© Leon auf kaltwetter.com
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Empfohlene Hintergrundmusik: Arvo Pärt – „Für Alina“.
Oder: Aran Zayne – „Memories of you“.

Winter.

Ein Wort nur. Das dennoch endlose Wunder beinhaltet. Den Zauber von Schneeflocken, die herunterschweben, als gäbe es keine Schwerkraft. Zu zart und zu schön, um von dieser Welt zu sein. Die beinahe unbemerkt erfolgende Metamorphose der Welt in ein Leichentuch von Trost und Stille, die uns in ihrer Anmut unbewusst mit dem bitteren Tod versöhnt. Zeigt der Winter uns doch, dass der Tod als Erinnerung an erlebte, aber vergangene Wunder im Leben immer in uns wohnt. Als bittersüßer Seelengeschmack an verlorene Liebe, an Momente erlebter, unverdienter Selbstlosigkeit, an kostbare Geschenke in der Zeit, von Kindern, Eltern – verloren und doch unvergessen, jene Erinnerungen, welche in die Seele tropfen wie Tau in Schnee.

Der Zauber des Winters ist in seiner Stille und Tiefe die Essenz der menschlichen Seele. Die Klimakatastrophe wird ihn uns nehmen, bis auch der Winter selbst nur noch eine Erinnerung sein wird; und die in ihm geborgenen Erinnerungen unserer Seele nur noch zu Schatten werden, die wir suchen und nie mehr finden können.

Auch der Winter 2016/17 ist damit der Auftakt eines Requiems, einer Totenmesse. Ein Requiem für einen alten, treuen Freund, den wir irgendwann werden ziehen lassen müssen, ob wir wollen oder nicht. Die Bilderinnerungen unserer Kaltwettergemeinschaft an den Winter sind somit nicht belangloses Festhalten von Erinnerungen der weißen Schönheit, sondern sie sind Beweise für erlebte Wunder – für eine Welt, in der unsere Kinder dieses Zaubers beraubt wurden und auf der Suche nach ihrer Seele ziellos umherwandern, ohne zu wissen, was der Welt fehlt. Die Wahrheit, die sie im Spiegelbild salziger Tränen schmecken, werden sie nur noch in Erinnerungen ahnen. Erinnerungen wie in den folgenden Bildern.

Alles still! Es tanzt den Reigen
Mondenstrahl in Wald und Flur,
Und darüber thront das Schweigen
Und der Winterhimmel nur.

Alles still! Vergeblich lauschet
Man der Krähe heisrem Schrei.
Keiner Fichte Wipfel rauschet,
Und kein Bächlein summt vorbei.

Alles still! Die Dorfeshütten
Sind wie Gräber anzusehn,
Die, von Schnee bedeckt, inmitten
Eines weiten Friedhofs stehn.

Alles still! Nichts hör ich klopfen
Als mein Herze durch die Nacht –
Heiße Tränen niedertropfen
Auf die kalte Winterpracht.
(Theodor Fontane)

(1) Blick zurück in weiße Wege

Ein verschneiter Weg hat stets etwas Geisterhaftes. Die Schritte knirschen im Schnee und zerschneiden die Stille. Das schritttickende Metronom gemahnt uns an die uns noch verbleibende Zeit auf Erden, aber auch, dass wir soeben einen der wundervollsten Momente im Leben genießen dürfen. Unweigerlich fragt man sich, wer vor uns diesen Weg gegangen ist und was er gefühlt, gedacht und geträumt hat … So ist es auch kein Blick in den Weg unserer Zukunft, sondern immer ein Blick der Wehmut und Nachdenklichkeit zurück.

  • Region: Rosenheim; © HP-Superzelle auf kaltwetter.com
  • Region: Österreich, Public Domain
  • Ort: Springe/Niedersachsen; © Karsten auf kaltwetter.com
  • Region: Rosenheim; © HP-Superzelle auf kaltwetter.com
  • Ort: Springe/Niedersachsen; © Karsten auf kaltwetter.com
  • Region: Slowakei, Public Domain
  • Region: Schwarzwald, beim Sonnenaufgang; © Ingo Gorges auf kaltwetter.com
  • Region: Freiburg, © Ingo Gorges auf kaltwetter.com
  • Ort: Springe/Niedersachsen; © Karsten auf kaltwetter.com
  • Region: Sonthofen, Public Domain
  • Region: Rosenheim; © HP-Superzelle auf kaltwetter.com
  • Region: Tschechei, Public Domain
  • Region: Slowakei, Public Domain
  • Ort: Springe/Niedersachsen; © Karsten auf kaltwetter.com

(2) Die unendliche Weiße der Zeitlosigkeit

Winterliche Ebenen fühlen sich so unendlich weiter an als in jeder anderen Jahreszeit. Kein optischer Stolperstein lässt das Auge verharren und auch nicht die Seele, die mit deren Hilfe die Welt schaut. Die gefühlte Endlosigkeit und Schönheit erinnert uns an unsere Sterblichkeit und daran, dass dieser Moment der Schönheit so kostbar und ebenso vergänglich ist, trotz und gerade wegen der erblickten Endlosigkeit, die doch unerreichbar ist für uns.

  • Region: Rhön, © Stefan auf kaltwetter.com
  • © AR auf kaltwetter.com

(3) Der Kuss der Sternentochter

Erst aus Gegensätzen erwächst große Schönheit und Anmut. Wenn der Weltall-Engel seine schwarzen, sterndiamantenübersäten Schwingen über die Erde ausbreitet wird der Schnee in seiner Schönheit geradezu schmerzhaft fühlbar. Und wenn die Flocken scheinbar der Gravitation trotzen und weniger aus physikalischer Notwendigkeit sanft schweben als vielmehr tausende Küsse uns schwerelos umgeben, dann ahnen wir, dass dereinst unsere Seele befreit werden wird und wir auf einer Heimdallbrücke aus Schneekristallen den Weg zu den Sternen finden werden …

  • Kirche St. Peter im Hochschwarzwald, © Ingo Gorges auf kaltwetter.com
  • Region: Rosenheim; © HP-Superzelle auf kaltwetter.com
  • Region: München; © Michaela Maier auf kaltwetter.com
  • Region: Nordbrandenburg; © Andreas auf kaltwetter.com

(4) Das blinde Auge Neptuns

Seen und Weiher sind wie die in den Himmel starrenden Augen des Gottes Neptun. Es heißt, man könne in ihnen Wunder erblicken aus der eigenen Vergangenheit, längst vergessen – wenn der Geist in den Wellen versinkt und eins mit dem Gott wird.
Im Winter erstarren die Wasser und die Augen Neptuns werden blind. Wie durch einen Zauber sind die Wellen erstarrt, der Fluss gestoppt, die Zeit ist angehalten. Und wenn Seen und Weiher auch ihre Magie des Blicks in die Vergangenheit einbüßen, so gewinnen sie einen neuen Zauber: Jenen eines Eisparketts im Schloss des Winters, in dem jeder von uns ein König ist, für eine kurze Weile.

  • Bodensee (Gnadensee); © Marcel auf kaltwetter.com
  • Bodensee (Gnadensee); © Marcel auf kaltwetter.com
  • Bodensee (Gnadensee); © Marcel auf kaltwetter.com
  • Bodensee (Gnadensee); © Marcel auf kaltwetter.com
  • Bodensee (Gnadensee); © Marcel auf kaltwetter.com
  • Region: Oberbergisches Land, © Leon auf kaltwetter.com
  • Bodensee (Gnadensee); © Marcel auf kaltwetter.com
  • Bodensee (Gnadensee); © Marcel auf kaltwetter.com

(5) Impressionen 1

Weitere, gesammelte Eindrücke des Winters 2016/17 von unseren Usern und aus dem Internet zeigen die Schönheit des Winters. Eine Schönheit, die stirbt auf lange Sicht. Umso mehr ist jedes dieser Bilder auch ein Gebet. Ein Gebet der Dankbarkeit für diese vergängliche Schönheit. Ein Gebet der Hoffnung, dass man uns Menschen nicht diese Wunder aus Eis und Schnee nimmt – trotz aller Anzeichen, dass wir selbst die Mörder der Eiskönigin Winter sind …

  • Region: Taunus; © Stefan auf kaltwetter.com
  • Bodensee (Gnadensee); © Marcel auf kaltwetter.com
  • Region: Taunus; © Stefan auf kaltwetter.com
  • Region: Taunus; © Stefan auf kaltwetter.com
  • Region: Landsberg/Lech; © Naturfreund auf kaltwetter.com
  • Region: Eifel; © Eifelhexe auf kaltwetter.com
  • Region: Taunus; © Stefan auf kaltwetter.com
  • Region: Allgäu, © Wifeti auf kaltwetter.com

(6) Impressionen 2

Im Hochbildformat wirken die Bildimpressionen unserer Nutzer wie Säulen der Erinnerung an unvergessliche, so überaus seltene und damit unendlich kostbare Zaubermomente in Eis und Schnee. In memoriam hiemis.

  • Ort: Springe/Niedersachsen; © Karsten auf kaltwetter.com
  • Region: Chemnitz; © buumms auf kaltwetter.com
  • Region: Chemnitz; © buumms auf kaltwetter.com
  • Region: Kleinhartpenning/Bayern, © Evgenij Mansurov auf kaltwetter.com
  • Ort: Harz, © Janek K auf kaltwetter.com
  • Ort: Springe/Niedersachsen; © Karsten auf kaltwetter.com
  • Region: NRW, © Hayli auf kaltwetter.com

Was bleibt vom Winter 2016/17?

Auch wenn die Winterwunder vornehmlich im Bergland anzutreffen waren, so bleibt ein Gefühl tiefer, warmer Dankbarkeit für die kostbaren, seltenen Momente. In der Klimakatastrophe wird das Verhältnis von Menschen mit einer Seele im nichtsofetischen Leib und dem Winter immer mehr das tiefe, innige und intime Verhältnis von Liebenden. Und der Preis, die grenzenlose Schönheit erblickt zu haben und damit auch die tiefsten Geheimnisse des Universums, findet sein grausames Gegengewicht in der Gewissheit, dass diese Winterwunder immer seltener werden. Es ist der Situation nicht unähnlich, wenn die Liebe unseres Lebens über eine Klippe gestürzt ist und wir sie gerade noch an der Hand fassen können, um den tödlichen Sturz aufzuhalten. Doch wir merken, wie uns die Hand entgleitet und dass dies die letzten Sekunden sein werden, bevor SIE sterben wird und damit all das, wovon unserer Seele zehrt und lebt: Der melancholischen Schönheit des Winters, deren seltene Tage sich jeder einzelne anfühlt wie die erste und letzte Liebe unseres Lebens.

Danke an alle User von kaltwetter.com, die sich als Historiographen des Schönen betätigt und die Bilder zur Verfügung gestellt haben.





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  • Andreas

    Den Rückblick habe ich gleich mal unter Lesezeichen abgespeichert. Schöne Erinnerungen zum Zurückziehen, wenn die Gluthitze uns in einigen Monaten (oder eher Wochen) wieder beginnt zu foltern…

  • Evgenij Mansurov

    Sehr schön gesagt, Michael,

    Ich bin schon mal für die (leider nur wenige) Tage dankbar – als ich den Sunset bei uns zuhause
    auf diese Weise geniesen dürfte 🙂
    https://uploads.disquscdn.com/images/0a8915b55e88ccb84c3dbeb11db9dba181531ec8293ac6c215f846cabb9450ff.jpg

  • Stefan

    Hach ja, wie schön. Zum genießen und träumen :-))
    Irgendwie kommt mir das schon wieder so weit weg vor.

  • Leon

    Da ist dir ein Meisterwerk gelungen!!
    Ein dickes Lob an deine wunderbare Art die schönsten Erinnerungen zusammen zutragen
    und ein Dankeschön an alle die solch wunderbare Bilder gemacht haben!
    Und natürlich unendliche Dankbarkeit das uns unser Planet auch in sehr schlimmen Zeiten noch ein paar Wunder bereitstellt

    Das wird uns allen sicher besser durchs Jahr helfen als in den Vorjahren, wo nicht einmal Schnee in den Bergen lag.

  • Michael Bodin

    Sehr schöne Bilder. Vielen Dank an alle, die die Schönheit des Winters zur Verfügung gestellt haben.
    Und selbstverständlich an unseren Chef ein großes Dankeschön, dass er in langer Kleinarbeit das alles so zusammengestellt hat.

  • Roland Günther

    Sehr schöne Bilder… bei uns gibt es trotz digitalem Zeitalter immer noch analoge Jahres-Fotoalben. Für die Auswahl der Fotos bin ich zuständig, für die „künstlerische“ Gestaltung meine Frau. Meist schaffen es aber nur die Wintermotive in meine persönlichen Jahres-Charts. Nur in diesem Jahr sind blöderweise jede Menge mit blauem Himmel dabei…. Sommerfotos sind bei mir immer Mangelware, es sei denn wir waren auf einem Gletscher…https://uploads.disquscdn.com/images/176200599b8725087ee340596d53916595d13d3510d78bd934e21867ad32d321.jpg

    https://uploads.disquscdn.com/images/960f7cf421605607c840fa83d1e45d6cec7f3a238f96385c96652e6ba1599d7d.jpg https://uploads.disquscdn.com/images/0b3833bcc18707a4faceaa22cfbdd650f187da7f5c2755386b4332d44cbc1a22.jpg

    • Das Mittlere ist bereits Bestandteil der Fotos beim Artikel, ich glaube bei „Impressionen 1“ 🙂

  • Wow ! Sehr, sehr schön zusammengefasst. Bei den tollen Bildern wird man glatt neidisch 😉

  • Patrick

    Vielen Dank für das Zusammenstellen der Bilder und für den grandiosen Text dazu! 🙂 Laden definitiv zum Träumen ein, sehr schön sind sie geworden.
    Schade, dass es viel zu selten zu solchen besonderen Momenten im Jahr kommt.

  • Thomas

    Ein sehr gelungener Artikel mit wunderschönen Bildern , Ich träume bereits vom nächsten Winter 🙂

  • Stefan

    Ich habe mir die Bilder heute Abend nochmal in aller Ruhe angesehen. Toll. Vielen Dank für die super Arbeit, vor allem für die schönen Texte. Das Betrachten dieser wunderschönen Winterbilder hat für mich etwas sakrales. Also habe ich aus einigen Bildern ein kleines Video gebastelt. Kann ich das posten? Oder gibt es da irgendwelche Urheberrechtsprobleme?

    • Nein ich denke nicht, dass etwas rechtliches dagegen spricht. Alle verwendeten Bilder sind entweder Public Domain oder von unseren Freunden hier und ich denke nicht, dass letztere etwas dagegen haben. Ansonsten möchte sich jemand melden, der Einspruch erheben möchte, dann müsstest du das Video anpassen.

    • „Sakral“ passt wirklich perfekt für die Umschreibung der Gefühlslage. Genauso habe ich auch gefühlt, als ich die Bilder in Ruhe betrachtet habe bei Kerzenschein.

      • Stefan

        Deswegen habe ich für das Video auch so eine Art sakrale Musikuntermalung genommen. Damit habe ich aber ein bißchen Bauchschmerzen., denn bei dem ganzen Youtubezirkus und der Musik blicke ich nicht durch.

        • Bei der Musik musst du tatsächlich aufpassen. Ich habe für Videos im Rahmen meiner Buchtrailer immer nur freie Musik verwendet.
          Sehr gute freie Musik findest du auf:
          http://freemusicarchive.org/ und
          http://incompetech.com/music/

          Ich würde dir schon raten, freie Musik zu verwenden. Die gierigen Rechtsanwälte warten überall mit ihren Abmahnungen ^^

          • Bei incompetech kannst du sogar in der Suche nach Gefühlen gefiltert suchen ^^ http://incompetech.com/music/royalty-free/music.html

          • Beim freemusicarchive gibts auch eine Kategorie Choräle: http://freemusicarchive.org/genre/Choral_Music/

            Aber ich fürchte wenn du so wählerisch bist wie ich, wird es schwer ^^ Ich habe bei den Diashows oben im Artikel aus Lizenzgründen auch auf Musik verzichtet und sie lediglich am Anfang als Empfehlung in Linkform gepostet, hat schon seinen Sinn 😉

          • Stefan

            Ja, das ist ist Mist. Ich habe da was, das passt meiner Meinung nach perfekt und eben auch nur das ^^. Ist aber natürlich kommerzell. Von der Combo (die wahrscheinlich eh kaum einer kennt) schwirren zwar zienlich viel nicht offizelle Videos und Plattenmitschnitte bei YT herum, die auch alle spielen … aber ich weiß nicht so recht. Ich hatte es eben mal hochgeladen – gehen tut es. Wenn sie es einfach im Bedarfsfall nur sperren würden – so what. … Blöd.

          • Ich kenne das Gefühl ^^ Die GEMA und Konsorten kennt da keinen Spass. Und da ich Betreiber der Seite hier bin, darf ich das offiziell natürlich nicht gutheißen. Wenn du hingegen ein Bildvideo ohne eingebundene Musik postest und den Link zur Musik separat (die man im neuen Tab oder Fenster laufen lassen kann), dann sollte das rechtlich ok sein. Es gibt zwar widersprüchliche Urteile zu Youtube-Videos, aber grundsätzlich ist nur der Youtube-Ersteller für sein Video verantwortlich, nicht der Postende, der das Video irgendwo einbettet. Insofern darf man das Musikvideo an sich, wer immer es auch reingestellt hat, posten, nur nicht selber in einem Video verwenden. Damit macht man sich auf jeden Fall strafbar.

          • Stefan

            Ich lasse es erst mal, denn ohne die entsprechende Musik ist es einfach nur eine Diashow und das ist nicht mal ansatzweise zu vergleichen. Außerdem hatte ich sofort genau die entsprechnede Nummer im Kopf, von daher würde es mir mit einem anderen Gedudel nicht gefallen. ^^ Ich werde morgen mal eine Anfrage bei der Band stellen, die sind ja aus Deutschland. Ich habe gesehen, dass die auf ihrem YT-Kanal Videos mit Ihrer Musik liken und in den Favs haben, die irgendwelche Leute ins Netz gestellt haben. Mal sehen.

