Wie ein Rollenspiel mit Würfeln: Das Kompendium der Wettertypen. © kaltwetter.com
Wie ein Rollenspiel mit Würfeln: Das Kompendium der Wettertypen. © kaltwetter.com

Erinnern Sie sich noch an das letzte Mal?
An das letzte Mal, als Sie vor blendender Wut über einen GFS-Lauf mit völlig perverser Hitzeprognose ausgerastet sind, verzweifelt mit den Fäusten gegen die Wände getrommelt haben und anschließend heulend vor ohnmächtiger Verzweiflung an selbiger Wand kraftlos heruntergerutscht sind, um den GFS-Ausdruck anschließend zu zerfetzen?

Ja, das Wetter – eigentlich ist es nur eine Ansammlung von Luftdruckgegensätzen, Temperaturunterschieden und Windströmungen. Trotzdem erzeugt kaum etwas so intensive Stimmungen und Gefühle. Das verlockt dazu, einmal grundlegend aus dem undurchsichtigen Geröll der vielen, diffusen Wettervorlieben konkret die einzelnen Wettertypen herauszumeißeln. So werden wir erfahren, warum nicht jeder Hitzeanbeter ein Sommerfetischist (Sofet) sein muss und wir stellen mit Erstaunen fest, welches Potential im Extremwetter liegt.

Im Grunde ist es wie bei einem Rollenspiel*. Sie kennen das gewiss in der einen oder anderen Form. Sei es als „Oldschool“-Spieler mit Papier, Bleistift und ziemlich durchgeknallten zwanzigseitigen Würfeln* oder aus dem Computerspielbereich*, wo Sie fleißig in einer fiktiven Welt die Charakterwerte ihres Helden maximieren wollen. Falls Sie jetzt bei „Rollenspiel“ an viel nackte Haut, Leder und Peitschen gedacht haben: Schämen Sie sich und besuchen Sie eine Rotlichtseite* 😉

Stellen wir uns also ein fiktives Wetterrollenspiel vor, bei dem wir in der heutigen präapokalyptischen Welt vor der Auswahl unserer Rollenspielhelden stehen und eine Gruppe zusammenstellen dürfen, die gemeinsam gefährliche Abenteuer in der klimatischen Vielfalt einer entkoppelten Klimakatastrophe bestehen muss.

(1) Die Normalwettertante: Norma – Das Schönwetterblümchen

Der oder die Normalwetteranhängerin (Norma): In Bezug auf das Wetter wie eine RTL-Werbesendung. © kaltwetter.com
Der oder die Normalwetteranhängerin (Norma): In Bezug auf das Wetter wie eine RTL-Werbesendung. © kaltwetter.com

In einer Fußballmannschaft* gibt es die Stars und es gibt die sogenannten „Wasserträger“: Unscheinbare Gestalten, die im Hintergrund wirken und die Drecksarbeit verrichten, damit der Star ungestört strahlen kann.

Beim Wetter verhält es sich ganz ähnlich. Normas haben die meteorologische Langeweile zur Kunst erhoben. Solange der Wettergott nicht mit Sturm und Regen wütet, nicht mit Regen das mittelgenormte Wohlbefinden stört und nicht im Sommer der Hitzewellenreiter der Apokalypse das Land heimsucht, ist die (oder der) „Norma“ glücklich und ihr Gesicht zeigt maskenhafte Gleichmut.
Man könnte sie beinahe für philosophische Stoiker halten, die bekanntlich den Gleichmut und Befreiung von Leidenschaften als höchstes Ziel auserkoren hatten. Allerdings zeugt die Gleichgültigkeit der Normalwetterliebhaber lediglich von einem mainstreamkompatiblen Sklaventum und Unverständnis für die Ästhetik von Wetterextremen.

In den langen Zeiten zwischen Wetterextremereignissen, in denen situativ Helden geboren werden, gleichen Normas den Zorn der Helden aus. Sie kümmern sich um die alltäglichen Belange und ersticken jegliches Konfliktpotential mit einem bunten Blümchenstrauß* an Oberflächlichkeiten. Dieser nahezu magisch-naive Smalltalk erstickt mit seinem linguistischen Morast aus naiven Banalitäten alle Emotionen im Keim.

