Beschert uns El Nino nach der Sommerhölle etwa einen überraschenden Winter mitten in der Klimakatastrophe?
Beschert uns El Nino nach der Sommerhölle etwa einen überraschenden Winter mitten in der Klimakatastrophe?

Die vom australischen Bureau of Meteorology (BoM) heute veröffentlichten, aktuellen Werte der verschiedenen Prognosesysteme für den Verlauf des aktuellen El Niños warten mit keiner Überraschung auf: Es handelt sich längst um einen CP (Central Pacific) El Niño, die Werte sind insgesamt sogar noch leicht gestiegen im Vergleich zum Vormonat.

Da ein zentralpazifischer El Niño im Unterschied zu einem küstennahen EP El Niño bekanntlich die Wahrscheinlichkeit für einen Kaltwinter in Europa über den Mechanismus einer negativen Arktischen Oszillation (AO) und Troglagen auf etwa 80% erhöht, ist dies naturgemäß ein gutes Zeichen für den kommenden Winter 2015/16!
Zur Erklärung eines CP El Niño und Unterscheidung zum EP El Niño sowie zur Auswirkung auf den Winter siehe das letzte El Niño-Update mit integrierter, erster Winterprognose 2015/16: http://byjrdp.myraidbox.de/update-el-nino-und-prognose-winter-201516-von-dr-jekyll-zu-mr-hyde/.

Die neuen Werte der wichtigsten Prognosesysteme fasst das BoM in der Übersicht für den November 2015, den Januar 2016 und den März 2016 zusammen:

El Niño-Prognose der verschiedenen Modelle für November 2015; © <a href="http://www.bom.gov.au/climate/ahead/model-summary.shtml#tabs=Pacific-Ocean">Bureau of Meteorology</a>
El Niño-Prognose der verschiedenen Modelle für November 2015; © Bureau of Meteorology

El Niño-Prognose der verschiedenen Modelle für Januar 2016; © <a href="http://www.bom.gov.au/climate/ahead/model-summary.shtml#tabs=Pacific-Ocean">Bureau of Meteorology</a>
El Niño-Prognose der verschiedenen Modelle für Januar 2016; © Bureau of Meteorology

El Niño-Prognose der verschiedenen Modelle für den März 2016; © <a href="http://www.bom.gov.au/climate/ahead/model-summary.shtml#tabs=Pacific-Ocean">Bureau of Meteorology</a>
El Niño-Prognose der verschiedenen Modelle für den März 2016; © Bureau of Meteorology

Verglichen zum letzten Update haben sich die Prognosewerte nicht gravierend geändert und sind leicht angestiegen.
Mit der Umwandlung zum zentralpazifischen El Niño sinkt seit letztem Monat allmählich die Stärke des El Niño langsam ab, doch wird der El Niño sogar noch im März 2016 aktiv sein und seinen Status als Klimaanomalie behalten – die rote Linie in den grafischen Darstellungen bei 0,8 Grad im Mittel zu warmer Wasseroberflächentemperaturen (SST, sea surface temperature) markiert die Grenze, ab der man von einem El Niño sprechen kann. Unterhalb der Linie nimmt die ENSO (El Niño & Southern Oscillation) einen neutralen Zustand an und ab 0,8 Grad zu kalter Temperaturen  (blaue gestrichelte Linie) spricht man von einem La Niña, also dem Gegenteil des El Niño, der nach einem El Niño als Ausgleichsverhalten erwartet wird, vermutlich im Spätsommer 2016.

(Zu der Unterscheidung CP und EP El Niño siehe: http://byjrdp.myraidbox.de/el-nino-update-rekord-sensation-in-den-modellen/ und zu den Auswirkungen eines El Niño auf den Winter siehe: http://byjrdp.myraidbox.de/el-nino-ein-ueberbewertetes-klimaphaenomen/).

CFSv2 zeigt daher auch einen hohen Stand der Temperaturen draußen auf dem Pazifik weit vor der Küste Südamerikas und damit das typische Charakteristikum eines CP El Niño:

Temperaturentwicklung des El Niño in Region 3.4 (Zentralpazifik); © <a href="http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/people/wwang/cfsv2fcst/images3/nino34MonadjPDFSPRDC.gif">NOAA</a>
Temperaturentwicklung des El Niño in Region 3.4 (Zentralpazifik); © NOAA

Gleichzeitig sinken bereits die Temperaturen in Zone 1.2 vor der Küste Südamerikas ab und haben jene in Zone 3.4 jetzt im Oktober unterschritten – eine Entwicklung, die sich bis etwa Januar 2016 fortsetzen wird, wenn sich die zentralpazifischen Temperaturen gemächlich so weit abgesenkt haben, dass beide Regionen, die küstennahe 1+2 und die zentralpazifische 3.4 sich auf einem gleichen Level von etwa 1,5 Grad zu warmer SSTs befinden werden:

