Die Forscher sind derzeit über die Auswirkungen von El Nino auf Europa und damit auf den Sommer nahezu ahnungslos; © Lies Thru a lens auf Flickr.com, Lizenz: CC BY 2.0
Die Forscher sind derzeit über die Auswirkungen von El Nino auf Europa und damit auf den Sommer nahezu ahnungslos; © Lies Thru a lens auf Flickr.com, Lizenz: CC BY 2.0

Dass dieses Jahr bereits ein El Niño-Effekt eingesetzt hat, ist bekannt (zum Klimaphänomen vgl. meinen Grundsatzartikel).

Allerdings gibt es ein immenses Nichtwissen der Wissenschaftler über die Auswirkungen auf Europa.
Während die Auswirkungen für Asien und die USA bekannt sind, rätseln Wissenschaftler über mögliche Folgen für Europa. Denn: Unser Wetter wird nicht vom Pazifik bestimmt und einer Anomalie vor der Westküste Südamerikas, sondern vom Atlantik. Die reine Temperaturauswirkung der durch El Niño erhitzten Gewässer im Pazifik beträgt laut Schätzungen sage und schreibe 0.1 Grad Celsius.
Es geht ohnehin nicht um Temperaturen im Sinne von: El Niño erwärmt die Erde, also kommt die Hitze zu uns, sondern um die Auswirkungen des erwärmten Ozeans, der die Luftströmungen verändert, da Oberflächentemperaturen der Ozeane und die Luft darüber meteorologisch zusammengehören und sich beeinflussen.

Boulevardmedien widersprechen sich daher momentan extrem. Die einen gehen von einem „Super-Sommer“ aus, sprich: Einer unerträglichen Hitzehölle wie 2003 mit tausenden Toten. Andere sprechen von einem nasskalten Sommer. Punkt ist: Sie wissen überhaupt nicht, wovon sie reden.
Denn: Es gab nur extrem selten einen so früh einsetzenden El Niño wie dieses Jahr. Üblicherweise taucht das Phänomen erst im Herbst auf und findet seinen Höhepunkt zur Weihnachtszeit, woher ja auch seine Bezeichnung stammt „El Niño“, „das Christkind“. Es gibt somit überhaupt keine Vergleichsdaten.

Wie ich bereits in einem ausführlichen Artikel erläutert habe, sind die Auswirkungen auf den europäischen Sommer unabhängig von der kaum vorhandenen Datengrundlage schlichtweg unbekannt. Es gibt weder Forschungen zu diesem Thema noch gab es jemals einen so früh einsetzenden El Niño. Die Vergleichsjahre, in denen es ähnliche frühzeitige El Niños gab, zeigen sehr unterschiedliche Sommerverläufe in Europa.
Es ist also durchaus spannend zu sehen, welche (gravierenden) Änderungen wir dieses Jahr in Europa vorfinden werden. Und seien wir ehrlich: Schlimmer als die letzten Sommer kann es eigentlich gar nicht mehr werden, es sei denn die Klimakatastrophe möchte uns mit Hilfe von El Niño einen Blick auf die kommenden Jahrzehnte eröffnen und eine Naturkatastrophe bringen, die wie 2003 70.000 Menschen durch Hitze den Tod brachte.

Aktueller Stand und Prognose des El Niño

Aktuell ist der El Niño noch im schwachen Bereich von etwa 1 Grad Temperaturanomalie. Die Projektionen deuten allerdings auf eine deutliche Steigerung in den nächsten Wochen und Monaten.
Die Prognose von IRI/CPC hängt hier noch ein wenig zurück, da sie vom letzten Monat stammt. Sie prognostiziert einen nur moderaten El Niño mit bis zu 1,5 Grad Hitzeanomalie im zentralpazifischen Bereich (Region 3 und 4, auch als Region 3.4 bezeichnet – zu der Bedeutung siehe meinen Grundsatzartikel).
Zu beachten ist jedoch, dass die seriösesten und treffsichersten Institute fernab des reduzierten Mittels einen El Nino im sehr hohen Bereich von bis oder teilweise über 2 Grad vorhersagen.

Prognose der El Nino-Anomalie von IRI/CPC (+0,5 und mehr = leichter El Nino, +1,5 und mehr = starker El Nino, x-Achse = Monate z. B. AMJ = April, Mai, Juni), © Climate Prediction Center/NCP, http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/analysis_monitoring/lanina/enso_evolution-status-fcsts-web.pdf
Prognose der El Nino-Anomalie von IRI/CPC (+0,5 und mehr = leichter El Nino, +1,5 und mehr = starker El Nino, x-Achse = Monate z. B. AMJ = April, Mai, Juni), © Climate Prediction Center/NCP, http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/analysis_monitoring/lanina/enso_evolution-status-fcsts-web.pdf

CFS hingegen ist aktueller und zeigt einen starken El Nino voraus, der die 2 Grad-Marke übersteigen wird. Das ist eine gewaltige Hausnummer!

Prognose der El Nino-Anomalie von CFS (+0,5 und mehr = leichter El Nino, +1,5 und mehr = starker El Nino, x-Achse = Monate z. B. AMJ = April, Mai, Juni), © Climate Prediction Center/NCP, http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/analysis_monitoring/lanina/enso_evolution-status-fcsts-web.pdf
Prognose der El Nino-Anomalie von CFS (+0,5 und mehr = leichter El Nino, +1,5 und mehr = starker El Nino, x-Achse = Monate z. B. AMJ = April, Mai, Juni), © Climate Prediction Center/NCP, http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/analysis_monitoring/lanina/enso_evolution-status-fcsts-web.pdf

An den Grafiken rechts, der den El Niño im Laufe der nächsten Monate zeigt, sieht man dass es sich leider um einen EP El Niño handeln wird nach derzeitigem Stand, also einem El Niño, bei dem die Region 1 und 2 direkt an der ostpazifischen (Eastern Pacific, EP) Westküste Südamerikas (Region 1 und 2) wärmer ist als die zentrale Pazifikregion (Central Pacific, CP) mit Region 3.4.
Für den Winter ist bekannt, dass dies nicht unbedingt zu Kaltwintern in Europa führen wird. Ein CP El Niño wäre hier besser.