Normas können sich stundenlang in mäandrierenden Gesprächskreisen unterhalten und dabei komplett nichts mitteilen.
Normas können sich stundenlang in mäandrierenden Gesprächskreisen unterhalten und dabei komplett nichts mitteilen.

Der große Nachteil der Normas: Sie sind Gewohnheitsnörgler, denn wann gibt es denn schon dem Mittel entsprechendes, genormtes Wetter? Bei 19,8 Grad ist es ihnen schon zu kalt, bei 20,9 Grad ist es ihnen zu warm. Ihre Wohlfühltemperaturspannbreite verleiht ihnen somit normalerweise eine Ausrottungsgarantie im Rollenspiel von 99,98 Prozent, wenn nicht ihre heldenhaften Kumpanen wären, die den Normas bei Sturm, Hitze und Kälte beistehen würden.

Somit ist die Norma die Brigittezeitschrift unter den Wettertypen. Naturgemäß ist der Frühling in seiner 20-Grad-Form, die kaum noch vorkommt, ohne Regen, aber mit hübschen weißen Milchkaffeewölkchen das Idealwetter dieser zumeist weiblichen Spezies. Trotzdem gibt es auch einige wenige Normalwetteronkel und nicht nur -tanten.

Esoteriker halten Normas fälschlich für eine Reinkarnation der Mutter Erde und der Schöpfung an sich, doch wenn dies der Fall wäre, dann wäre das wenig intelligente Leben mit der Aufmerksamkeitsspanne einer Fruchtfliege nicht über das erste Amöbenstadium hinausgelangt. Bei einem Blick auf die derzeitige Menschheit könnte aber es trotzdem wahr sein.

Eine dunkle Seite der Normas soll allerdings nicht unerwähnt bleiben. So erinnert die gleichmütige oder stereotyp lächelnde Maske eines oder einer Norma auf unheilvolle Weise bei näherem Hinsehen an einen Roboter oder an einen unerkannten Psychopathen, der seine natürlichen Emotionen dauerhaft unterdrückt oder sie hinter einer Maske aus gesellschaftsangepasstem Plappertum versteckt, bis sie irgendwann herausbrechen, wenn niemand damit rechnet …

(2) Der Kaltwetterliebhaber: Kalli – Wie ein Wikinger aus der Kälte

Der Kaltwetterliebhaber "Kalli": Im Winter wie ein Gott, im Sommer ein Folteropfer. © kaltwetter.com
Der Kaltwetterliebhaber „Kalli“: Im Winter wie ein Gott, im Sommer ein Folteropfer. © kaltwetter.com

Ohne Bedacht haben wir ein Treffen mit einem Kalli arrangiert. Schon von weitem erschreckt uns ein rhythmisches, lautes Pochen. Wir stutzen auf dem Weg durch den Korridor und nähern uns der Tür, die wir als Quelle des verstörenden Lärms ausgemacht haben. Als wir sie öffnen, sehen wir, wie ein Mann mit freiem Oberkörper irrsinnig auf einen Heizkörper an der Wand mit einem Bürostuhl* eindrischt, als gäbe es kein Morgen. Ja, Wärme mögen Kallis nicht.

Dies zeigt sich nochmals, als wir dem mittlerweile nach der gewalttätigen Demontage der Heizung wieder beruhigten Kalli ein Blatt Papier überreichen. Ein Beobachter hätte vage lediglich ein wildes Netz aus bunten Linien auf dem Ausdruck ausgemacht. Doch beim Kalli löst es heftigste Reaktionen aus: Unter aufgeregtem Kreischen entreißt er es unseren Händen. Stirnrunzelnd beobachten wir, wie der Kalli auf das Blatt Papier starrt, so abrupt aufsteht, dass der (von Dellen versehene) Bürostuhl umkippt und er beginnt, aufgeregt um den Tisch zu marschieren. Hysterische Schreie und herumwirbelnde Arme begleiten Ausrufe wie »20-Grad-Perzentile??«, »Das muss eine Omega-Lage sein. Nein, nein, nein!« und »Niederschlagssignale mit mehr als 5 mm? Diese Narren!« Sich überschlagendes, verzweifeltes Lachen dröhnt durch den gesamten Trakt, bevor der Kalli vor Wut den Ausdruck in Stücke zerfetzt und das Meeting beendet, indem er den Raum verlässt, ohne die Tür dabei zu öffnen.