Temperaturentwicklung des El Niño in Region 1.2 (Ostpazifik an der südamerikanischen Küste); © <a href="http://www.cpc.ncep.noaa.gov/products/people/wwang/cfsv2fcst/images3/nino12Monadj.gif">NOAA</a>
Temperaturentwicklung des El Niño in Region 1.2 (Ostpazifik an der südamerikanischen Küste); © NOAA

Bedeutung für den Winter 2015/16

Wie bereits ausführlich im letzten Update besprochen, wird der CP El Niño somit eindeutig für den europäischen Winter wirksam und erhöht die Chancen für einen Kaltwinter beträchtlich.
Das Polarwirbelmuster des Oktober (2015) soll sich nach dieser Theorie ab Januar (2016) wiederholen und für Warmings und Polarwirbelsplittings sorgen, die Troglagen hervorrufen und einen sehr unruhigen Polarwirbel, der weit nach Süden in Wellen verlaufen kann.

Natürlich brauchen wir die richtige Splitachse, die Europa mit Kälte begünstigt und nicht wie immer die USA, natürlich ist es keine 100%-Garantie für einen Kaltwinter, sondern nur eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, aber behält man diese Einschränkungen im Hinterkopf, dann kann man mit einiger Berechtigung optimistisch auf den kommenden Winter schauen.

Zu beachten ist außerdem, dass sich der Effekt des CP El Niño frühestens ab Januar 2016 zeigt und nicht vorher!
Sollte es bereits im Dezember 2015 zu Kaltluftschüben kommen, müssten diese der Theorie nach andere Ursachen haben, wie etwa eine durch die geringe Sonnenfleckenaktivität der Sonne hervorgerufene Blockadesituation auf dem Atlantik oder eine meteorologisch günstige Großwetterlage. Ich rechne also eher mit einem mäßig kalten Dezember, der auch zu warm ausfallen kann.

Aufgrund der Stärke des El Niño wird dieser wohl von den Werten noch lange aktive bleiben und sich ab Januar/Februar 2016 wieder zu einem ostpazifischen (EP, Eastern Pacific) El Niño zurückverwandeln. Nach den Prognosewerten wird ein neutraler ENSO-Status wohl erst im Früh-Sommer zu erwarten sein. Anschließend wäre nach 3 Monaten neutralen Zustands ein La Niña mit zu kühlen Temperaturen zu erwarten.

Was das wiederum für Europa zu bedeuten haben könnte, werden wir zu gegebener Zeit in separaten Beiträgen erörtern. Nur so viel: Für den Winterbereich würde es eher Mildwinter begünstigen, für den Sommer und Herbst eher feuchte Witterung. Dass man mit einer globalen Abkühlung und speziell in Europa mit kühlem Klima rechnen kann, halte ich für eine klimatologische Milchmädchenrechnung. Da ist die Lage dann doch etwas komplexer und im Frühjahr oder Sommer 2016 werde ich darauf näher zu sprechen kommen.

  • Alptraum der Sofeten

    Gutes Update(jetzt bin ich up to date :D).
    Also ich stelle mich bereits um und rechne mit 50/50 kalt/warm für mich persönlich. Bevor ich wieder zu krass enttäuscht werde. Das Gefühl kenne ich schon zu gut und leider besser als den Winter an sich 🙁

    • Mir gehts ähnlich, Tim. Im Flachland sinken die Chancen auf Schnee ohnehin exponentiell verglichen mit dem Mittelgebirge aufwärts.
      Aber zumindest einige gute Kaltphasen sollten wir schon bekommen!
      Die große erste Winterprognose ist auf dem Weg ^^ Werde nochmal einiges raushauen, bevor es bald für mich 11 Tage in den Urlaub geht, damit ihr auch was zu lesen habt in der Zwischenzeit 😉

      • Alptraum der Sofeten

        Vielen dank für deine ganzen mühen bis hier hin mit deiner Seite, auf die die noch kommen werden und schon mal ein „verfrühtes“ Schönen Urlaub wünsche ich dir Michael+Familie. Mit viel kalter, Nebeliger Luft und oder dicken Wolken mit Schnee 🙂
        Habe mir so heute Morgen so gedacht am besten wäre es dichter Schneefall, unter -7 Grad und Berge/Wälder für die Seele. Falls es aufhört zu schneien sollte sofort Nebel kommen 🙂

        • Vielen Dank, Tim 🙂
          Nebel und Schnee sind auch meine Präferenz beim Wetter, deswegen hörst du von mir keinen Widerspruch 😉