Es bleibt die Hoffnung, dass die Sonderform des Modoki-El Niño (die eher hufeisenförmig sich in den Grafiken abbilden würde, näheres siehe Grundlagenartikel) sich noch entwicklen wird im Herbst 2015. Dieser könnte statistisch zu einer höheren Wahrscheinlichkeit für einen Kaltwinter in Europa führen.

In jedem Fall wird der gegenwärtige El Niño der stärkste seit 1997 sein, soviel steht fest!

Fazit: 2015 wird spannend und El Niño wird das Ereignis schlechthin werden

Was der bereits aktive El Niño auf den europäischen Sommer für Auswirkungen haben wird, kann derzeit kein Meteorologe oder Klimatologe der Welt beantworten, da keine Forschungen hierzu existieren und auch bis auf 3 Ausnahmen 1957, 1987 und 1997 keinerlei Vergleichsjahre.

Wird der El Nino die Welt in die nächste Stufe der Klimakatastrophe führen?; © { pranav } auf www.flickr.com, Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/
Wird der El Niño die Welt in die nächste Stufe der Klimakatastrophe führen?; © { pranav } auf www.flickr.com, Lizenz: CC

Dürren in Südostasien, Überschwemmungen in Bolivien und vor allem eine ruhige Tornado-Saison in den USA (Tornado-Ausbrüche erfolgen meist in La Nina-Jahren, also dem Gegenteil von El Niño, einer Abkühlung des Pazifik)- das sind die teilweise jetzt bereits schon spürbaren Auswirkungen des El Niño.

Es wird gemutmaßt, dass El Niño-Jahre zu einem Sprung in der globalen Erwärmung führen und die Klimakatastrophe fernab regionaler Unterschiede vorantreiben. Dem letzten El Niño 1997 folgte eine deutliche Erwärmung der Erde. Andererseits befand sich damals die Sonne auf dem Weg zum Sonnenflecken-Maximum, sodass nach wie vor strittig ist, was letztlich die katastrophale Aufheizung seit 1994 ausgelöst hat nachdem die Abkühlung durch den Ausbruch des Pinatubo 1992 ausgeklungen war. Es spricht nichts dagegen, dass natürlich alle Faktoren (Treibhausgase, Reduzierung des vulkanischen Forcings, Sonnenfleckenmaximum, El Niño) dazu geführt haben.

Im Jahr 2015 sieht die Lage anders aus. Zwar liegt kein überdurchschnittlicher Vulkanausbruch vor, der viel Schwefeldioxid in die Stratosphäre gepumpt hat (der Bardarbunga hatte nur Auswirkungen auf die Troposphäre), allerdings befindet sich die Sonne auf dem Weg in ein Sonnenfleckenminimum. Der Anteil der Treibhausgase steigt weiter unaufhörlich in der Atmosphäre und hat mittlerweile den Wert von 400 ppm (Teile pro Millionen) deutlich überschritten.

... oder erwartet uns regional in Deutschland ein wundervoller kühler Regensommer?; © Alon auf www.flickr.com, Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/
… oder erwartet uns regional in Deutschland ein wundervoller kühler Regensommer?; © Alon auf www.flickr.com, Lizenz: CC

Ich würde mich zumindest nicht wundern, wenn der Sommer einige radikale Überraschungen parat haben wird, wobei die Hoffnungen natürlich auf einer Abkühlung liegen, genauer gesagt, dem ersten Kaltsommer überhaupt seit 1987 (die älteren werden sich vielleicht noch mit einem Lächeln erinnern).

Ich bleibe am Ball, was El Niño und die Auswirkungen angeht. Anhand meiner Klimabilanzen global und für Deutschland werden wir gemeinsam verfolgen können, ob sich interessante Extrema ergeben werden.

  • Asaad Chneker

    Schöner Beitrag. Das schöne an CFS ist, dass es sowohl zur El Nino-Prognose, als auch zur meteorologischen Langfristprognose eingesetzt wird. So ist es nicht verwunderlich, dass der prognostizierte Modoki gegen Winter 2015/2013 in einem krassen Kaltwinter enden soll. Die Stringenz von CFS gefällt mir. Jetzt muss es nur noch einmal recht haben 😉

    • Ich hole mal mit der Skeptizismus-Keule aus, die den fetten Schriftzug „OPI COHEN EPIC FAILURE“ trägt, vielleicht trägts ja zum Erkenntnisgewinn bei lol

  • Zoppo Trump

    Ist ja schon krass gestern wieder 2 Tornados! Wird immer schlimmer mit den Unwettern. Aber das kann ja nicht sein das es von der wärme kommt, die ist doch so schön. Bah pfui. Das denken die Sofeten doch.

  • Zoppo Trump

    Jo, aber die Tornados dieses Jahr sind ja nichts desto trotz im Vergleich schon stark für uns. Oder welche Stärken haben die Tornados letztes Jahr erreicht?
    Der Oklahoma Tornado kenne ich nicht wirklich aber komisch das nur da so ein starker Tornado war und seit dem nicht mehr.