Der Kalli ist es gewohnt, bei Feuer im Winter die Götter um Vergebung anzuflehen für die blasphemische Wärme! © <a target="_blank" href="https://www.flickr.com/photos/kargaltsev/3494182590">Sasha Kargaltsev auf flickr.com</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>, hier: Farben verändert.
Der Kalli ist es gewohnt, bei Feuer im Winter die Götter um Vergebung anzuflehen für die blasphemische Wärme! © Sasha Kargaltsev auf flickr.com, Lizenz: CC BY 2.0, hier: Farben verändert.

Bei dem Papier handelte es sich um eine GFS-Wetterprognose, die nicht sehr günstig für einen Kaltwetterliebhaber verläuft, mit purer Hitze für die nächsten 17 Tage. Der Kalli ahnt nicht, dass es sich lediglich um eine von uns erfundene Prognose handelt und darüber sind wir derzeit sehr froh, als wir die Kalliförmigen Umrisse der Massivholztür begutachten.

Wir sehen angesichts dieses Treffens, dass der Kaltwetterliebhaber geradezu allergisch auf Hitze reagiert. Und das sind bereits Werte, die soeben in den zweistelligen Plusbereich von +10 Grad Celsius gelangen. Die Achillesferse des Kalli ist damit schnell gefunden: In warmen Regionen ist er als hilfreiches Gruppenmitglied nahezu unbrauchbar.

... doch meist ist der Kalli im Winter ganz entspannt und genießt Spaziergänge im Schnee bei endlich angenehmen Temperaturen! © <a target="_blank" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Naked_in_Snow.JPG">Ebdow auf commons.wikimedia.org</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en">CC BY-SA 3.0</a>
… doch meist ist der Kalli im Winter ganz entspannt und genießt Spaziergänge im Schnee bei endlich angenehmen Temperaturen! © Ebdow auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Doch wie wandelt sich dieser Umstand, wenn wir im Winter oder in kühlen Regionen unterwegs sind! Wie einst Conan aus den Bergen Kimmerias trotzt der Kalli ohne jegliche Winterbekleidung selbst stärksten Minustemperaturen und zieht die gesamte Gruppe mit. Seine bloße Anwesenheit genügt, um ein Feuer zu entfachen, denn die innere Wärme verhilft ihm zu diesen unglaublichen Heldentaten. Frieren ist für den Kalli ein Fremdwort.

Doch er ist alles andere als ein grober Heldenklotz! Beim Anblick von Schnee und Eis sinkt er auf die Knie, rezitiert subtilste Poesie und bricht in Dankestränen aus.
Ganz ähnlich wie beim Wexxer (siehe unten) ist der Kalli zumeist hochintelligent, schließlich funktionieren bei Kälte die Elektrostimulationen der Neuronen bekanntlich am besten. Da er auf Dummheit allergisch reagiert, sollte man ihn möglichst von den Sofeten der Gruppe fernhalten. Andernfalls könnte es passieren, dass er deren Funktion als „Kanonenfutter“ (siehe unten) allzu enthusiastisch begreift.

(3) Der Hitzeliebhaber: Hilli – Hitze als Traumzeit

Der Hitzeliebhaber "Hilli": Seine Begeisterung für Hitze schießt manchmal über das Ziel hinaus. © kaltwetter.com
Der Hitzeliebhaber „Hilli“: Seine Begeisterung für Hitze schießt manchmal über das Ziel hinaus. © kaltwetter.com

Ein mächtiger Mitstreiter ist der „Hilli“! Ganz im Unterschied zum Sofeten verfügt er über Intelligenz, Inspiration, Niveau und über ein Hitzewissen, das jenes Normalsterblicher weit übersteigt. Zwar heiligt der Hilli ebenso wie ein Sofet der Hitze, doch während der Sofet dabei wie ein früher Hominide wirkt, zelebriert der Hilli seine Hitzeliebe mit der ganzen Kunst von Bildung und historisch-kultureller Assoziation.
In den endlosen Hitzewellen unserer Zeit schleppt er zudem die vor Verzweiflung heulenden Kallis mit, denn er toleriert aufgrund seiner Differenzierungs- und Reflektionsfähigkeiten auch Andersdenkende.