          • Coole Idee. Fragen ist immer eine gute Sache. Manchmal bekommt man sogar Antwort ^^ Weiß nicht, wieviele Anfragen ich so gestellt habe, um Bilder zu verwenden in erster Linie. Auch an Dr. Cohen bzw. das AER. Ohne Erfolg. Vielleicht ist mein Englisch zu schlecht haha

          • Stefan

            Eben. Kost ja nix. Und wenn sie nein sagen, kaufe ich keine Platten mehr von denen. ^^

          • Haha man verärgert besser keinen Hessen, die haben ein Elefantengedächtnis ^^

          • Stefan

            Haha, genau. Und die können verdammt nachtragend sein, wenn sie wollen. *g* Hach, ich hab mir das Filmchen jetzt 2, 3 mal am Fernseher angeschaut. Das muss so sein und nicht anders. Da bin ich Perfektionist und stur. ^^ So jetzt aber ab in die Heia, muss morgen … ähh nachher wieder in den Sofetenladen. … 😛

          • Grüß deine Sofeten schön und bring Ihnen Ausdrucke mit den schönen Signalen auf der x-Achse der Ensembles mit ^^ Ich geh auch schlafen. Regnerische Träume! 🙂

          • Stefan

            Oha, der 18Z. nett. An den habe ich jetzt gar nicht mehr gedacht. Gute Nacht. 🙂 Da kann man wirklich regnerische Träume haben :-))

          • Stefan

            Bei mir im Garten von Samstag bis gestern abend 22,5 l. Damit bin ich sehr zufrieden. ^^

          • Hm ich würde wetten, dass hier vielleicht die Hälfte davon runtergekommen ist. Eigentlich müsste ich mir mal einen Regenmesser anschaffen. Aber das wäre eigentlich wie einen Regenschirm kaufen, wenn man Beduine in der Wüste ist 😛

          • Stefan

            So ein Becher kostet ja nur 5-6 EUR. Und einen alten Besenstiel hat man immer wo herumfliegen. ^^ Ich hab mir heute die offiziellen Messwerte des DWD der Station Fra-Flughafen angeschaut. Das mit der Hälfte kommt ziemlich genau hin. Laut DWD im März bislang 13,5, in meinem Messbecher 27,5. Der Vordertaunus ist bei Südwestlagen und auch Westlagen durch den leichten Staueffekt des Taunuskamms bevorzugt. Im Prinzip gibt es für meinen Wohnort 3 relevante DWD Stationen. Frankfurt Flughafen, Wi-Auringen und Kleiner Feldberg. Letzterer scheidet aus, 800m hoch, lächerlich. Der Flughafen passt von den Temps her meistens, wenn man 2 Grad abzieht. Auringen kommt vom Niederschlag her ziemlich gut hin, ist durch die Lage aber etwas kühler. Alles nicht so einfach. ^^

          • Na da bin ich ja beruhigt. Vermutlich wird mein Urlaub in Ostfriesland im Schock enden, weil ich die Regenmassen dort psychologisch nicht mehr verkrafte 😛

          • Stefan

            Denke an Deinen Fluch. Nicht dass es dann in Ostfriesland auch nicht regnet, wenn du dort bist 😉

          • ja das befürchte ich auch. Ich werde berichten ^^

          • Stefan

            So, Mail an die Band ist raus. Mal sehen, ob ich ne Antwort bekomme 🙂

  • Nemesis

    Hallo, Sir Kaltwetter, ich möchte einfach mal ein dickes Lob für Deine Seite aussprechen. Deine Beiträge sind immer sehr informativ und oft sehr inspirierend, insbesondere dieser Beitrag hier bezüglich Winter und Tod. Sehr inspirierend. Und auch die Kommentare hier sind immer schön entspannt, nicht das übliche Gefetze zwischen den Realisten und den Skepikern/Leugnern. Die Klimaerhitzung ist sehr real und es ist sehr traurig, dass es in den reichen Industrieländern immer noch zuviele Leute gibt, die das Thema nicht interessiert, solange sie selbst NOCH nicht davon betroffen sind, während anderswo auf dem Globus bereits sehr viele Menschen darunter leiden. Und das, obwohl die reichen Industrieländer die Hauptverantwortung für die globalen CO2 Emissionen tragen.

    Schnief, ich vermisse ihn auch, den Winter, ich verbinde auch viele Kinheitserinnerungen mit dem Winter. Du hast diese Erinnerungen mit Deinem Beitrag auf angenehm inspirierende Weise wachgerufen. Es ist schön, dass mal jemand auch die etwas tiefergehenden Aspekte der Klimaerhitzung anspricht. Dankeschön und Grüsse aus dem in den letzten Jahren garnicht mehr winterlichen NRW 🙂

    • Vielen Dank, „Nemesis“ (passender Name für unsere Epoche ^^) und willkommen bei uns 🙂
      Das freut mich, wenn du aus meinen Ideen, Argumenten, Sehnsüchten und auch Träumen etwas für deine Seele herausziehen kannst. Denn das war ja stets der Grund für diese Seite: Dass die Sorgen, aber auch die ästhetische Sichtweise auf Kaltwetter in seinen Variationen nicht isoliert in mir verbleiben, sondern auch von anderen gelesen werden in der Hoffnung, dass sie etwas Positives bewirken.
      Insofern hoffen wir einmal mehr auf einen kühlen Frühling, das Überstehen des Sommers und natürlich auf den nächsten Winter mit Waccy-Boost 😉

      • Nemesis

        Yoh, Nemesis passt perfekt 😎 Manche nennen es „Karma“, andere nennen es „Fluch der bösen Tat“ oder schlicht „Kausalität“- kein Tun ohne Folgen 🙂 Bisher ist es den reichen Industrieländern gelungen (vorneweg USA und Europa, aber auch zB China hat die „freie“ Marktwirtschaft inzwischen gelernt, die ökologischen Folgen in China sind wahrlich katastrophal), die Folgen des ökologischen Raubbaus ect einfach in die sog. 2. und 3. Welt zu „externalisieren“- man höre und staune: In der Wirtschaft gelten die Folgen des Raubbaus als „Externalitäten“, wirklich interessant sind lediglich Profite um jeden Preis. Mal schauen, wie lange noch…

        Bei mir bewirken Deine Beiträge auf jeden Fall Positives, wenn ich auch keine Hoffnung habe, dass sich grundlegend am System etwas ändern wird. Es geht knallhart immer nur um Profit, um jeden Preis, bis zum absehbaren, bitteren Ende. Da wird sich todsicher nix ändern, immerhin sind zB die Folgen der Verbrennung fossiler Brennstoffe insbesondere der Öl- u. Kohleindustrie seit vielen Jahrzehnten bekannt, ExxonMobil zB hat bereits in den 70ern, 80ern eigens Wissenschaftler beauftragt, all dies genau zu untersuchen und anschliessend haben sie diese Ergebnisse weggeschlossen und in der Öffentlichkeit in übelster Weise Desinformation betrieben (da finden sich die Wurzeln der sog. „Leugner- u. Skeptiker“ Szene^^), siehe zB hier: https://www.smokeandfumes.org

        Ausgesprochen positiv empfinde ich an Deinen Beiträgen, dass Du einen gewissen Tiefgang pflegst und eben auch die ästhetischen und seelischen (spirituellen?) Aspekte ansprichst, das vermisse ich an der öffentlichen Diskussion bisher völlig. Du hast eine poetische Ader, das schätze ich sehr. Allerdings, das Hoffen auf den Waccy-Boost ist eine zweischneidige Sache, denn dieser Effekt ist ja selbst bereits eine Folge der Klimaerhitzung 😉 Wir müssen das Wetter nehmen, wie es kommt, Mutter Natur hat ihren ureigenen Weg, gewisse Dinge zu regeln… Erboste Väter können schon recht unangenehm werden, aber wehe!, die erzürnte Mutter Natur ist uns auf den Fersen 🙂

        Übrigens, die Lage in der Arktis ist auch weiterhin höchst „interessant“^^:

        http://neven1.typepad.com/blog/2017/03/piomas-march-2017.html

        • Ich stimme dir vollkommen zu, was die Menschheit angeht. Durch die Beschäftigung mit Klima und Meteorologie und dem im Internet verfügbaren hochwertigen Daten hat sich bei mir ein Mosaik aus Informationen gebildet, die leider ganz klar eine katastrophale Situation abbilden. Es ist im Grunde wie ein Schock, wenn man aus dutzenden Quellen sieht, was wir falsch gemacht haben seit 1830 und was daraus werden wird und auch, dass diese Folgen alternativlos sind.
          Wobei ich wie immer betont, kein Kommunist bin, sondern den Profit als wichtigen, zeitlosen menschlichen Anreiz sehe. Aber man kann das auch völlig anders umstrukturieren, sodass Profit dem Ganzen dienen würde und die Maßlosigkeit begrenzt wäre.

          Die Klimaskeptikerszene ist insofern auch ein deutliches Zeichen und Beleg der Pervertierung und Degeneration unserer Zeit, die am Ende in eine Katastrophe münden wird.

          Meine „poetische“ Ader ist auch nur zwangsläufig. Wer sich sein Leben lang mit Wissen und Bildung beschäftigt, der kommt am Ende auch zur Ästhetik der Vermittlung, zur Tiefe des Denkens aber auch des Fühlens und der Empathie bei gleichzeitiger Kampfrhetorik gegen Dummheit (nicht gegen andersartige Meinungen).
          Spirituell würde ich das jetzt nicht in erster Linie nennen, aber das Thema würde hier zu weit führen. Sagen wir einmal so: Ab einem gewissen Punkt verknüpft sich Wissen nach Jahrzehnten auf eine ganzheitliche Weise. So kommt man zu Aspekten, die über die Wissenschaft hinausgehen. Im Gegensatz zu Esoterikern, die ungeprüft alles goutieren, was sich spirituell nennt und jeder billigen Verschwörungstheorie aufsitzen, gibt es jedoch für mich auch hier nur die Wahrheit, die allerdings im „spirituellen“ Bereich nur sehr schwer zu fassen ist. Vielleicht genügt es zu sagen, dass die Erweiterung der Sichtweise über sich selbst und auch zeitlich in die Vergangenheit und ferne Zukunft eine Denkweise und Handlungsweise fördert, die das Wohl der gesamten Menschheit zwangsläufig umfassen muss.

          Sehr guter Blog über die Arktis, den du da erwähnst mit nützlichen Belegen in Bild und Wort. Danke für den Tipp!

          • Nemesis

            Nun ja, ich sprach nicht gleich von der Menschheit an sich. Ich denke nicht etwa, dasst alle Menschen gleich sind, die Hauptverantwortung liegt tatsächlich bei den sog. „Reichen und Mächtigen“ bzw den reichen Industrieländern der sog.1. Welt, das lehrt die Geschichte, bis auf den heutigen Tag und das lehrt nicht zuletzt auch der ökologische Fussabdruck.

            Du siehst den entscheidenden Sprung in der industriellen Revolution und da stimme ich Dir zu. Es gibt Leute, die sehen den Anfang der Katastrophe schon am Beginn der neolithischen Revolution. So drastisch sehe ich das nicht. Die industrielle Revolution gepaart mit profitorientiertem, profitoptimiertem Kapitalismus, dass sind die Geister, die der Zauberlehrling nicht mehr los wird. Marx hatte das schon ganz richtig vorausgesehen, allerdings hat der Kapitalismus unzweifelhaft gewonnen and the winner takes it all- enjoy 😎 Die Chinesen ziehen den Kapitalismus inzwischen militärisch durch, da gibt es Grossunternehmen, die sich kaum von Kasernen unterscheiden, da wohnt dann die Arbeitsrrraft samt Kind und Kegel inklusive firmeneigenen Kindergärten und Schulen. Viva la Revolution.

            Das „Spirituelle“ ist sicher ein überfrachteter und missbrauchter Begriff, wie die Religion insgesamt. Die Aufklärung hat uns davon befreit, aber sie hat uns neue Plagegeister gebracht: Kilogramm und Zentimeter und Mikrometer, eine Welt der Koordinaten, eine Welt der Zahlen, der Statistiken und Berechnungen, Mathematik, Physik und schliesslich Supercomputer an den Börsen- die perfekte, rationalistisch optimierte Kontrolle, Nutzbarmachung und Ausbeutung der Natur, auf den Cent genau. Der moderne Mensch hat etwas verloren… was hat er verloren? Ich finde, in Deinem obigen Beitrag über den Winter, Kindheitserinnerungen und den Tod klingt etwas davon an…

            Übrigens, Neven betreibt auch ein Forum, meiner Meinung nach das beste Forum, das zum Thema Online zu finden ist:

            https://forum.arctic-sea-ice.net

          • Stimme auch hier zu.
            Das Forum selbst kenne ich, da hat mich vor einigen Monaten jemand drauf gebracht. Die Entwicklung in der Arktis wird wohl in den kommenden Jahren und Jahrzehnten eines der dramatischsten und bestimmendsten Themen in Sachen Klimakatastrophe werden.

          • Nemesis

            Ganz sicher, die Arktis wird ja nicht umsonst als „canary in the coal mine“ bezeichnet, sie ist halt ein wesentlicher Klimafaktor, quasi unsere Klima-Anlage.

            In den 70ern, 80ern hätte man noch vernünftig gegensteuern können. Diese Chance ist vertan, die Natur lässt halt nicht mit sich verhandeln oder durch irgendwelche wirtschaftlich/politischen Rechenkunststückchen beeindrucken… und das ist auch gut so. Inzwischen ödet mich das gesamte politische Gefasel um das Thema nur noch an, ist einfach zu leicht zu durchschauen. Ich bin im Ghetto aufgewachsen, da lernt man frühzeitig, alle Hoffnung und jeden Glauben fahren zu lassen, mir hat das gewiss nicht geschadet, ich habe meine persönlichen Konsequenzen schon vor langer Zeit gezogen und zB keine Nachkommen gezeugt, ich muss mir also um meine eigenen Nachkommen keine Sorgen machen. Und mein Konsum bewegt sich im untersten Bereich. Ich bin also vollkommen im Frieden mit dem Lauf der Dinge, die Natur gibt und die Natur nimmt auch wieder 🙂

          • Als Kind einer Bergarbeiterfamilie kann ich diesen Aspekt nachvollziehen. Wobei ich das mit den Nachkommen anders sehe. Wer wenn nicht unsere Kinder, sollen die Welt besser machen …? Gerade Menschen, die anders denken, sollten daher durchaus den Mut haben, sich fortzupflanzen. Andererseits bin ich kein Anhänger der Theorie, dass man um jeden Preis ein Kind zeugen muss, um glücklich zu sein. Das passt nur mit der richtigen Frau (und das ist eine Mammutaufgabe, eine solche zu finden) und zu einer bestimmten Lebenszeit.
            Ansonsten sehe ich in der Meta-Ebene durchaus die Klimakatastrophe als Gelegenheit für die Spezies Homo sapiens aus ihren strunzedämlichen Fehlern zu lernen und nun, wo der Endpunkt erreicht ist mit einer globalen Welt, den Weg seit 1830 zu korrigieren und eine bessere Welt zu schaffen in einer Zukunft, die so groß ist, dass sie sich keiner von uns vorzustellen vermag.
            Allerdings erfordert das einen hohen Preis. Wie immer. Millionen Tote. Und das Risiko besteht in der Selbstauslöschung. Auf mannigfaltige Weise. Mal sehen, wo wir in ein paar Jahrzehnten stehen, dann wird man schon Fingerzeige bekommen von der Geschichte, wie das am Ende ausgehen wird 😉

          • Nemesis

            Na ja, Menschen gibts ja bereits eine ganze Menge auf der Erde, ca. 7.4 Milliarden, da wird meine Entscheidung, keine Kinder zu zeugen, kaum ins Gewicht fallen^^ Es gibt also mehr als genug Menschen auf dem Planeten, die das System ändern KÖNNTEN- wäre da nicht die extreme Schieflage in den politisch-wirtschaftlichen Machtverhältnisssen (die 62 reichsten Milliardäre besitzen mehr, als die Hälfte der Weltbevölkerung^^). Politik folgt nunmal knallhart der Prämisse „Haste nix, biste nix“ 🙂 Um also wirklich die nötige MACHT, etwas zu ändern zu erlangen, muss man erstmal ordentlich Geld scheffeln. Das allerdings wäre dann bereits ein Widerspruch in sich, denn die Wurzel allen Übels ist ja das Geldscheffeln. Oder man geht, als Idealist, wie die Grünen seinerzeit, den Gang durch die Institutionen und kommt als Fischer/Schröder-Gespann hinten raus 😛 Das nennt man dann „alternativlose, politische Sachzwänge“. Politik wird halt durch die Wirtschaft bestimmt, money is access. Von daher sehe ich NULL Chance, am politischen System etwas zu ändern.

            Hast Du Kinder? Und wenn ja, welche Macht haben sie denn, das System zu ändern? Die Wahlurne? Ist das die „Macht“, die wir haben? Ich persönlich sehe nur eine einzige Macht, nämlich mich am Raubbau, am Konsumwahn nicht zu beteiligen, mehr Macht sehe ich nicht. Mir persönlich genügt diese Macht völlig, denn für mich persönlich ist mein eigenes Tun, mein eigenes Karma wichtig, nicht das Karma des Systems oder das Karma der anderen. Ich hab lediglich die Macht, meine ureigene Verantwortung wahrzunehmen und mich selbst zu ändern, das System kann ich nicht ändern und meine Kindr könnnten es auch nicht. Nö, ich hab kein Bock, freiwillig Kinder in diesen Fleischwolf, in diesen Kochtopf zu werfen. Ich könnte meine Kinder nichtmal guten Gewissens in die zur Wahl stehenden Schulen schicken. Nope, njet, nada.

          • Ich mache gerade die Erfahrung, dass meine Tochter trotz ihrer 6 Jahre sich für Philosophie begeistert, Fragen nach dem Gehirn und seiner Funktionsweise, nach Mozart und Beethoven, nach kybernetischen Computern, kurz nach allem fragt, was ihr in den Sinn kommt mit der Gier und der unschuldigkeit einer neuen Seele. Insofern kann ich dir vollkommen nicht zustimmen, weil meine Erfahrung eine ganz andere ist. Und gleichzeitig zustimmen, weil ich weiß, dass diese Erfahrung nicht zwangsläufig jeden so betrifft. Was die Schule nicht kann, das übernehmen Eltern und wer sein Kind nicht die Selbstreflektion und den Antimainstream lehrt, dass es geistig selbstständig denkt, der wird den Schicksalsweg gehen, den du beschreibst.

