Der Winter 2016/17: Der Kaltjanuar 2017 umgeben von sonnengerösteten Mildmonaten.
Der Winter 2016/17: Der Kaltjanuar 2017 umgeben von sonnengerösteten Mildmonaten.

Wir waren wider Erwarten mit Optimismus in den Winter gestartet. Noch im Spätsommer waren sich alle einig, dass wir vor einem deutlichen Mildwinter stehen würden – zu deutlich waren die Prognosen. Doch dann kam alles anders und das mit dem gewaltigsten Klimaereignis seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden: Dem Waccy-Effekt.

Als mit der Rekord-Schneebedeckung im Oktober 2016 auch der Waccy-Effekt einsetzte und die Arktis immer wärmer wurde, wie man es noch nie gesehen hatte, da war klar: Diese supererwärmte Arktis und die dadurch erfolgende Polarwirbelschwächung wird im Januar 2017 zu großer Kälte führen. Und genauso kam es auch. Abseits des Januars schlugen anderen Einflußfaktoren zu Buche, sodass am Ende trotz allem ein „Leichtwinter“ nur herauskam. Das Flachland war wie immer der große Verlierer. Das Bergland wie immer (abseits des Dezember 2016 mit Inversionslagen) der große Gewinner.

Doch blicken wir zur Einordnung zunächst zurück auf die Winter des 21. Jahrhunderts.

(1) Blick zurück: Wie waren die Winter der letzten Jahre 2000 bis 2015/16?

Im Vergleich mit dem 30-Jahres-Mittel 1961-1990 verwende ich zukünftig folgende Winter-Kategorien (etwas verändert zum letzten Mal):

schlechtwetter2

Supermildwinter: ab +2,5 Grad zum Mittel

regen3

Mildwinter: +1,1 Grad bis +2,4 Grad zum Mittel

regen2

Leichtwinter: +0,6 bis +1,0 zum Mittel

eiswuerfel

Normalwinter: 0,0 bis +0,5 zum Mittel

schneeflocke2

Kaltwinter: -0,1 bis -1,9 Grad zum Mittel

iglu2

Superkaltwinter: ab -2,0 Grad zum Mittel

Im Rahmen dieses Schemas haben wir es also 2016/17 mit einem Leichtwinter zu tun, während der Winter davor mit +3,6 Grad ein Supermildwinter war, der eigentlich eine weitere Steigerung erfordert hätte, die man „Nichtwinter“ hätte taufen können …

Kurz noch ein Rückblick auf die letzten Jahre, die zeigen, wie wenig Winter wir in Deutschland (das sich eigentlich in Dürredeutschland umbenennen sollte) wirklich haben und auch, dass die Mildwinter eben doch statistisch immer „im Block“ auftauchen:
2015/16: 3,6 = + 3,6 Grad = Supermildwinter
2014/15: 1,8 = + 1,6 Grad = Mildwinter
2013/14: 3,3 = + 3,1 Grad = Supermildwinter
2012/13: 0,3 = + 0,1 Grad = Normalwinter (dabei waren Dezember und Januar übrigens deutlich über dem Mittel)
2011/12: 1,1 = + 0,9 Grad = Leichtwinter
2010/11: -0,6 = – 0,4 Grad = Kaltwinter

(2) Der Verlauf des Winters 2016/17: Klassischer „Sandwich-Winter“ der Klimakatastrophe

Es macht den Eindruck angesichts der letzten Jahre und erkannten Strukturen der Klimakatastrophe, dass der Winter mittlerweile als „Sandwich“ daherkommt. Das meint:
1. Der Dezember ist im Grunde kein Wintermonat mehr und wird auch in Zukunft immer mild sein.
2. Es folgt ein kalter Januar (zumeist durch Ostlagen und damit kalt und schneearm, sowie leider sonnig) und ein
3. Spätwinter, der seine eigenen Gesetze hat. In diesem Jahr endete er in einer von 2 möglichen Varianten: Als Westdrift-Februar mit zu warmen Temperaturen und verhaltener Nässe. Denkbar ist jedoch auch in kommenden Jahren, vor allem bei Major Warmings des Polarwirbels eine kalte Variante.
Somit liegt der kalte Januar zwischen zwei Mildmonaten und bildet einen „Sandwich-Winter“.

Die meteorologischen Daten des Winters 2016/17

Die reinen Temperaturen im Mittel, die bekanntlich sowohl das stets winterbevorteilte Bergland wie auch das Flachland zusammenfassen, sind im Winter 2015/16 eine durchgängige Katastrophe:

Dezember 2016: 2,2 Grad = +1,4 Grad zum Mittel 1961-1990
Januar 2017: -2,2 Grad = -1,7 Grad zu kalt
Februar 2017: 3,0 Grad = +2,6 Grad zu warm

Der Winter 2015/16 ließ noch mit einem Dezember 2015 von wahnsinnigen +5,6 Grad über dem Mittel apokalyptische Alpträume wahr werden. Das bedeutet, dass bei 5,6 Grad zu warmen Mitteltemperaturen im Flachland jeder einzelne Tag des Monats Tagesmaximaltemperaturen aufwies, die ca. 15 Grad zu hoch waren! Umgedreht versuche man sich das einmal im Sommer für den umgekehrten Fall vorzustellen. Statt 25 Grad am Tag gäbe es einen ganzen Monat 10 Grad. Jeden einzelnen Tag.
Demgegenüber waren die Abweichungen in diesem Winter trotz des Februar 2017 noch halbwegs gemäßigt. Der zu kalte Januar 2017 darf dabei als ein unerwartetes klimatisches Wunder gelten.

