Homo sapiens dadurch sesshaft wurde. Wie in der Apokalypse-Theorie beschrieben wurde damals das feste Methanhydrat instabil, bildete große Blasen unter der Oberfläche und brach dann hervor.

Dabei spielen Druckverringerung und Erwärmung die entscheidende Rolle. Methan nimmt entweder durch Permafrost oder Druck die feste Form von Methanhydrat an, ist dabei aber hochgradig instabil. Es genügen klimatische Veränderung einer globalen Erwärmung, dass sich das Eis zurückzieht und dabei sowohl durch die Druckentlastung wie auch durch die Erwärmung selbst das Methanhydrat in Massen instabil wird und sich in Gas verwandelt.

Entsprechende Emissionen haben die Wissenschaftler auch heute noch gemessen. Die Emissionen sowohl vom Meeresgrund auf der ganzen Welt wie auch im Permafrost Sibiriens nehmen ständig zu – doch noch ist eine exponentielle Steigerung nicht erkennbar. Dies hängt unter anderem auch damit zusammen, dass Methan im Vergleich zu Kohlendioxid nur eine geringe mittlere Aufenthaltszeit in der Atmosphäre aufweist und relativ schnell abgebaut wird bzw. im Ozean bei Freisetzung oxidiert.

Ein Damoklesschwert aus Methan

Wann kommt es zur Katastrophe?

Die Methanwerte in der Messiung bei Mauna Loa (erfolgen global mit 3-monatiger Verzögerung) steigen und steigen, aber alles andere als exponentiell. Ist das beruhigend oder trügerisch? © <a target="_blank" href="https://www.esrl.noaa.gov/gmd/ccgg/trends_ch4/">NOAA</a>
Die Methanwerte in der Messung bei Mauna Loa (erfolgen global mit 3-monatiger Verzögerung) steigen und steigen, aber alles andere als exponentiell. Ist das beruhigend oder trügerisch? © NOAA

Genaue Daten können die Forscher trotz der klimatologischen Arbeit nicht nennen, denn es ist unbekannt, wo genau die Schwelle liegt, ab der Methan in globalem Maßstab unkontrolliert emittieren wird.
Hinzu kommt der Umstand, dass die gegenwärtige klimatische Katastrophe geologische Zeitskalen ad absurdum führt. Die Menschheit erwärmt den Planeten tausendfach schneller, als es je in der geologischen Geschichte passiert ist. Daraus ergibt sich ein extrem hoher Risikofaktor, da es nicht absehbar ist, wie schnell sich die Erde durch Rückkopplungsprozesse weiter erwärmen wird.

Außerdem sind die Folgen der anthropogenen Blitzerwärmung derzeit nicht abschätzbar. Es ist zumindest vorstellbar, dass eine plötzliche Methanapokalypse innerhalb von Jahren die Menschheit an das Ende ihrer Existenz auf der Erde führen könnte, wenngleich dies momentan noch nicht erkennbar ist.

Die Zahlen stimmen in jedem Fall nachdenklich. Es gibt ein geschätztes Vorkommen von 12 Billionen Tonnen Methanhydrat auf unserem Planeten (nach Angaben bei Wikipedia). Zur Einordnung: Das ist etwa das doppelte von allen vorhandenen Erdöl, Erdgas- und Kohlevorräten der Welt …

Die Erkenntnis der derzeitigen Forschung zeigt dabei auf, dass es weit mehr Methanhydratvorkommen auf unserem Planeten gibt, als einst vermutet wurde. Allein in Alaska wurden bei Probebohrungen Vorkommen von schätzungsweise 40-60 Milliarden Kubikmeter Methanhydrat entdeckt. Es wurden bereits von China sogar Abbauverfahren von Methanhydrat umgesetzt, da dieses als Energieträger der Zukunft nach dem Ende der Kohle- und Ölvorkommen gesehen wird. Beim Verbrennen von Methan, Stichwort „brennendes Eis“, wird das Methan umgewandelt, jedoch wird dabei auch das Treibhausgas Kohlendioxid frei. Zwar ist das Treibhausgaspotential von Methan im Vergleich zu Öl und Kohle geringer, löst aber bei weitem nicht das Klimaproblem, sondern behält es bei. Ein weiteres Potential besteht bei Methanhydrat somit weniger als Energieträger als vielmehr als ein weiterer, grandioser Irrweg der Menschheit.

Wissenschaftler wie James E. Hansen warnten bereits 1988 vor einer klimatischen Erwärmung auf globalem Maßstab, die allein durch den Menschen verursacht werde und keine natürlichen Schwankungen als Ursache habe. Im Stil der heutigen Epoche werden solche Menschen, die entgegen Interessen von Regierungen und Profitinteressen von Unternehmen mutig die Wahrheit verkünden, mit subtilen oder auch weniger subtilen Mitteln mundtot gemacht.

Die Methanvorkommen in Sibirien sind so groß wie alle anderen Vorkommen auf dem Planeten. Die Emissionen könnten ab einer unbekannten Erwärmungsschwelle explosiv ansteigen. © <a target="_blank" href="https://www.flickr.com/photos/vinny12/4406642299">vinny12 auf flickr.com</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>
Die Methanvorkommen in Sibirien sind so groß wie alle anderen Vorkommen auf dem Planeten. Die Emissionen könnten ab einer unbekannten Erwärmungsschwelle explosiv ansteigen. © vinny12 auf flickr.com, Lizenz: CC BY 2.0

Die Argumente und die von jedem im Internet überprüfbaren, seriösen wissenschaftlichen Daten lassen Menschen, die über den hinreichenden wissenschaftlichen Bildungshintergrund verfügen, das Damoklesschwert über unser aller Köpfen geradezu spüren, dass einem die Kopfhaut kribbelt.

Die Lage ist bedenklich. Die Indizien deuten auf zahlreiche kollabierende Elemente des Klimasystems, allen voran die hypererwärmende Arktis und die Folgen für die Permafrostböden Sibiriens. Hinzu kommen noch nahezu unberücksichtigte Folgen wie die in Sibirien ebenso vorhandenen 67 Milliarden Tonnen des dritten wichtigen Treibhausgases Stickstoffoxid (Artikel, englischsprachig).

Die gesellschaftliche Lage zeigt hingegen die typischen Merkmale der Menschheit: Ignoranz, Leugnen von faktischen Wahrheiten auf Grundlage von mangelhaftem Bildungshintergrund und nichtvorhandener Fähigkeit zur Selbstreflexion und die Präferenz von Profitgier und kurzsichtiger Gewinnmaximierung auf Kosten der Leben unzähliger Tierarten und nicht zuletzt des Lebens unserer Kinder und unser aller ungeborenen Nachfahren.

Noch scheint es „nur“ Indizien zu geben und die große Katastrophe in den Folgen ist noch nicht eingetreten, wenn man von massiven Hitzewellen, Dürren und Überschwemmungen einmal absieht. So ertappt man sich dabei, wie man an der über dem eigenen Kopf baumelnden Schneide des Damoklesschwertes ängstlich vorbeiblickt, um zu erkennen, ob das schwere Schwert von einem Ankertau gehalten wird – oder doch nur von einem Rosshaar …

Zugrundeliegender Artikel
Scinexx – Klimawandel: Drohen dramatische Methanausbrüche?

Thematisch relevante Artikel (kaltwetter.com)
Der Klimagastresor Sibiriens steht vor dem Kollaps: Kommt das Unvorstellbare?
Verwirrung um das Treibhausgas Methan

Internationaler Klimarat IPCC (2014): Die Klimagefahr vom Meeresboden




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  • Thomas U.

    Schöner Artikel, Danke!