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Sakurajima – eine tickende Zeitbombe

Im Gegensatz zum formschönen Mayon auf den Philippinen ist der japanische Sakurajima ein Vulkan, der ein wenig anmutet, als habe einer der japanischen Götter ihn unregelmäßig abgenagt. Susano-o beispielsweise, der Gott des Windes und der Meere, galt als jähzornig und wurde daher sogar aus dem Himmel verbannt.
Allerdings hat der japanische Vulkan einen entscheidenden “Vorteil”: Ein großer Ausbruch ist relativ sicher und sogar zeitlich jetzt geschätzt worden.

 

Sakurajima: Explosive Kirschblüten

Obwohl sein Name in typisch malerischer Tradition Japans “Kirschblüteninsel” bedeutet, handelt es sich um einen der gefährlichsten aktiven Vulkane Japans. Der Sakurajima ist ein Schichtvulkan (auch Stratovulkan). Wie der Name vermuten lässt, stellt der Vulkan selbst eine Insel ganz im Süden Japans dar, die vom Festland (der nahegelegenen Stadt Kagoshima) per Fähre erreicht werden kann.

Bricht nahezu dauernd mit schwachen Eruptionen aus: Der japanische Sakurajima. © <a target="_blank" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sakurajima_20091003.jpg">Krypton auf commons.wikimedia.org</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en">CC BY-SA 3.0</a>

Bricht nahezu dauernd mit schwachen Eruptionen aus: Der japanische Sakurajima. © Krypton auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Schichtvulkane bestehen aus den Schichten ausgeworfener Lava und bilden zumeist eine hübsch anzusehende Kegelform, wenn auch nicht beim Sakurajima. Auch der Mount St. Helens, der Pinatubo und der Mayon auf den Philippinen sowie der Vesuv in Italien sind Schichtvulkane.

Das Besondere an den Schichtvulkanen ist der hohe Kieselsäuregehalt des Magmas. Es ist somit sehr dickflüssig und mit 700 bis 900 Grad auch relativ “kalt*”, verglichen mit den Magmen anderer Vulkane. Durch den Anteil an aufgeschmolzenem Erdplattenmaterial und mittransportiertem Wasser ist der Gasgehalt des ausdifferenzierten Magmas sehr hoch. Dadurch wiederum erklärt sich die hohe Explosivität der Schichtvulkane, die nicht selten plinianisch (von Plinius dem Jüngeren, der den explosiven Ausbruch des Vesuvs im Jahre 79 n. Chr. und die Zerstörung Pompeijis beobachtet und dokumentiert hatte) ausbrechen. Etwa die Hälfte aller aktiven Vulkane der Erde sind Schichtvulkane.

Der Sakurajima bricht im Grunde laufend aus. Der letzte große Ausbruch 1914 erreichte einen Vulkanexplosivitätsindex (VEI) von 4. Historische Aufzeichnungen lassen vermuten dass im Samurai*-Mittelalter Japans ungefähr in den Jahren 1471 und 1476 (Ōnin-Kriege) die Eruption des Sakurajima sogar die Stärke VEI 5 erreichte.
Klimatisch betrachtet, hätte der Sakurajima auf der nördlichen Halbkugel also nur ein Abkühlungspotential, wenn er mindestens die Ausbruchsstärke wie im 15. Jahrhundert erreichen würde.

 

Warum und wann wird der Sakurajima ausbrechen?

Geologen haben nun festgestellt, dass trotz der zahlreichen Ausbrüche (mehr oder weniger jährlich) immer mehr Magma in die Magmakammer dringt – und zwar die unglaubliche Menge von 14 Millionen Kubikmeter pro Jahr!
Nur ein Teil davon wird in den häufigen kleinen Ausbrüchen als Lava nach außen befördert. Berechnungen zufolge wird so sukzessive der Druck in der Magmakammer immer weiter erhöht und müsste nach 130 Jahren spätestens zwingend zu einem plinianischen Ausbruch führen.