Der Winter 2016/17 war im Mittel 0,9 Grad warm und lag damit 0,7 Grad über dem Mittel 1961-1990. Er ist somit ein Leichtwinter.

Es ist somit der sechste „Nicht-Kaltwinter“ in Folge und unterbricht die Reihe der bisher 3 Extremmildwinter in Folge zum ersten Mal.

Niederschlag und Sonnenscheindauer

Der Niederschlag war eine einzige Katastrophe. Es handelt sich um einen der trockensten Winter aller Zeiten.
Durch den La Niña-Einfluss waren Hochdruckgebiete vorherrschend, die in der Klimakatastrophe durch Jetstreamverlangsamung immer stärker in Europa werden. Die inaktive Sonne auf dem Weg zum Sonnenfleckenminimum trug ebenfalls ihren Teil dazu bei und begünstige Hochdruckblockaden des Atlantiks, die je nach Lage Zugriff auf Europa nahmen.

Am Ende verzeichneten die Messstationen ein verheerendes Minus von 36%. Bei nur somit 64% des Solls ergaben sich 118 statt 181 Liter pro Quadratmeter.

Die Sonnenscheinbelastung war aufgrund des Dauerhochdrucks unerträglich rekordhoch. Lokal wurden unfassbare 500% des Sonnensolls zeitweise erreicht. Einen Frühling und mehr Licht brauchen wir also dieses Jahr mit Sicherheit nicht zu fordern nach diesem „Mai-Winter“ aus Sonnenbelastungssicht!

210 grelle Sonnenstunden statt üblicher 155 machten die wohltuende dunkle Jahreszeit zu einem Alptraum, der sogar im Winter keine Erholung und Kontemplation gestattete in einer Welt, die ohnehin lichtkrank ist und die Schönheit der Dunkelheit vergessen hat. So niedrig das Regensoll war, so hoch war die Sonnenscheinbelastung: 136 statt 100% oder weniger.

Eine Auflistung der einzelnen Bundesländer spare ich mir für den Winter, da die Werte in den Einzelmonaten Dezember 2016, Januar 2017 und Februar 2017 von mir im Rahmen der nationalen Klimaberichte (Dezember 2016, Januar 2017, Februar 2017) bereits detaillierter vorgestellt wurden.

Der meteorologische Verlauf des Winters 2016/17

Der Winter begann wie immer mit dem Warten. Warten auf Kälte, Warten auf Schnee, Warten auf Weihnachten. Während letzteres gottlob uns nicht von der Klimakatastrophe genommen werden kann, sah es im Dezember nach einem erneuten Mildwinter aus.

Dezember 2016: Kaum Schnee, kalt im Flachland, warm im Bergland.
Dezember 2016: Kaum Schnee, kalt im Flachland, warm im Bergland.

Wie in meiner Winterprognose angekündigt, hielt sich das Klima an meine Vorstellungen und brachte dann doch die erhoffte Kälte. Und zwar aufgrund der Systematik, dass die Arktis sich immer mehr supererhitzt, dadurch den Waccy-Effekt produziert und die Kontinente in Kälte taucht (wenn auch sehr unterschiedlich).
Das Polarwirbelverhalten aus dem Oktober lässt sich dann mehr oder weniger auf den Januar übertragen. Das bedeutet: Eine negative Arktische Oszillation (AO) und somit ein stark gestörter Polarwirbel im Oktober wird sich im Januar wiederholen und die Wahrscheinlichkeit für Winter stark erhöhen. Genau dies ist in diesem Winter geschehen.
Den „Sandwich-Winter“ komplettierte ein deutlich zu warmer Februar mit zunächst Hochdruck- und dann Westdriftmilde.

Fazit: Es handelt sich somit 2016/17 um einen „Leichtwinter“ von 0,7 zu warmen Grad. Das Bergland erlebte wie immer durch physikalische Bedingungen (Abnahme der Temperatur mit zunehmender Höhe, etwa 0,7 bis 1 Grad pro 100 Meter) naturgemäß Winter und Schnee ohne Ende, das Flachland ging ebenfalls traditionell fast leer aus, konnte jedoch zumindest winterangemessene Temperaturen feiern.

Dezember 2016
Was kaum für möglich gehalten wurde, kam dann doch: Der La Niña-Einfluss, glasklar in den globalen Temperaturkarten wie im Lehrbuch belegt!
Die Folge: Hochdruck- und Sonnenterror mit stellenweise Millibar-Rekorden. Es spaltete sich Deutschland nun in ungewohnte Bereiche: Die Berge lagen in der warmen Hochdruckluft, aber das Flachland bekam durch Inversionslagen die einsickernde Bodenkaltluft aus Russland zu spüren und war durchaus nicht unzufrieden für einen solchen Winterbeginn (Klimabilanz Dezember 2016).

Januar 2017
Vor diesem eiskalten Januar 2017 müsste man normalerweise demütig und in tiefer Dankbarkeit das Knie beugen. Wenn da nicht zwei Dinge gewesen wären. Zum Einen eine katastrophale Hochdrucklage mit so viel Sonne, dass es für den Frühling reichte – absolut unerträglich und eine Pervertierung des herrlichen Dunkelmonats, wie bereits im Dezember 2016. Zum Zweiten so gut wie kaum Schnee im Flachland aufgrund der Ostlage, die als einzige in der Klimakatastrophe noch für Wintertemperaturen sorgen kann.