            Aber wie bereits gesagt: Das muss und darf jeder für sich entscheiden. Für die Gegenwart sehe ich schwarz. Für die ferne Zukunft nicht. Auf dem Weg dahin werden wir auf Scherben gehen und bluten.

          • Nemesis

            Kinder sind auf jeden Fall eine ganz wunderbare Sache und ich respektiere und verstehe selbstverständlich die Entscheidung anderer Leute, Kinder zu zeugen. Allerdings, ich habe mich eben nunmal vor langer Zeit dagegen entschieden und diese Entscheidung nicht bereut.

            Aber um meine Frage nochmal zu wiederholen:

            WELCHE Macht hat Deine kleine, offenbar sehr aufgeweckte Tochter denn wirklich, das politisch-wirtschaftliche System zu ändern? Nichtmal der sog. „Sohn Gottes, Jesus Christus“, nicht Martin Luther King, nicht Rosa Luxemburg, nicht Rudi Dutschke oder Che hatten die Macht dazu^^ Also welche Macht haben wir KONKRET, WIRK-LICH?

          • Jeder Mensch hat die Macht. Weil der Geist über Materie siegt. Die Macht einer Idee ist so groß wie Armeen. Wenn uns eines die Geschichte gelehrt hat, dann dies. Geschichte läuft immer in Zyklen ab, die auf Mentalitätsstrukturen basieren. Wenn die alte Generation allmählich ausstirbt, erbt die nächste Epoche die Werte einer neuen Generation, es kommt dadurch oft zu Konflikten und Kriegen, aus denen erneut andere Werte erwachsen.
            Wobei ich als strikter Gegner von Kommunismus und Linkspolitik ganz sicher nicht Rosa Luxemburg oder Rudi Dutschke und Che Guevara dazuzählen würde *g*
            Und Jesus Christus und Buddha bestimmen heute noch die Handlungen und Denkweisen vieler Menschen. Sogar von Atheisten, weil diese nicht erkennen, wie sehr die christliche Philosophie unsere Gesellschaft im Mittelalter durchtränkt hat und heute noch gelebt und geatmet wird. Jeden Tag.
            Sonst wären wir mittlerweile auch längst auf dem Niveau islamischer Staaten mit Köpfen abschlagen, Steinigen und ähnlichen Barbarismen.

            Ich bin als Historiker zwar Idealist, aber kein Anhänger der Theorie, dass man eine Welt komplett umändern kann oder sollte. In einer perfekten Welt gäbe es kein Böse. Das Gute wird dadurch unsichtbar. Wenn es einen Gott gibt, dann hat er weise gewählt, damit die Menschen im Bösen das Gute als Kontrapunkt erkennen können. ^^
            Insofern ist jede Idee, jede gute Handlung ein Kiesel der Änderung. Egal ob im eigenen Umfeld oder ob es zur Lawine wird, die eine ganze Epoche hinwegfegt.
            Daher bleibe ich dabei: Die nächste Zukunft wird bitter werden, aber die ferne Zukunft könnte einen Königspreis beinhalten. Ich habe es somit akzeptiert, im langen Seil aus toten Vorfahren und ungeborenen Nachfahren meinen Teil beizutragen, was auch immer am Ende in Zukunft dort stehen wird. Ich denke nicht, dass es schlecht sein wird. Sondern dass das aktuell Schlechte ein notwendiges Übel ist, um etwas Besseres zu erreichen. Das klingt zwar Hegel-mäßig, muss aber deswegen nicht falsch sein 😉

          • Um noch einmal die Frage nach dem Konkreten zu ergänzen: Der Mensch ist in seiner Wirkung nicht konkret in deinem Sinne und kann es auch nicht sein, dann wäre er Gott gleich.
            Die Macht liegt wie erwähnt in geistigen Ideen, die einen Schneeballeffekt mit tausenden anderer Faktoren haben. Wenn vieles zusammenkommt, wird die Idee eines einzigen Menschen zu einer Waffe, die ganze Regierungen und Epochen hinwegfegt.
            Im übrigen ist es auch nicht entscheidend dass man die Welt ändern muss, sondern aus einer individuellen Sicht liegt das Glück nicht außerhalb des eigenen Seins, sondern kommt immer von innen. Solange die äußeren Umstände dies nicht verunmöglichen, liegt der Schlüssel zu „Glück“ immer im eigenen Geist und der Lebensumsetzung. Diese wiederum kann unbewusst als ethisches Vorbild für andere dienen, die von Aspekten dieser Lebensidee „infiziert“ werden. Manche sofort, andere erst nach Jahrzehnten.

          • Nemesis

            “ Jeder Mensch hat die Macht. Weil der Geist über Materie siegt.“

            Der Geist siegt über die Materie (ein ausgesprochen abendländisches Unterfangen, nicht wahr?^^) ? Hast Du schonmal so ganz banal richtig Hunger gehabt, ich meine, so ein paar Tage nix gegessen? Oder hast Du schonmal versucht, auch nur 5 Minuten das Atmen einzustellen? Versuch das mal, NUR 5 Minuten die Luft anzuhalten- dieser brennende, alles verzehrende ZWANG, zu atmen, der unwiderstehliche, körperlich-materielle Zwang, ganz banal und existentialistisch, ja diktatorisch- beweist er nicht eindeutig, dass der Geist der allermeisten Menschen eben KEINE Macht über das grimmige Urgestein besitzt? „Der Sieg des Geistes über die Materie“- das gelingt nur den allerwenigsten Menschen:

            https://tinyurl.com/j6952x6

            Der von Dir erwähnte Buddha jedenfalls hatte sich komplett rausgehalten aus der Politik und Kinder hat er auch keine gezeugt- ganz im Gegenteil hatte er sogar ausdrücklich davon abgeraten, Buddha warnduch und durch ein Asket ein Erloschener, vollkommen von der Welt abgewandt, ein einsames Nashorn, nur in sich selbst gegründet, zeitlos, ewig, unerschütterlich und daher ein- sam, all- eins, ein einsamer Wanderer durch die Ewigkeit…. Um ihn zu zitieren:

            “ Der grösste Sieger ist jener, der sich selbst besiegt.“

            Ich bin übrigens kein Kommunist. Ich war nie Kommunist, harr harr, und ich bin auch nicht links, ich meide sämtliche Wahlurnen exakt, wie der Teufel das Weihwasser meidet, ich bin ein radikaler Anarchist und Existentialist, ein vollkommen a-politischer Ketzer, ein Ungläubiger, ich übe mich permanent im Loslassen. Der kalte Krieg ist zuende, der Kommunismus ist tot, gestorben, erledigt, er hat auf dem Müllhaufen der Geschichte ausgehaucht, finito 🙂 Nach dem Fall der Mauer hat man ein neues Feindbild geschaffen: Den kopfabschlagenden Muslim 😎 Seit 9/11 ist das die offizielle Politik und der Krieg gegen dieses Untier, wird, laut G. W. Bush EWIG dauern, das hat auch Mr. Trump nochmal eindeutig durch Wort und Tat bekräftigt, ohne äusseres Feindbild gibt es nämlich keinen Herdenzusammenhalt, ohne Feindbild lassen sich die Schafe von den Hirten nicht leiten 🙂

            Es braucht also niemand mehr Angst vor dem Kommunismus zu haben, der Kommunismus ist tot, es lebe der Kapitalismus 🙂

            End- gültige Freiheit findet man nur in sich selbst, in der Ein- samkeit, im Allein- sein. Alles geht irgendwann verloren, Reichtum, Macht, Ansehen, geliebte Angehörige, der Körper- nur das eigene Selbst geht nicht verloren, sondern folgt uns wie ein Schatten, egal, wohin wir gehen, dieser Schatten geht mit uns, laut Buddha sogar über den Tod des Körpers hinaus. Ich bin übrigens kein Buddhist 😉

            “ Insofern ist jede Idee, jede gute Handlung ein Kiesel der Änderung. Egal ob im eigenen Umfeld oder ob es zur Lawine wird, die eine ganze Epoche hinwegfegt.
            Daher bleibe ich dabei: Die nächst e Zukunft wird bitter werden, aber die ferne Zukunft könnte einen Königspreis beinhalten.“

            Um im Sinne Buddhas zu sprechen:

            Die Hölle, Samsara ist ewig und ebenso ist Nirvana ewig. Samsara, Alter, Krankheit und Tod, der ewige Kreislauflauf im Kochtopf der Natur lässt sich todsicher nicht ändern. Befreiung ist die Sache Einzelner, Befreiung ist eine einsame, desillusionierende Angelegenheit, keine Sache des Gemeinsinns, keine Sache der Politik, sondern vollkommen privat, in- dividuell, eben einsam. Das ist die Macht, die uns (völlig kostenfrei) gegeben ist.

            Was bleibt also, aus meiner ganz persönlichen Sicht, an positiven Aussichten? Die stets gegebene Möglichkeit, statt Macht über die Materie oder die Natur, Herrschaft über das eigene Tun und Lassen zu erarbeiten. Wenn jeder einzelne Mensch dies verwirklichen würde, sähe die Welt vermutlich, zumindest ein wenig, anders aus. Aber ein derartiges Unterfangen steht nicht wirklich auf der To-Do-List des Zeit-Geistes 😎

            https://de.m.wikipedia.org/wiki/Invictus_(Gedicht)

            Ich entnehme gerade Deinem zweiten Kommentar, dass wir offenbar letztlich garnicht soweit auseinanderliegen 😉

          • hehe jetzt kommen wir in Bereiche, die vom Umfang alles sprengen. Und sich teilweise auch nicht mehr mit Sprache erklären lassen. Gerade im Buddhismus gibt es sehr viele Aspekte, die nicht ganz erklärbar sind. Und im Kern die Weltabkehr beinhalten, um die Erleuchtung zu erlangen. Aber das ist eigentlich auch nicht richtig. Ich habe seit einiger Zeit meinen ohnehin hohen Respekt vor dem Buddhismus noch einmal gesteigert, nachdem ich diese Lehre aus erkenntnistheoretischer Sicht studiert habe. Insbesondere die Vorstellung, dass das Wahrnehmen augenblick-behaftet ist und das erlebte Sein im Grunde als zerhackstückte Zehntelsekunden gesehen wird, in deren aufeinanderbauenden Kettenablauf sich Loslösung aus dem materiellen Weltkreislauf ergibt, wenn man sie allmählich aufbaut, ist faszinierend und da es bereits vor vielen Jahrhunderten ersonnen wurde, seiner Zeit weit, weit voraus gewesen.

            Insofern kann man durchaus sagen, dass die Erlösung eine private, indviduelle Angelegenheit ist.
            Daraus ergibt sich für mich nicht zwangsläufig die Unmöglichkeit gesellschaftlicher Stabilität und Gerechtigkeit. Aber im gegenwärtigen Entwicklungsstand der Menschheit schon. Da ich dies aber nicht für die Zukunft belegen kann, ist dies dann natürlich eine Hypothese, an die man nun glauben kann oder auch nicht ^^

            Die Barbarismen des Islam sehe ich übrigens nicht als Feindbild, sondern als eine belegte Tatsache. Übrigens seit mittlerweile längerer Zeit. Insofern ist ein Feindbild ein künstliches Konstrukt. Der Islam ist in seiner Form jedoch faktisch menschenverachtend. Daran hat natürlich auch der Westen und seine Politik Schuld. Im 11. Jahrhundert war es eher umgedreht, wenn man sich das Benehmen der christlichen Kreuzfahrer in Konstantinopel in den Quellen ansieht und die Kontakte im Heiligen Land mit den islamischen Völkerschaften ^^ Es gibt nur einen Unterschied: Man gefällt sich heute darin, diese Barbarismen blind und naiv hinzunehmen in einer schwachen und in sich verlogenen Gesellschaft. Deswegen sehe ich die Zukunft speziell in Deutschland und Europa noch schwärzer als schwarz. Aber auch dies gehört zum Rad der Fortuna, die uns weiterdrehen wird und woraus sich Wertestrukturen ergeben werden, die es ohne die Qual unserer Zeit niemals geben würde.

            Das Gedicht von William Ernest Henley ist hervorragend und kannte ich noch nicht. Das kommt in meine Sammlung und da landet beileibe nicht jedes Werk. Danke dafür.

          • Nemesis

            Sekunde, ich muss kurz korrigieren:

            Siddharta Gautama hatte DOCH Kinder gezeugt, als er noch ein Prinz der Kriegerkaste war. Allerdings hatte er dennoch, nachdem er zum Buddha, zum Erwachten geworden war, grundsätzlich davon abgeraten. Das hat allerdings nichts mit meiner persönlichen Entscheidung zu tun, ich hab schon immer getan, was ich wollte und gelassen, was ich nicht wollte 😛

          • Oh, nun gut, die exakte Biografie von Siddharta Gautama hatte ich auch nicht im Kopf ^^
            Man sollte natürlich tun und lassen, was man will – ohne persönliche Freiheit kann man sein Glück niemals finden, denn nur dann sind es die eigenen Fehler aus denen man lernt. Und ohne unterschiedliche Meinungen wird es auch keine Weiterentwicklung geben – auch wenn du diese für die Gesellschaft negierst 😉

          • Nemesis

            Wo negiere ich denn unterschiedliche Meinungen? Das tue ich ganz und garnicht, ich respektiere ja Deine Meinung und ich respektiere, wenn andere Menschen ihr Leben anders als ich gestalten. Es wäre todlangweilig, wenn wir alle einer Meinung wären. Ich bin Kosmopolit, Musiker, ich befürworte Multikulturalität und Vielfalt, denn Vielfalt ist eine der hervorragenden Eigenschaften der Natur. Ich sage nur, ich versuche mich SELBST, statt die anderen resp. „die Welt“ zu ändern 😉

            Ich stimme Dir vollkommen zu, was die Erkenntnistheorie des Buddhismus (bzw des Vedanta) betrifft. Ein im wahrsten Sinne des Wortes unendliches Feld. Und Du hast natürlich recht, wir kommen hier in Bereiche, die vom Umfang her womöglich alles sprengen, grins. Aber wir sind damit, meiner Ansicht nach, den eigentlichen Ursachen der Misere unserer Zeit auf der Spur. Das Abendland, das unzweifehaft das Angesicht der Erde verändert hat wie keine andere Kultur in der Geschichte, befindet sich in einer tödlichen Sackgasse. Es bräuchte einen grundlegenden Paradigmenwechsel, einen ganzheitlichen Blick auf den Globus, auf die Politik, das Gemeinwesen, die Natur, den Kosmos usw. Der moderne Mensch hat den Connect zu seinem Ursprung verloren, er ist ein Getriebener, ein Heimatloser. Und dafür gibt es historische Gründe. Wir könnten unendlich viel vom Buddhismus, vom Vedanta oder zB auch von den sog. Naturvölkern lernen. Es gibt auch eine lebendige Diskussion zB zwischen wirklichen Cracks zB der Physik und dem Vedanta. Wusstest Du, dass am CERN eine Shiva-Statue installiert wurde?:

            https://tinyurl.com/hpnc3s3

            Allerdings sind derlei Gefilde eben AUCH nicht wirklich massenkompatibel 😉

            Dennoch, ich finde unser kleines Gespräch sehr spannend, inspirierend und durhaus notwendig. Wenn der moderne Mensch den angesprochenen Paradigmenwechsel nicht vollzieht, dann wird das ein harter Gang, die Naturgesetze kennen keine Gnade.

          • Nemesis

            Ich sehe gerade, dass ich Dich wohl missverstanden habe. Deine Aussage hinsichtlich einer Negierung meinerseits bezog sich nicht auf Meinungen, sondern auf Weiterentwicklung, richtig?

          • Genau ^^ Ich hatte es gerade unten auch geschrieben. Aber prima, dass du es im Nachhinein auch so reflektierst und korrigierst.

          • Nemesis

            Na dann angenehme Ruhe in den mütterlichen Armen Kalis, die ja auch historisch betrachtet die Blaupause für Shiva ist 😉

          • Na dann… wie gut, dass ich auch Alpträume als kreative Quelle zu schätzen weiß. Danke und gute Nacht ^^

          • Nemesis

            Gassho 🙂 _()_

          • Bist du wirklich kein Buddhist? ^^

          • Nemesis

            Ich bin wirklich kein Buddhist 😉 Ich habe mich allerdings sehr intensiv über viele Jahre (nicht nur) mit der Lehre des Buddha beschäftigt und auch Kontakt zu einem buddhistischen Sangha gehabt, inklusive Meditationsretreats im Wald. Aber ich habe keine sog. Zuflucht genommen und bezeichne mich daher auch nicht als Buddhist:

            https://de.m.wikipedia.org/wiki/Zuflucht_(Buddhismus)

            Ich habe höchsten Respekt vor der Lehre des Buddha. Aber ich gehe mit dem asketischen Aspekt seiner Lehre nicht ganz überein. Siddharta Gautama hatte seine Biographie, ich habe meine eigene Biographie. Die Biographie des Buddha ist sehr interessant und inspirierend:

            Siddharta Gautama war laut Legende ein verwöhnter Prinz der Kriegerkaste. Sein Vater hatte alles daran gesetzt, zu verhindern, dass sein Sohn mit der banalen Vergänglichkeit, Alter, Krankheit und Tod konfrontiert wird. Jedoch gelang es Siddharta Gautama eines Tages, gemeinsam mit dem Berater des Königs, eine Stipvisite in der Stadt zu unternehmen und das normale Leben draussen kennenzulernen. Dabei begegneten ihm zunächst die Last des Greisentums in Gestalt eines gebeugten, alten Mannes, dann Krankheit in Gestalt eines Todkranken und schliesslich der Tod selbst. Diese Erfahrung hatte den verwöhnten Prinzen derart geschockt, dass er den Palast verliess, die orangene Robe anzog und fortan in der Hauslosigkeit nach Befreiung suchte und diese schliesslich nach langen Strapazen auch fand.