Allerdings hat diese Hilfe auch einen hohen Preis. In Schlechtwetterphasen neigt der Hilli dazu, seine schamanistischen Qualitäten extrovertiert auszuleben. Wundern Sie sich also nicht, wenn er plötzlich bemalt wie die australischen Aborigines unaufgefordert aufspringt und beginnt mit einem Fuß hektisch auf den Boden zu stampfen, während er sich um die eigene Achse dreht. Dabei produziert der Hilli in Trance Didgeridoo-ähnliche Töne, die sich wie ein Flatulenzkonzert eines an Verdauungsstörung leidenden Elefanten anhören. Die Hitze ist für ihn eine heilige Traumzeit und Australien, das Land ohne Wasser und voll brennender Sonne, ist sein Jerusalem.

Ein Hilli mag extrovertiert und hitzefanatisch sein, aber er bringt durch seine Intelligenz Farbe ins Spiel!
Ein Hilli mag extrovertiert und hitzefanatisch sein, aber er bringt durch seine Intelligenz Farbe ins Spiel!

Der Hilli lebt bei Temperaturen über 30 Grad erst richtig auf. Und je mehr tropische Feuchtigkeit in der Luft ist, umso besser gedeiht sein sympathischer Hitzewahnsinn.
Doch wehe, wenn sich Sofeten bei ihm anbiedern in der irrigen Annahme, es handle sich um einen der ihren … Es soll einen Hilli gegeben haben, der in der schwülsten Nacht des Jahres bei Vollmond auf der Spitze eines Heldendenkmals, der einer Zikkurath ähnlich sah, einen Sofeten auf einem schwarzen Altar festgebunden hat. Gekleidet in der Tracht eines Aztekenpriesters soll dann unter den Zeugenaugen eines schwärenden Vollmondes Unnennbares mit einem hitzewellenförmigen Opfermesser geschehen sein …
Man unterschätze also nie einen Hilli! Weder in seinen Kräften, aber erst recht nicht in seiner Kreativität, die manchmal über das Ziel hinausschießen kann.

(4) Der Sommerfetischist: Sofet – Der Hitzezombie

Sommerfetischist (Sofet): So armselig, dass er oft als NPC (Nichtspielercharakter) und Kanonenfutter missbraucht wird. © kaltwetter.com
Sommerfetischist (Sofet): So armselig, dass er oft als NPC (Nichtspielercharakter) und Kanonenfutter missbraucht wird. © kaltwetter.com

Der Nutzen eines Sofeten für eine Abenteuergruppe in der Epoche der Klimakatastrophe ist mit einem Wort umschrieben: Kanonenfutter!

Denn während der Hilli tolerant auch Kallis hinnimmt, befindet sich der Sofet in seinem eigenen Universum, zu dem nichts und niemand Zutritt findet – weder Toleranz, noch Intelligenz.
Temperaturen unter 30 Grad Celsius sind für ihn eine Zumutung. Winter ist für ihn der schlimmste Alptraum auf Erden (Tipp: Was macht man dann mit Sofeten im Winter?). Unberücksichtigt von Fakten wie den 70.000 Hitzetoten im Sommer 2003 erwartet er, dass es ganzjährig Sommer samt endloser, lebensfeindlicher Dürre ohne Regen und Wolken bleibt und er erwartet, dass ihm jeder bei dieser weltfremden, skurrilen Meinung zustimmt.

