Wetterboje im Atlantik der nordamerikanischen NOAA, © NOAA
Wetterboje im Atlantik der nordamerikanischen NOAA, © NOAA

Ein Beispiel für die „überraschenden“ Entwicklungen, mit denen die Natur die vorsichtigen Prognosen der Forscher zertrümmert ist die aktuelle Meldung, dass die Todeszonen im Atlantik selbst Treibhausgase produzieren.

„Todeszonen“ sind Bereiche in den Ozeanen, die durch die Erwärmung seitens der treibhausgasgestützten Klimkatastrophe keinerlei Sauerstoff mehr aufweisen. Leben ist für Meerestiere in diesen Zonen nicht möglich. Die Todeszonen könnten eventuell auf ein sogenanntes „Anoxisches Ereignis“ deuten, wobei dieses nicht zwangsläufig durch eine Überhitzung zustande kommt. Im Fall eines „Anoxischen Ereignisses“ würden alle Ozeane wie ein umgekippter Fluss nur noch aus Leichen statt Lebewesen bestehen.
Dazu der Hinweis auf die folgenden Artikel:

Klimakatastrophe: Todeszonen in der Nordsee breiten sich aus
Klimawandel und ein Bakterium verwandeln die Weltmeere in Todeszonen
Der erste Kipppunkt fällt: Ozeane und Seen sind am Ende

Nicht genug dieser Entwicklung haben nun internationale Forscher unter Leitung des Kieler Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ und des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung entdeckt, dass die Todeszonen im Atlantik zusätzlich noch Treibhausgase produzieren, die die globale Klimakatastrophe vorantreiben. Was hat es damit auf sich?

Todeszonen im Atlantik häufiger als angenommen

Bisher sind Todeszonen logischerweise aus den wärmsten Ozeangebieten im Pazifik bekannt, jedoch nicht aus dem Atlantik. 2008 bezifferte man die Anzahl der weltweiten Todeszonen auf 400 (Quelle: Wikipedia).

Der Weg in die sauerstofflose Hölle: Entwicklung der globalen Ozeantemperaturen von 1880 bis 2016. © <a target="_target" href="https://www.ncdc.noaa.gov/cag/time-series/global/globe/ocean/ytd/12/1880-2016">NOAA</a>
Der Weg in die sauerstofflose Hölle: Entwicklung der globalen Ozeantemperaturen von 1880 bis 2016. © NOAA

Die neuen Forschungen zeigen, dass sich im Atlantik räumlich begrenztere Todeszonen bilden, welche aufgrund ihrer kleinen Ausdehnung bisher übersehen wurden. Sie bilden sich in Ozeanwirbeln vor der westafrikanischen Küste und ziehen westwärts.

Produktion von Lachgas in den Todeszonen

Die untersuchten Todeszonenwirbel im Atlantik produzieren unter der Wasseroberfläche bis zu einer Tiefe von nur 100 Metern das Treibhausgas Distickstoffmonoxid, auch Lachgas genannt. Im Rahmen verschiedener Prozesse wird das Stickstoff im Ozean, das als Nahrungsquelle für Pflanzen dient, dabei in das Treibhausgas umgewandelt.

Das bekannte (noch) lineare Steigerungsbild: Globale Lachgaskonzentration (N2O) in der Atmosphäre. © <a <target="_blank" href="https://www.esrl.noaa.gov/gmd/hats/combined/N2O.html">NOAA</a>
Das bekannte (noch) lineare Steigerungsbild: Globale Lachgaskonzentration (N2O) in der Atmosphäre. © NOAA

Distickstoffmonoxid (N2O) ist verglichen zu Kohlendioxid und Methan ein relativ unbeachtetes Treibhausgas und weist einen Anteil von 6% an den Treibhausgasen auf. Es zählt bei der Verweilzeit bis zum Abbau in der Atmosphäre mit 114 mittleren Jahren ähnlich wie das Kohlen(stoff)dioxid mit 120 Jahren zu den „langlebigen“ Treibhausgasen, während Methan beispielsweise nur eine Verweildauer von 9 bis 15 Jahren aufweist.
N2O steigt ebenso wie alle anderen Treibhausgase stetig an (siehe Bild).

Durch die Entdeckung der Forscher einer Emittierung von Lachgas im Atlantik steigt natürlich jetzt nicht nachträglich das Lachgas an. Dieses wird unter anderem in Mauna Loa gemessen. Zwar unterliegt auch das Lachgas N2O regionalen Schwankungen, immerhin ist es ein Gas, doch wenn Lachgas in Massen emittiert worden wäre, dann sähen die Steigerungskurven bereits der letzten Monate ganz anders aus. Doch von einem abrupten Ansteigen des Lachgases ist ebenso wie beim Methan nach wie vor gottlob nichts zu sehen – es bleibt bei einem allmählichen Anstieg, was schlimm genug ist.

Allerdings verhält es sich mit diesen Erkenntnissen wie mit anderen auch in dieser Epoche einer globalen Treibhausgaskatastrophe, in die wir hineingeboren wurden: Die Todeszonen werden nicht klein bleiben, sondern mit der rapiden Beschleunigung der Klimakatastrophe anwachsen und sich ausweiten. Damit würde auch die Treibhausgasemission unabhängig vom Menschen weiter anwachsen, ähnlich wie es in Sibirien beim Methanhydrat im Nicht-mehr-Permafrostboden der Fall ist.

Somit ist nach wie vor ein wachsames Auge vonnöten – und zwar auf alle Treibhausgase und nicht nur auf das Kohlenstoffdioxid CO2:

Verlauf der Treibhausgase Stickstoffoxid (grün), Kohlendioxid (schwarz, oben), Methan (blau) und Deuterium als Indikator für die Temperatur (schwarz, ganz unten) im Zeitraum von vor 650.000 Jahren bis heute; Quelle: IPCC
Verlauf der Treibhausgase Lachgas N2O (grün), Kohlendioxid (schwarz, oben), Methan (blau) und Deuterium als Indikator für die Temperatur (schwarz, ganz unten) im Zeitraum von vor 650.000 Jahren bis heute; Quelle: IPCC

Artikel
GeoHorizon: Extrem sauerstoffarme Wirbel im Atlantik produzieren Treibhausgase.
Originalstudie: Grundle, Löscher et. al., Low oxygen eddies in the eastern tropical North Atlantic: Implications for N2O cycling, in: Scientific Reports 7, Article number: 4806 (2017)
doi:10.1038/s41598-017-04745-y.
GEOMAR: Extrem sauerstoffarme Wirbel im Atlantik produzieren Treibhausgase.
Scinexx: Winzlinge speien Lachgas




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