  • Wilder Süden

    DANKEschön Michael für das Update…. ,-) Mir geht’s ähnlich wie Tim – aber so ein Winter wie 1978 tät ich auch nehmen…da hat es selbst im Neckartal drei Tage lang ununterbrochen geschneit…. Träumen darf man ja mal… Allen kaltwetterfans einen schönen Abend und einen entspannten Sonntag…

    • Ich bin tiefenentspannt ^^ Trotz nach wie vor zu warmen Temps in Rhein-Main (ca. 1,1 Grad über dem Mittel) ist das Wetter prima, vor allem seit Tagen keine Sonne, das wurde auch Zeit. Jetzt kommt zwar die Wärme zurück aber mal sehen, wie sich das genau auswirkt. Am Dienstag gibts noch eine letzte Wetterprognose von mir, danach habt ihr bis Anfang November Ruhe vor mir 😉

    • … und einen schönen Abend und kühlen Sonntag wünsche ich dir ebenfalls 🙂

  • Dennis

    Wollt mich auch mal wieder melden 🙂
    als erstes wollte ich dir, Michael, meinen größten Respekt zollen. Nicht nur das du die Troglage schon im September richtig prognostiziertest, du warst auch der Einzige, der die über 20 Grad Anfang Oktober relativierte. Für meine Stadt Braunschweig wurden einige Tage mit 22, 23 Grad vorhergesagt und du warst subjektiv der Einizige, der die Sachlage nüchtern und intelligent betrachtete und feststellte, dass die Bodentemps aufgrund des Sonnenstandes und den kalten Nächten nicht die 20 Grad überschreiten werden- und du hattest Recht!
    Wenn du dich hier noch einmal selbst Laie nennst, werd ich dich wohl in deinem Namen wegen Beleidigung anzeigen müssen^^
    Dann hätt ich da noch 2 Fragen; ich würde gerne wissen, ob man sich aufgrund des jetzt wohl aufkommenden Westwindwetters ( Sini beschreibt die Tiefdruckrinne auf beängstigende Weise find ich 🙂 ) sorgen machen muss ? Es war so lange still um den Atlantik und jetzt zur heißen Zeit fängt der doch nich tatsächlich an auf zu mucken oder? Wie schätzt du die Lage ein, wird das nur ein kurzes Gastspiel oder kann das ganze wie die letzten Jahre enden ? Ich weiß, das ist komplett spekulativ, aber mich würde deine Meinung dazu interessieren 🙂
    Apropos die letzten Jahre; gibt es, mit Blickrichtung Ost-Amerika, momentan gewisse Ähnlichkeiten? Sieht es nach einer Wiederholung der Kaltluftvorstöße im besagtem Gebiet aus, oder kann man das noch nicht sagen? Ich glaube, in den letzten 2 Jahren gab es dort auch zu dieser Zeit schon die ersten Kaltluftvorstöße. oder?

    mfg, Dennis

    • haha, vielen Dank, Dennis. In der Tat kann Wissen zu einer höheren Treffsicherheit bei Prognosen führen, vor allem, wenn man sich auf seinen eigenen Verstand verlässt, was ich bei vielen Meteorologen leider vermisse, die (a) klimatologische Aspekte einfach negieren (warum, weiß keiner) und (b) sich nur auf Computermodelle verlassen, ohne freilich die Programmierung selbiger und die zugrundeliegenden Datenquellen zu kennen.
      Allerdings gilt es wie im Fussball: In der oberen Liga spielt man nur mit, wenn man über Jahre zuverlässige Leistungen bringt und daher bin ich natürlich auch nicht gefeit, total daneben zu liegen in der Zukunft. ^^

      Ja die Westdriftlage stört etwas und sieht auch recht beängstigend aus und Sini beschreibt das sehr zutreffend. Gottlob bin ich in der Zeit der 13-16 Grad im Urlaub in einer kälteren Region. ^^
      ABER: Selbst wenn sich die Westdriftlage halten sollte und uns einen warmen November beschert, bin ich der festen Überzeugung, dass im Dezember die Lage allmählich kippen wird und im Januar 2016 die klimatologischen Aspekte, sprich El Nino, die Regentschaft übernehmen und dann gehts rund mit Kälte, Eis und Schnee.
      In den letzten 2 Jahren denke ich auch, dass es um diese Zeit ebenso ablief – man vergesse aber nicht dabei, dass die theoretische Lage im Winter bei uns gar nicht so schlecht war, nur die Splittings verliefen unglücklich. Wäre die Achse nur etwas anders gewesen … so profitierten am Ende nur die Gebirgslagen mit massig Schnee und das Flachland ging mal wieder leer aus, zum x-ten Mal.
      Dieses Jahr denke ich, wird es aufgrund El Nino ganz anders kommen. Die Frage ist nur: Wann? Passend zur CP-El Nino-Theorie ab Januar 2016? Oder doch schon im Dezember? Ich denke eher ersteres. Wir werden sehen.