Trifft die Heldengruppe auf IS-Terroristen mit Kalaschnikows im Anschlag, dann genügt es, den Sofeten in der Gruppe (die man im halben Dutzend immer an der Kette mitführen sollte) zu erzählen, dass der Tod der islamischen Irren für wochenlanges Schönwetter sorgen wird. Schon hetzen sie los und erschlagen mit ihren eigenen Ketten den Feind – insbesondere, wenn man sie vorher mit zugeflüsterten Wörtern wie „Winter“, „kalt“, „Regen“ oder „Schnee“ zusätzlich aggressiv aufstachelt. Ohne Übergang beginnt der Sofet zu wüten und zu schreien, dem Verhalten in so manchen Wetterforen nicht unähnlich. Mit Worten wie „Schönwetterfront“ und „Hitzewelle“ kann man die aufgewühlten rudimentären Wettergefühle nach dem blutigen Kampf beruhigen, ohne dass sich der Sofet selbst Schaden zufügt.

Sommerfetischisten (Sofeten) haben panische Angst vor Winter und ihre Fluchtversuche treiben seltsame Blüten ...; © shutterstock.com
Sofeten können sich nicht intelligent artikulieren, selbst wenn das Ende einer Schönwetterfront sie emotional aufregt; © shutterstock.com

Da Sofeten davon ausgehen, dass die Klimakatastrophe (auch gerne beschönigend „Klimawandel“ oder „globale Erwärmung“ genannt) ein Segen für die Erde ist, während bereits ein biologisches Massensterben in vollem Gang ist, sollten Sie sich jedoch auf keinen Fall auf „Diskussionen“ mit ihnen einlassen. Fehlende Toleranz ist hier nur ein Aspekt einer Vielzahl von schlechten Angewohnheiten, die sich aus Halbwissen und nichtvorhandener Bildung ergeben. Andererseits kann das skurrile Sammelsurium aus Verschwörungstheorien und Grundschulwissen oftmals Anlass zu ungewollter Heiterkeit in der Gruppe geben.

Wenn Sie die Sofeten der Gruppe nicht vorschnell als Kanonenfutter oder Kundschafter für ein Minenfeld verbrauchen wollen, dann sorgen Sie für ihr Wohlergehen. Die mit Fäkalien leicht zu verwechselnden Bräunungscremes versetzen sie in eine entspannte Grundstimmung. Ignorieren sie ihr durch UV-Bestrahlung bald sehr tumoresk wirkendes Aussehen und zwingen Sie die Sofeten, zu trinken, wenn diese sich in Kampfpausen 12 Stunden am Tag in eine sonnenbratende Mumie verwandeln. Es handelt sich letztlich um Hominiden und damit eine mit dem Menschen (Homo sapiens) verwandte Abart namens Homo sofensis.

(5) Der Wetterextremfanatiker: Wexxer – Blitze und Lustschreie

Überragende Charakterwerte beim Wetterextremanhänger (Wexxer), doch ein hoher mentaler Preis. © kaltwetter.com
Überragende Charakterwerte beim Wetterextremanhänger (Wexxer), doch ein hoher mentaler Preis. © kaltwetter.com

Ein gewaltiger Sturm zieht auf. Schwarze Wolken überrollen das Firmament und fressen die Sonne. Sofeten fliehen schreiend zu ihren 30-Grad-Wohnungen und ketten sich angstvoll zitternd an die Heizung. Blitze zucken aus den Wolken und wirken wie die Messerklingen eines wahnsinnig gewordenen Wettergottes, der wahllos Opfer sucht. Selbst dem Hilli wird mulmig zumute und sogar der Kalli unterbricht seine Freudentänze über den einsetzenden und kühlenden Platzregen, als sich ein Tornadotrichter bildet und ein Sofetenhaus verschlingt wie ein Alptraum aus dem Cthulhu-Universum*.

Doch der Wexxer ist in seinem Element! Aus vollem Hals lacht er seine Freude zum Himmel und dankt den Göttern für dieses Traumwetter.
Dem Wetterextremfanatiker sind die herkömmlichen Wertungsschubladen zu banal. Zu kalt, zu warm, zu nass, zu trocken – irrelevant! Erst wenn das Wetter sich zu Naturkatastrophen wandelt, dann herrscht seine exklusive Ansicht von „Traumwetter“. Tsunamis, Vulkanausbrüche, Gewitter, Extremregen, Überschwemmungen und natürlich Tornados in allen Erscheinungsformen setzen seine Seele in lustvollen Verzückungsflächenbrand.