Januar 2017: Nun kam der Schneewinter doch. Aber fast nur in den Bergen. (hier: Harz) © Janek K auf kaltwetter.com
Januar 2017: Nun kam der Schneewinter doch. Aber fast nur in den Bergen. (hier: Harz) © Janek K auf kaltwetter.com

Obwohl also La Niña sich abschwächte und verschwand, blieb der Hochdruck. Dieses Mal gerieten allerdings die Bergregionen ebenfalls in eine Kältelage und gelegentliche, seltene Troglagen sorgten für Schnee über Wochen – ein Szenario, wie man es sich im Flachland absolut nicht vorstellen kann in dem üblichen, ewigen Sonnengrünwinter bei kalten Temperaturen.
Das mit großer Hysterie angekündigte Sturmtief „Egon“, das als „Blizzard“ angepriesen wurde, entpuppte sich als größter Vorhersageflop aller Zeiten. Von Blizzard keine Spur, von Schnee gar nicht, nicht mal von echtem Regen selbst nahe des Zentrums am Frankfurter Flughafen direkt hier nebenan. Was lernt man daraus? Sog. „Schnellläufer“ sind extrem schwer zu prognostizieren und meist deutlich harmloser, als sie in der Sensationspresse angepriesen werden.
Siehe dazu auch die Klimabilanz Januar 2017.

Februar 2017
Mit dem Februar endete viel zu früh der Winter. Wärme, wenig Regen (vor allem in südlichen Landesteilen) trotz Westdrifteinfluss, schon wieder zu viel Sonne vor allem in der ersten Monatshälfte zeigten die Mildseite des Spätwinters. Ohne Major Warming beim Polarwirbel, ohne QBO-Ostphase hatte der Winter hier so gut wie nie eine Chance. Immerhin blieb die gefürchtete Südlage und ein Frühling aus, der viel zu oft viel zu früh und viel zu heiß die Dürre noch verstärkt hätte. Details dazu in der Klimabilanz Februar 2017.

Die Muster dieses Winters wurden also von La Niña, Atlantikblockaden, Hochdrucklagen, wenig Schnee und Kälte-Episoden bestimmt. Werfen wir einen Blick auf die klimatologischen Faktoren und was sie bewirkten, um für die Prognosen kommender Winter hinzuzulernen!

(3) Völlig neue Winterszenarien: Der Waccy-Effekt, La Niña und Sonnenfleckenminimum

In meiner Winterprognose 2016/17 war ich von einem verhalten warmen Dezember, einem kalten Januar und einem eher wenig kalten Februar ausgegangen. Genauso ist es auch gekommen. Der Detailblick auf die klimatischen Randfaktoren zeigt aber auch, dass eine Menge Glück oder nennen wir es positiv „irrationale Inspiration“ dabei gewesen ist 😉

Welche Faktoren sind zum Tragen gekommen in diesem Winter? Öffnen wir die „Black Box“ des Winters und werfen einen Blick auf die vielen Rädchen im Innern, die zu dem Wetter geführt haben, wie wir es in diesem Winter erlebt haben.

La Niña
La Niña, sprich eine Phase zu kühler Wassertemperaturen vor der Westküste Südamerikas, hatte ich in der Prognose noch für wenig wahrscheinlich angesehen. Tatsächlich war das Signal auch sehr schwach, genügte aber dennoch um im globalen Maßstab ganz klar die klassische Verteilung von Temperaturanomalien zu bilden.
Der Hochdruckwinter als eine klassische Auswirkung von La Niña auf Europa (siehe: Hat La Niña eine Auswirkung auf Europa?) ist daher auch diesem Klimaphänomen geschuldet, zumindest im Dezember 2016.

Veränderungen der globalen Temperatur- und Feuchtigkeitsverteilung durch La Nina; © NOAA
Veränderungen der globalen Temperatur- und Feuchtigkeitsverteilung durch La Nina; © NOAA
Globale Karte der Temperaturanomalien am 16.12.2016. Man erkennt glasklar die La Nina-Strukturen beinahe wie im Lehrbuch; © Karsten Haustein
Globale Karte der Temperaturanomalien am 16.12.2016. Man erkennt glasklar die La Nina-Strukturen beinahe wie im Lehrbuch; © Karsten Haustein

Sonnenfleckenzyklus
Sonnenflecken sind nur ein geringer Einflussfaktor. Dennoch gilt eine ruhige Sonne mit sehr wenigen Sonnenflecken als eine Ursache, dass auf dem Atlantik die Hochdruckgebiete zunehmen und die Westdrift im Rahmen einer Atlantikblockade gestoppt wird.
Genau das ist in diesem Winter geschehen. Die Sonnenaktivität wird in den nächsten Jahren weiter fallen, bis sie im Jahr 2020 etwa das zyklische Minimum erreicht haben wird. Anschließend könnte es spannend werden. Forscher glauben, dass durch eine Interdependenz der verschiedenen Umwälzströmungen in der Sonne es zu einem Aufhebungseffekt kommt und eine sog. „Kleine Eiszeit“ die Folge sein könnte. Allerdings werden mittlerweile auch die Stimmen lauter, die das ins Reich der Fabel verweisen und zukünftig wieder stärkere Sonnenaktivität wahrscheinlicher sei.