            Ich jedoch bin nicht in einem Palast aufgewachsen und habe einen etwas anderen Blick auf Alter, Krankheit und Tod. Mir ist der Tod bereits in meiner frühesten Kindheit und auch später immer wieder begegnet. Ich betrachte Alter, Krankheit und Tod nicht als meine Feinde. Mehr noch als den Buddha betrachte ich den Tod als meinen Lehrer, durch ihn habe ich gelernt, mich auf das aus meiner Sicht Wesentliche zu konzentrieren, auf das, was Zeit und Raum, also das Sterbliche, Vergängliche (und damit auch Macht, Reichtum ect) transzendiert. Ich betrachte den Tod als unseren eigenen Schatten, unsere eigene Rückseite, durch und durch Teil unseres eigenen Wesens. Im unnennbaren Zentrum des Todes liegt die ewige Wurzel des Lebens, aber der Alltags- Verstand kann das nicht begreifen, denn der Tod markiert die Grenze, den rationalen Horizont des Verstandes, über den er nur schwer hinausblicken kann. So, wie das Auge sich selbst nicht sieht, so erkennt der Mensch nicht sein wahres Wesen, das Zentrum unseres Auges, die Pupille ist schwarz und für die meisten Menschen gibt es in der Schwärze nunmal nix zu sehen 🙂

            Übrigens scheint mir Dein Requiem eine gewisse Ahnung unseres wirklichen Wesens samt Tod zu vermitteln… allerdings irgendwo tief verschüttet in der Kindheit…

          • Nemesis

            Und noch ein Übrigens:

            Ich habe eben Deinen Beitrag über das Gilgamesh Epos entdeckt, wunderbar^^ Auch ich habe mich intensiv mit Gilgamesh beschäftigt. Gilgamesh, der Prototyp des Tyrannen, der Prototyp Fausts, der Prototyp des modernen, macht- und profitorientierten Menschen, der Macher, der die Unsterblichkeit suchte und dem es am Ende nichtmal gelang, 7 Tage wach zu bleiben 🙂

          • Hehe, ja stimmt, das Gilgamesh-Epos begleitet mich auf die eine oder andere Weise in regelmäßigen Abständen im Leben und jedes Mal lese ich etwas anderes aus ihm. Eigentlich völlig undenkbar, dass ein solches Werk eines der frühesten der Menschheit ist und letztlich ein Beleg, dass unsere Spezies durchaus zu großem Denken fähig war und fähig ist. Vielleicht muss der Homo sapiens als Ganzes, als Gesamtspezies aber auch den Weg der Leiden gehen, damit er am Ende die wahren Werte erkennt und auch nach ihnen als Gesamtspezies handelt. Und da wären wir wieder beim Dualismus Glück in der Gesellschaft und Glückfindung beim Einzelnen 😉

          • Nemesis

            Nun ja, buddhistische Retreats und der Kontakt zu einer Sangha sind recht einfach zugänglich, inzwischen gibt es überall in Deutschland Sanghas und Retreats, sicher auch in Deiner Nähe. Ich habe sehr inspiririerende und hochkonzentrierte Menschen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten dort kennengelernt, einige von ihnen hatten mehrere Jahre in Tibet, Indien ect verbracht, es gab dort auch Niederländer, Briten usw. Es ist schon eine aussergewöhnliche Erfahrung, im Wald auf einem alten, ehemaligen, umgebauten Bauernhof morgens um 5 mit Gleichgesinnten in vollkommener Ruhe gemeinsam in der Meditationshalle zu sitzen. Der längste Weg ist der Weg zu sich selbst, nicht wahr? 🙂

            Allerdings, es gibt unzählige Bücher über die Lehre des Buddha, so, wie es unzählige Bücher über Meditation gibt. Jedoch beginnt der Buddhismus im Wesentlichen gerade dort, wo das Philosophieren endet 🙂 Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man über eine Tasse Tee philosophiert oder ob man eine Tasse Tee trinkt 🙂 Herzlichen Dank für den Buchtip, jedoch sind für mich Bücher über die Lehre des Buddha so, wie Bücher über das Teetrinken oder über das Wandern 😉 Im Sitzen, in der Stille, im Loslassen, im Enkonditionieren enthüllt sich unser wahres, überzeitliches Wesen, das jenseits aller Philosophie west, atmet, pulsiert.

            Was die Betrachtung des Todes betrifft: Auch ich möchte den Tod als „düsteres Ästhetikum“ sicher nicht egalisieren. Der Tod kann ganz ohne Zweifel extrem hart sein, unerbittlich, sowohl für die Betroffenen selbst, als auch für die Hinterbliebenen.

            “ Ich sehe ihn in einer Form von Dualismus. Einerseits als natürlichen Bestandteil des Lebens als Beobachtender und final als Erlebender, aber auch die Bitterkeit und das Grauen aus einer spezifisch menschlichen Sichtweise, durch die er erst zu einem ontologischen Spiegel wird, in dem man zeitlose Werte erkennt.“

            Diese Sichtweise ist ja auch sehr natürlich, den Tod dualistisch, ambivalent zu sehen. Ich denke, um den Tod wirklich zu verstehen, muss man sterben (zB in der Meditation), das kleine Ich, das sich an Geburtsdatum, Name, Adresse, Personalausweis, Bankkonto, geliebte Menschen ect klammert, muss erst sterben, bevor unser wirkliches, extrem flüchtiges, verstandsmässig unfassliches Wesen zum Vorschein kommt. Und dann erkennt man, dass das Leben und der Tod ganz haargenau ein- und dasselbe ist, die Dualität von Leben und Tod exitiert letztlich nur in unserer Ratio, in unserem Verstand, im Kopf, in der raumzeitlichen Aufspaltung von Subjekt und Objekt. Ich persönlich fürchte mich mehr vor meinen etwaigen kleinen und grossen Unzulänglichkeiten, als vor dem Tod. Der Tod geschieht mit jedem Atemzug seit unserer Geburt, der Tod geschieht nicht „nach“ dem Leben, sondern gemeinsam mit dem Leben in jedem Augenblick. So, wie Same und Baum sich nur in unserem Kopf voneinander unterscheiden, so unterscheiden sich auch Leben und Tod nur in unserem Kopf voneinander. So meine persönliche Sicht.

            Was das Glück des Einzelnen und der Gemeinschaft betrifft, so denke ich, dass zunächst der Einzelne danach suchen muss, in sich selbst. Dann erst kann er sich um das Glück der anderen bemühen. Aber das Letztgültige, Ewige bleibt dennoch unmitteilbar, nur erfahrbar im eigenen Innern. Wer es erfahren hat, der hat es erfahren, aber er kann es nicht mitteilen, da es jenseits der Subjekt-Objekt bzw Subjekt-Subjekt-Spaltung liegt 🙂

            Ich melde mich ein wenig später noch zu Gilgamesh 🙂 Und danke für dieses konzentrierte und inspirierende Gespräch, ich schätze Deine Art, Dich mitzuteilen und Deine inspirierende Vielschichtigkeit 🙂

          • Ich habe oft über christliche Meditation und buddhistische „Retreats“ nachgedacht, neige aber oft zu Phlegmatismus. Der Rest besteht in einer familiären Gebundenheit mit Tochter und Ehefrau und Selbstständigkeit, was nur wenig Zeit übrig lässt. Nicht, dass ich das bedauern würde, im Gegenteil ^^
            Daher versuche ich derzeit völlig frei und offen das eher autodidaktisch zu erkunden, das Meditieren.
            Insofern ist deine wundervolle Beschreibung „Im Sitzen, in der Stille, im Loslassen, im Enkonditionieren enthüllt sich unser wahres, überzeitliches Wesen, das jenseits aller Philosophie west, atmet, pulsiert.“ genau passend.

            Auch das Verstehen des Todes mit Hilfe der Meditation ist ja ein wichtiger Bestandteil buddhistischer Lehren, wobei wie wir ja wissen, das Verständnis nicht mit Worten erklärbar ist, was genau damit gemeint ist.
            Ich empfinde das, was du die Subjekt-Objekt-Spaltung nennst, ebenfalls als großes Hindernis für die Weiterentwicklung – sowohl von Gesellschaften wie auch von Individuen auf dem Weg zum „satori“. Gäbe es eine Möglichkeit, Erkenntnisse nicht auf dem abstrakten Umweg der Sprache, sondern direkt unter Zuhilfenahme von Gefühlen ganzheitlich zu übermitteln, wäre viel gewonnen für die Menschheit, weil Wahrheiten sofort offen zu Tage treten. So aber lebt jeder in seiner eigenen Ego-Matrix und windet sich mal mehr, mal weniger in Ausreden, Vorurteilen, Ausflüchten, Selbstlügen.
            Sollte die Reinkarnationstheorie einen wahren Kern haben (ich glaube weder daran noch lehne ich diese Möglichkeit ab), dann würde zumindest die Möglichkeit einer letztendlichen Loslösung vom Materiellen und ein Weg zum „Karma“ (das leider oft falsch unter dem Einfluss der 1968er verstanden wird) offenstehen.

            Den Dank für das Gespräch kann ich nur erwidern. Ich suche immer nach Reflektionsmöglichkeiten und nach Wahrheiten und nach einer Verfeinerung meines derzeitigen Weltbildes. Nach über 40 Jahren bewusster Suche ist es selten, dass ich Argumente und Sichtweisen höre, die ich nicht vorher schon hundertmal durchdacht habe. Bei dir sehe ich durchaus punktuell ein höheres Wissen bzw. mehr Erfahrung als bei mir, insofern kann ich also auch lernen und welches Geschenk wäre größer? Zumindest sehe ich das so.
            Daher: Nur zu und melde dich ruhig in Sachen Gilgamesh. 🙂

          • Nemesis

            Gilgamesh steht (mythlogisch) am Anfang der grossen Städte, am Anfang der sog. Elite, am Anfang der Sklaverei und der systematischen Ausbeutung der Natur. Er wollte Unsterblichkeit durch Machen erzwingen, im Aussen, im Bauen, im Kämpfen und Erobern. Das ist das Schicksal jedes Tyrannen, dass er innerlich nicht unabhängig ist, er ist Herr und Sklave zugleich. Sein alter Ego fand er dann in Enkidu. Doch statt von ihm zu lernen, hat er ihn (mithilfe einer Prostituierten) zu Seinesgleichen gemacht, hat ihn zivilisiert und ist mit ihm in den unseligen Kampf gegen Humbaba gezogen. Und Humbaba, den Gilgamesh geschlachtet hat, hat ihn mit einem Fluch belegt, mit dem Fluch des Waldes, mit dem Fluch der Natur. Was wir der Natur antun, was wir anderen antun, das tun wir uns selbst an, denn auch wir sind Natur, auch wir sind die anderen. Der Traum, der Anspruch Gilgamesh’s lebt bis heute fort, in den sog. Eliten, in den Reichen und Mächtigen, in den Machern, den sog. Global Players. Und der Fluch Humbabas ist ihnen auf den Fersen, wohin sie auch fliehen mögen, es gibt kein Entrinnen vor den Folgen des eigenen Tuns, für John Doe nicht und auch nicht für Kaiser und Könige. Je mehr jemand Unsterblichkeit im Aussen sucht, desto mehr stirbt er. Gilgamesh sollte froh sein, keine Unsterblichkeit gefunden zu haben, Unsterblichkeit kann auch ein Albtraum sein, die Ewigkeit dauert verdammt lange.

            Was die Meditation betrifft, da gibts eigentlich nicht viel Grossartiges an Technik zu lernen. Buddha zB lehrte im Wesentlichen die Konzentration auf den Atem, achtsam einatmen, achtsam ausatmen und auch zwischen Ein- und Ausatmen achtsam sein (anfangs kann eine gewisse Zähltechnik hilfreich sein). Das mag einfach, banal klingen, ist es aber nicht, wer es mal probiert hat, der weiss, dass die erste Stunde wie eine Ewigkeit ist 🙂 Der Geist baut ständig Luftschlösser, schweift hierhin und dorthin, ist ständig in Bewegung, wenn man ihn anbindet, dann kann er verdammt ungemütlich werden 🙂 Erst wenn der Geist zur Ruhe kommt, kann man auf den Grund sehen und dann wird das ganze Leben zur Meditation, im Sitzen, im Liegen, im Stehen und Gehen.

            Du siehst also, es gibt da von mir nicht viel zu lernen, das wesentliche Lernen kommt mit dem eigenen Tun, nicht durch das, was andere erzählen 🙂 In der Meditation geht es um Dich, nicht um irgendjemand anderen, nicht um Buddha, nicht um sonst irgendeinen Lehrer oder Guru (ich hab nichts gegen Gurus im Allgemeinen). In der Konfrontation mit Dir selbst findest Du alles, was Du evt suchst 😉 Die meisten Leute jedoch fliehen permanent vor sich selbst, suchen im Aussen. Die Weisen der Menschheitsgeschichte sind wie Finger, die auf den Mond zeigen. Der Mond ist das eigene Selbst, aber die Leute klammern sich an die Finger 🙂

            „Karma“ bedeutet wörtlich übersetzt „Handeln, Tun“. Wir sind gezwungen, zu tun, zu handeln. Wir sind gezwungen, zu atmen, zu essen, zu trinken, uns zu bewegen und dann wieder zu ruhen, aufzunehmen und loszulassen usw, das liegt in unserer Natur, das ist das Netz des Karma, das Netz des eigenen Wollens und Tuns. Aus diesem Wollen und Tun erwachsen uns Konsequenzen, jede Tat, jede Willensregung, jedes Gefühl, jeder Gedanke hat Konsequenzen, das ist ein Naturgesetz. Die Konsequenzen des eigenen Tuns werden „Vipaka“ genannt. Wenn man Tomatensamen pflanzt, dann wachsen Tomaten, keine Kartoffeln. Das ist das Gesetz von Karma/Vipaka. Es gibt nun Leute, die behaupten zB, wenn jemand in die untere Kaste in Indien geboren wird und dort schwer leidet, dann ist das die Folge seines Karma aus einem früheren Leben. Aber das ist Humbug. Karma/Vipaka hat nichts mit moralischer Vergeltung zu tun, sondern ist ein Naturgesetz, wie die Schwerkraft oder die Fliehkraft.

            Es hat nicht viel Sinn, über die Frage der Wiedergeburt zu philosophieren. Es gibt jedenfalls Menschen, die Leben und Tod vollkommen durchschaut haben und sich in gewissem Sinne jenseits von Geburt und Tod befinden. Echte Meditation hat eine ungeheure Kraft. Der brennende, in vollkommener Ruhe sitzende Mönch weiter oben mag dafür ein Sinnbild sein. Das Wichtigste jedoch, und da stimme ich mit Buddha vollkommen überein, ist es, Gier, Hass und Verblendung/Uwissenheit zu überwinden.

          • Besser kann man Gilgamesh kaum auf die heutige Situation umdeuten. Brillant. Aber es ist auch letztlich für mich ein süßer Tropfen in der Bitterkeit der klimatischen Katastrophe und ihrer irrsinnigen Entwicklung, dass sie eine Zwangsläufigkeit beinhaltet und dem Menschen zeigt, dass er letztlich im Moment, wo er sich gottgleich aufschwingt, bereits dem Untergang geweiht ist. Folgerichtig und irgendwie auch beruhigend, denn ich will gar kein Gott sein und die wenigsten wollen das eigentlich. Die meisten Menschen sind friedfertig und genügsam, werden aber immer mehr zur Gier erzogen und abhängig gemacht. Wie man das umdrehen kann außer in einer globalgesellschaftlichen Apokalypse, weiß ich auch nicht.

            Wie du Meditation beschreibst, so habe ich das in vielerlei Hinsicht auch gelesen. Einfach nur Atmen. Ich habe damit erst angefangen, aber es ist erschreckend (im positiven Sinn), welche Wirkung dies haben kann, wenn man sich daran gewöhnt. Es fällt mir allerdings sehr schwer, vielleicht mehr als manch anderem. Aber ich werde das weiter verfolgen, allein weil ich neugierig bin, wohin das führen wird. Wobei diese Teleologie ja schon wieder falsch ist, denn es führt ja zu keinem (End-)ziel.
            Wobei die Überwindung der negativen Emotionen zwar ein Ziel ist, aber ich bin ein Mensch, der sehr viel aus Emotionen zieht, extrem viel sogar. Und auch aus der Negativität, der schwarzen Quelle des emotionalen Mahlstroms, freilich ohne mich von ihm fortreißen zu lassen. Aber wie gesagt: Ich bin neugierig, wohin mich Meditation führen kann und lasse es einfach herakliteisch fließen. Panta Rhei und Buddha – na, das muss doch am Ende funktionieren 😉

            Das Bild des brennenden Mönchs ist in der Tat unfassbar intensiv. Schockierend. In seinem Widerspruch aus Ruhe und Tod surreal. Angesichts der beiläufig vorbeiziehenden Augenzeugen-Mönche verstörend. Ich habe vielleicht noch nie ein Bild gesehen, das derart sich in die Seele einbrennt und das mehr noch als das reine Symbol, das es ist, etwas vermittelt, das so komplex ist, dass ich es nicht direkt in Worte fassen kann. Darüber müsste ich nachdenken, denn es wühlt mich auf sehr unterschiedliche Weise innerlich auf.

          • Nemesis

            Ich finde, wir bewegen uns immer noch geschmeidig im Rahmen dieses schönen, von Dir angestossenen Threads hier 🙂 Ich denke, aufgrund Deiner Bemerkungen, noch über das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft nach, auch im Zusammenhang mit der Überlebensfrage des Homo Sapiens. Einheit/In- dividuum und Diversität bedingen einander gegenseitig. Zur Zeit drohen die Nationen wieder auseinander zu driften, der Nationalismus feiert fröhliche Urstände, in einer Zeit, wo eigentlich das genaue Gegenteil gefordert ist. Das Klima zB ist ja ein Ganzes, aber viele, zuviele Leute denken in nationalen Grenzen, in egoistischen Grenzen. Egoismus kann im Kampf ums Überleben von Vorteil sein, aber nur dann, wenn er nicht mit Dummheit und Kurzsicht gepaart ist (siehe zB die Flüchtlingskrise). Aus kosmischer Sicht (also vom Weltall aus betrachtet) und aus der Sicht der Natur, ist der gesamte Planet Erde ein einziger, lebender, atmender Organismus, da gibt es keine nationalen Grenzen, die gibt es nur in den Köpfen der Leute.