Wenn Tornados auftauchen, ist der Wexxer nicht mehr zu halten und springt mit irrem Lachen in seinen Spezialwagen. © <a target="_blank" href="https://www.flickr.com/photos/shreveportbossier/5930216833">Shreveport-Bossier Convention and Tourist Bureau auf flickr.com</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>
Wenn Tornados auftauchen, ist der Wexxer nicht mehr zu halten und springt mit irrem Lachen in seinen Spezialwagen. © Shreveport-Bossier Convention and Tourist Bureau auf flickr.com, Lizenz: CC BY 2.0

Der Wexxer ist für die Abenteurergruppe eine große Hilfe. Wenn es einem gelingt, ihn aus seinem wahnsinnigen Lachen zu reißen und ihm die 2 Meter lange Stahlstange aus der Hand reißt, mit der er die geliebten Blitze anlocken möchte, dann kann er die panische Gruppe in Sicherheit bringen. Denn sein Gehirn, wenn auch lustelektrisiert wie Frankensteins Monster zum Zeitpunkt seiner Erschaffung, befindet sich nun in einem gottgleichen Multitaskingmodus, für den jeder Nerd sterben würde, um ihn zu erhalten.

Der Wexxer ist somit hochemotional und ebenso intelligent, aber mit dieser Gratwanderung zwischen Genie und Wahnsinn auch immer ein Risiko für die Gruppe. Er entspricht einer Wagenladung hochempfindlichen Sprengstoffes: Sie kann äußerst beeindruckend und nützlich sein, aber im falschen Moment kann sie auch das Ende bedeuten.

Diese Gruppe zeigt im Heldenoutfit eine Live-Darstellu8ng der Wettertypen: vorne rechts ein Hilli mit Flammenanzug, daneben ein Sofet mit Hautkrebs im Endstadium, daneben eine Wexxerin. Hinten links ein Kalli mit Wasserkühlpistole und eine Norma mit Abwehrschilden gegen interessante Argumente und Gesprächsinhalte, © <a target="_blank" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fantastic_Four_Cosplays.jpg">Greyloch auf commons.wikimedia.org</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.en">CC BY-SA 2.0</a>
Diese Gruppe zeigt im Heldenoutfit eine Live-Darstellung der Wettertypen: vorne rechts ein Hilli mit Flammenanzug, daneben ein Sofet mit Hautkrebs im Endstadium, daneben eine Wexxerin. Hinten links ein Kalli mit Wasserkühlpistole und eine Norma mit Abwehrschilden gegen interessante Argumente und Gesprächsinhalte, © Greyloch auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Hinweis: Dieser Artikel könnte möglicherweise satirische Inhalte aufweisen. Fall Sie mit diesem Humorkonzept nicht vertraut sind, dann fragen Sie Ihren verbeamteten Humorberater oder ihre (ehemaligen) Erziehungsberechtigten.

Voting: Zu welcher Gattung von Wetterliebhabern gehören Sie?

Zum Abschluss noch die Frage, zu welcher der genannten 5 Wettertypen Sie sich selbst zählen: Hilli, Kalli, Norma? Oder Wexxer? Als Sofet wird sich gewiss keiner freiwillig bezeichnen …




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  • Stefan

    Muahahahaha. Geil! Sensationell! Das ist bis dato wohl der beste Satireartikel. Obwohl, Satire? ^^ Ich schmeiß mich wech. You made my day.
    Hmm, wie würde ich mich klassifizieren? Wohl eine Mischung aus Kalli und Wexxer. ^^

    • 😉 Sehe ich auch so mit Kalli und Wexxer. An den Rollenspielkarten habe ich sicher ca. 15 Stunden rumgewurschtelt.