Der aktuelle Sonnenfleckenzyklus 24 nähert sich dem Minimum
Der aktuelle Sonnenfleckenzyklus 24 nähert sich dem Minimum

Quasi-biennale Oszillation (QBO)

Die QBO stellt die Windverhältnisse in der Stratosphäre dar. Diese sind im Gegensatz zur Troposphäre sehr regelmäßig und kehren sich ungefähr alle 2 Jahre um. Eine West-QBO unterstützt dabei sinnigerweise die Westdrift und somit milde Winter, eine Ost-QBO wirkt gegen die Westdrift und begünstigt kalte Ostlagen.

QBO-Phase: Westwind (dunkel schraffiert). Ausgerechnet seit Beginn des Winters rutscht die QBO für vorauss. 2 Jahre in die Westphase; © <a href="http://www.geo.fu-berlin.de/met/ag/strat/produkte/qbo/" target="_blank">FU Berlin</a>
QBO-Phase: Westwind (dunkel schraffiert). Ausgerechnet seit Beginn des Winters rutscht die QBO für vorauss. 2 Jahre in die Westphase; © FU Berlin

Ausgerechnet zum Winter stellte sich die QBO auf West um. Dies mag erklären, warum bei den einzelnen Wetterlagen im Dezember und Februar die Waage zugunsten des Mildwinters ausschlug. Auch die recht zahlreichen Warmings des Polarwirbels hatten nur sehr selten Auswirkungen und das Signal schwächte sich stets beim Absinken in die Troposphäre wieder ab, sodass die Wirkung oft gleich null war.
Die QBO wird offenbar oftmals unterschätzt in ihrer Wirkung. Gerade in der unteren Stratosphäre ist sie jedoch von großer Bedeutung für unseren Winter und die Ereignisse von Stratosphäre und Troposphäre scheinen das zu bestätigen.

Der Kalte Fleck und die Troglagen
Ich hatte im Artikel „Der Golfstrom schwächelt und Deutschland versinkt deswegen in Hitze?“ einmal mehr die These vorgestellt, nach der die Troglagen auf dem Atlantik zunehmen. Der kalte Fleck dort scheint die Tröge wie ein Magnet anzuziehen. Die Folge: Deutschland wird von den Troglagen nicht getroffen, sondern landet im Gegenteil im Tal zwischen zwei Troglagen und damit in der maximalen Hitze.
Dieser Effekt scheint sich abzuschwächen vor dem Hintergrund des Waccy-Effektes. Denn Troglagen kamen in diesem Winter kaum vor, stattdessen herrschten kalte Ostlagen. Zudem ist der „Kalte Fleck“ im Winter sehr klein, vermutlich, weil im Winter die grönländische Eisschmelze pausiert. Somit sollte der Troglageneffekt des Kalten Flecks verstärkt im Sommer auftreten und zu den furchtbaren Hitzelagen Deutschlands wie in den letzten 25 Jahren beitragen.

Der warme und nicht mehr kalte Nordatlantik
Dr. Cohen ist ein reflektierter Mensch, der stets bemüht ist, aus Fehlern zu lernen. So hatte er aus dem Winter 2015/16 die Lehren gezogen, dass es einen Grund geben musste, warum die eigentlich guten klimatischen Randfaktoren nicht zum Tragen kamen (vgl.: Dr. Judah Cohens ultimative Analyse des Winters 2015/16).
Als Ursache stellte sich überraschenderweise der Nordatlantik heraus!
Im Winter 2015/16 war dieser überraschend kalt gewesen und hatte dadurch zu einer Verstärkung der Westdrift geführt – möglicherweise war dies eine Spätfolge des El Niño. Die Parallelität der Temperaturen von Nordatlantik und polarer Frontalzone führte zu einem niedrigen Gradienten und damit auch zu einer Parallelisierung der Luftströme.

In diesem Winter war die Lage anders: Der Nordatlantik zeigte eine gleichmäßige, eher warme Temperaturverteilung. Die Westdrift wurde so nicht zusätzlich angefacht. Statt dessen konnten sich die Hochdruckblockaden unbedrängt ausbreiten und für den Hochdruckwinter sorgen, wie wir ihn erlebt haben.

Die supererwärmte Arktis, der Waccy-Effekt
Der Waccy-Effekt.

Er bestimmte diesen Winter global wie kein anderes Phänomen. Dabei ist er schon seit einigen Jahren bekannt und wurde von Dr. Cohen immer wieder prognostiziert (vgl. diesen Fachartikel von 2013). In den letzten Jahren hat sich der Effekt immer wieder angedeutet, war aber noch relativ schwach ausgeprägt. Im letzten Winter gab es den ersten superwarmen Polarvorstoß eines Tiefdruckgebietes, den die Meteorologen in seiner Bedeutung herabspielten: Alles nur ein statistischer Zufall nach über 100 Jahren, wo es zum letzten Mal zu Plusgraden am Nordpol gekommen ist. In diesem Winter erfolgten dann gleich vier (!) Warmluftvorstöße mit Plustemperaturen am Nordpol – ein glasklarer Beleg, dass es sich eben NICHT um einen statistischen Zufall handelt.

Deutschland geriet dabei nur selten in den Genuss der kalten Luftmassen, weil wir im Grunde nur ein Anhängsel des eurasischen Kontinents sind und wie eine Halbinsel im Atlantik liegen. Nur Kontinentalländer wie Sibirien oder sogar viel weiter südlich von uns Südosteuropa bekommen viel mehr vom Waccy-Effekt ab. Im Januar 2017 jedoch war der Einfluss des Waccy-Effektes in Form von Ostlagen und dem Anzapfen des sibirischen Kälteblocks, der durch den Waccy-Effekt und die Schneemassenausdehnung aufgrund einer sterbenden Arktis erst möglich wurde, ganz klar zu sehen.