            Vielleicht magst Du als Intermezzo ein wenig Alan Watts lauschen, der in diesem kurzen Video sehr konzentriert das Verhältnis von Einheit und Vielfalt/Diversität beleuchtet- schöne Winterbilder sind übrigens auch dabei 😉

            “ Blend of Duplicity and Oneness“

            https://m.youtube.com/watch?v=NDOpthtJW74

          • Das Video nehme ich mir später am Tag vor, da ich als Nachteule in der ersten Tageshälfte noch nicht so aufnahmefähig bin ^^

            Mit der Flüchtlingskrise sehe ich es grundsätzlich anders. Nur weil die Erde ein lebender Organismus ist und auch die Menschheit global existiert, heißt das nicht, dass man eine völlig wahnsinnige Politik mit der Einfuhr einer seit 1500 Jahren global katastrophalen Pseudoreligion und unfassbaren Gefährdungen der Bürger gutheißt. Im Gegenteil: Hier sehe ich Widerstand gegen den linken Mainstream als absolute Menschenpflicht an, bis die Politik ihren historischen Fehler korrigiert. Die derzeitigen Axtangriffe „psychisch Labiler“ (allein die Meldungen der Presse sind bereits ein Beleg der gefährlichen Epoche einer bislang unbekannten Meinungslenkung pro links) sprechen für sich.
            Deswegen muss man nicht nationalistisch sein! Mir schwebt eine Gesellschaft vor, die stolz auf ihre Herkunft ist, die weiß, was „deutsch sein“ bedeutet aus der historischen Mentalitätsgenese. Nur eine starke Gesellschaft und nicht dieses Chaos, was wir gerade erleben, kann eine offene Gesellschaft bereitstellen, die den Richtigen (!) helfen will. Dabei ahnt kaum jemand, wie sehr wir soeben unsere Sicherheit und Stabilität wegwerfen und damit ganz Europa destabilisieren und somit eben nicht der Menschheit dienen, sondern wir uns völlig irre auf einem Altar der Selbstaufgabe opfern statt zu begreifen was wirkliche Toleranz bedeutet: Grenzen und damit auch Werte zu setzen! Aber ich gehe auch davon aus, dass diese zeitlich und örtlich regionale Problematik in einem großen Brand enden wird … Denn zu differenzieren ist heute für die meisten (egal ob rechts oder links) so schwer wie eh und je. Insofern unterscheiden wir uns gar nicht so sehr vom „dummen“ Computer, denn das binäre Denken beherrschen wir richtig gut 😛

            Mich würde einmal interessieren, was du als Musiker machst. „Musiker“ ist ein weiter Begriff. Strassenmusiker? Hobbymusiker? Orchestermusiker? Theoretischer Musiker?
            Was siehst du in der Musik? Mehr als bloße Töne zur Unterhaltung? Etwas „göttliches“? Stellt sie eine konstituierende Säule der (geistigen) Welt dar? Oder arbeitet sie doch nur dem wahren Sein zu?

          • Nemesis

            Nun, es tut mir leid, ich musste erstmal tief in mich gehen, um zu erfassen, was Du mit „Deutschsein“ meinst. Ich bin da sicher keine Autorität, was das Deutschsein betrifft, ich bin zu 50% Spanier. Also mit rein deutschem Blut, rein deutscher Herkunft kann ich schonmal leider nicht dienen. Mein spanischer Vater kam in den 60ern nach Deutschland, er hat hier sein Leben lang hart malocht und sich nie etwas zuschulden kommen lassen. Aber er war halt Aus- länder, kein Deutscher.

            Nun denn, dieses Thema ist ja zZt wieder hochaktuell, ich finde das ok. Normalerweise fliehe ich diese Diskussion, denn ich habe da wirklich nicht viel Kompetenz. Aber dieses Thema brennt ja offenbar vielen Menschen unter den Nägeln. Also stelle ich mich an dieser Stelle mal dieser Diskussion. Was also fällt mir zum Deutschsein ein? Heino? Die Kastelruther Spatzen? Eisbein mit Sauerkraut? Alphörner und Lederhosen? Die Zeit von 33 bis 45 (da war Deutschsein uU lebenswichtig). Goethe, Schiller, Heine? Mh, die waren nicht sonderlich gut aufs Deutschsein zu sprechen und ich vermute im Übrigen, dass die (leider) kaum noch von deutschen Bürgern gelesen werden, jedenfalls nicht von der deutschen Jugend. Sauberkeit, Ordnung, Pünktlichkeit, Gehorsam, Pflichtbewusstsein, Fleiss, schaffe, schaffe, Häusle baue? Ist das Deutschsein? Was ist typisch Deutsch?

            Ich habe mal gegoogelt nach Deutschsein und fand auf Anhieb Folgendes:

            http://www.tagesspiegel.de/kultur/nationalkultur-und-nationalstolz-deutsch-sein-was-heisst-das-schon/12757478.html

            Jedenfalls liegst Du voll im Trend, Trump fordert Amerikanischsein, Erdogan fordert Türkischsein, die Briten wollen offenbar auch wieder mehr britisch sein usw. Du siehst einen Brand heraufziehen?^^ Ein Grund mehr für mich, froh zu sein, keine Kinder zu haben. Einen globalen Krieg zwischen Christentum und Islam stelle ich mir als ziemlich ungemütlich vor 😎 Ich kann verstehen, dass die Menschen in diesen unruhigen, unüberschaubaren Zeiten nach Halt und Identität suchen (wie ja zZt auch die Türken^^). Ich kann auch sehr gut verstehen, dass die Leute nicht gut auf die EU oder die Globalisierung zu sprechen sind. Das Dumme ist bloss, dass immer dieselben von gewissen Frontstellungen profitieren. Rechts gegen Links, Islam gegen Christentum, Deutsche gegen Überfremdung, Weiss gegen Schwarz usw usw usw. Davon profitieren immer dieselben, nämlich jene, die sich selbst nie die Hände schmutzig machen. Diese Frontstellungen sind Teil des politischen Spiels, daher bin ich a-politisch, ich gehe nicht wählen, gehörte nie einer Partei an, lese keine Zeitung usw. Wenn ich Links wäre, dann würde ich Links wählen. Ich orientiere mich jedoch nicht an politischem Lagerdenken, sondern an den Naturgesetzen. Politik ist das wankelmütigste Geschäft der Menschheit, die Naturgesetze jedoch sind immer gleich, 100% verlässlich und überparteilich.

            Ich fänds ok, wenn Deutschland sich einmauert, so wie die Türkei oder neuerdings die USA, meine Kinder müssen das alles ja nicht miterleben. Ja, ich wäre sogar sehr neugierig darauf, wie die Alltagspolitik der AfD aussähe und wie sie mit der, laut ihrer Behauptung, nicht existierenden Klimaerhitzung umgehen würde usw. Die Menschen haben ein Recht darauf, die Politiker zu bekommen, die sie sich wünschen, wir leben ja in einer Demokratie. Allerdings stellt sich Realpolitik auf der Oppositionsbank völlig anders dar, als in Regierungsverantwotung, denn da muss man dann wohl oder übel die alltäglichen, politischen Schüsseln voll Scheisse auslöffeln, obs schmeckt oder nicht- das nennt man sinnigerweise „politische Sachzwänge“ 😎 Nee nee, ich bin froh, dass ich kein Politiker, sondern nur ein Nobody bin.

            Ich bin übrigens nur Gitarrelehrer, ich unterrichte Gitarre und Songs. Yoh, die Leute wollen keine Lieder, deutsche Lieder, die wollen alle SONGS, die Älteren genauso, wie die Jüngeren, sorry, äh, Entschuldigung 🙂 Ansonsten spiele ich hin und wieder auf Parties. Für mich ist Musik Medizin, lebenswichtig, wie Brot. Tja, und Musiker haben noch nie viel um nationale Grenzen gegeben, Musik wirkt offenbar über alle Grenzen hinaus, Musik ist wie Wasser, sie findet immer einen Weg 😎

            Ich melde mich später noch zu Deinem letzten Kommentar^^

          • Deutschsein verstehe ich in der Tradition der Mentalitätsgeschichte. Dabei bedingen Sprache und Kultur einander gegenseitig und erzeugen bestimmte Strukturen in Denkweise und Verhalten. Den Deutschen ist eine sehr tiefgehende, komplexe Sprache zu eigen, die mit einem Hang zu Ordnung, Disziplin und Planung tendiert. Man könnte auch sagen, eine innere mentale Härte.
            Natürlich gilt das nicht ausschließlich, sondern als Grundströmung in den Epochen, zumal sich Sprache verändert und das Denken auch, aber erstaunlicherweise innerhalb gewisser Grenzen.
            Auf Essen, auf Musik u.a. würde ich das jedoch nie beziehen. ^^
            Wünschen würde ich mir als Utopie, dass Deutschland eine starke, gebildete, prinzipientreue, ehrenhafte Regierung hätte, die einerseits wahre Gerechtigkeit durchsetzt in der Gesellschaft: Bei der Reichtumsverteilung die momentan absurd wird. Beim Gerichtswesen, die nur noch eine Farce ist. Und in allen anderen Bereichen auch, die Außenpolitik sowieso. Und dass dieses starke Deutschland nicht mehr dem „Bösen“ folgt, dem es anhaftet seit 80 Jahren, sondern trotzdem oder gerade deswegen einer offenen Gesellschaft, die aber erst auf diese Weise Fremdvölker erfolgreich integrieren kann. Indem sie Wertbefolgung verlangt und auch konsequent durchsetzt. Es ist im Grunde wie bei der Kindererziehung: Hilfen geben, unterstützen aber konsequent maßregeln bei Fehlverhalten. Was wir momentan erleben ist ein lächerlicher Kotau vor arroganten Fremdlingen, die unsere Werte und unsere Kultur schänden. Nicht alle, aber genug, dass mir die Galle hochgeht. Ich mache ihnen nicht mal einen Vorwurf. Sie sind unzivilisiert, sie sind aus ihrem Lebensumfeld gerissen und sie nutzen die Idiotie der Deutschen aus.

            Zurück zum „Deutschsein“: Das Problem ist ja nicht, dass man irgendein „Deutschsein“ fordert oder „Amerikanischsein“, sondern dass derzeit wir die Angegriffenen sind. Und ich habe nicht vor, mich auf einem kosmolopolitischen Altar der Universaltoleranz abschlachten zu lassen – egal ob durch einen IS-Terrorangriff, einen „psychisch labilen“ moslemischen Axtmörder oder auf lange Sicht durch die Zerstörung der Einheit des Staatsvolks. Man kann nicht Globalismus erzwingen, indem man Völker und deren stabile Wertesystem abschafft und dabei Krieg und Ungerechtigkeiten erzeugt.

            Ich sehe es als Historiker eher so, dass dieser Prozess eine lange Genese bedingt und automatisch erfolgen wird. Jeder Versuch, ihn radikal wie heutzutage voranzutreiben wird in Blut, Tod und Chaos münden und somit kontraproduktiv sein.

            Neben den Sorgen, die ich hege und die mehr als nur Überhand nehmen und mich schon seit längerer Zeit kaum schlafen lassen, sieht der Historiker in mir die Zeit, in der wir leben als hochspannend an, als Zeitenwende in die eine oder andere Richtung und bei gleichzeitiger Entwicklung der Menschheit zu etwas, das entweder in einem evolutionären Entwicklungssprung in 100 oder 500 Jahren münden wird oder aber in einer gewaltigen Katastrophe. Wir sind Zeitzeugen der ersten globalen Gesamtentwicklung der Menschheit. Was kann es größeres geben? Dass sich in „interessanten Zeiten“ meist nur schwer leben lässt, ist aber auch kein Geheimnis und umschreibt bald unsere völlig neuen Lebensumstände recht gut ^^

            Teilspanier bist du? Spanien ist für mich immer zwar ein „Sonnenland“ gewesen, das ich klimatisch fliehen muss, aber die Mentalität der Spanier war immer ganz anders als die der Italiener beispielsweise. Einen dunklen Zug spürt man dort, einen Sinn für Ästhetik des Finsteren, egal ob in Karnevalsfesten einer bestimmten Region, sehr viel Stolz und Lebensenergie. Vielleicht auch eine Folge der Reconquista. Da wären wir wieder bei der Mentalität. ^^

            Musikalisch bin ich leider nicht begabt. Meine Tochter hat übrigens gerade begonnen mit 6 Jahren Gitarre zu lernen 😉
            Dennoch liebe ich die Musik in all ihren verschiedensten Formen als Katalysator für Emotionen, die ich als Schriftsteller nutze oder einfach nur dann, wenn ich sie seelisch benötige. Dabei höre und teste ich zwar alles was mir unter die Finger kommt, wähle aber zumeist nur 1% davon als dauerhaft aus und nur dann, wenn es an meine Seele ankoppelt – aus völlig heterogenen Gründen.

          • Nemesis

            Ich denke, die Länder Europas sind traumatisiert durch Zwangsromanisierung und Zwangschristianisierung. Seither suchen insbesondere die Deutschen nach einer lange geraubten, längst verlorenen Identität. Die Germanen sind lange tot und werden auch nie wieder auferstehen, ebensowenig wie zB die Maya oder die Tolteken. Wir leben in einer durch und durch multikulturellen Welt, in einem globalen Dorf, die Jagd nach Deutschsein ist meiner Ansicht nach die Jagd nach einem Gespenst.

            Allein bereits der Kapitalismus sorgt für totale globale Durchmischung, nicht nur die Natur kennt keine Grenzen, das liebe Geld kennt auch keine Grenzen^^… Yoar, man kann nunmal nicht alles haben 🙂 :

            Deutschland ist nach dem Desaster des 2. Weltkriegs einen „Deal“ (Neu- Deutsch^^) eingegangen, das dann als „Wirtschafts- Wunder“ (Dank an den grossen Bruder, die USA) in die Geschichte einging. Der Kapitalismus ist überall, das Geld nimmt keine Rücksicht auf Deutschsein, Christsein, Muslimsein, Busfahrersein. Das Geld beherrscht die Welt, schau mal in die Börsen dieser Welt, da findest Du Deutsche und Araber und Juden und Schwarze und Weisse und und und friedlich nebeneinander vereint beim Geldvermehren, da wandern Billionen Dollar in Oktillionstel Sekunden rund um den Globus, ohne jede Rücksicht auf nationale Grenzen. Deine Hosen kommen aus Asien, die Pizza vom Italiener, Dein Fernseher kommt aus Asien, ebenso Dein Computer und Dein Auto. Das Internet ist dabei, die nationalen Grenzen endgültig aufzulösen, die Internetgeneration hat kaum noch einen Bezug zu nationaler Identität, die Säkularisierung schreitet gnadenlos voran, das wird keine Partei der Welt aufhalten und es ist auch garnicht gewollt, denn nationale Bestrebungen schaden dem Geschäft- es sei denn, man kann nationale Identität monetarisieren:

            „Holländer Käse“, „Italienische Pizza“, „Deutsches Bier“, „Französischer Wein“, all das sind MARKEN, Trademarks, die mit dem Ursprung nichts mehr gemein haben.

            Man kann nicht reich werden und dabei seine Identität bewahren^^, dafür ist Deutschland seit dem Wirtschafts- Wunder ein lebendiger Beweis. Ich denke, nichtmal eine AfD würde daran drehen (wollen), denn wer sich der Wirtschaft entgegenstellt, der begeht politischen Selbstmord 🙂 Und, wollen wir doch mal ehrlich sein: Den meisten ist ein gutgefülltes Bankkonto doch weitaus wichtiger, als nationale Identität 😎
            Die Globalisierung und damit die Multikulturalisierung (warte erst, bis die Chinesen kommen^^) lassen sich ebensowenig aufhalten, wie sich die (grenzenlose^^) Klimaerhitzung noch wird aufhalten lassen (ist ja offenbar bisher auch nicht wirklich gewollt^^)…

            Das Geld ist ein unerbittlicher Gott. Und dieser Gott wird am Ende nicht viel übriglassen.

          • Nemesis

            Nun ja, es wird in naher Zukunft (nicht nur) für die Deutschen sicher genügend Gelegenheit geben, ihre Härte im Zuge der Klimaerhitzung zu beweisen. Du musst ein Sonnenland wie Spanien, Du musst die Sonne fliehen? Das dürfte auf Dauer schwierig werden, zum einen angesichts der stetig (exponential) voranschreitenden Klimaerhitzung, zum anderen aber auch insbesondere angesichts der Tatsache, dass wir im Zeitalter des Sonnenkultes, des Sol Invictus leben:

            https://de.wikipedia.org/wiki/Sonnenkult

            “ Wünschen würde ich mir als Utopie, dass Deutschland eine starke, gebildete, prinzipientreue, ehrenhafte Regierung hätte, die einerseits wahre Gerechtigkeit durchsetzt in der Gesellschaft: Bei der Reichtumsverteilung die momentan absurd wird. Beim Gerichtswesen, die nur noch eine Farce ist. Und in allen anderen Bereichen auch, die Außenpolitik sowieso.“

            Von der Oppositionsbank aus betrachtet wäre das sicher ein ehrenwertes Unterfangen. Allerdings ist die POLITIK als Profession nunmal eben KEINE ehrenwerte Angelegenheit. Selbst ein NationalSOZIALIST^^ wie Herr Hitler konnte (und wollte) nicht umhin, gemeinsame Sache mit der Wirtschaft zu machen 🙂

            Was den IS betrifft:

            Der IS entstand im Irak, nachdem die Amerikaner die irakische Armee komplett auseinandergenommen hatte und unzählige irakische Militärs plötzlich arbeitslos waren und ihr Land eine Trümmerwüste. Und die Amerikaner haben NICHTS getan, um die Entstehung und weitere Ausbreitung des IS in Syrien und dem Jemen zu verhindern. Die Amerikaner und auch die Europäer haben im nahen Osten vornehmlich EIN Interesse:

            Öl.

            Tja. Wer das Öl haben will, der muss offenbar, neben der Klimaerhitzung, noch einige weitere Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen, nichts ist umsonst. Der IS wird vornehmlich von Saudi Arabien finanziert, einer unserer liebsten politischen Freunde in Sachen Öl 🙂 Übrigens trocknet derzeit im Zuge der Klimaerhitzung ganz Nordafrika aus, da werden sich also noch viel, viel mehr Flüchtlinge auf die Reise machen.