Beim letzten Ausbruch im Februar 2016 waren spektakuläre Blitze, die durch unterschiedliche Ionisation in der Eruptionssäule entstehen, zu beobachten. © <a target="_blank" href="https://www.flickr.com/photos/tonynetone/24837196555/">tonynetone auf flickr.com</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>

Beim letzten Ausbruch im Februar 2016 waren spektakuläre Blitze, die durch unterschiedliche Ionisation in der Eruptionssäule entstehen, zu beobachten. © tonynetone auf flickr.com, Lizenz: CC BY 2.0

Geht man von der letzten großen Eruption im Jahre 1914 aus, so wäre es also nach Adam Riese spätestens 2044 soweit, vielleicht auch früher.
Immerhin haben die Behörden mittlerweile Evakuierungspläne aktualisiert. Denn die Stadt Kagoshima liegt in unmittelbarer Reichweite des Vulkans und es leben dort knapp 600.000 Menschen. Ein großer Ausbruch des Vulkans würde in diesem Fall sehr viele Menschenleben gefährden.
Nicht genug befindet sich auch ein Atomkraftwerk in der Nähe, wobei man sich kritisch mit der Frage auseinandersetzen muss, warum ausgerechnet Japan als vorbildliche Kultur, die das Wohl der Gesellschaft über die Arroganz des Individuums stellt und nach der Bombardierung Hiroshimas und Nagasakis ausgerechnet sein Heil in der Atomkraft sucht – als Land, das im Grunde auf Vulkanen und Erdbebenspalten aufsitzt.

Mit einem Ausbruch des Sakurajima rechnen die Geologen somit sicher und jedes Jahr wird sich die Wahrscheinlichkeit erhöhen. Welche Stärke die Eruption haben wird, lässt sich letztlich nicht genau vorhersagen und von VEI 3 bis VEI 6 ist gewiss alles möglich, wobei die wahrscheinlichste Variante ein VEI 4 wäre.

Themenbezogene Artikel
Scinexx: Japan – Sakurajima-Vulkan vor dem Ausbruch
Wikipedia: Sakurajima
Vulkane.net: Sakurajima – der Kirschblüteninsel-Vulkan



  • MINDERQUEST

    Die armen! 🙁

    • Och, Japaner sind da einiges gewohnt… ich selbst würde ehrlich gesagt sogar auch in der Nähe eines Vulkans siedeln, wenn Evakuierungspläne solide sind. Da kann man in Japan wohl von den sichersten der Welt ausgehen. In Italien (Vesuv) oder auf den Philippinen sieht das schon anders aus. Mal abgesehen davon dass ich natürlich nie in solchen Hitzeländern leben möchte (in Japan sehr wohl) 😛

      • Nabuli

        als Gaijin?

        • Ja als Gaijin. Wenn man etwas Japanisch beherrscht und sich den kulturellen Gepflogenheiten anpasst (was man sowieso als Gast in einem Land machen sollte), dann erntet man auch Respekt.

      • MINDERQUEST

        Ich hab gehört, dass besonders in Hokkaidō auch gute Winter herrschen 😛

  • MINDERQUEST

    Und manche waren in Tokio Urlaub gewesen, und haben berichtet, dass sie extrem nett waren, und das wir Deutsche was davon abschneiden sollen!

  • MINDERQUEST

    Ja höflich schon! Schade, dass ich noch nie in Japan war 🙁

  • MINDERQUEST

    Sry für den Themaumschwung:
    ENDLICH ist der Herbst auch Herbst & kein Sommeralbtraum!
    Heute Höchstwert 17 Grad & morgens richtig schön stark geregnet!
    Die Tiefstwerte um 7-11 & die Höchstwerte um 15-18 Grad.
    Ich bin so zufrieden 🙂

  • Heute in München Temps um die 12″C und durchgehend Regen seit gestern abend!

  • MINDERQUEST

    Herrlich diese Sofeten!

  • MINDERQUEST

    Der zweite Tag ohne Ventilator! Ist das wirklich wahr?! :O