Zum Waccy-Effekt gehe ich im abschließenden Kapitel (5) noch einmal detailliert und separat ein.

Der Polarwirbel und die treibhausgasgestützte Abkühlung der Stratosphäre
Der Polarwirbel kommt uns seit einigen Jahren mittlerweile schon wie ein alter Freund vor. Regelmäßig ab Oktober beobachten wir seine Zuckungen, um mehr über den kommenden Winter zu erfahren (wie geht das?). Mittlerweile wird das Wissen über die Vorgänge des Polarwirbels immer detaillierter – auch dank Bemühungen von professionellen Wissenschaftlern wie Dr. Cohen oder hochqualifizierten Laien wie der „Wetterleuchte“ im „Wetterrunde-Forum„.

Dabei kristallisieren sich neben unzähligen Details zwei entscheidende Faktoren heraus:
1. Die Warmings
Die Warmings des Polarwirbels werden durch die Klimakatastrophe stärker, da die Hitzeströme von der Troposphäre leichter Eingang in die Stratosphäre finden – durch veränderte Strömungsverhältnisse, die supererwärmte Arktis und andere Faktoren.

2. Die Stratosphäre wird kühler
Im Gegensatz dazu wird paradoxerweise die Stratosphäre kühler, während die Temperaturen am Boden immer stärker werden. Grund für die Abkühlung der Stratosphäre ist die Klimakatastrophe, genauer gesagt: Die Treibhausgase, die nach wie vor ohne Ende ansteigen.
Eine kühle Stratosphäre führt aber dazu, dass der Polarwirbel gestärkt wird und somit Winter in Europa unwahrscheinlicher wird. Denn wenn der Polarwirbel stabil und stark ist, schließt er die kalten Luftmassen vor den mittleren Breiten weg.

Belege der Abkühlung der Stratosphäre durch Treibhausgase; © C. S. Long and J. R. Christy, 2013: [Temperature] Lower Stratospheric Temperature [in “State of the Climate in 2012”]. Bulletin of the American Meteorological Society (BAMS), S14-S15, bei: <a href="https://www.climate.gov/news-features/understanding-climate/2012-state-climate-temperature-lower-stratosphere" target="_blank"> NOAA climate.gov</a>
Belege der Abkühlung der Stratosphäre durch Treibhausgase; © C. S. Long and J. R. Christy, 2013: [Temperature] Lower Stratospheric Temperature [in “State of the Climate in 2012”]. Bulletin of the American Meteorological Society (BAMS), S14-S15, bei: NOAA climate.gov

Man könnte somit auch sagen, dass die Spaltung der Erde in Radikalklimate sich auch im Polarwirbel findet: Einerseits wird er immer stärker durch Warmings gestört, andererseits wird er durch die Treibhausgase gestärkt. Je nachdem, welche Einflussfaktoren wirksam werden im Detail bekommen wir Winter oder auch nicht.
Der Winter 2016/17 war ein Paradebeispiel dafür: Massige Warmings beim Polarwirbel, die für große Störungen sorgten, aber die kühle Stratosphäre verhinderte die Auswirkung dieser Warmings bis in die Troposphäre oft. Die Wirkung der Minor Warmings hielt somit oft nur kurzzeitig an, wenn überhaupt.
Nur ein Major Warming wie im März 2016 kann hier für eine deutliche Kehrtwendung zugunsten von europäischen Winterverhältnissen sorgen. Ein solches Major Warming tritt allerdings statistisch nur alle 2-3 Jahre auf. Im Winter 2017/18 könnte es daher im Bereich Januar – März dann vielleicht wieder so weit sein …

 

(4) Wer hat bei der Winterprognose 2016/17 gewonnen?

Fangen wir bei der Bewertung der Prognosen der Anbieter zunächst einmal mit jenen an, die völlig danebenlagen.
Die NASA lag mit einem warmen Januar völlig daneben, beim Dezember und Februar tendentiell richtig.
Die NOAA (letzten Winter Prognosesieger!) lag mit einem +1 Grad zu warmen Dezember (0,0 Grad im Mittel 1981-2010) recht gut und auch beim Februar 2017 mit vorhergesagter Wärme. Nur der entscheidende Januar 2017 wurde ebenfalls nicht gesehen.
Der DWD lag mit der höchsten Wahrscheinlichekt (38%) eines zu kalten Gesamtwinters ebenfalls zu optimistisch daneben.
Lars Thieme lag zwar beim Dezember halbwegs gut, aber beim Januar und Februar völlig daneben, ja sogar gegensätzlich.
Der oft gescholtene Kai Zorn hat von einem Winter, der +0,5 Grad zu warm sein könnte fast genau das Ergebnis getroffen. Die Einschränkung, dass es auch ein Kaltwinter werden könnte, ging jedoch deutlich daneben. Darüber hinaus hat er sich dieses Jahr mit Details zu den Einzelmonaten sehr zurückgehalten.

Ich hatte folgende Prognose getätigt:
Dezember: „Am Ende landen wir vielleicht bei +0,5 Grad zum Mittel 1961-1990“.
Es wurden am Ende 0,9 Grad mehr – allerdings lagen die Temperaturen durch den Hochdruckwinter und Inversionslage im Flachland durchaus im von mir anvisierten Bereich.