            “ Teilspanier bist du? Spanien ist für mich immer zwar ein „Sonnenland“ gewesen, das ich klimatisch fliehen muss, aber die Mentalität der Spanier war immer ganz anders als die der Italiener beispielsweise. Einen dunklen Zug spürt man dort, einen Sinn für Ästhetik des Finsteren, egal ob in Karnevalsfesten einer bestimmten Region, sehr viel Stolz und Lebensenergie. Vielleicht auch eine Folge der Reconquista. Da wären wir wieder bei der Mentalität. ^^“

            Ich bin mir nicht sicher, ob mein Hang zum Düsteren meiner teilspanischen Herkunft oder doch eher meinen düsteren Lebenserfahrungen entspringt. Ich denke eher, Letzteres ist der Fall. Aber ich hatte schon immer auch einen extremen Hang zur spanischen Musik, zum Flamenco, El Duende:

            https://en.wikipedia.org/wiki/Duende_(art)

            https://www.youtube.com/watch?v=Scus9teTdjo&spfreload=10

            Es freut mich, dass Du eine Liebe für die Musik hast. Da haben wir doch wenigstens etwas gemeinsam 🙂 Und ich freue mich, dass Deine kleine Tochter Gitarre lernt. Musikalische Erziehung fördert den ganzen Menschen, Geist und Seele 🙂

            „Zen- Dekadenz“? Ich bin grad nicht sicher, was Du damit meinst…. macht aber nix, ich bin ja kein Zennie, nur ein Nobody 😎

            “ Alles ist unbeständig. Leiden gibt es.“

            – Zenspruch

          • lol dieses Mal muss ich dir rundum Zustimmung zollen. Wobei ich schon meine Strategien habe, der Sonne zu entfliehen und der Hitze. Nur, dass das als Selbstständiger nicht so einfach ist wie für jemand anderen. 😉 Wenn es an der Zeit ist, werde ich es verkünden. Könnte aber Jahre dauern.

            Ja, der gute alte Sol Invictus. Wird mal wieder Zeit antizyklisch dem Gothictum zu mehr Macht zu verhelfen 😉

            Flamenco kenne ich natürlich und er gefällt mir auch sehr gut. Die Spanier haben da eine Coolness in Gestik, Bewegung und Musik, die einmalig ist. Ich erinnere mich, dass ich schon zu Schulzeiten etwas jenseits des 80er Mainstreams auf den damals üblichen „Walkmen“ Paco de Lucia gehört habe. Aber auch die historische Musik. Ich war einmal bei einem Konzert von Jordi Savall, dem Meister der Viola da Gamba. Er hatte damals im Barockschloß von Nordkirchen auch spanische Themen musikalisiert. Pure Gänsehaut. https://youtu.be/9fXQ7Su4KZ8
            Aber die Gambe „koppelt“ immer an meine dunkle Seele an mit ihrem tiefen Charakter.

          • Nemesis

            Die Sonne gibt Leben, die Sonne nimmt Leben. Wusstest Du, dass auch zB die sog. Naturvölker Südamerikas eine ausgesprochene Aversion gegen die Sonne haben? Die Sonne brennt in dieser Weltgegend unerbittlich, die Indios fliehen daher die ungeliebte Sonne und suchen Schutz unter dem kühlenden Blätterdach des Dschungels. Letztlich jedoch ist auch die Sonne Teil des Kosmos, Teil unseres eigenen Wesens, dem wir nicht entgehen können. Jedoch, lass uns an dieser Stelle einmal (in guter Gothic-Tradition) dem Mond huldigen (auch dieses Gedicht fügt sich meiner Ansicht nach gut in diesen Thread) 🙂 :

            “ Under The Harvest Moon

            Under the harvest moon,
            When the soft silver
            Drips shimmering
            Over the garden nights,
            Death, the gray mocker,
            Comes and whispers to you
            As a beautiful friend
            Who remembers.

            Under the summer roses
            When the flagrant crimson
            Lurks in the dusk
            Of the wild red leaves,
            Love, with little hands,
            Comes and touches you
            With a thousand memories,
            And asks you
            Beautiful, unanswerable questions.“

            – Carl Sandburg

            Wunderbar, diese Musik von Jordi Savall 🙂 W.u.n.d.e.r.b.a.r.

            Paco de Lucia habe ich einmal live gesehen, ein absoluter Überzeugungstäter, ein wahrer Meister seines Fachs, leider viel zu früh verstorben- aber seine Musik wird ewig leben 🙂

          • Ich bin ja mond- und nachtsüchtig ^^ http://kaltwetter.com/sommerfetischismus-in-deutschland-und-die-vergessene-schoenheit-der-nacht/

            Der Mond ist für mich in der Tat anbetungswürdig. In schlimmen Zeiten im Leben war das folgende Gedicht immer eine Mahnung und Mutquelle. Nie mehr vor fremden Seelen betteln gehen …

            Mondaufgang

            Verschüttet Herz, du Mond noch nicht im Klaren,
            Brich durch,
            Das letzte Licht erlosch im Abendwind…
            Bald werden alle meine Gedanken,
            die Verdammte waren,
            Strahlen, weil sie schwebend und einsam sind.

            Nie mehr vor fremden Seelen betteln gehen!
            Nie mehr um die Erfüllung werben!
            Nicht mehr mit jeder Sehnsucht sterben
            Und falschen Herzens auferstehn.

            Gefäß der Zuversicht, du Mond im Klaren…
            Die Welt verlor den Glanz im Abendwind.
            Es kam die Nacht.
            Nun strahlen, die erblaßte Sklaven waren,
            Die Gedanken,
            weil sie über Meer und Erde mächtig sind.

            (René Schickele)

            Ganz im Kontrast dazu ein Danza ritual del fuego ^^
            https://youtu.be/G1yNB2T3rGo

          • Nemesis

            Smile, ich habe soeben Deine Huldigung der Nacht gelesen 🙂 Die tröstende, alles und jeden willig umfangende Nacht, unsere See- len-Heimat („See- le“, etymologisch = die der Tiefe eines See’s Entstammende), das Nagual, das Weibliche, die Ur-Mutter, das Nirvana, die Quelle aller Inspiration, aller Intuition, die wahre Heimat der Musen, der Ur- Schoss des Alls, die Ur-Quelle allen Seins und allen Nichtseins, DIE Quelle, die EWIGE Quelle… Jede Nacht tauchen wir dort ein, tief in unser eigenes Inneres, in unsere Urheimat… Doch der Eintritt ist nur gewährt, wenn wir loslassen, alles loslassen, Geburtsdatum, Name, Adresse, Personalausweis, Zeit und Raum, Kilogramm und Zentimeter, die Welt der Ratio, die Welt der Geraden und der rechten Winkel, die Welt der Schubladen und Karteikästen… Wenn wir nicht alles loslassen, dann flieht uns der Schlaf, er lässt sich nicht zwingen, der Schlaf ist nicht durch Tun zu erlangen 🙂 Ist das nicht wunderbar? Alles in dieser Welt hängt von der Ratio, von planvollem, zweckgerichtetem Wollen und Handeln, hängt von Leistung ab- nicht aber der Schlaf, der Schlaf ist eigen, er verlangt völliges Loslassen, völlige Hingabe. In der Johannes Apokalypse ist davon die Rede, dass Menschen den Tod suchen werden, ihn aber nicht finden werden… Was für ein Albtraum… Kein Schlaf, keine Nacht, kein Tod… Gefangen im ewigen, brennenden Licht des Tages…

            Im Vedanta kennt man 4 Bewusstseinszustände:

            Den Tiefschlaf/Tod, den Traum, das Wachbewusstsein und dann noch einen Bewusstseinszustand, „Turiya“ genannt:

            https://de.m.wikipedia.org/wiki/Turiya

            Turiya ist Samadhi, Satchitananda, vollkommene Meditation, vollkommen einsgeworden mit der ewigen Schwärze der Pupille, mit der ewigen Schwärze des eigenen, un-nambaren Seelenzentrums, einsgeworden mit Tiefschlaf, Traum und Wachbewusstsein, diese drei als Manifestationen des einen Atman/Brahman im ewigen Hier und Jetzt, tot und gleichzeitig lebendig, zutiefst schlafend und doch überwach, überbewusst, das ist Samadhi, das ist Turiya. Jene Schwärze, die im Zentrum Deines Auges, im Zentrum Deiner Seele wohnt, ist dieselbe Schwärze, die auch in mir, die in allen wohnt. Die äusseren Erscheinungen der Wesen in Zeit und Raum sind unterschiedlich, getrennt voneinander, aber jene Schwärze im Innern ist in allen dieselbe, im Zentrum dieser Schwärze sind wir alle Eins. Daher heisst es „Mensch!, erkenne Dich selbst!“ Um uns selbst zu erkennen, müssen wir zuerst nach Innen blicken, in die eigene, innere, unauslotbare Tiefe. Aber es ist so, wie Du in Deinem Beitrag sagst: Der moderne Mensch flieht die Selbstbetrachtung, er kann sich selbst nicht aushalten, der moderne Mensch ist sich selbst fremd und unheimlich, daher versucht er, sich im Aussen, im Machen und Haben abzulenken, der moderne Mensch ist permanent auf der Flucht.

            Samsara ist hell, Nirvana ist dunkel.

            “ Das Ich ist die Spitze eines Kegels, dessen Boden das All ist.“

            – Christian Morgenstern

          • Brillante Subsummierung unter die philosophisch-buddhistischen Varianten. Teilweise habe ich das mit den Bewusstseinszuständen auch in besagtem Buddhismusbuch gelesen. Und die Johannes-Apokalypse ist ein Wunderwerk, worüber man endlos schreiben könnte! Diese Bilder, diese Metaphern, dieser irre Wahnsinn (ganz bewusster Pleonasmus!). Die ganze Welt, der Tod, Vergangenheit und Zukunft in nur einer Offenbarung.

            “ Das Ich ist die Spitze eines Kegels, dessen Boden das All ist.“
            Genialer, einfacher und zutreffender kann man es kaum beschreiben.

          • Nemesis

            “ Und die Johannes-Apokalypse ist ein Wunderwerk, worüber man endlos
            schreiben könnte! Diese Bilder, diese Metaphern, dieser irre Wahnsinn
            (ganz bewusster Pleonasmus!). Die ganze Welt, der Tod, Vergangenheit und
            Zukunft in nur einer Offenbarung.“

            Ja, die Johannes Apokalypse er- innert an eine Psychose ;.) Da fällt mir grad folgender Song von Van Morrison ein:

            https://www.youtube.com/watch?v=kndj0YHjsPI&spfreload=10

            http://www.azlyrics.com/lyrics/vanmorrison/villageidiot.html

            Die Apokalypse ist ein sakraler Wahnsinn, aus der Nacht-Tiefe der Seele er- innert. Damit sehr verwandt, im Grunde identisch, ist die sog. Schamanenkrankheit.

          • Forscher sind der Ansicht, dass alle verwendeten Metaphern ganz bewusst verwendet wurden (z. B. 666 für die jüdische Zahlenlehre des Alphabets, die auf Nero verweist), weil jeder Jude diesen Code verstand, aber die Römer so die Botschaft nicht verstanden und Johannes nicht anklagen konnten.

            Unabhängig davon sehe ich in der Johannes-Apokalypse für mich ein ganzes Meer an geradezu filmszenenreifen Inspirationen, die man wunderbar nutzen kann. Und auch wenn nicht wenige Ereignisse auf das, was wir gerade erleben (Sterben der Ozeane, Klimatische Katastrophen) hindeuten, glaube ich nicht, dass Johannes 2000 Jahre in die Zukunft sehen konnte 😉 Der Text ist so vielschichtig, dass alle Zeichen irgendwie Platz in jeder Epoche finden und das ist seine Macht.

          • Nemesis

            Ja, 666, Nero Caesar. Die Juden haben ihre Botschaften aus guten Gründen verschlüsselt 🙂 Johannes, der Täufer, die Taufe, ein weiterer Hinweis auf die Nacht, Eintauchen in den Ur-Ozean, die Quelle ewigen Lebens. In der Finsternis leuchtet ein Licht. Wer die Gegenwart erkennt, der erkennt auch die Zukunft, daher brauchte der Verfasser der Apokalypse keine 2000 Jahre in die Zukunft blicken 🙂

            Übrigens, der Mond ist selbst im Sonnenkult des Christentums noch nicht ganz tot:

            https://de.wikipedia.org/wiki/Mondsichelmadonna

          • Ah, ich erinnere mich an diese Stelle aus der Johannes-Apokalypse mit der Frau und der Mondsichel, die hatte ich einmal eingehender betrachtet, aber mehr aus literarischen Gründen ^^

          • Nemesis

            Ich denke, wer die sog. Bibel nie aus literarischer bzw historischer Sicht betrachtet hat, der kann sie unmöglich verstehen. Immerhin ist die Bibel als solche ein willkürlich zusammengeschustertes Kompendium diverser Schriften, alles, was der Kirche unliebsam war, wurde redigiert oder weggelassen, wie Du sicher weisst 😉

          • Nemesis

            Ich denke übrigens immer noch über die nationale Identitätsfrage nach, ich möchte dieser Frage die ihr gebührende Ernsthaftigkeit entgegenbringen. Ein wenig habe ich ja auch schon weiter oben dazu gesagt. Ich möchte noch etwas hinzufügen:

            Wenn ich sehe, was sich Erdogan et al zZt Europa bzw den Niederlanden gegenüber erlauben, dann empfinde ich auch eine gewisse identität und Zugehörigkeit, allerdings empfinde ich mich wohl insgesamt eher als Europäer, denn als Deutscher. Das ist sicher auch der Tatsache geschuldet, dass ich nunmal ein deutsch-spanischer Bastard bin, kein 100% Deutscher (konnte ich mir ja nicht aussuchen). Ich stehe absolut hinter den Werten Europas und bin heilfroh, dass Europa nach dem Desaster des 2. Weltkriegs zusammengefunden hat. Ich hoffe sehr, dass die Länder Europas auch in Zukunft zusammenarbeiten und sich nicht wieder in nationalistischem Gebahren auseinanderdividieren, was meiner Ansicht nach unterm Strich den europäischen Nationen eher schaden als nützen würde. Erdogan et al hingegen wollen offenbar zurück ins Mittelalter, der Erdogan hat offenbar schlechten Shit geraucht^^ Man sollte ihm absolut klare Kante zeigen. Ehrlich gesagt fällts mir schwer, zu glauben, was ich da aus der Richtung so mitbekomme 😎 Also:

            Europa sollte zusammenstehen und BLOSS NICHT in nationalistisches Gehabe verfallen, wo dann jedes Land wieder sein eigenes, nationalistisches Süppchen kocht, denn das würde todsicher allen mehr schaden, als nützen.

          • Ich sehe mich ebenfalls als Europäer. Aber aus meiner Sicht gelingt nur ein Europa, wenn man den früheren „Volksstämmen“ ihre Identität lässt und dann zusammenarbeitet. Das, was Merkel macht, ist die Vergewaltigung der europäischen Idee zugunsten eines totalitären, nicht von den Bürger gewählten Machtapparates unter dem Götzen des Geldes in bisher nie gesehener Form.
            Ich denke du kennst du UN-Zielvorgabe, dass Europa pro Einwohner ein Kontingent von Ausländern aus dem Nahen Osten bekommen soll? Hab das Dokument, das frei im Internet bei der UN steht, gerade nicht zur Hand, müsste ich suchen. Mit anderen Worten: Die UN plant, von der EU umgesetzt, eine Abschaffung des im Grundgesetz genannten Staatsvolkes über massive Flüchtlingsaufnahmen und nimmt dabei Vergewaltigungen, Morde etc. billigend in Kauf (müssen ja eh nur die Bürger tragen und nicht die abgesicherten Politiker).

            Zu Erdogan und den Türken äußere ich mich nicht öffentlich. Dann mache ich mich strafbar, wie du dir denken kannst ^^

          • Nemesis

            Auch ich sehe die EU als Wirtschafts-„Gemeinschaft“ äusserst kritisch. Eigentlich saublöd, dass die EU so ist, wie sie ist, sie könnte eigentlich auch den Europäern DIENEN, stattdessen dient die EU wohl eher den reinen Geldinteressen der (multinationalen) Grosskonzerne 🙁

            Eine komplette Abschaffung des Staatsvolkes würde ich allerdings ganz und garnicht begrüssen, ich liebe die einzelnen Nationen in ihrem jeweiligen Sosein, Deutschland, die Niederlande, natürlich Spanien usw, ein bunter Strauss an Mentalitäten und Kulturen, die sich gegenseitig kulturell ect bereichern sollen, ohne ihre Identität dem Götzen des fucking Geldes zu opfern. Irgendwie verstehe ich schon, was Du mit nationaler „Mentalität“ meinst- es fühlt sich in Deutschland einfach anders an, als zB in Spanien, den Niederlanden oder sonstwo… und das ist auch gut so, ohne diese Tatsache würde Vielfalt verloren gehen, statt zu gedeihen.

            Yoh, was Erdogan betrifft, halte ich mich besser auch zurück…. §???:-(&§$^^… 😎

            Er macht ja im Grunde gerade vor, wohin es führt, wenn das nationalistische Gehabe wieder losgeht… da krieg ich ne Gänsehaut 🙁

          • Da kann ich nur jedem einzelnen Satz zustimmen und ja, Mentalitäten als Identität, nicht als nationalistisches Konstrukt. Stolze Selbstidentität und offene Toleranz und Bejahung der anderen Nationen in ihrer Andersartigkeit, die alle Europa bereichern, eben weil sie anders sind.

          • Nemesis

            Genauso verstehe ich auch Alan Watts‘ „Oneness AND Diversity“…

            Not- wendige Oneness als Spezies, aber Diversität/Vielfalt und Nationalbewusstsein unter den Völkern, so verstehe ich persönlich auch die europäischen Werte.

            Ich finde, man kann der Mentalität eines Volkes zB sehr gut an ihrem Liedgut, an ihre Musik, an ihrer Dichtung, Literatur, Kunst allgemein gut nachspüren. Oder auch an Mimik, Gestik, der „Schnauze“, wie der Berliner sagt. Ja eigentlich gibt es ja sogar innerhalb einer nationalen Kultur wiederum vielfältige Schattierungen, Slangs, Dialekte, lokale Eigenheiten, in Köln gehts ganz anders zu, als in München und doch gibts da natürlich viele Gemeinsamkeiten… Ausserdem macht erst der Unterschied zur Kiefer eine Eiche überhaupt erst zur Eiche, einen Löwen erst im Unterschied zum Tiger zum Löwen usw… Ohne Vielfalt gibt es keine Einheit, ohne Einheit keine Vielfalt.