      • Stefan

        Im Moment wüte ich mit dem Rasenmäher rum. Da kam mit der Artikel in der Pause gerade recht. Habe hier schallend gelacht. Bei der Anstimmung habe ich Kalli genommen. Ich denke das Verhältnis ist so 60:40 pro Kalli. Nur wenn es um Regen geht 100% Wexxer. ^^

        • Ich würde 70:30 Kalli zu Wexxer bei mir einschätzen. Für Tornados, Gewitter etc. benötigt man halt (auch) Hitze. Dazu bin ich eigentlich grundsätzlich nicht bereit, nur wenn es unveränderlich ist, darf es gerne scheppern lol
          Wieso stelle ich mir dich gerade mit einem gepimpten Kerosinrasenmäher und irrem Lachen vor, bei dem du laufend „Stirb! Stirb!“ den Grashalmen ins Antlitz schreist? lol

          • Stefan

            *g* Du kennst mich schon zu gut. Lol Hehe, nicht nur die Grashalme. Alles was im Weg liegt wird niedergemäht. Tiere natürlich nicht. Vorhin habe ich eine Blindschleiche weggesetzt. Aber Äste, kleine Steine. Egal. Das Messer des Mähers sieht mittlerweile aus als hätte es die Knochen unzähliger Sofeten zermalmt. ^^

          • haha genau mein Stil. Tierschutz plus Rasenmassaker. ^^

  • Hahahaha richtig genial geschrieben 😀
    Das ist zwar Satire, aber es ist auf jeden Fall viel Wahres dran. ^^
    Tja, wie würde ich mich wohl einschätzen…? Eine schwierige Frage, allgemein bin ich persönlich / charakterlich schwer zu einer bestimmten Gruppe vollkommen zuordnungsbar, das spiegelt sich auch bei meinen Wettervorlieben wider. ^^
    Ganz allgemein würde ich Wexxer sagen. Egal ob kräftige Gewitter / Starkregen oder auch langanhaltender, aber nicht zu schwachen Landregen entgegne ich mit Freude ! Im Minutentakt aktualisiere ich bei einem bevorstehenden ( Gewitter- ) Schauer das Radar, um zu sehen, wie weit das feuchte Glück noch vom Wohnort entfernt ist, um dann das sich aufbrausende Spektakel am Fenster zu beobachten oder gleich rauszugehen, um die frische, duftende Luft einzuatmen. Allerdings mutiere ich im Spätherbst / Winter eindeutig zum Kalli und im Hochsommer mit wirklich nur klitzekleiner Tendenz zum Normalo ( aber nur was die Temperatur angeht ).
    Die heftigen Temperaturschwankungen im Sommer 2015 mochte ich beispielsweise gar nicht, aber andererseits sorgten diese auch für viel Regen. Welch Dilemma. ^^

    • Ja das Dilemma kenne ich auch ^^ Wenn ich Hitze nicht so abgrundtief hassen würde, wäre ich wohl der perfekte Wexxer. Aber es spiegelt auch verschiedene Aspekte der Persönlichkeit wieder. Der Wexxer den Wahnsinn, der Kalli die stille Poesie.

  • Autumn

    Hahahaha, wieder einmal sehr gelungen, toll! Ich liebe diese Wettergeschichten! 😀 Ich gehöre eindeutig zu den Normas, ja Frühling ist meine Lieblingsjahreszeit, aber auch den Herbst mag ich sehr gerne.

    • Der Vorteil der Normas ist auf jeden Fall, wenn sie dann irgendwann irre werden lol 😉

  • Anne Wandklatschen (C/SN)