Januar: „Ich hänge mich jetzt zwar weit aus dem Fenster, aber völlig im Gegensatz zur NOAA und Lars Thieme glaube ich an einen Januar, der sehr, sehr kalt werden wird. Eben wegen der angesprochenen Polarwirbelwiederholung des Oktobers. Mit -1,0 Grad zum Mittel sind wir dabei!“
Es wurden sogar -1,7 Grad. Aber inhaltlich 100% korrekte Prognose. Und zwar im Gegensatz zu den professionellen Modellen …

Februar: „Auch hier rechne ich mit einer kalten Episode, aber nicht nur. Es wird wieder wie im Dezember auch einen Wechsel geben von milden und kalten Phasen. Am Ende steht eine +0,5 Grad im Mittel.“
Da lag ich zu optimistisch, denn es wurden +2,6 Grad, weil die Kältephase nicht kommen wollte.

Insgesamt ist es dieses Jahr schwer, einen Gewinner festzulegen. Wenn man von den Strukturen ausgeht, darf ich mich tatsächlich als Sieger sehen mit dem Januar-Kaltmonat und zwei nicht so kalten Monaten. Auch Kai Zorn liegt dank seiner Gesamtwinterprognose von +0,5 Grad recht gut.

 

(5) Blick in die Zukunft: Winterzunahme durch Waccy, bis die Erde brennt?

Der Waccy-Effekt: Warm Arctic, cold Continents. Zusammen mit einem „y“ am Ende ergibt das Akronym das englische Wort „waccy“, was in etwa „verrückt“ bedeutet und gleich die Wertung mit an die Hand gibt.

WACCY-Effekt mit warmer Arktis und kalten Kontinenten, hier: 20.11.2016; © Karsten Haustein
WACCY-Effekt mit warmer Arktis und kalten Kontinenten, hier: 20.11.2016; © Karsten Haustein

Zwar gibt es Anzeichen des Waccy-Effektes, also eine deutlich zu warme Arktis in den Herbst- und Wintermonaten, schon seit einigen Jahren. Doch erst in diesem Herbst und Winter 2016/17 geriet die Situation völlig außer Kontrolle und erzeugt Temperaturen in der Arktis, die man entweder in diese blitzartigen Schnelligkeit noch nie oder seit Millionen Jahren nicht mehr gesehen hat. Ursache: Der Mensch.

Doch warum wird es eigentlich so warm in der Arktis?
Forscher nennen dies die sogenannte „polare Verstärkung“, als Fremdwort: „Arktische bzw. Antarktische Amplifikation“. Auch in früheren globalen Erwärmungen ist eine drei- bis vierfache Erwärmung an den Polen zu beobachten bzw. belegbar. Dabei spielen zwei Faktoren vor allem eine Rolle:
1. Die Eis-/Albedo-Rückkopplung: Schnee und Eis erhalten sich im Grunde selbst, indem sie Hochdruckgebiete über sich erzeugen und indem die Rückstrahlrate (Albedo) der Sonnenstrahlen durch den Schnee und das Eis so hoch ist, dass die Wärme der Sonne sich kaum auswirkt. Die gegenwärtige Klimakatastrophe aber schmilzt das Eis, verschmutzt es auch durch Russpartikel und senkt die Albedorate. Dadurch ergibt sich ein lawinenartiger Dominoeffekt: Kein Schnee, höhere Erwärmung, dadurch wiederum schnellere Schmelze und weitere Wärmesteigerung durch sinkende Albedo. Auf genau umgekehrte Weise können bereits geringe Sonnenstrahlschwankungen über Jahrtausende zu globalen Eiszeiten führen – man braucht also dafür keine gewaltigen Schwankungen der Sonne, sondern nur den Albedo-Rückkopplungseffekt mit einer minimalen Änderung der Sonnenenergie (Sonnenfleckenminimum).

2. Physikalische Besonderheiten der Polregionen: Aufgrund der abgeflachten Lage der Arktis ist die Atmosphäre auch flacher. Es muss somit weniger Luft erwärmt werden als in den mittleren Breiten, geschweige denn am Äquator. Die Erwärmung erfolgt somit schneller. Die Zunahme der Wolken in der Arktis führt in diesem Fall zu weiteren Erwärmungen, da die Sonnenergie nicht ins All zurückreflektiert werden kann. Wolken in der Arktis haben also keine Kühlungswirkung, sondern eine treibhausähnliche Wärmewirkung.

Wenn in der Arktis nun das Meereis und der Albedofaktor sinkt, erwärmt sich durch die globale Hitzesteigerung die Arktis deutlich schneller als die Bereiche in südlicheren Gefilden. Es kommt durch den Wegfall der Hochdruckgebiete über Eis und Schnee zum Vorstoß von Tiefdruckgebieten, die maritime Warmluft transportieren.
Die Folge haben wir im letzten Winter erstmals nach über 100 Jahren wieder gesehen: Plustemperaturen am Nordpol und das mitten im arktischen Winter, wo kein einziger Sonnenstrahl die Arktis erwärmen kann!