            Auf jeden Fall sollten wir uns, was die Erhaltung des Homo Sapiens betrifft, ein wenig mehr auf globale Einheit konzentrieren 😎

          • Eine globale Entwicklung wird auf jeden Fall stattfinden, nun da wir zum ersten mal in unserer Geschichte diese historische Schwelle erreicht haben. Aber ohne die traditionellen Beimengungen und Begleitumstände (Blut, Tod, Hass, Krieg) wird die nächste evolutionäre Schwelle wohl nicht überwunden werden 😉

          • Nemesis

            Die globale Weltgemeinschaft ist inzwischen ein hochkomplexes, hochvernetztes, extrem fragiles Gebilde. Moderne Kriegsführung findet mehr und mehr virtuell im Internet statt, es gibt inzwischen immer mehr Gruppierungen, welche die unterschiedlichsten Interessen verfolgen, von den etablierten, traditionellen Geheimdiensten bis hin zu irgendwelchen wahnsinnigen Einzeltätern. Alles kann zum Ziel werden, das Pentagon, der Bundestag, irgendein Elektrizitätswerk, AKW oder Krankenhaus. Das ist ein globaler, unsichtbarer, asymetrischer Krieg, der bereits stattfindet. Je ausgetüftelter die Technologie, desto höher die Gefahr der globalen Selbstvernichtung der menschlichen Zivilisation. Auch die Wirtschaft ist inzwischen global extrem vernetzt, wenn in China die Flöhe husten, steht an der Wall Street den Bankern der Schweiss auf der Stirn und vice versa. Und parallel dazu sind uns Humbaba und Mutter Natur auf den Fersen- Nemesis.

            Je mehr die Weltgemeinschaft auseinanderdriftet, desto mehr können wir uns von gemeinsamen Lösungen hinsichtlich der ökologisch/klimatischen Krise verabschieden und es zeichnet sich bereits jetzt ab, dass man mithilfe von sog. Climate Engineering buchstäblich munter weiter Öl ins Feuer giessen wird. Kriege sind extrem teuer (wenn auch immer irgendjemand daran verdient) und dem planetaren Ökosystem höchst unzuträglich. Die beiden herausragenden Peaks der globalen CO2 Emissionen gab es nachweislich nach dem 1. und 2. Weltkrieg. Das globale Klima ist proportional zum Klima der globalen Politik, ganz direkt^^ Es wird keine Gewinner irgendwelcher Kriege geben. Solange die moderne Zivilisation sich noch nicht über den gesamten Globus ausgebreitet hatte, gab es noch Terrain zu erobern, man konnte weiterziehen, neue Ressourcen, neues Land erobern. Diese Zeit ist vorbei, Land wird immer knapper, Ressourcen werden immer knapper. Ausweichen und mal eben andere Planeten erobern und besiedeln, wie man noch vor einiger Zeit träumte, ist nicht, ausgeträumt. Die Naturgesetze haben uns am Kragen. Karma. Wir sitzen alle in einem globalen Boot. Da draussen ist viel aufgestaute Aggression unterwegs, nicht nur in Deutschland (siehe zB Türkei, USA usw). Der 3. Weltkrieg würde auf einen Krieg Jeder gegen Jeden hinauslaufen. Das würde ich Deiner Tochter und der globalen Jugend insgesamt nicht wünschen. Übrigens zahlen sowieso die globale Jugend und die kommenden Generationen für jeden Fehltritt, den die Altvorderen begehen. Die nachfolgenden, beraubten Generationen sind sehr zu bedauern. Zur Zeit belaufen sich die globalen Schulden auf rund 200 Billionen Dollar! ( https://tinyurl.com/hpm58nb ), Schulden, welche eiskalt, ohne zu zögern auf die Jugend und die nachfolgenden Generationen abgewälzt werden. „Blut, Hass, Tod, Krieg“- wenn das die Zukunft ist, dann bleibe ich weiterhin froh, keine Kinder in diese Welt gesetzt zu haben. Wir befinden uns auf der Titanic, unter der Oberfläche ist der Schiffskörper bereits aufgeschlitzt- wird sich also selbst noch im Untergang die Menschheit gegenseitig abschlachten? 😎

            Du sagtest weiter oben, ich würde eine positive Entwicklung negieren. Mir scheint es eher so, dass bisher schlicht die Wirklichkeit selbst eine positive Entwicklung negiert^^

          • Nemesis

            Übrigens:

            https://tinyurl.com/jshusky

            Das extrem fatale Insektensterben ist ein globales Phänomen. Wenn also Homo Sapiens mehr „Krieg, Blut, Hass, Tod“ möchte, dann sollte er sich damit beeilen, denn viel mehr Zeit dazu ist ihm nicht mehr beschieden 😎

          • Nemesis

            “ Blut, Krieg, Hass, Tod“- ein weiterer Blick in den Abgrund:

            “ 15.3.2017 – Bildung von Terrorvereinigung – Haftstrafen für Oldschool Society-Anführer

            … Besonders häufig diskutierte die Gruppe die Themen Flüchtlinge und Asylbewerber. Im Telegram-Chat diskutierte die Gruppe den Plan, einen Anschlag unter falscher Flagge zu begehen, um Zuwanderer zu diskreditieren. „Ich hoffe auf einen Muselanschlag in Deutschland, denn dann rollen auch Muselköpfe“, schrieb Olaf O. laut den Ermittlungsunterlagen im Chat. „Einfach ein deutschen opfern und es den musels in de schuhe schieben“, kommentierte die Mitangeklagte Denise G.

            Bedeutende Kirche als Anschlagsziel

            Verschiedene Ziele wurden daraufhin in der Gruppe durchgespielt. Olaf O. schlägt „ne wichtige Kirche“ vor, „irgend ne Kirche auf die Deutschland stolz ist“, wie etwa der Kölner Dom oder die Dresdner Frauenkirche. Dabei solle man „Allahu Akbar“ rufen, um den Verdacht auf Muslime zu lenken. Auch physische Gewalt gegen Flüchtlinge wurde propagiert. Für das zweite Treffen schlugen OSS-Mitglieder eine „Nachtwanderung“ vor: „Mögliche Ziele: Asylantenheim, Antifaquatier oder Ölaugen umschuppen.“…“

            http://www.tagesschau.de/inland/oss-urteil-101.html

            “ 15.3.2017 – Twitter-Hetze – Gehackte Accounts verbreiten Schmähbotschaften

            Hacker haben sich Zugang zu Tausenden Twitter-Accounts verschafft und darüber Anfeindungen gegen die Niederlande und Deutschland verbreitet. Unter den betroffenen Accounts waren unter anderem die Twitter-Auftritte von Borussia Dortmund und Amnesty International.

            Hacker haben sich Zugang zu Tausenden Twitter-Accounts verschafft und darüber Anfeindungen gegen die Niederlande und Deutschland verbreitet. Auch auf verifizierten Accounts mit großer Followerzahl fanden sich Nachrichten mit den Hashtags #Nazialmanya und #Nazihollanda, einem Hakenkreuz-Symbol und dem Satz „Wir sehen uns am 16. April“. An diesem Datum sollen die Türken über eine Verfassungsreform abstimmen. Sie würde die Machtbefugnisse von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan massiv ausweiten. In Deutschland leben gut 1,4 Millionen wahlberechtigte Türken – die größte Gruppe in der EU…“

            Zugang zu den Konten über eine App

            Unter den betroffenen Accounts waren die offiziellen Twitter-Auftritte von Borussia Dortmund und Tennis-Legende Boris Becker, des TV-Entertainers Klaas Heufer-Umlauf, des Senders ProSieben, Amnesty International sowie des Magazins „Forbes“. Zugang zu so vielen Accounts auf einmal dürften sich die Hacker über eine Zusatz-Anwendung verschafft haben, die Zugang zu all diesen Konten hatte…“

            http://www.tagesschau.de/ausland/twitter-tuerkei-hacking-101.html

            Wie gesagt, der Krieg der Zukunft ist asymetrisch, der Feind kann jederzeit überall sein, die Frontverläufe sind zunehmend schwieriger auszumachen. Ein Fest für Mutter Kali… 😎

            http://wiki.yoga-vidya.de/images/c/ca/KaliMitShiva_gr.jpg

          • Nemesis

            Nu ja, gibt zur Klimaerhitzung, ökologische Krise pipapo eh nix mehr zu sagen, ist längst alles gesagt, mehr als genug, seit Jahrzehnten wird gelabert, ändern tut sich nix. Also zurück in die Stille 🙂

            Alles Gute!

          • Nicht willkürlich. Sondern ausgewählt ^^ Und ein Theologe würde dir mit Sicherheit vehement widersprechen, da auch andere Schriften (nicht nur die Apokryphen) nach wie vor eine große Bedeutung haben.
            Letztlich stammt die Deifizierung des Buches und von Schriften noch aus früheren Zeiten, als Lesen ein Privileg war und Bücher so kostbar wie Gold. Als Historiker gefällt mir das auf eine altmodische, ästhetische Weise 😉 Und bei den ganzen gehirngewaschenen „Kevins“, aus denen bald die Gesellschaft der Zukunft bestehen wird, wenn wir so weitermachen, wird das Buch dann wohl doch wieder einen sehr hohen Stellenwert erhalten lol

          • Nemesis

            Natürlich, natürlich, „ausgewählt“… 🙂

            Yoh, die Herren Theologen, die studierten Gotteskenner… ich bin der Ansicht, dass jedes Kind (zB Deine kleine Tochter) mehr über Gott bzw das grosse Mysterium weiss, als irgendein Studierter. Leider wird jedoch dieses angeborene Wissen der Kinder in der Schule ect rausexorziert, da dieses angeborene WIssen nicht förderlich für die Arbeitsfront ect ist 😎

          • Teilweise hast du recht, aber ich will das gar nicht so ausschließlich behandeln. Man kann Gott oder das Universum mit der Seele ergründen oder verstehen, aber auch auf eine analytische Weise, die ebenso zu Erkenntnisschock führen und das Leben verändern kann. Ich bilde mir ein, beides erfahren zu haben und möchte beide Wege nicht missen. Wobei ich die Institution Kirche nicht als heilig betrachten würde, sondern eben als zeitreisendes Gefäß, das zeitlose menschliche Werte über alle Epochen und Mentalitäten hinweg durch die Zeit transportiert. Man kann es nutzen, muss es aber nicht.

          • Nemesis

            Ich respektiere selbstverständlich den privaten Glauben eines jeden Menschen, aber ich habe mich zu sehr mit der INSTITUTION der Kirche bzw mit der Historie des Christentums befasst… daher halte ich hier besser mal die Klappe 😉

          • *g* ich mich auch als Mediävist. Als Folge von 12 Jahren Beschäftigung mit der Thematik bin ich vor einigen Jahren aus der evangelischen Kirche aus- und in die Katholische Kirche eingetreten. So unterschiedlich sind wohl die Lehren, die man ziehen kann. Der Reflex, die katholische Kirche falsch zu beurteilen erfolgt meist durch den Fehler des Anachronismus: Die Übertragung von heutigen Werten auf frühere Zeiten, in denen diese Werte noch gar nicht von der Menschheit erfasst und erkannt worden sind.
            Aber natürlich kann man auch aus anderer Sichtweise, die nur heutige Zustände behandelt, anderer Ansicht zur Kirche sein. Ich sehe es als rein private Frage, ob man selbst mit der Kirche und seinem Glauben etwas anfangen kann. Ich kann es trotz aller Kritik und fühle mich mit meinem christlichen Glauben endlich zuhause angekommen (und das obwohl in meiner Familie niemals Katholiken waren). Andere sehen das anders und das ist auch in Ordnung. Der Glaube ist ohnehin von der Institution völlig getrennt. Die Kirche ist nur ein Gefäß von vielen für den Glauben und jeder muss selbst entscheiden, aus welchem Gefäß er trinken möchte ^^

          • Nemesis

            Du hattest übrigens weiter oben gefragt, als was ich die Musik betrachte. Meine Antwort darauf fällt eher umfangreich aus, daher schlage ich vor, dass Du vielleicht folgenden, etwas älteren Thread von mir besuchst, falls Du Interesse hast:

            “ Der Satan in der Musik“

            http://bit.ly/2mV5y1R

            Dort erläutere ich ua auch meine Sicht auf die Crux des Christentums, Schamanismus und mögliche Ursachen der Krise des modernen Menschen…

          • Nemesis

            Ach so, mein Nick ist/war dort übrigens „freeman“ 😉

          • Das mache ich gerne, aber dazu brauche ich Zeit und die richtige Gesinnung. Mir fliegt momentan sehr viel um die Ohren inkl. meiner Mutter im Krankenhaus. Ich gebe Rückmeldung, wenn ich das in Ruhe durchgelesen habe. Ich bin sicher, es ist die Zeit wert, wenn ich mir so deine Kommentare hier ansehe 🙂

          • Nemesis

            Selbstverständlich, das sog. Real Life sollte meiner Ansicht nach immer Vorrang vor dem Internet haben (wenn ich dieser Prämisse auch nicht immer konsequent folge 😉 )

            Nimm Dir bitte alle Zeit der Welt. Und alles Gute für Dich und Deine Mutter!

          • Danke 🙂

          • Nemesis

            Ich habe DIR zu danken für das ausserordentlich inspirierende Gespräch mit Dir 🙂

            Ich habe übrigens meine Mutter leider im Alter von 4 Jahren verloren. Mütter, Omis, Frauen ganz allgemein sind sehr wichtige Personen, die Welt ist viel zu sehr durch Männer dominiert 😉

          • Ich spreche schon seit Tagen mit meiner Frau über dich, gerade weil du teilweise andere Ansichten hast und mir zu denken gibst ^^

            Ein Matriarchatanhänger? ^^ Und das als stolzer Spanier 😉 Ich hatte meine Frauenversteherphase im Studium, als ich den Minnesang geradezu gelebt habe. Und bitter erfahren musste, dass auch der Teufel ein schönes Gesicht haben kann – nicht nur einmal. Momentan bin ich eher wieder auf der Erkenntnisebene, dass vor allem Frauen mit ihrem hinterlistigen, nichtdirekten Weg für viele Probleme dieser Zeit verantwortlich sind. Sie haben deutsche Männer zu Weicheiern degenerieren lassen und nun stehen sie schutzlos den islamischen Horden gegenüber. Ich denke, es wird Zeit, dass Männer wieder zu ihren Wurzeln zurückfinden und Stärke und Bildung ästhetisieren und ehrenvoll wie ein Gentleman handeln.
            Aber es ist ja nicht so einfach wie beschrieben. Es gibt nach wie vor viel zu viele Penner, die Frauen schlagen und unterdrücken. Dazu geleckte Hipster die über die paläophile Kraft des Bartes faseln und dabei nach Haargel und Parfüm riechen wie eine billige Vorstadtnutte ^^
            Mir schweben da manche spanischen Mentalitäten vor, wo Männlichkeit noch geerdet und ausgeprägt ist, Respekt vor Frauen ebenso (leider nicht immer, aber wie gesagt: Details). Ist es nicht der Flamenco, der uns zeigt: Emotionen und Stolz vereint. Respekt vor den Flamenco tanzenden Frauen sowohl in ihrer kraftvollen, stolzen Eleganz wie in ihrer attraktiven Weiblichkeit. Beiderseitige Würde. Vielleicht sehe ich es als Außenstehender zu romantisch oder idealisiert. Aber ein Ideal ist auch eine Grundrichtung, ein „Geschmack“ einer Kultur, befreit von störenden Details.

          • Nemesis

            “ Ein Matriarchatanhänger? ^^ Und das als stolzer Spanier“

            Ufff… jetzt hast Du mich aber ganz schön am Kragen^^… nee nee, so war das ganz und garnicht gemeint^^… ich kann auch anderes, wenns erforderlich ist 🙂 Ich bin nur solange nett und verständnisvoll Frauen gegenüber, solange sie mir gegenüber nett und verständnisvoll sind^^… weisst Du, ICH, im Gegesatz zu Dir :-P, habe immer schön meine eigene Wohnung behalten, also noch nie eine Wohnung mit einer Frau geteilt und auch Heiraten und son Krams war nie mein Ding… im Übrigen lebe ich seit einigen Jahren ohne jede feste Beziehung und fühl mich richtig gut dabei 🙂 Glaub mir, bisher ist noch jede Frau an meinem extremen Freiheitsdrang verzweifelt, ich habe schon irgendwie einen extremen Stolz und ziehe immer knallhart mein eigenes Ding durch 😎

            P.S.: Ich hoffe, Du nimmst mir mein Zungeraustrecken nicht übel, war nicht böse gemeint… und was meinen Stolz und meinen extremen Freiheitsdrang betrifft… ich habe halt meine eigene Biographie, seufz…

            Ich würde allerdings niemals eine Frau schlagen, dazu wäre ich mir zu schade, dazu wäre ich zu stolz.

          • Nemesis

            Übrigens kann der sprichwörtliche, spanische Stolz bzw Machismo auch böse nach hinten losgehen… meine Mutter hat sich im Beisein meines spanischen Vaters eine Kugel ins Herz gegeben… sicher nicht ohne Grund, sie war diesem Mann verfallen… geschlagen hat mein spanischer Vater meine Mutter nicht, aber er war ein Eisenschädel… genau, wie ich… spanische Männer sind vielleicht garnicht so verschieden von zB arabischen Männern… in Spanien haben die Frauen viel zu sagen, in der Küche und bezüglich der Kinder, ansonsten eher nicht. Spanische Männer verhalten sich oft mit stolzgeschwelter Brust wie trotzige kleine Buben.

