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Wolkenwelle auf der Venus

Über unseren Schwesterplaneten Venus ist relativ wenig bekannt. Zwar wissen wir die üblichen astronomischen Daten (zweitnächster Planet zur Sonne*, 12.103 km Durchmesser und damit ähnlich groß wie die Erde, rückläufige Rotation) und dass er ein Paradebeispiel für einen außer Kontrolle geratenen Treibhauseffekt ist mit 400 bis 500 Grad Celsius am Boden. Doch die Oberfläche der Venus ist durch die gewaltige Wolkendecke vor unseren Blicken verborgen.

 


 

Japanischen Astronomen fiel bereits im Jahr 2015 auf, dass ein ungewöhnlicher Bogen in den Wolkenschichten zu sehen war, der nahezu von Pol zu Pol reichte und sage und schreibe über 9.500 km maß. Die Vermessungssonde Akatsuki hatte die Bilder der Atmosphäre aufgezeichnet.
Muster dieser Art scheinen bei der Venus gelegentlich aufzutauchen, halten sich allerdings nicht lange. Auch der rätselhafte Bogen war 6 Wochen später schon wieder verschwunden.
Die Sonde hatte im Bereich des gewölbten Bogens besonders heiße Gase gemessen. Der Bogen selbst blieb trotz heftigster Winde immer an der gleichen Stelle stehen.

 

Atmosphärische Schwerewellen in monströsem Maßstab

Des Rätsels Lösung zeigten Vergleiche mit den Bodenstrukturen, die auf der Venus durch den unglaublich hohen Druck oftmals wie Pfannkuchen wirken. Trotzdem gibt es auch auf der Venus gewaltige Berge. Der Bogen in der höheren Atmosphäre befand sich genau über dem Westhang des großen Plateaus von Aphrodite Terra.
Wie es scheint, führten Aufwinde am Westhang wie bei einem Katapult zu dem seltsamen Bogen in der höheren Atmosphäre und dieser blieb dort, weil die starken Winde diesen Prozess aufrechterhielten.

Schwerewellen führen auf der Erde auch zu skurillen Wolkenformen wie hier die sog. "Lenticularis-Wolke" (linsenförmige Wolke), allerdings nur in der unteren Troposphäre und nicht in den oberen Luftschichten wie bei der Venus. © <a target="blank" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lenticularis_cloud_above_gletscher_Skaftafell_Iceland_26jun05.JPG">Josvandamme auf commons.wikimedia.org</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en">CC BY-SA 3.0</a>

Schwerewellen führen auf der Erde auch zu skurillen Wolkenformen wie hier die sog. „Lenticularis-Wolke“ (linsenförmige Wolke), allerdings nur in der unteren Troposphäre und nicht in den oberen Luftschichten wie bei der Venus. © Josvandamme auf commons.wikimedia.org, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Man nennt solche Prozesse „Atmosphärische Schwerewellen“.
Schwerewellen oder „Gezeitenwellen“ sind ein Phänomen, das sich aus der Atmosphäre und ihrer Beeinflussung ergibt. Die Atmosphäre eines Planeten ist ein gewaltiger Wellenleiter, der unterschiedliche Beeinflussungen ausgleicht. So gibt es Gravitationsauswirkungen des Mondes, die Schwerewellen in der Atmosphäre erzeugen, welche allerdings nur sehr gering sind. Viel größer sind die thermischen Gezeiten, die durch eine unterschiedliche Erwärmung des Globus erfolgen.

Prozesse wie auf der Venus hingegen sind Stauprozesse und Aufwinde an Gebirgen. Es gibt sie auch auf der Erde, allerdings aufgrund der gemäßigteren geophysikalischen Bedingungen mit schwächeren Winden und kleineren Bergen, eben nur in geringem Maße.
Auf der Venus scheinen sich diese Prozesse verstärkt abzuspielen. Während auf der Erde sich durch atmosphärische Schwerewellen lediglich besondere Wolkenformen in der Troposphäre, der unteren Atmosphäre, bilden, führt der gleiche Effekt auf der Venus zu beeindruckenden Mustern in der höheren Stratosphäre.

Dennoch ist diese Erklärung lediglich ein erster grober Ansatz. Wie genau solche Muster entstehen und wie die Meteorologie und Klimatologie der Venus funktioniert im Unterschied zur Erde müssen die Forscher noch herausfinden. Der Laie kommt nicht umhin zu fragen, wieso man sich solche Mühe mit der Venus macht, wenn man doch nicht einmal das Wetter* auf der heimischen Erde korrekt vorherzusagen vermag. Ironischerweise liegen beide Aspekte eng beieinander. Anders ausgedrückt: Ein Blick über den Horizont kann manchmal helfen, die eigene Lage besser zu verstehen. Mit Erkenntnissen von fremden Planeten kann man also durchaus Erkenntnisse sammeln – gerade aufgrund der andersartigen Bedingungen, und diese dann auf der Erde für Erkenntnisgewinnung nutzen.

Artikel
Scinexx: Rätselhafte Riesenwelle auf der Venus
Scinexx: Schwerewellen bei Sonnenaufgang
Spektrum der Wissenschaft: Woher kommt Venus‘ Riesenwelle?

 
Artikelbild: 3D-Falschfarbenansicht der Ovda-Region auf der Venus, die Teil der Aphrodite Terra ist, an deren Grenze sich die Riesenwelle in der Atmosphäre bildete. Quelle: NASA (lizenzfrei)



  • Leon

    Hey finde ich super das die Astronomie hier auf dieser tollen Website immer mehr Platz einnimmt!!! Das wird hier mehr und mehr zu einer internetseite mit einem Allround Packet. Es gibt Humor, manchmal auch leid und sehr viel Wissenschaft!!!

  • buumms

    Wie sagte mein alter Freund immer? „Faszinierend“ 😉

    Die Venus, per se, mein liebstes Objekt am Sternenhimmel. Auch wenn ich dort nicht wohnen wollen würde 😉 Glaube das dritthellste Objekt am Sternenhimmel … und es hat mich von jeher fasziniert. Wie klein und unbedeutend der Mensch doch ist. Als Jugendlicher gab es in meiner Heimatstadt noch Sterne satt … die Stadt war klein, die vom Menschen verursachte Lichtpest nicht der Rede werd und die nächste größere Stadt knapp 30km weit weg. Jetzt hier in Chemnitz bleibt mir (fast) nur noch die Venus wenn ich Nachts in den Himmel schaue 😉

    Danke für den sehr interessanten Artikel!