"Arktische Todesspirale" mit Vergleich der Meereisausdehnung (im monatlichen Mittel) von 1979-2014. © Andy Lee Robinson auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0
„Arktische Todesspirale“ mit Vergleich der Meereisausdehnung (im monatlichen Mittel) von 1979-2014. © Andy Lee Robinson auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Während auf dem klimatologischen Auge blinde Meteorologen das mit fadenscheinigen statistischen Gründen („Das ist nur ein Zufall“) heruntergespielt hatten, habe ich die Lage anders gesehen und klimatologisch diese Erwärmung als erstes Zeichen einer außer Kontrolle geratenen Klimakatastrophe gesehen.
Der Winter 2016/17 hat das gezeigt, was ich damals schon erwähnt hatte: vier (!) weitere Warmluftvorstöße und die Kulmination der Wärme zu einer supererwärmten Arktis, deren rekordniedrige Meereis-Ausdehnung die Tiefdruckwärme erst ermöglicht.
Die Folge, wie von Dr. Cohen gezeigt: Veränderungen der Luftströmungen und massive Schneeausdehnung in Sibirien ab Oktober, welche dann im Winter zu einem „Ausweichen“ der polaren Kälte in Richtung der südlichen Kontinente führt. So gab es regionale Kälterekorde in Sibirien, Schneechaos in Norditalien, Schnee in Osteuropa bis zum Abwinken und sogar in der Türkei und Griechenland Schneemassen.
An diese Bilder müssen/dürfen wir uns wohl in den kommenden Jahren gewöhnen. Es ist eine paradoxe Situation: Durch eine arktische Supererwärmung und das Sterben der Arktis erfolgt ein Vorstoß des Winters auf der Nordhemisphäre!

Doch wie lange wird es den Waccy-Effekt geben – wenn er überhaupt jedes Jahr auftritt?
Dies wird solange geschehen, bis die weiter voranschreitende globale Erwärmung so stark ist, dass selbst im Niedrigsonnenstand von Herbst und Winter auf der Nordhalbkugel keine Kaltluft sich mehr wird ansammeln können. Wann dies der Fall sein wird ist vollkommen unklar. Die Vorstellung liegt nahe, dass dies entweder nie geschieht oder erst in 100 Jahren. Doch wenn man sich vor Augen hält, dass der Waccy-Effekt selbst vermutlich nie zuvor auf der Erde in dieser zeitlichen Form stattgefunden hat, weil er eine Folge der zeitrafferähnlichen Supererwärmung durch den Menschen ist, dann könnte es möglich sein, dass durch eine exponentielle Beschleunigung der Klimakatastrophe bereits in 40 oder 50 Jahren das Klima auf eine Art und Weise umgekippt sein, wird, die das Ende für die Menschheit in der heutigen Form bedeuten wird. Rein theoretisch ist dies denkbar, auch wenn vielen das heute als surreal vorkommt.

Um abschätzen zu können, ob die ganz große Katastrophe auf uns und unsere Kinder zukommen wird, werden wir jedes Jahr genauestens auch die Entwicklung an den Polen beobachten müssen: Schwankt der Waccy-Effekt und war er nur durch ein Zusammenspiel komplexer Faktoren in diesem Winter so hoch? Oder wird er jedes Jahr stärker werden?
Dabei muss man den Teufel nicht an die Wand malen. Er treibt bereits sein Unwesen in der Arktis und angesichts einer vom Menschen künstlich hervorgerufenen Klimakatastrophe, die innerhalb von geologisch lächerlichen 200 Jahren das CO2 von Milliarden Wäldern vor Millionen Jahren in Form von Kohle und Öl in die Atmosphäre pumpt, muss einen das auch beileibe nicht mehr wundern.




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  • „Sandwich Winter“ – treffende Metapher ^^
    Für mich im Harzvorland war der Winter schneetechnisch gesehen ein Totalausfall und allgemein ziemlich enttäuschend und frustrierend, jedoch habe ich mich damit schon gut abgefunden und nehme es mittlerweile mit Humor 😉
    Die richtige Kälte ging leider in ( Süd- )Osteuropa nieder und verfehlte uns. Klar, dass der Südosten Deutschlands noch am ehesten was davon abbekommt.
    Ansonsten sehr schön analysiert und die besorgniserregende Entwicklung der Klimakatastrophe verdeutlicht, allen voran die Arktis…
    Und auch noch Glückwunsch für deine passende Winterprognose. Dr. Cohen & Wetterleuchte haben auch einen sehr guten Job gemacht. Kai Zorn äußerte sich ja sehr verhalten zu den einzelnen Wintermonaten, jedoch vertrat er, trotz des milden Februars und den frühlingshaften kommenden Märztagen, beharrlich seine Position bezüglich eines „zähen Frühjahrs“, welches den GFS – Ensembles zufolge sich zu bewahrheiten scheint.
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    (c) wetterzentrale.de

    • Gut auch von dir die Lage zusammengefasst.
      Danke für die Glückwünsche zur dieses Mal endlich gelungenen vorwinterlich erfolgten Prognose. Aber ich gebe zu, da war auch etwas Glück dabei – das ist bei Langfristprognosen wohl unerlässlich. ^^
      Bin schon auf den nächsten Winter gespannt, ob mir eine erneut zutreffende Prognose gelingt. Stand jetzt würde ich erneut auf einen Sandwich-Winter tippen, da nichts dagegen spricht, dass sich das Szenario nicht wiederholen sollte. Allerdings müssen wir dafür den Oktober (Polarwirbel-AO) abwarten und ob der Waccy-Effekt ab Oktober 2017 wieder so autritt wie im Vorjahr. Und wir müssen schauen, ob ein El Nino, wie er sich momentan zu aller Grauen viel zu früh abzeichnet, aktiv ist…

      Im übrigen hat die 2K-Regel von Ivo Brück ein weiteres Jahr überlebt. Es ist am Ende ein zu warmer Winter geworden. Die Regel ist einfach nicht totzukriegen ^^

      • Stimmt, das mit der 2K – Regel fand ich auch ärgerlich. Ich habe mir von der Kaltphase Mitte Februar auch mehr erhofft. Diese war dann aber sowohl zeitlich als auch räumlich stärker begrenzt als gedacht / erhofft. So lag ich auch mit meinen Februartipp auf der Wetterwiese von -2,3 K daneben ( hätte vielleicht das Vorzeichen ändern sollen *g*).
        Ich tippe, dass der nächste Winter im Vergleich zum Mittel 1961-90 sogar zu kalt ausfallen wird, jedoch mit Schwerpunkt der Kälte im Dezember. Zumindest aus statistischer Sicht wäre ein zu kalter Winter sowie ein zu kalter Dezember längst wieder überfällig.
        Dass sich so ein Muster ( Sandwich – Winter ) direkt im nächsten Jahr wiederholt, bezweifle ich, jedoch kann es sicherlich gut sein, dass sich ein solches Muster in den kommenden Jahren häufen wird.