    Genialer Artikel mal wieder! 😀
    Allerdings fällt mir die Selbstzuordnung ein wenig schwer, da ich als Liebhaberin von gemäßigten Temperaturen (0-15°C), Regen, Nebel, Tiefdruckeinflüssen und vor allem Bewölkung irgendwie durch’s Raster falle.
    Obwohl ich kalte Winter durchaus mag, bin ich für einen echten Kalli doch zu frostbeulig und brauche meinen Wintermantel für ausgedehnte Ausflüge. Extreme und zerstörerische Naturgewalten finde ich zwar faszinierend, doch eher aus der sicheren Ferne. Hilli (und natürlich Sofet) fällt definitiv weg, da ich den Sommer mit seinen typischen Temperaturen und UV-Indices leidenschaftlich hasse. Und auch mit Normas verstehe ich mich aufgrund einer sehr abweichenden Vorstellung von „schönem Wetter“ nur begrenzt.
    Deshalb bin ich mal so frei, den Typus (6) „Regentänzer“ zu ergänzen – eventuell vergleichbar mit einem Wassermagier der eher düsteren Natur – der in einem Land des ewigen Herbstes wohl am glücklichsten wäre. Leider kann ich nicht so gut mit Grafiken umgehen wie Du, sonst würde ich mich an einer Karte dazu versuchen. 😉

    • Ja, man könnte natürlich noch viel mehr Kategorien nehmen. Den Rexxer (Regenextremanhänger) hatte ich auch überlegt, aber ich wollte den Artikel zwecks Übersichtlichkeit nicht zu lang werden lassen. Irgendwann langweilt dann auch der 13. Typus ^^

      • Stefan

        Den Rexxer hätte ich genommen ^^

    • Autumn

      Haha, mir ging es ähnlich, aber da ich auch nichts gegen 20-25°C habe, bin ich wohl eindeutig eine Norma. Ich mag auch sehr gerne 5-20°C, ob Sonne, Regen, Wolken, Nebel oder Gewitter. Für eine Kalli bin ich aber definitiv auch zu frostbeulig. Eine Hilli kommt ebenso nicht in Frage, da ich eine leidenschaftliche und tiefe Abneigung gegen alles über 25°C habe! Aber von diesen Kategorien trifft „Norma“ auf mich am ehesten zu, ich selbst verwende für mich aber immer den Begriff „Hitzehasserin“, wenn es ums Wetter geht. Mag alles außer ekelhafter Brüllhitze über 30°C!!!

      • Eine Hiha wäre wohl noch einen eigenen Typus wert ^^

        • Autumn

          Jaaaaaaaa, das ist es! Ich bin ganz einfach nur eine Hiha 🙂

        • Autumn

          Kannst du für die nächste Wettergeschichte im Hinterkopf behalten 🙂 Hab auch noch was: den Flexxi. Egal ob Regen, Sonne, Schnee, Wind oder Extremwetter, der Flexxi mag es bunt und abwechslungsreich.

      • Ja, mir geht es ähnlich von den Temperaturen her. Wobei für mich 25 Grad schon die Schmerzgrenze sind, vor allem wenn es schwül ist. In dieser Hinsicht bin ich wohl einer „Norma“ auch recht ähnlich, Aber da ich mich auf die kommende Gewitterlage wie ein Schneekönig freue, kommt das nicht in Frage 😛
        Ach ja: Dieses extrem belanglose, gesellschaftsangepasste Geplapper um nichts passt ebenfalls nicht zu mir ^^

        • Satirisches Überziehen ist letztlich für den Unterhaltungswert des Artikels unerlässlich ^^ Auch beim Kalli 😉

          • Aber das ist gar nicht mal so weit aus der Luft gegriffen ;D

          • lol wenn du das sagst ^^

          • Autumn

            Es hat schon was Wahres dran, aber vor allem ist es eins: LUSTIG! 🙂

          • Da hast du natürlich Recht ! 🙂

          • Autumn

            Oooch, aber Kaltwetterchen, sei so lieb und gib der Norma eine etwas höhere Intelligenzbewertung, ja? 😉 hihihihi! 🙂

        • Autumn

          Zu mir auch nicht, aber woanders konnte ich mich nicht einordnen…

    • Dämonid

      anne wandklatschen har har bester Name.
      Ich musste erstmal ne Minute lachen 😀
      Regentänzer trifft auf mich wohl auch zu. Aber auf einen Winter will ich absolut nicht verzichten. Drei Monate Schnee und Minustemperaturn hätte ich unglaublich gerne, aber in der heutigen Zeit leider eine Utopie.

  • MINDERQUEST

    #ProudKalli 😉

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