          • Nemesis

            🙂

            “ Die Welt, die monden ist

            Vergiß, vergiß, und laß uns jetzt nur dies
            erleben, wie die Sterne durch geklärten
            Nachthimmel dringen, wie der Mond die Gärten
            voll übersteigt. Wir fühlten längst schon, wie’s
            spiegelnder wird im Dunkeln; wie ein Schein
            entsteht, ein weißer Schatten in dem Glanz
            der Dunkelheit. Nun aber laß uns ganz
            hinübertreten in die Welt hinein
            die monden ist.“

            – R. M. Rilke

          • Der gute alte Rilke. Ja, die Klassiker sind zeitlos genial 🙂

          • als Nachtrag: Ja die Indios wissen auch, was die Sonne anrichten kann. Deutsche Sofeten offenbar (noch) nicht. Das scheint aber auch wirklich eine deutsche Erscheinung in ihren Auswüchsen zu sein. ^^

            Das Gedicht ist eher ein Mondwärmegedicht nenne ich es einmal, aber da ich aus mir nicht ganz klaren Gründen im August Mondnächte liebe unabhängig von der grassierenden Hitze, kann ich das durchaus nachempfinden 🙂 Die Stimmung von Mondnächten im August erinnert mich allerdings eher an Japan, an Lackmalereien von Mondnächten auf Inrô, an Melancholie, Menschen deren kurze Leben wie Kirschblüten dahinwehen.

          • Da stimme ich dir leider auch zu. Aber man muss ja nicht in den Chor der Zeit einstimmen. Weder als Historiker, der die Strukturen der Vergangenheit erkennt und ihnen (nur teilweise!) nachtrauert. Als Deutscher kann man nur konstatieren, dass man verloren ist in dieser Welt, da hast du recht, dass man die Identität verloren hat und nur noch ein Sklave des Geldes geworden ist.
            Ich denke aber nicht, dass es dabei bleiben wird. Auch die heutige Epoche ist nur eine unter vielen. Am Ende wird das System zusammenbrechen unter dem Druck der historischen Entwicklungen und durch etwas anderes ersetzt werden. Ob das dann besser sein wird? Ich wage es zu bezweifeln 😉
            Solange man als Individuum noch sich in der Lage sieht, das Glück und/oder innere Freiheit und satori zu erlangen, solange hält sich die Sklaverei noch in Grenzen.
            Ich persönlich wäre mit einer kleinen Holzhütte in Island fern aller Moderne vermutlich glücklicher als in der modernen Welt.

          • Nemesis

            Nein, das ist wahr, man muss nicht in den Chor der Zeit einstimmen. Vermutlich haben wir doch mehr gemeinsam, als es vielleicht auf den ersten Blick scheint 😉 Ja, ich denke auch, dass das System am Ende zusammenbrechen wird. Eigentlich weiss ich das schon mein ganzes Leben lang. Es läuft etwas gewaltig verkehrt, dieser Instinkt hinsichtlich des Systems und seines Endes begleitet mich mein Leben lang und ich sehe inzwischen überall überwältigende Belege dafür, die Klimaerhitzung ist nur ein Symptom unter vielen weiteren Symptomen. Ob es nach dem Zusammenbruch besser sein wird? Samsara bleibt immer gleich, ich stimme also mit Deinem Zweifel dahingehend überein 🙂

            “ Solange man als Individuum noch sich in der Lage sieht, das Glück und/oder innere Freiheit und satori zu erlangen, solange hält sich die Sklaverei noch in Grenzen.“

            Satori ist gegründet auf Satipatthana:

            http://www.palikanon.com/wtb/satipatthana.html

            Befreiung/Satori beginnt mit der sog. Leichenfeldbetrachtung, der Bewusstmachung der alles beherrschenden Sterblichkeit und Vergänglichkeit. Malcolm X hat es so formuliert:

            “ The price for freedom is Death.“

            “ Ich persönlich wäre mit einer kleinen Holzhütte in Island fern aller Moderne vermutlich glücklicher als in der modernen Welt.“

            🙂 Dieser Gedanke ist mir sehr sympatisch- wobei allerdings Island nicht wirklich Deutsch ist 😛

            Doch, ich denke, wir habe einige wesentliche Dinge gemeinsam 🙂

          • Ich habe das Gefühl, wir nähern uns von 2 verschiedenen individuellen Polen der Wahrheit im Zentrum der konzentrischen Kreise 😉

            Dass etwas komplett verkehrt läuft und man das Gefühl das gesamte Leben hat, dieses Gefühl habe ich auch immer gehabt, schon als Kind. Und je mehr man Wissen erwirbt und Bildung, um so schärfer werden die Details und Gründe…

            Interessant, ich wusste nicht, dass es so deutliche Parallelen von Japan und Indien gibt, aber ich habe schon öfter solche entdeckt. Immerhin handelt es sich letztlich um Buddhismus und das ist nunmal Indien, weniger als Ort denn als eine Lebensform ^^
            Leichenfeldbetrachtung: Ich habe immer eine Faszination für den Tod gehabt als ultimatives Mysterium des Menschen. Das ging am Ende soweit dass ich im Philosophiestudium mich in meinen zukünftigen Tod versenkt habe, mir vorgestellt habe, ich läge auf dem Totenbett und atme die letzten Züge. Es hatte verstörende Auswirkungen in dieser Intensität. Mit Worten kaum zu beschreiben. Ich würde nicht so weit gehen, dass ich damit satori erlangt habe, aber es hat etwas in mir verändert.

            Island ist nicht deutsch, aber germanisch und somit in Sprache und Denken sehr ähnlich, auch wenn man weiß, dass Island sich isoliert weiter entwickelt hat und heute als einzige Enklave Europas noch Strukturen aufweist in Recht (Thing auch heute noch genannt) und Lebensweisen (Glaube an Trolle und Elfen) wie vor 1200 Jahren. Sie haben sich in ihrer Identität noch nicht verloren ….

          • Nemesis

            🙂 Wir haben verdammt viel gemeinsam. Ich hätte Dir noch viel zu sagen, doch ich muss mich heute noch ein wenig mit der Gitarre beschäftigen. Nur soviel schonmal:

            Ich denke, wir gehören beide einer aussterbenden Gattung an, einer Gattung, die letztlich jenseits bestimmter Völker west, einer Gattung, der schon Nietzsche nachtrauerte. Bis nachher, Sir Kaltwetter^^

          • Das macht es spannend. Wir haben viel gemeinsam und sehen es doch aus unterschiedlichen Perspektiven.
            Hach ja Nietzsche… „gelobt sei, was hart macht“ 😉 Erinnert mich daran, dass ich mich an seine gesammelten Werke nach 20 Jahren mal wieder heranbegeben wollte.

            Bin jetzt aber auch erstmal am Arbeiten in eher stupideren Verwaltungsdingen. Bis später, Nemesis.

          • Interessante Zusammenstellung und auch inspirierend. Aus meiner Sicht versucht Watts hier dass Unmögliche, spirituelle Sichtweisen zu erklären. Und repitiert im Grunde die philosophische Lehre der Erkenntnistheorie, des Höhlengleichnisses und einer darauf basierenden individuellen Ethik.
            Es geht aber letztlich auch um die Frage, ob man sein ganzes Leben auf dieser ontologischen Definition von Existenz sehr abstrakt aufbaut. Oder ob man in der Welt sich befindet und pragmatisch-kurzfristig agiert. Angewandt ausgedrückt: Es hilft mir nicht, zu wissen, dass ich ein Teil des unteilbaren Universums bin und meine Existenz ganzheitlich definiere, wenn meine nicht so weitsichtige Regierung islamische Horden ins Land lässt, die meine Sicherheit gefährden, vielleicht meine Tochter töten werden und die konkrete Zukunft auf eine Art und Weise vergewaltigen, die meine Ansicht von einem hochwertigen Miteinander verunmöglicht.

            Ein spiritueller Mensch ist nicht immer, aber oft auch jemand, der weltabgewandt lebt, weil, wie wir ja diskutiert haben, das Glück sich nur im Individuum selbst findet.
            Dies kann man auf eine ganzheitliche Weise positiv definieren. Aber auch negativ, wenn man postuliert, dass die Menschheit als Ganzes vielleicht eben doch eine Zukunft und ein Ziel auf diesem kleinen Planeten hat, das wir heute noch nicht erkennen und das die Wellen aus Leid, Krieg und Zerstörung voraussetzt. In diesem hypothetischen Fall wäre ein spiritueller Mensch, der sich komplett der Welt entzieht zwar jemand, der höchste Erkenntnis im Elfenbeinturm des Kosmos gewinnt, aber keinen Beitrag zur Weiterentwicklung seiner Spezies leistet und seiner Verantwortung flieht. Vielleicht sind Kinder auch der Grund, um sich dieser Verantwortung bewusst zu werden, nicht für alle, aber für einige. Bei mir ist es zumindest so, weil das universale Prinzip der Liebe bei einem Kind so gewaltig tätig wird, dass man es selbst als Idealist nicht ignorieren kann und man neu geboren wird – auch wenn viele das einfach nur als biochemische Notwendigkeit sehen, was ich auch vor der Geburt meiner Tochter gesehen habe, aber aufgrund meiner Erfahrung mittlerweile nur als eine – spirituelle ^^- Erkenntniserweiterung definiere, die mein Handeln geändert hat.

            Was die Menschheit braucht ist beides. Spirituelle Kenntnisse und pragmatische Verantwortung in der Vielfalt unserer Welt. Die Frage ist nur, wie man beide auf beste Weise verknüpft. Denn auf lange Sicht wird nur beides unsere Spezies retten bzw. auf einen sinnvollen Weg in die Zukunft führen.

          • Nemesis

            Aber genau das versucht ja Alan Watts aufzudröseln, er plädiert ja garnicht für einen weltabgewandten Einheitsbrei^^ Ganz im Gegenteil versucht er „weltliches“ und „spirituelles“ Leben in einer Gesamtschau zusammenzubringen:

            http://www.taichido.com/chi/newbud/sato3.htm

            Watts argumentiert hier entlang des Zen. Ein grundlegender Zenspruch besagt:

            “ Offene Weite, nichts von Heilig!“

            Alan Watts sagt, Naseputzen, Händewaschen, die Suppe zu Mittag usw usw, all dies ist Ausdruck höchster Wirklichkeit. Aus dieser Perspektive bedeutet „Satori“, jedem Alltagsmoment die gebührende ACHTSAMKEIT entgegenzubringen und eben KEINE Spaltung zwischen Profan und Spirituell, Welt und Kloster aufzumachen. Wer jedem Moment in seinem Leben die ihm gebührende Achtsamkeit entgegenbringt, der lebt Satori. Wer die höchste Wirklichkeit nicht in der Welt, nicht im Alltag findet, der wird sie auch in keinem Kloster finden.

            Was die von Dir angesprochenen, deutsche Frauen vergewaltigenden muslimischen, Horden betrifft:

            In dem Ghetto, in dem ich aufgewachsen bin, haben wir in den 70ern mit Messern bewaffnet Jagd auf Türken gemacht. Wir fühlten uns damals schon überfremdet und bedroht, von allen möglichen und unmöglichen Seiten. Nun ja, ich war halt ein Teenager und fand es cool, Jagd auf Menschen zu machen. Aber wirklich gebracht hat das nix, die Türken wurden trotzdem immer mehr 🙂 Tja, also haben wir uns irgendwann mit denen angefreundet und Mitte der 80er gabs dann sogar eine türkische Teestube mitten in urdeutschem Apachengebiet^^ Yoh, unsere Siedlung galt damals unter anständigen deutschen Bürgern als Apachengebiet, muhahaha. Ich habe übrigens einen schwarzen Kumpel, wir nennen uns gegenseitig „Nigga“…. 😎 Die wirklich entscheidende, blutige, globale Grenze verläuft nicht zwischen Muslimen und Christen (nope, ich bin todsicher kein Christ und todsicher kein Muslim und nichtmal ein Buddhist), nicht zwischen Weiss und Schwarz oder Deutsch und Undeutsch, die wirkliche, blutige, globale Grenze verläuft zwischen Arm und Reich… mal sehen, wie lange noch, harr harr. Vor Mutter sind alle gleich, muhahaha…

            “ MOTHER EARTH

            Mother Earth is waitin‘ for you, yes she is.
            She is big and she’s round,
            And it’s cold way down in the ground.

            You may not be happy all the time,
            You may never be that way,
            Mother Earth is waitin‘ for you,
            For that debt you’ve got to pay.

            Don’t care how big you are,
            I don’t care what you were,
            When it all is up,
            You’ve got to go back to Mother Earth…“

            Eric Burdon, Mother Earth

          • Nur kurz heute, das wird ne lange Arbeitswoche bei mir.
            Ja das stimmt, Zen ist gelebte Spiritualität. Dann habe ich das wohl etwas falsch verstanden in dem Video. Lag vielleicht an der englischen Sprache ^^

            Dass die Grenze zwischen Arm und Reich verläuft bzw. zwischen Bildung und Nichtzugang zu Bildung ist mir auch klar. Ändert trotzdem nichts an der Situation, dass wir überschwemmt werden von barbarischen Horden, die eben arm und ungebildet sind. Der Skandal liegt daran, dass die Regierung es zulässt, als hätte sie nicht alle Tassen im Schrank. Und dass Deutschland selbst zum Ghetto wird. Und ehrlich gesagt, das muss ich mir nicht gefallen lassen und meiner Tochter solch eine Gesellschaft auch nicht antun.

            Aber da spalten sich gesellschaftlich gerade ohnehin die Geister ^^ Insofern kann ich mir eine Zen-Dekadenz mit Familie gerade nicht leisten. Ich sehe eher die Bereiche durchaus noch getrennt: Einerseits das Weltall voller Wunder und unser schöner Planet mit seinem Scherbenhaufen, in dem ich versuchen muss, zu überleben auf bestmögliche Weise.

          • Sehr interessant und dein Kontakt mit einem Sangha ist ein Privileg, über das ich nicht verfüge.
            Die Lebensgeschichte des späteren Buddha kenne ich gut, wenn ich auch solche Details als Theoretiker oft vergesse ^^ Ich kann hier „Philosophie des Buddhismus“ als theoretisches Buch empfehlen. Meines Wissens nach das einzige deutschsprachige Buch, das auf höchstem Niveau den Buddhismus auf einer schematischen Ebene erfolgreich behandelt (was eigentlich unmöglich ist), geschrieben von 2 Profs. http://amzn.to/2lKPosE

            Den Tod sehe ich ähnlich wie du und damit im krassen Gegensatz zur Gesellschaft, wobei ich aber auch den Tod als düsteres Ästhetikum nicht egalisiere. Ich sehe ihn in einer Form von Dualismus. Einerseits als natürlichen Bestandteil des Lebens als Beobachtender und final als Erlebender, aber auch die Bitterkeit und das Grauen aus einer spezifisch menschlichen Sichtweise, durch die er erst zu einem ontologischen Spiegel wird, in dem man zeitlose Werte erkennt.
            Dein Vergleich mit der Pupille ist herausragend, eine sehr passende Metapher.

          • Nein, nein, ich meinte du negierst eine positive Entwicklung der Gesellschaft und das ist ja auch völlig legitim. Ich habe nicht den Eindruck, dass du unterschiedliche Meinungen negierst, überhaupt nicht.

            Das CERN und Shiva? ^^ Na, das passt aber. Obwohl manche unken, dass durch die Energieerhöhung der Experimente sich aufgrund der mikroskopischen Schwarzen Löcher bald das Weltenende andeuten wird. Dann müssten die Schwarzen Löcher sich nicht auflösen, sondern in den Erdkern fallen und sich dort langsam sattfressen und größer werden, bis es unseren Planeten und uns verschlingt. Das wäre mal ein dramatisches Ende 😉

            Ich mag ja mehr die böse Kali 😉 https://uploads.disquscdn.com/images/4865ef7cfd632fd0864c9c9b16102ae54ce96ede2161292770c5a57083cd38b4.jpg

            Auch ich fand unser Gespräch sehr interessant. Man lernt niemals aus. Und ehrlich gesagt finde ich selten so hochwertige Gedanken, komplexe Strukturen und Ansätze zum eigenen Nachdenken wie bei dir. Vielleicht gibt es ja noch weitere Gesprächsgelegenheiten. Gerade bei der Musik hätte ich als Laie noch einige Fragen, so wie bei allen Kunstformen durch unterschiedliche Perspektiven man sehr viel lernen kann. Ein Bild ändert sich mit jeder Seele eines Betrachters, der es erblickt. Mit der Musik ist es ähnlich. Aber dazu ein andermal. Das Bett ruft und die Macht dunkler Träume 😉

  • Eifelhexe

    Nabend, sehr schön geworden.
    Könntest du bitte bei Impressionen Bild Nr.9 abändern? Das ist von mir.Wurde unten falsch beschriftet.Danke.

    • Die Bilder werden per Zufall gemischt, so dass kein Nr. 9 identifizierbar ist. Könnte auch daran liegen, dass die Texte bei den Bildern manchmal haken. Poste einfach nochmal das Bild, damit ich weiß, worum es sich handelt und ich das prüfen kann.

  • Jo1965

    Die sofetische Verblödung, die auch vor Meteorologen nicht haltmacht, ist wunderbar von der Satirezeitschrift „Titanic“ in ihrer Rubrik „Briefe an die Leser“ verarbeitet worden, und zwar am Beispiel des unsäglichen Gunter Tiersch vom ZDF:

    “ Ungeduldig, Gunther Tiersch,

    und gewohnt übergriffig behaupteten Sie bereits im frühen Februar in Ihrem ZDF-Wetterbericht, »wir alle« würden »wahrscheinlich« schon auf den Frühling warten. Und irgendwie haben Sie sogar recht: Nichts gegen den Frühling. Doch leider folgt auf den bekanntlich der Sommer, und der wiederum zeichnet sich u.a. dadurch aus, daß »wir alle« regelmäßig miterleben müssen, wie Sie, Tiersch, mit geballten Fäusten und mahlendem Kiefer vor der Kamera stehen und sich nicht mehr einkriegen, weil es endlich wieder »so röchtög heiß« wird, um mal in Ihrer Diktion die von keiner Klimakatastrophenkenntnis getrübte Begeisterung für hohe Temperaturen wiederzugeben.

    Und weil dieser anbiedernde Wärmewahn noch schwerer auszuhalten ist als die heftigste Hitzewelle, freuen sich schon auf den Tag Ihrer Verrentung:

    »wir alle« von Titanic“ Quelle: http://www.titanic-magazin.de/

    Wunderbarer Beitrag!

    • lol stark!

    • Nemesis

      Whoa, zum Glück habe ich keine Glotze 😛

  • Marcel

    Vielen Dank das du auch ein Bild von Mir genommen hast Danke!!!

  • Marcel

    Oh Mist das sind ja glaube ich alle Bilder Danke !!!

  • Marcel

    Echt tolle Bildersammlung wunderschön! Fühlt sich so an als wäre es schon ganz lange her