        • Wird sicher spannend zu beobachten.
          Ich gehe davon aus nach meinen Analysen, dass der Dezember als wärmster der 3 Wintermonate (0,8 Grad nach 1961-1990, 1,7 Grad nach 2001-2016) nie wieder zu kalt wird ausfallen können. Belegt ist bereits, dass durch die Klimakatastrophe, wenn der Winter überhaupt noch kommt, er im Januar aufgrund des Polarwirbels vom Oktober oder sogar erst im Februar sich realisiert.
          Insbesondere in El Nino-Wintern käme der Winter nach den Statistiken erst sehr spät.

  • Leon

    Vorab, bevor ich den Artikel lese bin ich sehr begeistert von der Metapher und der Abbildung Sandwich Winter 😀 Es passt einfach so gut!
    Jetzt freue ich mich erstmal aufs Lesen.

  • Norbert

    Wieder einmal ein sehr guter Artikel mit vielen Daten!

    Hier in Schleswig-Holstein war der Winter 2016/2017 ein (Total)-Ausfall. Wir hatten zwar ein paar Tage Kahlfrost, mehr aber auch nicht. In den Medien wurde dieser Winter als „echter“ Winter präsentiert, wir hatten aber keinen Schnee und keine festen Eisdecken auf den Gewässern. Gab es im Süden Frost – wir hatten milde Luft von der Nordsee. Gab es im Süden Schnee – wir hatten Nieselregen.

    Die Kältesummen verschiedener Wetterstationen in SH zeigen deutlich, dass wir hier oben den vierten Mildwinter in Folge bekommen haben. Zuletzt gab es im März 2013 Schnee in nennenswerten Mengen, danach kam eigentlich nichts mehr. Und überhaupt, der letzte „echte“ Winter hier oben im Norden war der Winter 2010/2011. Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir hier oben nie wieder einen echten Winter bekommen, sondern nur noch Mildsiff von der Nordsee. Schon jetzt wachsen Kinder heran, die gar keinen Winter mehr kennen. Es ist traurig.

    Und es stimmt, wie im Artikel beschreiben: der Dezember ist kein typischer Wintermonat mehr. Winterliche Wetterlagen kommen im Dezember eigentlich nicht mehr vor, sodass dieser Monat von der Jahreszeit noch als Spätherbst betrachtet werden sollte.
    Ich denke, die beste Phase für winterliches Wetter liegt im Zeitraum von Ende Dezember bis Anfang Februar, also knapp 5 Wochen.

    Dennoch hat der Norden einen Vorteil: Hitzegeplagte fühlen sich hier sofort wohl, im Sommer sehen wir sehr selten Temperaturen über 25 Grad. Im Kreis Nordfriesland sind sogar 20 Grad im Sommer schon viel. Im Sommer liegt hier die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur bei etwa 18 Grad.

    • Ja und das wird wohl auch so bleiben dank Atlantikeinfluss.
      Im Südwesten, teilweise in einer Linie bis Berlin hingegen wird die Erde brennen und tut sie bereits jetzt jedes Jahr schon mit Temperaturen bis 40 Grad.
      Dies wird mit jedem Jahr weiter zunehmen, wie man sehr schön im neuen Klimafolgenportal des PIK sehen kann (mit etwas Einarbeitungszeit bei der Bedienung): http://www.klimafolgenonline-bildung.de/#

  • Kaltluftfanatiker

    Super Artikel!

    Das ausgewählte Bild über der Überschrift trifft es wirklich. ^^
    Dezember braun, Januar weiß, Februrar wieder braun. Dazu noch alles vermanscht.

    In 14 Tagen wird bei mir Schneefall angezeigt, ist aber im UGK-Bereich und trifft wahrscheinlich eh nicht ein. Jetzt ist März, da will ich auch keinen Winter mehr, denn sobald die Sonne rauskommt, kann man dem Schnee beim Heulen zuschauen…

    Liebe Grüße

  • Andreas

    Ein Artikel zum „Verschlingen“, danke für die viele Arbeit, die darin steckt. Und Glückwunsch zum Prognosesieg. Allein schon wegen der einzigen richtigen Vorhersage des Januars und der Rückschlüsse zum Oktober mehr als verdient. Ich hätte es ehrlich gesagt nicht für möglich gehalten, dass der Januar regional so kalt wird und z.B. der Bodensee zu großen Teilen zufriert. Dennoch haben wir, wie du schon sagst, nur einen Streifschuss der großen Kälte aus Osten erlebt. Hätte sich dieses Hochdruckbollwerk tendenziell nur einige 100 km weiter nördlich verlagert, dann wäre vielleicht mal die richtige Kälte angezapft worden. Aber ob die auch mehr Schnee gebracht hätte, ist natürlich fraglich.

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